Schrottbücher: So übersäen die Fake-Ratgeber Amazon

Schrottbücher
Foto: CC0 / Pixabay / Hermann

Sogenannte Schrottbücher sind Bücher von Fake-Autor:innen, die kaum informative oder sogar falsche Fakten enthalten. Amazon und kleinere Unternehmen machen mit ihnen viel Geld. Mehr dazu erfährst du in diesem Artikel.

Ratgeber sind beliebt – egal ob zu Themen wie Finanzen, Lifestyle, Nachhaltigkeit oder Reisen. So findest du bei Amazon zahlreiche dieser Bücher, in denen dich vermeintliche Expert:innen zu deinen Fragen und Sorgen beraten sollen. Das ARD-Magazin Plusminus hat sich die Ratgeber genauer angesehen.

Das Ergebnis ihrer Recherche: Viele Bücher stammen von erfundenen Autor:innen oder enthalten falsche Angaben zur Expertise der Verfasser:innen. Dementsprechend enthalten sie oft kaum verwertbare oder teils falsche Informationen. Trotzdem verkaufen sie sich gut zu relativ teuren Preisen. Das liegt vermutlich auch an den guten Kund:innen-Bewertungen. Doch auch diese sind fragwürdig.

Was sind Schrottbücher?

Die ARD berichtet in ihrem Beitrag von den betrügerischen Prozessen, die hinter den sogenannten Schrottbüchern stecken. So beziehen die entsprechenden Unternehmen ihre Manuskripte oft von Ghostwriter:innen. Diese schicken ihre Texte ab und wissen danach teilweise gar nicht, dass diese als Fachbuch veröffentlicht werden sollen.

Das ARD-Team sprach beispielweise mit der Ghostwriterin Franziska D. Ihre Manuskripte fanden sich in verschiedenen Ratgebern zu Stoizismus, Bern, Projektmanagement oder dem Buch „Camping für Anfänger“. Tatsächlich war Franziska nach eigenen Aussagen jedoch selbst noch nie campen.

Der vermeintliche Ratgeber erscheint dann oft nicht unter dem Namen des Ghostwriters, sondern dem eines erfundenen Autors. Die vermeintlichen Autor:innen-Portraits stammen von Fotodatenbanken. Nun fehlen nur noch ein paar erlogene Fakten zum Lebenslauf und den Qualifikationen.

Die Schrottbücher zu erkennen ist für Laien in der Regel schwierig. Meist können nur Personen mit dem entsprechenden Fachwissen einschätzen, ob die vermittelten Informationen richtig und sinnvoll sind. Das machen sich betrügerische Unternehmen zunutze.

Die Entstehung der Schrottbücher

Schrottbücher auf Amazon verkaufen sich dank vieler positiver Bewertungen oft überraschend gut.
Schrottbücher auf Amazon verkaufen sich dank vieler positiver Bewertungen oft überraschend gut.
(Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Der Begriff „Schrottbücher“ stammt von dem Schriftsteller Jan Höpker. Er kennt die Machenschaften hinter den Fake-Ratgebern und veröffentlicht die Ergebnisse seiner Recherchen schon länger auf einem privaten Blog. Dafür bekam er bereits Drohungen und Anwaltsschreiben von zwei betroffenen Verlagen.

Höpker weiß auch, warum sich die Schrottbücher trotz mangelndem Inhalt auf Amazon so gut verkaufen: Sie haben oft erstaunlich viele positive Bewertungen von Kund:innen. Diese sind vermutlich nur selten authentisch. Tatsächlich lassen sich positive Bewertungen ganz einfach über Agenturen kaufen. Die Preise liegen bei zwei bis vier Euro pro abgegebener Bewertung.

Dadurch gelingt es den Betrüger:innen, gut recherchierte und informative Bücher von „echten“ Expert:innen mit ihrer Flut an Schrottbüchern zu verdrängen. So werden dir bei Amazon oder Suchmaschinen eventuell nur noch die Fake-Ratgeber angezeigt. Schließlich haben diese nicht selten zahlreichere positive Bewertungen.

Amazon selbst sagte der ARD, sie würden bereits viel gegen den Betrug unternehmen. Wirklich sichtbar ist von diesen Handlungen bislang nichts.

Neuer Gesetzesentwurf 2022

Im Jahr 2022 soll ab Mai ein neuer Gesetzesentwurf gelten, der dem Handel mit Schrottbüchern immerhin zum Teil Einhalt gebieten könnte. Das Gesetz verbietet den Kauf und die Verwendung von gefälschten Bewertungen. Dadurch könnte es bald leichter sein, rechtlich gegen betrügerische Verlage oder Amazon direkt vorzugehen.

Bis es so weit ist, geht der Verkauf und die Veröffentlichung von Schrottbüchern jedoch ungehindert weiter. Um dem Betrug zu entkommen, solltest du dich vor dem Kauf eines Ratgebers deshalb umfassend über die Autor:innen informieren und verschiedene Bilder zur Person abgleichen. Zudem ist es sinnvoll, sich die Kund:innen-Bewertungen genauer anzusehen. Einige Käufer:innen haben den Betrug bereits durchschaut und weisen in ihren Kommentaren darauf hin.

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