Plastikmüll im Meer – diese Projekte tun was dagegen

Projekte gegen Plastikmüll im Meer
Fotos: © The Ocean Cleanup, Healthy Seas

Von den Wellen bis in die Tiefsee – unsere Ozeane drohen, am Plastikmüll zu ersticken. Erste Hilfe leisten kreative Ideen, Initiativen und Projekte auf der ganzen Welt.

Auf jeden Weltbürger kommen derzeit rund 700 Plastikteile, die irgendwo im Meer treiben. Forscher haben kürzlich errechnet, dass im Jahr 2050 mehr Plastik in den Meeren schwimmen könnte als Fische. Doch obwohl klar ist, dass der Müll dem Leben in den Ozeanen massiv schadet, ist kein Ende der Verschmutzung in Sicht. Keine Regierung fühlt sich wirklich verantwortlich. Die politischen Maßnahmen zur Eindämmung des Plastikmüllproblems sind zögerlich. Die Lösung des Problems muss also zum einen bei uns Verbrauchern liegen – wir müssen unseren Konsum und unseren Umgang mit (Plastik-)Müll überdenken. Und zum anderen bei engagierten Organisationen, die schon heute daran arbeiten, die Meere vom Müll zu säubern.

Warum wir alle mit schuld sind an der Verschmutzung der Ozeane und was wir dagegen tun können, erklärt der Artikel „Plastikmüll im Meer – was kann ich dafür?“.

The Ocean Cleanup: Meeressäuberung im großen Stil

Das bekannteste Meeressäuberungs-Projekt ist „The Ocean Cleanup“. Der junge niederländische Initiator will die Meere damit im großen Stil von Müll befreien – zumindest von Müll, der auf oder nahe an der Oberfläche schwimmt. Der Abfall soll dabei an langen, v-förmig angeordneten schwimmenden „Armen“ hängenbleiben und dann von einer zentralen, am Meeresboden fixierten Plattform eingesammelt werden, um anschließend an Land recycelt zu werden. Das Projekt will sich die Strömungen der Ozeanstrudel zunutze machen, die den Müll in die „Fangarme“ treiben. Erste Tests sind bereits erfolgreich verlaufen, ab 2020 soll ein riesiges „Cleanup“-System im so genannten Großen Pazifischen Müllstrudel (“Great Pacific Garbage Patch“) eingesetzt werden.

Projekte gegen Plastikmüll im Meer: The Ocean Cleanup
The Ocean Cleanup: an riesigen „Fangarmen“ sammelt sich der Meer (Foto: © The Ocean Cleanup)

Healthy Seas: Vom Fischernetz zum Socken

Die holländische Initiative Healthy Seas, ein Joint Venture aus einer NGO und zwei Textilunternehmen, hat seinen ganz eigenen Weg gefunden, die Meere von Müll zu befreien: Taucher entfernen alte Fischernetze, so genannte „Geisternetze“, aus den Meeren. Diese werden anschließend zu speziellen Nylongarnen recycelt. Aus denn wiederverwerteten Fasern werden dann Socken, Bademode, Unterwäsche, Teppiche oder andere Textilprodukte.

Seekuh: die schwimmende Müllabfuhr

Die „Seekuh“ wird gerade gebaut. Der Katamaran soll in Zukunft Müll aus küstennahen Gewässern fischen. Hinter dem Projekt steht der Verein „One Earth – One Ocean“, der sich für saubere, gesunde Ozeane einsetzt. Zwischen den beiden Rümpfen des solarbetriebenen Katamarans sollen bewegliche, engmaschige Fangnetze im Wasser treibenden Müll einsammeln – bis zu zwei Tonnen pro Fahrt. Dieser soll anschließend an Land recycelt werden. Die „Seekuh“ soll zudem zerlegbar und so weltweit transportierbar sein. Langfristig plant Vereinsgründer Günther Bonin, das gesammelte Plastik direkt an Bord von Tankern zu Öl recyceln zu lassen.

Projekte gegen Plastikmüll im Meer: Die Seekuh
Die „Seekuh“ (Grafik: © One Earth One Ocean e.V.)

Seabin: der Meeresmülleimer für den Hafen

Für einigen Wirbel hat in den vergangenen Monaten auch der „Seabin“ gesorgt: Der von zwei australischen Surfern entwickelte „Meeres-Mülleimer“ soll in Häfen eingesetzt werden. Mithilfe einer Pumpe saugt der schwimmende „Mülleimer“ im Wasser treibende Abfälle ein und sammelt sie. Die Sammelbehälter können dann geleert und der Müll recycelt werden. Es soll sogar möglich sein, eingesaugtes Wasser von öligen Substanzen zu reinigen und gesäubert wieder in den Hafen zurückzuleiten. Nachdem der „Seabin“ seine Crowdfunding-Kampagne Anfang Januar erfolgreich abgeschlossen hat, soll er nun in die – möglichst nachhaltige – Produktion gehen und ab Ende des Jahres im Einsatz sein.

Dieses Video zeigt, wie der „Seabin“ funktioniert.

Projekte gegen Plastikmüll im Meer: Seabin
Der „Seabin“ (Foto: Screenshot / www.seabinproject.com)

Fishing for Litter: die Abfall-Fischer

Eine Initiative, die bereits seit einigen Jahren europaweit gegen die Verschmutzung der Meere aktiv ist, nennt sich „Fishing for Litter“ (deutsch: „nach Abfall fischen“). Dahinter steht die Organisation KIMO, in Deutschland hat der NABU die Aktion initiiert. Bei „Fishing for Litter“ geht es darum, Fischer in den Kampf gegen den Meeresmüll mit einzubinden – schließlich sind sie sowohl Teil des Problems als auch Leidtragende. Die teilnehmenden Fischer werden mit großen Säcken ausgestattet, in denen sie den Müll sammeln, der in ihren Netzen hängenbleibt. Diese können sie anschließend an bereitgestellten Sammelstellen in den Häfen kostenlos abgeben. Der Müll wird dann sortiert, um so Informationen über seine Herkunft zu gewinnen und ihn fachgerecht recyceln zu können.

Projekte gegen Plastikmüll im Meer: Fishing for Litter
Fishing for Litter (Foto: © NABU / Andrea Hentschel)

Dive against Debris: Müll sammeln unter Wasser

Project Aware ist eine Meeresschutz-Organisation, die in erster Linie Hobbytaucher anspricht und auf ihre Beteiligung zählt. Mit der Aktion „Dive against Debris“ (deutsch: „Tauchen gegen Abfall“) will die NGO helfen, die Meere von Müll zu befreien und Daten über Art, Ausmaß und Orte der Meeresverschmutzung zu sammeln. Das Prinzip ist einfach: Taucher organisieren sich, um während ihrer Tauchgänge Müll einzusammeln und genau zu dokumentieren; die Daten über ihre Müllfunde gehen anschließend in eine Karte und in eine globale Datenbank ein. Diese soll langfristig helfen, das Vorgehen gegen den Müll in den Meeren effektiver zu organisieren und zu verstärken.

Projekte gegen Plastikmüll im Meer: Dive against Debris
„Dive against Debris“ (Foto: © Project Aware)

International Coastal Cleanup: Küstensäuberung

Auch den jährlichen „International Coastal Cleanup“, der von der US-Organisation Ocean Conservancy initiiert wurde, organisiert in Deutschland der NABU. Bei dieser koordinierten Sammelaktion werden einmal jährlich die Küsten und Ufer von Freiwilligen gesäubert. 2015 wurden so international über 7.000 Tonnen Müll von den Stränden und Küsten entfernt. Die Müllsammlungen liefern „wichtige Informationen über das Ausmaß des Müllproblems in den Meeren sowie über die Zusammensetzung und die Herkunft der Abfälle“, so der NABU.

Projekte gegen Plastikmüll: International Coastal Cleanup
„International Coastal Cleanup“ (Foto: © NABU / F. Paulin)

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(11) Kommentare

  1. So unterhaltsam, spannend und insbesondere sinnvoll die geschilderten Maßnahmen auch sein mögen, sie setzen alle bei der Schadenbehebung an. „Vermeidung“ ist aber das elementare Grundprinzip der Abfallwirtschaft. Hier sind wir Verbraucher gefragt. Insoweit wäre es wünschenswert, an die Verbraucher zu appellieren, was jeder einzelne tun kann. Das fängt bei den Plastiktüten an, geht über die Kauf recylebarer Produkte usw. Weitere Vorschläge dazu finden sich hier: http://www.lebensraumwasser.com/2015/12/27/us-gesetz-verbietet-mikroplastik-in-kosmetika-zur-freude-der-industrie/

    • Ich habe und werde immer wieder Aktionen zur Plaste-Vermeidung durchführen.
      Unsere „Macht“ können wir an der Ladentheke ausüben. Doch wer in einem Supermarkt und hier machen die „Biosupermärke“ überhaupt keine Ausnahme einkauft, der muß sich im klaren darüber sein; für jede Plastiktüte die „Du“ gebrauchst stirbt irgendwo ein Kindersoldat und ein Mädchen verschwindet als Sklavin in einem Puff. Nur damit DU gut leben kannst!
      Damit nicht genug, letzt sind an der Nordseeküste einige Wale erlendig verreckt – verhungert – mit vollen Bauch voller Plaste. Weiterhin Guten Appetit.

    • das ganze wird sich auch nicht so schnell ändern. alleine wenn man durch asien fährt bekommt man einen schock nach dem anderen. dort gehts den leuten in erster linie um ihr wohlergehen. plastik ist da nebensache.

  2. Einige Projekte erscheinen leider höchst „tierschädlich“, sprich, es werden sich abertausende Fische, Vögel, Schildkröten, Robben etc. verfangen und elend krepieren – bitte unbedingt um Berücksichtigung – ansonsten BRAVO für alle!

  3. Das Thema Vermeidung wird mir zu sehr auf die Plastiktüte reduziert.

    Ein Anfang u Tropfen auf dem heißen Stein!
    Die Masse macht’s!
    Aber die Masse sind nicht die Tüten, sondern unsere anderen Alltagsprodukte, auf die zu verzichten schwer bis unmöglich gemacht wird, wenn man nicht einen überaus hohen Zeitaufwand in die Herstellung von Alternativprodukten stecken kann.

    Beispiele:
    – Getränke!!
    – Drogerieartikel (Zahnpasta, Waschpulver, Hygiene, Kosmetik)
    – vegane Fleisch- und Milchersatzprodukte werden zu 98% in Plastik verpackt.
    – Toilettenpapier / Küchenrolle / Servietten
    – Milchprodukte

    Größere Gebinde sind schwer zu bekommen, Nachfüllpackungen preislich nicht günstiger.
    Verpackungsfreie Abfülleinheiten für Waschpulver / Seifen sind laut dm nicht gefragt.
    Die Kleiderbügel werden bei dm weggeschmissen, schöner: dem Recycling zugeführt, aber nicht wieder genutzt.

    Das Argument, der Kunststoff sei recyclebar und damit in Ordnung, kann ich nicht mehr hören.

    Vermeidung ist die Devise.
    Nicht nur von Plastiktüten.

    • Aber da gibt es auch eine Lösung des Problems. Eigentlich braucht man die Veganen Fleischersatzprodukte nicht. Das aller meiste kann man sich aus Seitanmehl (oder auch einfaches Glutenmehl) und/oder Lupinenmehl selber machen. Zudem kann man auch würzen wie man möchte. Und wenn man weder noch hat, geht das sogar mit einfachem Weizenmehl. Den muss man halt auswaschen.
      Zahnpasta gibt es auch in einer Tube ohne Plastik. Ist dann aber Aluminium(glaube ich).
      Es gibt bei vielem plastikfreie alternativen.Aber perfekt sind die auch nicht immer.

  4. Hallo Leute,
    ein Großteil des Plastikmülls besteht aus PET-Flaschen. Wenn diese bereits auf dem Land entsorgt werden ist der Rest, der in die Meere gelangt, vielleicht bedeutungslos? Wie man das anstellt hat Andreas Froese bereits vor 15 Jahren entwickelt: man nehme die PET-Flasche, fülle sie mit Sand und verbaue sie in einem Gebäude, vielleicht ein Wohnhaus oder auch ein Schulpavillon oder einfach nur eine Regenzisterne. Wie das praktisch aussieht kann man hundertfach auf Youtube bewundern, das Original ist hier: https://www.youtube.com/watch?v=BVCY3n8Tvjc.
    Die Weiterentwicklung ist der Eco-Brick, bei dem statt einer Sandfüllung Plastikabfall in die PET-Flasche gestopft wird (https://en.wikipedia.org/wiki/Eco-brick). Diese Technologie wird in Mittel- und Südamerika vielfach eingesetzt, in Afrika/Nigeria gibt es ebenfalls die ersten Häuser, ließe sich abe auch in Europa nutzen.

  5. LIEBE LESER
    ES GIBT NUR EINE ENERGIE DER MÜLL AUF DER GANZEN WELT.
    WIR KÖNNEN IHN VERBRENNEN UND WIEDER NEUES HERSTELLEN .
    WER WILL EINE SAUBERE WELT?
    UND DIE NATUR KANN SICH WIEDER ERHOLEN WENN WIR ETWAS DAGEGEN TUN.

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