Schulranzen im Test: Viele nicht sicher und mit Giftstoffen – eine Empfehlung

Foto: © fotolia – tan4ikk

Schulranzen bestechen vor allem durch ihr schickes Design statt durch ihre Sicherheit. Bei Öko-Test sind deshalb gleich drei Schulranzen durchgefallen. Im Dunkeln werden die Kinder nicht oder zu spät gesehen, auch fanden Experten gefährliche Schadstoffe in einigen Schulranzen…

Ein guter Schulranzen sollte im Dunkeln gut sichtbar sein, keine Schadstoffe enthalten und Bücher und Hefte vor Regen schützen. Im aktuellen Schulranzen-Test bemängelte Öko-Test diese drei Kriterien bei vielen Schulranzen. Nur ein einziger Ranzen ist empfehlenswert.

Öko-Test: Schulranzen schützen nicht ausreichend

Im Idealfall sind Schulranzen schon von weitem gut zu erkennen. Dafür sorgen bei Tag selbstleuchtende Reflektoren und in der Dämmerung retroreflektierende Leuchtstreifen, sobald sie vom Scheinwerferlicht eines Autos angestrahlt werden. Mindestens 20 Prozent des Schulranzens sollen laut Norm aus selbstleuchtendem und mindestens zehn Prozent aus retroreflektierendem Material bestehen. Doch viele Schulranzen haben zu wenig Reflektoren. Vor allem an selbstleuchtenden Reflektoren an Vorder- und Seitenteilen mangelte es im Test. Eltern sollten bei der Wahl des Schulranzens nach einem hellen Modell und die Norm DIN 58124 schauen.

Öko-Test entdeckt gefährliche Schadstoffe im Ranzen

Schadstoffe haben in Produkten für Kinder nichts verloren. Das gilt auch für Schulranzen: Denn wenn die Dose mit den Apfelstücken nicht richtig geschlossen ist, kugeln die Äpfel durch den halben Schulranzen und kommen in Kontakt mit den Schadstoffen. Im Labor fand Öko-Test in drei Schulranzen Phthalatweichmacher. Im Modell McNeill Set Ergo Compact Flex DIN Streetcat überstiegen die Weichmacher sogar die EU-Grenzwerte. Auch verschiedene polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) stellten die Experten in drei Schulranzen fest, unter anderem das als krebserregend geltende Benzoepyren. Wegen Schadstoffen und mangelnder Reflektoren hieß es für diese drei Schulranzen „Mangelhaft“:

  • Ergobag Cubo Set Nachtschwärm Bär Lila Blumen (219 Euro)
  • Scooli Campus Up Schulranzen Set Star Wars (150 Euro)
  • Herlitz Flexi Plus Butterfly (149 Euro)

Auch im Regen-Test schnitten die drei Schulranzen nicht gut ab: Bei den ersten beiden Ranzen wurden Hefte und Bücher im Hauptfach nass sowie die Seitenfächer. Beim Herlitz waren nur die Seitenfächer durchnässt.

Diesen Schulranzen empfiehlt Öko-Test

Gut im Schulranzen-Test: Scout Alpha Happy Dolphins
Gut im Schulranzen-Test: Scout Alpha Happy Dolphins (Foto © Scout / Alfred Sternjakob GmbH)

Zehn Schulranzen hat Öko-Test 2017 getestet, doch nur ein einziger ist empfehlenswert:

  • Der Scout Alpha Happy Dolphins (165 Euro) bekam im Test als einziger das Prädikat „Gut“ verliehen.

Im Sicherheits-Test hatten die Experten nichts zu bemängeln. Der Ranzen verfügt über viele Reflektoren, sodass Autofahrer das Kind früh sehen. Im Regen-Test blieb das Hauptfach für die Bücher und Hefte trocken, lediglich die Nebenfächer für Flasche und Pausenbrot sind feucht geworden.

  • Den Scout Alpha Happy Dolphins findest du zum Beispiel** bei Schulranzen.net.
  • Auch spannend: Nachhaltige Schulranzen aus Bio-Leder, die rein pflanzlich gegerbt, chrom- und PVC-frei sind, gibt es zum Beispiel** bei aruzzi taugo.

Schulranzen-Kauf: auf drei Dinge achten

Um bei der Wahl des richtigen Schulranzens einen Volltreffer zu landen, empfiehlt Öko-Test auf drei Dinge zu achten. Am wichtigsten ist die Sicherheit, also möglichst viele Reflektoren. Da Laien die verschiedenen Reflektoren nur schwer auseinanderhalten können, sollten Eltern auf die Norm DIN 58124 achten. Auch die Farbe ist wichtig, denn ein heller Ranzen kann im Dunkeln besser gesehen werden. Wenn möglich, sollte das Kind verschiedene Modelle Probe tragen – mit dicker und dünner Kleidung. Dabei sollte die Breite des Ranzens etwa der Schulterbreite entsprechen. Als drittes ist ganz besonders wichtig, dass direkt am Rücken ein großes Fach für die Bücher ist. So kann das Gewicht der Bücher gleichmäßig verteilt werden und der Rücken wird so gering wie möglich belastet.

Älterer Test von Schulranzen

Schon früher hatte die Zeitschrift Öko-Test Schulranzen getestet. Im Jahrbuch 2015 ging es um acht Anfängerranzen: Schulranzen mit der klassischen Tornisterform, Modelle, die Trekkingrucksäcken ähneln, ein Modell mit einer weichen Rucksackform sowie zwei echte Schulrucksäcke für ältere Schüler.

Die drei Testsieger der acht getesteten Ranzen sowie einer der Schulrucksäcke erhielten im Gesamturteil gerade mal ein „befriedigend“. Schuld war die starke Schadstoffbelastung: Bei den Inhaltsstoffen schnitten alle Schulranzen und einer der beiden Schulrucksäcke mit „ungenügend“ ab.

Reflektorflächen bei Schulranzen kaum sichtbar

Während die reflektierenden Flächen für die Nachterkennung bei den Anfängerschulranzen weitgehend vorhanden sind, fehlen Öko-Test im Jahrbuch 2015 die grellen Neonflächen bei drei Einsteigermodellen gänzlich. Der McNeill Ergo Light Trekking ist durch sein helles Design jedoch noch halbwegs sichtbar.

Unverständlich, dass hier offensichtlich ein gefälligeres Aussehen im Vordergrund steht. Nach Aussagen einiger Hersteller liege das am Kaufverhalten der Eltern: Die der Schulranzennorm DIN 58124 entsprechenden Modelle mit den orangefarbenen fluoreszierenden Materialien würden immer weniger gekauft. Dabei sind gerade diese Flächen für die meisten Tage im Jahr am wichtigsten, schließlich soll das Kind samt Rucksack auch bei schlechten Sichtverhältnissen gut erkennbar sein.

Bei den beiden Schulrucksäcken sind nur minimale Reflektorflächen vorhanden. Doch auch ältere Kinder sollten bei Dunkelheit von Autofahrern gesehen werden. Auch wenn diese Produkte nicht der Norm unterliegen, sieht Öko-Test das kritisch.

Handhabung und Tragbarkeit bei den meisten Schulranzen gut

Die meisten Ranzen und Rucksäcke sind gut zu handhaben und zu tragen. Nicht zufrieden war Öko-Test im Jahrbuch 2015 jedoch mit dem Leder Wolf Anfängerranzen aus Baumwolle. Er hat lediglich zwei gleich große Innenfächer, jedoch kein Fach für schwere Bücher, damit diese – ergonomisch sinnvoll – nah am Rücken getragen werden können. Hinzu kommt, dass Rückenpolster und die zu schmalen Schultergurte nicht ergonomisch geformt und gepolstert sind, sodass Ranzen und Riemen wahrscheinlich in vielen Fällen drücken werden. Auch beim McNeill Ergo Light Trekking wurde das harte Rückenpolster bemängelt.

Die meisten Schulranzen im test sind nicht regendicht

Die Ranzen von Fredy Zwenger und Leder Wolf sowie der Scout Mega Starship können einem durchschnittlichen Regenschauer nicht viel Widerstand entgegensetzen. Sie wiesen nach dem Test im Inneren feuchte Stellen auf. Gar nicht regendicht sind laut Öko-Test im Jahrbuch 2015 die beiden Schulrucksäcke. Hier drang durch die Reißverschlüsse deutlich Wasser ein. Alle Produkte ließen sich jedoch auch nach der Feuchteprüfung noch gut und dauerhaft belasten. Und nur die Marken Der Die Das und McNeill zeigten im Dauertest leichte Schwächen beim Verschluss.

Die Inhaltsstoffe der Schulranzen

Bis auf den Take it Easy Schulrucksack London New Tattoo mit minimalen Reflektoren sind alle Produkte stark mit Schadstoffen belastet. Meist bestehen die Reflektormaterialien aus PVC, doch oft sind auch andere Teile wie die Klarsichthüllen für den Stundenplan oder gar eines der Hauptmaterialien aus den problematischen chlorierten Verbindungen.

Leider ist die wirklich PVC-freie „Bio-Schultasche“ von Leder Wolf, der Anfängerranzen aus Baumwolle 435, unterm Strich nicht besser als die Konkurrenz. Bei diesem Modell ist die hormonell wirkende Substanz Dibutylzinn das Hauptproblem. Diese Verbindung ist mittlerweile in hohen Konzentrationen verboten – Öko-Test wertet Produkte schon bei deutlich geringerer Konzentration ab.

Ansonsten sind bei den Schadstoffen vor allem bedenkliche Phthalate zu nennen, die im Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken. Einige davon sind in Babyprodukten und Kinderspielzeug bis auf Restgehalte verboten. Überwiegend sind die Hersteller auf eine andere, aber ebenfalls bedenkliche Phthalatverbindung und auf Ersatzweichmacher ausgewichen, die jedoch noch nicht ausreichend erforscht sind. Auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und phosphororganische Verbindungen wurden in fast allen Produkten nachgewiesen.

Öko-Test rät im Jahrbuch 2015 zu den drei Modellen, die im Gesamturteil mit „befriedigend“ abschlossen: Der Die Das Dark ForestFliegengewicht XS, Sammies Optilight Spaceship und Scout Buddy Sweety. Diese sind zwar mit Schadstoffen belastet, schnitten in der Sichherheitsprüfung aber sehr gut ab. Vor allem im Sommer sollte man aber darauf achten, dass der Ranzen nicht auf der nackten Haut des Kindes aufliegt, um den Kontakt mit Schadstoffen zu vermeiden.

Den ganzen Test findest du bei Öko-Test: Heft Jahrbuch Kleinkinder 2015

S..C.Schulz/A.Winterer/UT

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