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Seide: Was du über die Herstellung wissen solltest

Seide
Foto: CC0 / Pixabay / duccoi1987

Seide gilt seit Jahrtausenden als der Luxusstoff schlechthin und entsteht durch ein einzigartiges Verfahren – das jedoch mit Tierleid verknüpft ist. Erfahre hier mehr über die Seidenherstellung und Alternativen zu herkömmlicher Seide.

Seide ist ein tierischer Faserstoff, der vor gut 5.000 Jahren in China zum ersten Mal hergestellt wurde. Man begann damals, den Wildseidenspinner zu domestizieren, woraus sich im Laufe der Zeit der Maulbeerspinner entwickelt hat. Aus den Kokons dieses Schmetterlings entsteht ein Großteil der heutzutage vor allem in China, Indien, Korea, Vietnam, Usbekistan und Brasilien produzierten Seide. 

In China war die Seidenherstellung jedoch lange Zeit ein gut gehütetes Geheimnis. Deswegen war der Stoff umso begehrter und kostbarer in Europa. Die Reise dorthin war tausende Kilometer lang und ging über die berühmte Seidenstraße

Der Ruf von Luxus und Exklusivität haftet Seide bis heute an. Das gilt vor allem für die Glanzseide und die aus ihr hergestellten Gewebe wie Seidendamast oder Seidenduchesse. Je nachdem, wie sorgfältig die Faser von Kokonrückständen gereinigt wurde, gibt es aber auch andere, als minderwertiger geltende Seidenqualitäten.

Seidenherstellung: Einzigartig, aber problematisch

Für die Herstellung von Seide sterben jährlich mehr als 1,6 Billionen Raupen.
Für die Herstellung von Seide sterben jährlich mehr als 1,6 Billionen Raupen.
(Foto: CC0 / Pixabay / danielburchmore)

Die Seidenherstellung ist einzigartig – und aus diesem Grund auch tierethisch verwerflich. Denn: Seide ist die einzige textile Faser, für deren Gewinnung Lebewesen getötet werden müssen. Laut Peta sterben für ein Gramm Seide etwa 15 Raupen, was sich bei einer weltweiten Produktion von 109.111 Tonnen Seide (Stand 2019) auf jährlich mehr als 1,6 Billionen Tiere beläuft. Nur einige wenige Raupen dürfen schlüpfen, damit sie sich paaren und Eier für die Nachzucht legen können. 

Außerdem sind die Maulbeerspinner im Laufe der Zeit so gezüchtet worden, dass sie Hochleistung erbringen. Das hat jedoch zur Folge, dass sie in der freien Natur nicht lebensfähig wären, da sie empfindlich auf Umweltveränderungen wie Temperaturschwankungen reagieren.

Vom Ei zur Seide

Während der Seidenherstellung stirbt ein Großteil der Raupen.
Während der Seidenherstellung stirbt ein Großteil der Raupen.
(Foto: CC0 / Pixabay / skittler)

Erst nach einigem Aufwand wird aus dem Kokon der Seidenspinner Seide.

Vom Ei zum Kokon

Am Anfang der Seidenherstellung stehen zumeist die Maulbeerspinner, die bis zu 800 Eier legen können. Aus diesen schlüpfen nach etwa zehn Tagen schwarz behaarte und zwischen zwei und drei Millimeter lange Raupen. Diese fressen sich vier Wochen lang auf das 40.000-fache ihres Ursprungsgewichts und häuten sich mehrfach, bis sie mit der Verpuppung beginnen. Aus Drüsen an ihrem Mund produzieren sie einen Faden, der vor allem aus Protein besteht und mit einem Leim verklebt ist. Je nach Zucht verpuppen sich die Raupen in runde, ovale, oder längliche Kokons. 

Vom Kokon zur Seidenfaser

Normalerweise würden die Puppen etwa 18 Tage in ihren Kokons bleiben und danach als Schmetterling herausschlüpfen. Doch die Züchter:innen lassen es nicht soweit kommen. Sie müssen verhindern, dass der Schmetterling den Kokon mit einem Sekret aufweicht und sich dann hindurchbeißt. Von einem so beschädigten Kokon würden die Züchter:innen den Faden nämlich nicht mehr abwickeln können.

Die Puppen werden bereits nach etwa 10 Tagen im Kokon getötet. Dies geschieht entweder mit Wasserdampf, Heißluft oder in der Mikrowelle. Anschließend landen die Kokons in einem heißen Bad, sodass sich der Kleber löst, der die Seidenfäden zusammenhält. 

Vom Faden zum Gewebe

Ein Kokon besteht aus mehreren Faserschichten:

  • Die obersten Fasern sind so kurz, dass sie nicht abgewickelt, sondern abgezupft oder abgekämmt werden. Diese Fasern ergeben die sogenannte Florettseide. Optisch ähnelt sie einem naturfarbenen Baumwollstoff. Aus den Resten dieser kurzen ausgekämmten Fasern entsteht Bouretteseide, ein stumpfes Seidengewebe.
  • Sind die kurzen Fasern entfernt, lässt sich der Seidenfaden abwickeln und zu Rohseide verarbeiten. Rohseide dient als Grundlage verschiedener Seidenprodukte. 
  • Je gründlicher die Rohseide vom Kleber gereinigt werden kann, desto stärker glänzt sie: Eine komplett von Leim befreite Seide ergibt die Glanzseide.
  • Mithilfe chemischer Veredelungen bleichen oder färben die Arbeiter:innen die Seide anschließend. 

Eigenschaften von Seide

Nach dem aufwändigen Herstellungsverfahren entsteht ein Stoff, der besondere Eigenschaften besitzt:

  • Seide ist sehr dehnbar, aber fest: Sie lässt sich um 15 Prozent dehnen, ohne zu reißen.
  • Seide wirkt temperaturausgleichend.
  • Sie absorbiert bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit, fühlt sich aber nicht nass an.
  • Seide hat eine schmutzabweisende Oberfläche und ist unempfindlich gegenüber Gerüchen.
  • Sie trocknet schnell und ist knitterarm. 

Tierleidfreie Alternativen zu Seide

Gewaltfreie Seide erlaubt es den Faltern, sich außerhalb des Kokons weiterzuentwickeln.
Gewaltfreie Seide erlaubt es den Faltern, sich außerhalb des Kokons weiterzuentwickeln.
(Foto: CC0 / Pixabay / LoggaWiggler)

Zweifelsohne ist Seide ein traditionsträchtiges und mit vielen Kulturen der Welt eng verwobenes Gut. Doch dies rechtfertigt kein Hinwegsehen über das damit verbundene Tierleid. Inzwischen gibt es Alternativen zur herkömmlichen Seide, die für alle interessant sein dürften, welche die Seidenoptik mögen, aber die Tötung von Lebewesen ablehnen:

  • Tussahseide: Tussahseide ist eine Wildseide, die aus den Kokons der in Japan und China wild lebenden Tussahspinner gewonnen wird. Dies geschieht erst, nachdem die Schmetterlinge geschlüpft sind. Es ist daher nicht möglich, den Seidenfaden in Gänze vom Kokon abzuwickeln. Die Fasern sind so kurz, dass sie abgekämmt und anschließend zu Garn versponnen werden. Dabei ergeben sich leichte Unregelmäßigkeiten im Garn. Versuche, die Tussahspinner zu züchten, waren bisher nicht erfolgreich.
  • Ahimsa-Seide: Ahimsa-Seide, oder auch Peace Silk, entsteht aus einem tierleidfreien Verfahren, das ein indischer Ingenieur entwickelt hat. Dabei wird der Kokon vorsichtig aufgeschnitten, sodass sich der Falter außerhalb des Kokons weiterentwickeln kann. Auch bei diesem Verfahren müssen die gewonnenen Seidenfasern erst miteinander versponnen werden. Unter den verschiedenen Peace Silk-Arten gibt es auch solche, die GOTS-zertifiziert sind. Jedoch gibt es noch kein eigenes Siegel für die gewaltfreie Seide. 
  • Vegane „Seide“: AMSilk ist der weltweit erste industrielle Hersteller von veganen Seidenbiopolymeren (Stoffe natürlichen Ursprungs). Dem Unternehmen ist es gelungen, Bakterien Spinnenseidenproteine produzieren zu lassen. Mithilfe von Bakterienfermentation erzeugt es dann aus pflanzlichen Rohstoffen Seide. Nächstes Jahr sollen die ersten Produkte aus der veganen „Seide“ auf den Markt kommen. 
  • Seidenähnliche Stoffe: Einige pflanzenbasierte Textilfasern ähneln herkömmlicher Seide, wie beispielsweise die aus Holzfasern gewonnenen Stoffe Modal oder Tencel.

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