Persönlichkeitstypen: Das sind die 3 populärsten Ansätze

Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap

Persönlichkeitstypen sind seit langem ein spannendes Thema in der Psychologie. Sie können uns helfen, uns selbst und unsere Mitmenschen besser einzuschätzen. Wir zeigen dir, wie drei der verbreitesten Ansätze zu Persönlichkeitstypen funktionieren.

Persönlichkeitstypen: Das solltest du wissen

Der Bereich der Persönlichkeit gilt in der Psychologie als umstrittenes Thema. So wird oft angeprangert, dass die wissenschaftliche Evidenz von Persönlichkeitstests fehle und Menschen viel zu komplex seien, als dass man sie klar in bestimmte Persönlichkeitstypen einteilen könnte.

Nichtsdestotrotz fasziniert dieses Gebiet die Menschen bereits seit tausenden von Jahren. Schon Hippokrates und Aristoteles beschäftigten sich mit den unterschiedlichen Ausprägungen des menschlichen Temperaments und versuchten, diese in Kategorien zu gliedern.

Heute wimmelt es nur so von verschiedenen Methoden und Modellen. Die unterschiedlichen Ansätze zu Persönlichkeitstypen sind auch für Nicht-Psycholog*innen ein interessantes Thema:

  • Einerseits können sie uns dabei helfen, uns selbst besser kennen zu lernen.
  • Andererseits lernen wir, andere Menschen besser einzuschätzen. So können wir besser nachvollziehen, warum andere Persönlichkeiten nach völlig anderen Mustern handeln.

Um herauszufinden, zu welchem Persönlichkeitstyp du gehörst beziehungsweise welche Merkmale dich in erster Linie auszeichnen, kannst du dich im Idealfall im persönlichen Gespräch von einem/einer Psycholog*in beraten lassen. Dabei beantwortest du zum Beispiel Fragen zu deinem Lebensstil und deinen Interessen und erklärst, wie du in spezifischen Situationen reagierst.

Da dies nicht immer möglich ist, sind Online-Tests eine beliebte Alternative. Um zu garantieren, dass es sich dabei um möglichst seriöse und fundierte Tests handelt, solltest du vorher recherchieren, von wem und auf welcher Grundlage der Test erstellt wurde. Beachte zudem, dass das Testergebnis zwar eine erste Orientierung sein kann, jedoch nicht immer eine verlässliche Größe ist.

Dies liegt auch daran, dass wir uns selbst oft gar nicht richtig kennen und daher nicht wahrheitsgetreu auf die Fragen antworten. Ein*e Expert*in erkennt dies im Gespräch und kann dir durch weitere individuelle Fragen dabei helfen, zu einem klareren Ergebnis zu kommen.

Persönlichkeitstypen nach C.G. Jung

C. G. Jungs Theorie ist eine bekannte Methode, Persönlichkeitstypen zu beschreiben und zu analysieren.(Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap)
C. G. Jungs Theorie ist eine bekannte Methode, Persönlichkeitstypen zu beschreiben und zu analysieren.

Die Typenlehre prägten unter anderem bereits Hippokrates, Galen und in jüngerer Vergangenheit vor allem Carl Gustav Jung. Sie teilen Persönlichkeiten in verschiedene Kategorien ein. Das Modell von Jung richtet sich nach den vier Funktionen Denken, Fühlen, Intuition und Empfinden.

Diese vier Funktionen unterteilt Jung in extra- und introvertiert, sodass das Modell insgesamt acht verschiedene Persönlichkeitstypen unterscheidet. Als Extraversion versteht Jung dabei die Orientierung an äußeren Umständen, während sich Intraversion auf das eigene Ich bezieht. Beide Prozesse wechseln sich in der Regel ständig miteinander ab.

  • So basiert extravertiertes Denken auf Fakten und Logik und bezieht sich in der Regel auf konkrete, äußere Tatsachen. Introvertiertes Denken ist dagegen deutlich abstrakter und kreativer. Es kreist häufig um Ideen und Fantasien, die nicht unbedingt etwas mit der Realität zu tun haben müssen.
  • Extravertiertes Fühlen richtet sich nach altruistischen Zielen und basiert dabei auf konventionellen und traditionellen Wertesystemen. So sind diese Menschen oft stark darauf bedacht, sozialen Anforderungen gerecht zu werden und durch eigene Handlungen für Harmonie zu sorgen. Introvertiertes Fühlen ist nach außen hin kaum sichtbar. So verstecken betroffene Personen ihre Emotionen, obwohl sie sie innerlich stark erleben. Sie beurteilen Tatsachen oft auf Basis eines eigenen, stark ausgeprägten Wertesystems.
  • Personen, die zum extravertierten Empfinden neigen, legen ihren Fokus auf das Hier und Jetzt. So sind ihre Handlungen realitätsorientiert und von äußeren Umständen beeinflusst. Menschen, bei denen introvertiertes Empfinden stark ausgeprägt ist, werden von ihren Mitmenschen oft als sehr ruhige und gelassene Menschen wahrgenommen. Sie beurteilen Sinneseindrücke in erster Linie auf Grundlage eigener Erfahrungen.

Hinweis: Die Begriffe Fühlen und Empfinden liegen im Alltag oft nah beeinander. Bei Jungs Persönlichkeitstypen  umfasst der Bereich des Empfindens jedoch in erster Linie die Sensorik. Das heißt es wird umschrieben, wie Menschen ihre Sinne nutzen, um ihre Außenwelt zu erfassen. Der Begriff des Fühlens bezieht sich in diesem Modell hingegen vor allem auf die Wahrnehmung und Verarbeitung von Emotionen.

  • Personen, die zu extravertierter Intuition neigen, sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten und Alternativen, um die momentane Situation zu verändern beziehungsweise zu verbessern. Dabei fällt es ihnen manchmal schwer, sich langfristig auf nur eine Sache zu konzentrieren. Introvertierte Intuition ist häufig zukunftsorientiert. Betroffene Personen beschäftigen sich viel mit dem Unbekannten und entwickeln dabei Visionen und Ideen, die Außenstehende als teilweise sehr realtitätsfern und ungewöhnlich auffassen.

Die Typenlehre nach Jung: Veraltet oder immer noch aktuell?

Jeder Mensch verfügt in der Regel über all diese acht Funktionen. Jedoch sind einige eher schwach, andere stärker ausgeprägt. Bei Personen, die zum Beispiel oft als Streitschlichter*innen auftreten und besonders gut darin sind, andere zu inspirieren und motivieren, ist die Funktion des extravertierten Fühlens dominant. Menschen, die sehr viel Fantasie haben und einen großten Teil des Tages mit Tagträumen verbringen, würden nach Carl Jung beispielsweise zu den introvertierten Denker*innen gehören.

Viele Psycholog*innen sehen Jungs Persönlichkeitstypen heute als veraltet an. Dies liegt unter anderem daran, dass die Theorie nicht ausreichend durch wissenschaftliche Befunde gestützt ist. Zudem argumentiert Jung aus einer teleologischen Sichtweise heraus. Das heißt, er nimmt an, dass alle Lebewesen Ziele verfolgen, die von Natur aus gegeben sind. Einige Wissenschaftler*innen verwerfen diesen Ansatz, da sie ihn als zu spirituell oder mystisch empfinden.

Nichtsdestotrotz prägte Jung die Begriffe Intro- und Extraversion, die heute ein wichtiger Bestandteil der Psycholgie sind. Zudem bieten Jungs Persönlichkeitstypen eine erste Grundlage für andere Persönlichkeitsmodelle, wie zum Beispiel dem Myers-Briggs-Typenindikator.

Persönlichkeitstypen nach dem Myers-Briggs-Test

Das Wissen über Persönlichkeitstypen hilft dir, besser im Team zu arbeiten.(Foto: CC0 / Pixabay / Free-Photos)
Das Wissen über Persönlichkeitstypen hilft dir, besser im Team zu arbeiten.

Der Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI) ist besonders in verschiedenen Coaching-Bereichen eine populäre Methode. So können die Ergebnisse des Tests zum Beispiel Aufschluss darüber geben, welche Berufspfade besonders geeignet beziehungsweise eher nicht zu empfehlen sind.

Die Persönlichkeitstypen werden nach den vier Indikatoren Antrieb, Aufmerksamkeit, Entscheidung und Lebensstil klassifiziert:

  • Der Bereich Antrieb beschreibt, woraus du deine Energie beziehungsweise Motivation schöpfst. Dabei werden Extraversion (E) und Introversion (I) unterschieden. Extravertierte Personen schöpfen Energie aus sozialen Interaktionen. Introvertierte Menschen empfinden dies dagegen als kräftezehrend und benötigen Rückzugsmöglichkeiten, um ihre Batterien wieder aufzuladen.
  • Der Indikator Aufmerksamkeit beschreibt, auf welche Weise du deine Außenwelt wahrnimmst. Er ist in Sensorik (S) und Intuition (N) unterteilt. Sensorisch veranlagte Persönlichkeitstypen verlassen sich sehr stark auf ihre fünf Sinne, achten auf Details und erfassen in erster Linie den jetzigen Augenblick. Für intuitive Persönlichkeiten sind diese Sinneseindrücke nur eine Grundlage. Sie fangen schnell an, diese zu interpretieren und in einen höheren Zusammenhang einzuordnen. Dies wird auch oft als „sechster Sinn“ betitelt. Intuitiven Personen fehlt es schwerer, im Hier und Jetzt zu leben, da sich ihre Gedanken oft auf die Zukunft oder alternative Handlungsmöglichkeiten beziehen.
  • Der dritte Indikator verrät, wie du deine Entscheidungen triffst. Zu unterscheiden sind dabei Fühlen (F) und Denken (T). Persönlichkeitstypen, die dem Denken zugeordnet werden, treffen Entscheidungen auf einer möglichst rationalen Grundlage. Sie tendieren dazu, auf Basis von Logik und Fakten zu einer Schlussfolgerung zu gelangen. Für Personen, die auf Gefühlsbasis entscheiden, steht Harmonie an oberster Stelle. Daher versuchen sie anhand von persönlichen Moralvorstellungen Entscheidungen zu fällen, die möglichst keinen anderen Menschen verletzen.
  • Der letzte Indikator beschreibt deinen Lebensstil und ist in Wahrnehmung (P) und Beurteilung (J) unterteilt. Urteilende Personen handeln auf Grundlage von (eigens) erstellten Plänen. Somit sind ihre Aktivitäten oft systematisch und zielorientiert. Wahrnehmende sind hingegen impulsiver und flexibler. Sie passen ihre Handlungen eher den Gegebenheiten an und handeln so zum Beispiel aufgrund von spontanen Energieschüben und nicht nach den Vorgaben eines Planes.

Myers-Briggs-Test: So entstehen die Persönlichkeitstypen

Grundlegend ist jeder Mensch im Stande, all diese acht Fähigkeiten auszuführen. Wir sind also in der Regel nicht das eine oder das andere, sondern tendieren nur stärker in die eine oder andere Richtung. Diese Tendenz kann mal klarer, mal verschwommener ausgeprägt sein.

Je nachdem, in welche Richtung Personen stärker tendieren, lassen sich auf der Grundlage der Indikatoren 16 unterschiedliche Persönlichkeitstypen erstellen. Diese gibt der Myers-Briggs-Test mithilfe von vier Buchstaben an.

So steht der Persönlichkeitstyp ESFJ zum Beispiel für Personen, die

  • eher extrovertiert und sensorisch veranlagt sind,
  • eher auf Basis von Gefühlen Entscheidungen treffen und
  • „beurteilend“ leben, also planmäßig und systematisch handeln.

Dem Myers-Briggs-Test wird oft vorgeworfen, er würde ein „Schubladen-Denken“ unterstützen, indem er Menschen in 16 feststehende Kategorien einordnet. So können sich manche Personen nicht eindeutig mit einem Typen identifizieren. Auch können sich Einstellungen und Handlungsweisen im Laufe des Lebens ändern. Betrachte die Persönlichkeitstypen daher nicht als statische Schubladen, sondern als dynamische Konstrukte, die dich bei der Suche nach dem eigenen Ich unterstützen können.

Merkmale statt Typen: Das Big-Five-Prinzip

Dich selbst besser kennenzulernen kann dir helfen, bessere Entscheidungen für dich und deine Mitmenschen zu treffen.(Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap)
Dich selbst besser kennenzulernen kann dir helfen, bessere Entscheidungen für dich und deine Mitmenschen zu treffen.

Das sogenannte Big-Five-Modell gilt als Alternative zur Typenlehre. Anstatt verschiedene Persönlichkeitstypen klar voneinander abzugrenzen, bevorzugen es einige Wissenschaftler*innen, die Ausprägung von Merkmalen in den Mittelpunkt zu stellen. Dafür beschreibt das Big-Five-Modell fünf Merkmale, die Wissenschaftler*innen als die Hauptdimensionen der Persönlichkeit ausgemacht haben. Dazu gehören Neurotizismus, Extravertiertheit, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit.

  • Neurotizismus kann man als emotionale Labilität bezeichnen. Neurotische Typen sind schnell reizbar und unsicher und neigen zu Stimmungsschwankungen.
  • Extravertiertheit bezeichnet auch in diesem Modell die Kontaktfreudigkeit.
  • Unter Offenheit versteht man insbesondere die Offenheit für neue Eindrücke und Ideen. Offene Menschen sind kreativ, einfallsreich, neugierig und beschäftigen sich viel mit spezifischen Kunst- oder Wissenschaftszweigen.
  • Persönlichkeiten, die als verträglich eingestuft werden, sind hilfsbereite und altruistische Personen.
  • Personen, bei denen Gewissenhaftigkeit stark ausgeprägt ist, verfügen über ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Sie agieren besonnen und zielorientiert und wirken dadurch kompetent und pflichtbewusst.

Persönlichkeitstypen auf Grundlage der Big Five

Auf der Basis des Big-Five-Systems haben Forscher*innen der Northwestern University vier unterschiedliche Persönlichkeitstypen klassifiziert: Den durchschnittlichen, den reservierten, den egozentrischen und den vorbildlichen Typ. Die Forscher*innen haben dabei circa 1,5 Millionen Menschen aus aller Welt befragt. Anschließend haben sie die Daten entsprechend der fünf Hauptdimensionen ausgewertet.

  • Durchschnittliche Typen zeichnen sich durch ein hohes Maß an Extravertierheit und Neurotizismus aus. Auffallend ist zudem eine niedrig ausgeprägte Offenheit. Die Forscher*innen gehen davon aus, dass dieser Persönlichkeitstyp am häufigsten verbreitet ist.
  • Reservierte Typen sind vor allem durch ihre emotionale Stabilität gekennzeichnet, neigen also nicht zum Neurotizismus. Auch sie weisen eine niedrige Offenheit auf und sind zudem eher introvertiert. Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit sind moderat ausgeprägt.
  • Bei vorbildlichen Persönlichkeitstypen ist nur der Neurotizismus schwach ausgeprägt. Alle anderen Dimensionen sind in hohem Maße vorhanden. Durch ihre kontaktfreudige und empathische Art finden sie schnell einen Zugang zu ihren Mitmenschen und können diese aufgrund ihrer Selbstdisziplin und Kreativität leicht inspirieren und begeistern.
  • Egozentrische Personen sind auffallend extrovertiert und haben unterdurchschnittlich niedrige Ausprägungen in den Dimensionen Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Dadurch werden sie von ihren Mitmenschen oft als ablehnend, ignorant und überheblich wahrgenommen.

Dieses Persönlichkeits-Modell ist sehr übersichtlich und leicht verständlich. Zudem erstellten die Forscher*innen die Kategorien auf Basis einer riesigen Datenmenge. Im Gegensatz zu älteren Theorien, die oft nur den Überlegungen eines einzigen Menschen entsprangen, wirkt dieses Modell daher deutlich realtitätsnäher und ist wissenschaftlich fundiert. Jedoch stellt sich die Frage, ob die Komplexität und Vielfalt der Menschheit mit nur vier Typen nicht etwas zu stark vereinfacht wird.

Neben diesen drei Ansätzen zu Persönlichkeitstypen gibt es noch unzählige weitere. Beachte dabei, dass es sich bei all diesen Theorien nur um Modelle handelt. Sie können uns dabei helfen, die Realität besser einzuschätzen und zu verarbeiten. Letztlich sind wir jedoch alle individuelle Charaktere und passen daher vermutlich nicht immer in die vorgegebenen Kategorien. Betrachte die Modelle daher lediglich als Hilfestellungen und nicht als eindeutige wissenschaftliche Tatsachen.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter: