Selbstständig arbeiten: 5 Gründe, weshalb du eine Genossenschaft gründen solltest

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Selbstständig arbeiten – dafür gibt es viel gute Gründe. Und viele Risiken. Eine eingetragene Genossenschaft minimiert die Nachteile der Selbstständigkeit. Und kann noch mehr.

Du arbeitest als Freiberufler, hast ein Kleingewerbe oder möchtest mit deiner eigenen Geschäftsidee eine Existenzgründung vornehmen?

Wer selbstständig arbeitet, muss sich um Steuern, Versicherungen und Buchhaltung kümmern. Du haftest alleine und musst eigenverantwortlich Aufträge akquirieren. Bei so vielen fachfremden Aufgaben bleibt wenig Zeit für deine eigentliche Arbeit.

Muss das so sein? Muss nicht. Mit der eingetragenen Genossenschaft gibt es eine Rechtsform, in der du dich mit anderen Selbstständigen zusammenschließen kannst. Fünf Gründe, warum sich eine Genossenschaft lohnt:

1. Demokratisch arbeiten in einer Genossenschaft – einer für alle, alle für einen

Zu dritt könnt ihr eine Genossenschaft gründen.
Zu dritt könnt ihr eine Genossenschaft gründen.
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Als Mischform zwischen einem Verein und einer GmbH sind eingetragene Genossenschaften (kurz eG)  die demokratischste Wirtschaftsrechtform, die es in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt. Ein Mitglied hat eine Stimme in der Generalversammlung, unabhängig davon, wie viele Kapitalanteile das Mitglied besitzt.

Damit lässt sich verhindern, dass Einzelne die Genossenschaft dominieren oder Kapitalgeber sie übernehmen – du bleibst dein eigener Chef. Im Gegensatz zu einer Aktiengesellschaft wird der Aufsichtsrat und der Vorstand einer Genossenschaft ausschließlich aus den Reihen der Mitglieder besetzt.

Außerdem überprüfst du vor der Existenzgründung deine Geschäftsidee aufs gründlichste: Ist sie überzeugend und mehrheitsfähig? Wenn ja, ist es möglich, eine Genossenschaft zu gründen. Für eine Kleingenossenschaft reichen schon drei Mitglieder. Deutschlandweit gibt es laut dem Deutschen Genossenschaftsverlag rund 8.000 registrierte Genossenschaften mit insgesamt 22 Millionen Mitgliedern.

2. Selbstständig aber nicht allein: Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung

Die Genossenschaftsidee lässt sich bis zur Viehhaltung im Mittelalter zurückverfolgen.
Die Genossenschaftsidee lässt sich bis zur Viehhaltung im Mittelalter zurückverfolgen.
(Foto: CCO Public Domain / Pixabay / cocoparisienne)

Vorläufer der heutigen Genossenschaften gab es bereits im Mittelalter. Damals verbündeten sich sogenannte “Ginoz”, also Anteilseigner an Vieh oder Weideflächen, zu einer “Ginozcaf”. In der Ginozcaf wurde die gemeinsame Viehhaltung organisiert.

Damals wie heute gelten die Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Leitgedanke der Selbsthilfe: Zusammen geht vieles einfacher als im Alleingang. Die Mitglieder einer Genossenschaften unterstützen und helfen einander. Oft lassen sich so Aufgaben lösen, vor denen man als einzelner Freiberufler oder Gewerbetreibender kapituliert hätte.

Genossenschaften agieren unabhängig. Die Mitglieder gestalten ihre Satzung und ihre Geschäftsordnung im Rahmen des Genossenschaftsgesetzes autark so, wie sie es wollen und es zu ihnen passt. Das meint Selbstverantwortung.

Zudem verwalten sich Genossenschaften operativ selber. Die Mitglieder wählen den Aufsichtsrat, der mit dem Vorstand die Geschäftstätigkeiten übernimmt, und entscheiden in der Generalversammlung Anliegen, Aufgaben sowie die Änderung der Satzung oder der Geschäftsordnung.

3. Insolvenzschutz und Gründung ohne Eigenkapital

GmbHs gehen häufiger insolvent als Genossenschaften.
GmbHs gehen häufiger insolvent als Genossenschaften.
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Zur Selbstverantwortung zählt auch der Umgang mit dem Kapital. Genossenschaftsmitglieder sind gemäß Paragraph 7 des Genossenschaftsgesetzes verpflichtet, mindestens einen Geschäftsanteil zu erwerben.

Gleichzeitig ist gesetzlich nicht festgeschrieben, wie hoch das Mindestkapital bei der Gründung einer Genossenschaft sein muss. Gegenüber einer GmbH, bei deren Gründung 25.000 Euro Eigenkapital anfallen, ein enormer Vorteil: Nicht zuletzt bei Start-up-Gründungen, bei denen Gesellschafter als Kapitalgeber fungieren und am Ende der Geschäftsführer mit seinem Privatvermögen haftet, wenn etwas schief geht.

Denn eine Genossenschaft kannst du nicht ohne weiteres beim Notar gründen. Vielmehr wird die Satzung, die Geschäftsordnung und der Businessplan von einem genossenschaftlichen Prüfverband begutachtet. Erst mit einem positiven Gutachten trägt das Amtsgericht die Genossenschaft in das Genossenschaftsregister ein.

Klingt aufwändig? Ist es. Aber der Aufwand lohnt sich. Immerhin sind Genossenschaften mit einer Insolvenzquote von 0,1 Prozent die insolvenzsicherste Rechtsform. Wenn du den Prüfverband überzeugst, kannst du davon ausgehen, dass deine Selbstständigkeit zukunftstauglich ist.

4. Als Selbstständiger Kosten und Ressourcen sparen

Der genossenschaftliche Prüfverband hilft dir bei Steuern, Rechtsfragen und in der Bürokratie.
Der genossenschaftliche Prüfverband hilft dir bei Steuern, Rechtsfragen und in der Bürokratie.
(Foto: CC0 / Public Domain / Krissie)

Der genossenschaftliche Prüfverband begutachtet nicht nur Genossenschaftsgründungen, sondern auch deren weiteren Verlauf. Er hat regelmäßig Einblick in die Buchhaltung und Jahresabschlussberichte.

Da guckt dir jemand auf die Finger. Das mag bürokratisch und bevormundend anmuten, ist aber ein Vorteil. Denn du hast einen kompetenten Gesprächspartner, der dir bei steuerlichen, rechtlichen und finanziellen Fragen zur Seite steht. Du sparst dir Beratungen. Und wusstest du, dass die Bürokratie in Genossenschaften abgebaut werden soll?

Du sparst außerdem Ressourcen, weil du nicht alles alleine anschaffen musst. Dies gilt für Versicherungen wie die Betriebshaftpflicht, die Vermögensschadenhaftpflicht oder die Inhaltsversicherung, sowie bei Softwarelizenzen, Arbeitsmaterialien oder Büromiete.

5. Gemeinsame Marke und Akquise für mehr Aufträge

Warum konkurrieren, wenn man zusammenarbeiten kann?
Warum konkurrieren, wenn man zusammenarbeiten kann?
(Foto: CCO Public Domain / Pixabay / geralt)

Ein weiterer handfester Grund für eine Genossenschaft ist das Genossenschaftsregister. Dort aufgeführt zu sein bedeutet einen zusätzlichen Kanal für Aufträge zu besitzen. Warum? Einem ungeschriebenen Gesetz nach bevorzugen Genossenschaften bei der Vergabe von Aufträgen Genossenschaften, um sich gegenseitig solidarisch zu unterstützen.

Dessen ungeachtet sparst du dir Mühe und Aufwand für den Markenaufbau und deine Akquise, weil es gemeinsam einfacher ist, sich am Markt zu positionieren. In vielen Branchen herrscht ein Verdrängungswettbewerb und mit einer eingetragenen Genossenschaft machst du aus konkurrierenden Selbstständigen und Freiberuflern kooperierende Partner.

Außerdem hast du gegenüber Auftraggebern eine andere Verhandlungsbasis, weil du Ausfallsicherheit oder interne Qualitätskontrolle gewährleisten kannst. Zudem könnt ihr gemeinsam Aufträge annehmen, die du allein nicht bewältigen kannst, weil dir Know-how oder Zeit fehlt.

Genossenschaft: Nachhaltig wirtschaften, gemeinsam gestalten, unternehmerisches Risiko minimieren

Fazit: Genossenschaften können mehr als Banken, Landwirtschaft oder Wohnungen. Sie sind nicht altbacken, romantisch oder verklausuliert.

Heute gibt es Genossenschaften in der Unternehmensberatung, im Gastgewerbe, im Dienstleistungssektor und der IT-Branche. Die Rechtsform ist flexibel und vor allem kein Selbstzweck: Sie dient dem wirtschaftlichen Wohl ihrer Mitglieder, bietet Teilhabe und Raum zum Gestalten. Mit diesem Instrument ist nachhaltiges, nicht gewinnmaximierendes Wirtschaften möglich. Das sorgt für Stabilität und Sicherheit.

Diese grundlegende Genossenschaftsidee ist so kostbar, dass die Unesco sie als immaterielles Weltkulturerbe proklamierte.

Wenn du zögerst dich selbstständig zu machen: Ja, du kannst scheitern. Oder dich mit Gleichgesinnten in einer Genossenschaft organisieren. Scheitern ist dann ungleich schwieriger.

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