The Ocean Cleanup: Erste Videoaufnahmen und was noch nicht klappt

The Ocean Cleanup Video
Foto: Screenshot YouTube The Ocean Cleanup

Seit Mitte Oktober ist der „Meeresstaubsauger“ von The Ocean Cleanup am Pazifischen Müllstrudel im Einsatz. Jetzt hat das Unternehmen ein erstes Video aus dem Gebiet veröffentlicht.

Das Gerät von The Ocean Cleanup funktioniert – der Meeresstaubsauger mit dem Namen „System 001“ beziehungsweise „Wilson“ hat bereits erfolgreich Plastik aus dem Wasser gefischt. Allerdings arbeitet das System noch nicht ganz so, wie es soll.

In einem zweiminütigen Video gibt The Ocean Cleanup nun erstmals Updates über die Fortschritte und Probleme des Projekts. Die Videosequenzen wurden teilweise von Drohnen aus der Luft aufgenommen. In dem Video wird einem klar, wie groß Wilson eigentlich ist.

The Ocean Cleanup: System muss noch optimiert werden

Was den Ingenieuren zurzeit Sorge bereitet: Noch immer gelangt aufgefischtes Plastik wieder zurück ins Wasser, bevor es abtransportiert werden kann. Die Experten wollen herausfinden, wann das passiert – bislang konnten sie kein Muster erkennen.

Mit Drohnen, GPS-Driftern im Wasser und Unterwasser-Kameras beobachten sie daher Wellen, Plastik und wie sich das Gerät bewegt. Außerdem erhöhen sie die Spannweite der „Fangarme“ von System 001. Dadurch hat der Wind einen stärkeren Effekt auf das Gerät, wodurch es sich schneller durchs Wasser bewegt. Insgesamt ist das Team von The Ocean Cleanup optimistisch: Es sei normal, dass das System in der Anfangsphase noch optimiert werden muss.

Hier das Video von The Ocean Cleanup auf YouTube: 

Der Pazifische Müllstrudel

The Ocean Cleanup Plastik
Das erste Plastik, das The Ocean Cleanup herausgefischt hat. (Foto: © Boyan Slat / The Ocean Cleanup)

In fünf Jahren will The Ocean Cleanup die Hälfte des angesammelten Plastikmülls im Pazifik absaugen – angefangen beim Pazifischen Müllstrudel. Der Strudel stellt die weltweit größte bekannte Ansammlung von (Plastik-)Müll in den Meeren dar. Neuesten Erkenntnissen zufolge soll der Müllstrudel zwischen Kalifornien und Hawaii bereits rund fünfmal so groß wie Deutschland sein und 1,8 Billionen Plastikteile enthalten.

Um das Plastik aufzusammeln, ist das Gerät von The Ocean Cleanup mit Fangarmen ausgestattet. Die „Arme“ sind dabei lange Röhren. Eine Verlängerung nach unten funktioniert wie eine Art Sieb, das Müll an der Meeresoberfläche abfischt. Damit der Meeresstaubsauger nicht unkontrolliert im Meer herumtreibt, wird er von einer in 600 Metern Tiefe im Wasser treibenden Ankerkonstruktion an Ort und Stelle gehalten.

The Ocean Cleanup live verfolgen

Meeresstaubsauger The Ocean Cleanup.
Der „Meeresstaubsauger“ von The Ocean Cleanup (Foto: © The Ocean Cleanup)

Für Fische soll das Gerät ungefährlich sein, da sie unter den Fangarmen durchschwimmen können. Bislang gab es noch keine Interaktionen oder Zusammenstöße mit Meereslebewesen, teilte The Ocean Cleanup mit. Der Plastikmüll, der an den Armen hängenbleibt, wird in regelmäßigen Abständen von Booten aufgesammelt und dann recycelt. Mikroplastik kann der Staubsauger aber nicht auffangen.

Wer möchte, kann den aktuellen Stand der Dinge des Meeresstaubsaugers jederzeit mitverfolgen: The Ocean Cleanup hat eine interaktive Landkarte veröffentlicht, die Fotos und Daten zum Standort des Geräts sowie Wind- und Wellenstärke vor Ort liefert. Die Daten werden alle fünf Minuten aktualisiert.

Der Meeresstaubsauger Wilson hat außerdem einen eigenen Twitter-Account:

Boyan Slat: Der Gründer von The Ocean Cleanup

ocean clean up
Boyan Slat (Foto: © The Ocean Cleanup)

Ob das Konzept von The Ocean Cleanup funktioniert, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Einige Kritiker halten die Versprechen des Unternehmens für unrealistisch. Boyan Slat ist jedoch optimistisch.

The Ocean Cleanup ist wohl das bekannteste Meeressäuberungsprojekt. 2013 hatte der damals 18-jährige Boyan Slat das Unternehmen gegründet. Spätestens nach seinem Ted-Talk 2014 erhielten Boyan Slat und sein Start-up internationale Bekanntheit. Inzwischen ist Slat 24 Jahre alt – und hat ein großes Team hinter sich.

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(19) Kommentare

  1. „Der Plastikmüll, der an den Armen hängenbleibt, wird in regelmäßigen Abständen von Booten aufgesammelt und dann recycelt. Mikroplastik kann der Staubsauger aber nicht auffangen.“

  2. Natürlich ist das ein sinnvolles Projekt, das ist gar keine Frage! Wie kurzsichtig hier manche sind, ist ja kaum zum Aushalten.

    Wer soll das bezahlen? Am besten natürlich die Regierungen. Die werden aber offensichtlich nicht aktiv, da ist es toll, wenn das – ersteinmal – per Crowdfunding passiert. Immerhin ist die ganze Menschheit betroffen, da kann schon was zusammenkommen.

    Mikroplastik wird nicht aufgenommen? Ja, das wäre schön, aber Ihnen ist doch klar, dass aus großen Plastikteilen mit der Zeit Mikroplastik wird?

    Ob sich der Aufwand ökologisch rechnet? Man muss sich doch nur ansehen, welche Probleme wir jetzt schon mit dem Müllstrudel haben, um hochrechnen zu können, welche wir noch bekommen werden. Außerdem dürfte der Aufwand an Energie und Material wahrscheinlich geringer sein, als ein einziges Kreuzfahrtschiff anrichtet.

    Übrigens wird m.W. auch noch einfach mit falschen Angaben argumentiert. Wo haben Sie denn „fünf Tonnen gesammeltem Müll monatlich“ her, TFG? Woanders habe ich gelesen, dass die Prognose von 35.000 Tonnen in 5 Jahren ausgeht. Das wären ca. 580 Tonnen monatlich. Der Wert ist natürlich unsicher, so ist das mit Prognosen, und auch das wäre relativ wenig im Vergleich zur Müllmenge, es wäre aber ganz sicher nicht nichts.

    Und dann der Klassiker: „Hört auf damit und ändert lieber Eure Lebensweise!“ Ja, schön und gut, aber abgesehen davon, dass das höchstens laaangsam passieren wird, verschwindet der bestehende Müllteppich davon auch nicht. Das ist das klassische Lamento: Ich mache lieber nichts, denn es ist nicht die 100%-Lösung.

    Und schließlich ist es schon allein deshalb ein tolles Projekt, weil es das Problem des Müllstrudels ins Bewußtsein bringt und dauerhaft darauf aufmerksam macht. Ich hoffe, dass sich die Staatengemeinschaft entschließt, das zu einem großen Projekt zu machen, so dass mit der Zeit mehrere dieser Anlagen gleichzeitig agieren. Gerade Pazifikanrainer sollten ein großes Interesse daran haben.

  3. Das eine Sache in der Startphase noch nicht optimal funktioniert, ist völlig normal und sollte nicht überbewertet werden.
    Allerdings würde mich auch mal interessieren, wer für die Kosten aufkommt.
    Denn das sich das Projekt einzig als Sekudär-Rohstoff-Projekt aus dem Recycling der aufgefangenen Kunststoff-Teile amortisiert, kann ich mir schwer vorstellen.
    Da wäre eine ergänzende Info wünschenswert.
    Das Micro-Plastik so nicht aufgefangen werden kann, ist technisch verständlich. Wie dem Problem beizukommen ist – dafür wären noch Umwelt- oder gar Nobel-Preise zu vergeben.

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