„The Ocean Cleanup“ installiert Prototyp in der Nordsee

Foto: © The Ocean Cleanup

„The Ocean Cleanup“ ist dem Ziel, die Ozeane von Plastikmüll zu befreien, wieder einen Schritt näher gekommen. Das Start-up hat einen Prototypen in der Nordsee installiert, der jetzt die wichtigsten Systeme testen soll. Nächstes Jahr soll die große Meeressäuberungs-Aktion losgehen.

Mit einem Gerät mit kilometerlangen Fangarmen will „The Ocean Cleanup“ ab kommendem Jahr tonnenweise Plastikmüll aus dem Meer fischen. Ende August hat das Start-up einen Prototypen in der Nordsee installiert, der einige Änderungen im Design und Aufbau des „Meeresstaubsaugers“ testen soll.

Die Nordsee ist dabei der ideale Ort für die Tests, schreibt The Ocean Cleanup auf dem Unternehmensblog. Wenn der Prototyp in den harschen Bedingungen der Nordsee bestehen kann, werde er sich auch im Pazifik bewähren. Der Prototyp ist etwa zwölf Meter groß und gewissermaßen nur ein kleines „Stück“ des zukünftigen Geräts.

Ein Risiko für The Ocean Cleanup: Biofouling

Konkret will The Ocean Cleanup mit dem neuesten Prototypen zwei verschiedene Verbindungssysteme in drei Variationen erproben. Das System, das am stärksten und widerstandsfähigsten ist, soll die Vorlage für das endgültige Gerät werden.

Außerdem will The Ocean Cleanup ein Mittel gegen das sogenannte „Biofouling“ testen. Da sich der Meeresstaubsauger monatelang im Wasser befinden wird, könnten auf den Oberflächen des Geräts Pflanzen und Organismen anwachsen. Das Problem: Der Bewuchs würde womöglich das System beeinträchtigen und Meereslebewesen anlocken.

The Ocean Cleanup Prototyp Nordsee
Vor allem die großen Planen sind anfällig für Biofouling. (The Ocean Cleanup)

Auf dem neuen Prototypen hat The Ocean Cleanup deshalb an bestimmten Stellen ein spezielles Anti-Biofouling-Mittel aufgetragen, das frei von Bioziden ist. Nach sechs Monaten will das Start-up überprüfen, ob es sich bewährt hat.

In diesem Video erklärt CEO Boyan Slat das Prinzip des Prototypen:

Boyan Slat: der Gründer von The Ocean Cleanup

The Ocean Cleanup ist wohl das bekannteste Meeressäuberungsprojekt. Vor vier Jahren hatte der damals 18-jährige Boyan Slat das Unternehmen gegründet. Seine Idee: Ein Gerät mit kilometerlangen Fangarmen, an denen Plastikmüll hängen bleibt.

The Ocean Clean Up Plastikmüll
Die Fangarme des Geräts (Foto: © The Ocean Clean Up)

Die „Arme“ sind dabei ein bis zwei Kilometer lange Röhren. Eine Verlängerung nach unten funktioniert wie eine Art Sieb, das Müll an der Meeresoberfläche abfischt. Der Plastikmüll wird aufgesammelt und recycelt.

Spätestens nach seinem Ted-Talk 2014 erhielten Boyan Slat und sein Start-up internationale Bekanntheit. Der Talk über Plastikmüll wurde auf YouTube über zwei Millionen Mal aufgerufen. Seit 2013 hat The Ocean Cleanup 31,5 Millionen Dollar an Spenden eingesammelt, unter anderem durch Crowdfunding. Inzwischen ist Slat 22 Jahre alt – und hat ein Team von mehr als 60 Leuten hinter sich.

Boyan Slat The Ocean Clean Up Plastikmüll
Boyan Slat, Gründer von „The Ocean Clean Up“ mit Plastikmüll aus dem Meer (Foto: © The Ocean Clean Up/Pierre Augier)

Plastikmüll im „Großen Pazifischen Müllstrudel“

Richtig losgehen sollte es eigentlich 2020 am sogenannten „Großen Pazifischen Müllstrudel“ (Great Pacific Garbage Patch). In dem Gebiet zwischen Nordamerika und Asien schwimmt besonders viel Plastikmüll. Wie The Ocean Cleanup jedoch bekannt gab, soll das Projekt nun bereits in der ersten Jahreshälfte von 2018 starten – zwei Jahre früher als geplant.

Dass jetzt alles so schnell geht, liegt zum einen an einer Finanzspritze und zum anderen an einer Verbesserung im Design: Das Gerät wird nicht mehr wie ursprünglich vorgesehen am Meeresboden fixiert, sondern bekommt mehrere Anker. Dadurch ist es mobiler und laut The Ocean Cleanup um einiges effizienter.

The Ocean Cleanup: Unrealistische Versprechen?

Die Tests mit dem neuen Prototypen in der Nordsee sollen sechs Monate dauern. Den ersten Piloten will das Unternehmen an der amerikanischen Westküste testen. Dann wird sich zeigen, ob der Plan von The Ocean Cleanup aufgeht. Das Unternehmen verspricht auf seiner Webseite, in fünf Jahren die Hälfte des Plastikmülls aus dem „Großen Pazifischen Müllstrudel“ herausfischen zu können. Kritiker halten das für unrealistisch. Manche befürchten sogar, dass der „Meeresstaubsauger“ eher Schaden im Meer anrichten könnte.

Utopia meint: The Ocean Cleanup war das erste größere Projekt zur Säuberung der Meere und hat dem Plastikmüll-Problem in den Meeren bereits zu viel Aufmerksamkeit verholfen. Es wäre ein großartiger Erfolg, wenn die Anlage tatsächlich so funktioniert, wie die Entwickler glauben und sie dazu beitragen kann, die Ozeane von Müll zu befreien. Es lohnt sich aber, gleichzeitig andere Projekte im Auge zu behalten, die ähnliche Ziele verfolgen.

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(3) Kommentare

  1. Man kann nur hoffen, das es so wie gewünscht funktioniert. Oder wenigstens auch nur halb so gut…
    Aber endlich tut wer was und redet nicht bloß, wie die großen Fischerflotten, die die Meere töten.

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