The Ocean Cleanup: Meeressäuberungsprojekt startet wieder

Foto: © The Ocean Cleanup

Neuigkeiten von The Ocean Cleanup: Der Meeresstaubsauger ist wieder im Wasser und auf dem Weg zum Pazifischen Müllstrudel. Vergangenes Jahr wurde das Projekt wegen einer Panne gestoppt – jetzt wagt The Ocean Cleanup einen zweiten Versuch.

Als das „System 001“ vergangenen Oktober in See stach, war die Hoffnung groß –nach nur zweieinhalb Monaten kam die Ernüchterung: Der Meeresstaubsauger funktionierte nicht richtig: Eingesammelter Plastikmüll war wieder zurück ins Meer getrieben und ein 18 Meter langes Endstück hatte sich vom Gerät gelöst. Das Team von The Ocean Cleanup holte System 001 wieder zurück an Land.

Seit Freitag ist der Meeresstaubsauger wieder im Wasser: Ein Schiff zieht ihn zurück zum Pazifischen Müllstrudel. Am Dienstag soll er dort ankommen. Boyan Slat, der CEO von The Ocean Cleanup, schrieb  auf Twitter: „Hoffentlich hält die Natur dieses Mal nicht zu viele Überraschungen bereit. So oder so, wir sind bereit, viel zu lernen.“

The Ocean Cleanup: Das ist neu an System 001/B

Meeresstaubsauger The Ocean Cleanup.
The Ocean Cleanup von oben. (Foto: © The Ocean Cleanup)

Die letzten Monate hatte The Ocean Cleanup damit verbracht, das Gerät zu reparieren und Schwachstellen zu beheben. Das „System 001/B“ soll stabiler sein und eine modularere Bauweise haben. Durch die Module sollen Änderungen auch direkt auf dem Wasser umgesetzt werden können, es ist nicht mehr nötig, das gesamte System zurück an Land zu bringen.

Außerdem will The Ocean Cleanup testen, wie viel Müll das Gerät einsammelt, wenn es sich schneller beziehungsweise langsamer im Wasser bewegt. Dazu wurde System 001/B mit aufblasbaren Bojen und einem Fallschirm-Anker ausgestattet. (Was sonst noch neu an der zweiten Version des Meeresstaubsaugers ist, erfährst du hier.)

Der Pazifische Müllstrudel

The Ocean Cleanup Plastik

Wenn der Meeresstaubsauger voll funktionsfähig ist, soll er 1000 Kilo Plastikmüll pro Woche absaugen – angefangen beim Pazifischen Müllstrudel. Der Strudel stellt die weltweit größte bekannte Ansammlung von (Plastik-)Müll in den Meeren dar. Neuesten Erkenntnissen zufolge soll der Müllstrudel zwischen Kalifornien und Hawaii bereits rund fünfmal so groß wie Deutschland sein und 1,8 Billionen Plastikteile enthalten.

Um das Plastik aufzusammeln, ist das Gerät von The Ocean Cleanup mit Fangarmen ausgestattet. Die „Arme“ sind dabei lange Röhren. Eine Verlängerung nach unten funktioniert wie eine Art Sieb, das Müll an der Meeresoberfläche abfischt. Damit der Meeresstaubsauger nicht unkontrolliert im Meer herumtreibt, wird er von einer im Wasser treibenden Ankerkonstruktion an Ort und Stelle gehalten.

Für Fische soll das Gerät ungefährlich sein, da sie unter den Fangarmen durchschwimmen können. Bislang gab es noch keine Interaktionen oder Zusammenstöße mit Meereslebewesen, teilte The Ocean Cleanup mit. Der Plastikmüll, der an den Armen hängenbleibt, wird in regelmäßigen Abständen von Booten aufgesammelt und dann recycelt. Mikroplastik kann der Staubsauger aber nicht auffangen.

Boyan Slat: Der Gründer von The Ocean Cleanup

Boyan Slat, der Gründer von The Ocean Cleanup.
Boyan Slat. (Foto: © The Ocean Cleanup)

The Ocean Cleanup ist wohl das bekannteste Meeressäuberungsprojekt. 2013 hatte der damals 18-jährige Boyan Slat das Unternehmen gegründet. Spätestens nach seinem Ted-Talk 2014 erhielten Boyan Slat und sein Start-up internationale Bekanntheit. Inzwischen ist Slat 24 Jahre alt – und hat ein großes Team hinter sich.

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(25) Kommentare

  1. „Der Plastikmüll, der an den Armen hängenbleibt, wird in regelmäßigen Abständen von Booten aufgesammelt und dann recycelt. Mikroplastik kann der Staubsauger aber nicht auffangen.“

  2. Natürlich ist das ein sinnvolles Projekt, das ist gar keine Frage! Wie kurzsichtig hier manche sind, ist ja kaum zum Aushalten.

    Wer soll das bezahlen? Am besten natürlich die Regierungen. Die werden aber offensichtlich nicht aktiv, da ist es toll, wenn das – ersteinmal – per Crowdfunding passiert. Immerhin ist die ganze Menschheit betroffen, da kann schon was zusammenkommen.

    Mikroplastik wird nicht aufgenommen? Ja, das wäre schön, aber Ihnen ist doch klar, dass aus großen Plastikteilen mit der Zeit Mikroplastik wird?

    Ob sich der Aufwand ökologisch rechnet? Man muss sich doch nur ansehen, welche Probleme wir jetzt schon mit dem Müllstrudel haben, um hochrechnen zu können, welche wir noch bekommen werden. Außerdem dürfte der Aufwand an Energie und Material wahrscheinlich geringer sein, als ein einziges Kreuzfahrtschiff anrichtet.

    Übrigens wird m.W. auch noch einfach mit falschen Angaben argumentiert. Wo haben Sie denn „fünf Tonnen gesammeltem Müll monatlich“ her, TFG? Woanders habe ich gelesen, dass die Prognose von 35.000 Tonnen in 5 Jahren ausgeht. Das wären ca. 580 Tonnen monatlich. Der Wert ist natürlich unsicher, so ist das mit Prognosen, und auch das wäre relativ wenig im Vergleich zur Müllmenge, es wäre aber ganz sicher nicht nichts.

    Und dann der Klassiker: „Hört auf damit und ändert lieber Eure Lebensweise!“ Ja, schön und gut, aber abgesehen davon, dass das höchstens laaangsam passieren wird, verschwindet der bestehende Müllteppich davon auch nicht. Das ist das klassische Lamento: Ich mache lieber nichts, denn es ist nicht die 100%-Lösung.

    Und schließlich ist es schon allein deshalb ein tolles Projekt, weil es das Problem des Müllstrudels ins Bewußtsein bringt und dauerhaft darauf aufmerksam macht. Ich hoffe, dass sich die Staatengemeinschaft entschließt, das zu einem großen Projekt zu machen, so dass mit der Zeit mehrere dieser Anlagen gleichzeitig agieren. Gerade Pazifikanrainer sollten ein großes Interesse daran haben.

  3. Das eine Sache in der Startphase noch nicht optimal funktioniert, ist völlig normal und sollte nicht überbewertet werden.
    Allerdings würde mich auch mal interessieren, wer für die Kosten aufkommt.
    Denn das sich das Projekt einzig als Sekudär-Rohstoff-Projekt aus dem Recycling der aufgefangenen Kunststoff-Teile amortisiert, kann ich mir schwer vorstellen.
    Da wäre eine ergänzende Info wünschenswert.
    Das Micro-Plastik so nicht aufgefangen werden kann, ist technisch verständlich. Wie dem Problem beizukommen ist – dafür wären noch Umwelt- oder gar Nobel-Preise zu vergeben.

  4. Heute morgen lief auf MDR-Aktuell ein interessanter Radio-Beitrag dazu.
    Laut diesem Beitrag scheinen die Probleme größer zu sein als erwartet. Und das ware wohl in den vorherigen Berechnungen und (Modell-) Versuchen nicht aufgetreten und daher nicht vorhersehbar.
    Womit sich wieder einmal zeigt:
    Der beste Lehrmeister ist und bleibt die Praxis – dafür gibt es genügend Beispiele. Um mal ein Beispiel unter vielen herauszugreifen:
    Ferrari hatte sich mit seinem doppelten Unterboden die gesamte Formel 1 Saison 1992 vermasselt. In den Berechnungen und im Windkanal hatte der doppelte Unterboden hervorragende Werte geliefert. Weniger Luftwiderstand bei höherem Anpressdruck, das sah nach einer aerodynamischen Revolution aus. In der Praxis war das Auto dagegen wegen seiner misserablen Aerodynamik nicht konkurenzfähig, obgleich es den stärksten Motor im Feld hatte. Der schlechte Luftwiderstand fraß die Motorleistung schlicht auf.
    Das hatte sich aber auch erst in der Praxis gezeigt.
    Wie sich Ereignisse doch manchmal gleichen …

  5. „Der beste Lehrmeister ist und bleibt die Praxis“

    Wohl gesprochen!
    Deshalb ist es ja auch lehrreicher, wenn z.B. eine Greta selbst praxisnah auf dem Weltklimagipfel spricht als in der Schule die Rede von anderen darüber studieren zu müssen :))

  6. Das Eine hat zwar mit dem Anderen nichts zu tun, aber es ist trotzdem absurd, eine Schulschwänzerin zur Heldin zu verklären.
    Davon rücke ich keine Hand breit ab!
    Und weil wir gerade dabei sind:
    Hast Du Dich mal mit den Ergebnissen des Klima-Gipfels beschäftigt?
    Ich habe unter dem Thema „Zu wenig ist nicht genug“ mal einen Artikel darüber bei Utopia reingestellt.

  7. Sicher haben alle in den Medien den Hype um den Niederländer Bojan Slat mitbekommen, der mit seinem Oceancleanup Projekt letzte September Woche in San Francisco gestartet ist um den Pacifik Garbage in 5 Jahren zu säubern. Es ist ihm nicht nur gelungen 30 Mio über Crowed Funding zu sammeln, er hat Große Investoren wie Maersk, Azko-Nobel, Blackstone u.m. gewonnen das Projekt, (für mich ein schwierige Unterfangen) zu unterstützen.
    Ein Projekt hinter dessen Ausführung ettliche Fragezeichen stehen. Kurz:

    1. Das Material im Meer ist inzwischen Salz behaftet d.h. es muss aufwändig vor der Verwendung, dem Recycling gereinigt werden.
    2. Die Transporte des Plastikmülls über Ozeane per Schiff zum recyceln an Land sind widerum CO² belastend und zeitintensiv.
    3. Der Aufwand an Mensch und Material ist sehr hoch.
    4. Diese offshore Anlagen sind stark von Wetter=Wind und Wellen beeinflußt, d.h Stillstand, Ausfallzeiten oder Verlustrisiko durch Stürme usw.
    4.Mit seinem System trifft er nicht den Kern der derzeitigen Medienberichte: Micro-und Nano-Plastik, da die Schleppnetze zu grobmaschig dafür sind.
    Aber es gibt ja genug großteiligen Plastkmüll im Meer – also ein berechtigter Versuch,
    5. Der finanzielle Aufwand, z.B. für schwimmende Recycling Plattformen auf See ist enorm (aber machbar), Transport über tausende Km. (Kosten/Nutzen Analyse ?)
    6. Recycling wie (Sortierung?), wo (Standorte?) und mit welchen Ergebnis? da das Ocean Plastik Material bunt gemischt ist, muß aufwändig sortiert werden und nach werkstofflichen verwertbaren und nicht verwertbaren Bestandteilen getrenn werden.
    An Land gibt es dafür effiziente Sortieranlagen, aber auf See<? also wie immer: Kosten vs Nutzen? Das Plastikproblem muß an Land angepackt werden, jedes kg Plasik das an Land entsorgt wird gelangt nicht mehr in die Ozeane

  8. Künftig keinen Plastikmüll mehr in die Ozeane zu verbringen ist absolut richtig, aber eben leider nur ein Teil der Lösung.
    Wie aber den zweiten Teil des Problems bewältigen und bereits in den Ozeanen befindliche Plastik wieder an Land bringen? – Hier sind technologische Lösungen gefragt!

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