Polyurethan: Alles Wissenswerte rund um den Kunststoff

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Polyurethan steckt in Schuhen, Autos, Surfbrettern, Möbeln und weiteren Produkten. Der Kunststoff ist äußerst vielseitig, doch wie gefährlich ist er für die Gesundheit? Ein Kritik-Punkt: Die Herstellung des Stoffes ist sehr risikoreich.

Polyurethan: Vorkommen und Verwendung

Wenn Obst im Supermarkt in weichem Schaumstoff gepolstert ist, dann enthält dieser in der Regel Polyurethan (PU). Der chemisch hergestellte Kunststoff ist beliebt, weil er sehr gut isoliert und flexibel ist: In Raumanzügen schützt er Astronauten vor der Kälte, in der Matratze passt er sich der Körperform an. Er kommt aber noch in vielen weiteren Produkten vor. Ein paar Beispiele:

  • Kleidung
  • Surfbretter
  • Ski
  • Möbel
  • Autos
  • Kühlschrank-Isolierung
  • Kühlfahrzeuge

Polyurethan ist aber nicht nur anpassungsfähig und damit für die Herstellung Komfortschaummatratzen geeignet. Es ist auch ein besonders leichtes Material. Deshalb kann es im Auto eingesetzt werden, macht das Auto nicht so schwer, sodass es weniger Benzin verbraucht.

Ist Polyurethan gefährlich für die Gesundheit?

Schaumstoff für Obst enthält meist Polyurethan
Schaumstoff für Obst enthält meist Polyurethan (Foto: CC0 / Pixabay / auntmasako)

Polyurethane werden aus Isocyanat hergestellt, das giftig ist.

  • Isocyanat wird zum Beispiel auf dem Bau als Klebstoffe und Montageschäume eingesetzt. Dort können die Isocyanate zu Polyurethan-Verbindungen reagieren, schreibt Dipl.-Ing. Rudy Köhler im Fachmagazin vom Institut für Baubiologie und Ökologie. Übrig bleiben bedenkliche Gase in der Raumluft aus Isocyanat und oftmals Lösungsmitteln.
  • Wenn Polyurethan brennt, bildet sich hochgiftiges Diisocyanate. Aber es muss nicht einmal brennen: Laut Dipl.-Ing. Rudy Köhler könne bereits das Bohren einer Steckdosenöffnung ausreichen, um durch die Reibung entsprechend viel Hitze hervorzurufen. Daher rät Köhler aus biologischer Sicht auch von der Verwendung ab.
  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in verschiedenen Stellungnahmen erklärt, dass sie „keine Bedenken“ bei der Verwendung von ausgehärtetem Polyurethan sehen – auch nicht im Bereich Lebensmittel (PDF 1 / PDF 2).
  • Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass thermisches Polyurethan Weichmacher enthalten kann. Einige der Weichmacher können gefährlich sein.

Polyurethan-Schaumstoff: Matratzen mit Schadstoff

Polyurethan-Matratzen standen in der Kritik
Polyurethan-Matratzen standen in der Kritik (Foto: CC0 / Pixabay / Wokandapix)

2017 ist herausgekommen, dass BASF über mehrere Wochen Polyurethan-Schaumstoff für Matratzen produziert hat, der mit Dichlorbenzolen (DCB) verunreinigt war. Der Stoff kann Augen, Haut und Atemwege und reizen und gilt als „krebsverdächtig“, schreibt Stiftung Warentest. BASF hat angegeben, dass die Schadstoffkonzentration in der Raumluft nicht gesundheitsgefährdend sei. Zu diesem Ergebnis kommt auch das Bundesamt für Risikobewertung auf Basis der zur Verfügung gestellten Messwerte. Es stuft den Stoff zwar als „mindestens gesundheitsschädlich“ bei oraler Aufnahme ein. Aufgrund der geringen Konzentration in der Luft liege für Verbraucher aber kein gesundheitliches Risiko vor.

Herstellung von Polyurethan in der Kritik

Die Herstellung von Polyurethan ist risikoreich.
Die Herstellung von Polyurethan ist risikoreich. (Foto: CC0 / Pixabay / jarmoluk)

Die Herstellung von Polyurethan wird von Umweltschutzverbänden und Baustoffexperten schon länger kritisiert:

  • „Die Herstellung von PU verschlingt etwa 11% des weltweit produzierten Chlors“, schreibt Greenpeace Österreich.
  • Das Institut für Baubiologie und Ökologie kommt in einer Untersuchung zum Ergebnis, dass die Produktion höchst risikoreich sei: „Alle Zwischenprodukte sind hochgradig giftig (…) Dabei sind auch extrem gefährliche, gasförmige Gefahrstoffe mit erhöhtem Störfallrisiko beteiligt, die besondere Sicherheitsmaßnahmen erfordern, u.a. Chlor (sehr giftig), Ethylenoxid (krebserzeugend und mutagen) und Phosgen (extrem giftiger Kampfstoff, der in höheren Dosen binnen Sekunden zum Tod bei vollem Bewusstsein führen kann). Die Isocyanate selbst sind ebenfalls sehr giftig und haben 1984 zum bisher größten Chemieunfall aller Zeiten geführt (2.500 bis 5.000 Tote und mehr als 200.000 Verletzte).
  • Außerdem ist einer der Rohstoffe für Polyurethan Erdöl, das für Umwelt und Klima problematisch ist.

Recycling von Polyurethan

Kritisch bewerten Umweltverbände und Baustoffexperten auch das Recycling von Polyurethan:

  • „Auch die Entsorgung ist problematisch, bei der Verbrennung von PU werden zahlreiche gefährliche Chemikalien wie Isocyanate, Blausäure und Dioxine freigesetzt, selbst in Deponien wirkt er giftig, er zersetzt sich in klimaschädliche Stoffe“, schreibt Greenpeace Österreich.
  • Das „Recycling ist schwierig“, lautet auch die Einschätzung vom BUND und Verbrennen aufgrund giftiger Gase auch.
  • Die Studie des Instituts für Baubiologie und Ökologie weist zudem daraufhin, dass Polyurethan in der Natur von verschiedenen Stoffen angegriffen und verändert wird. Welche Auswirkungen dies hat, ist noch nicht erforscht.

Es gibt verschiedene Projekte, wie altes Polyurethan doch noch weiterverwendet werden kann. Zum Beispiel, indem aus alten Matratzen-Schaumstoffen Dämmmaterial wird. Dennoch ist der Kunststoff alles andere als nachhaltig und für die meisten Einsatzgebiete gibt es gute Alternativen.

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