5 Wege, um das Job-Hamsterrad zu verlassen

Raus aus dem Job-Trott: 5 Wege zu mehr Sinn
Foto: © kite_rin - Fotolia.com

Im Schnitt verbringen wir acht Stunden am Tag mit Arbeit. Diese dient vielen Menschen schon längst nicht mehr nur als reiner Broterwerb, sondern soll gleichzeitig sinnstiftend sein. Wie entkommt man dem Job-Trott und findet das, was einen wirklich erfüllt? Utopia stellt fünf Möglichkeiten vor.

Wir stehen auf, frühstücken, fahren zur Arbeit, verbringen dort ungefähr acht Stunden – Pause obendrauf – fahren nach Hause, genießen ein bisschen Freizeit am Abend, legen uns schlafen und der Kreislauf beginnt wieder von vorn: So oder so ähnlich dürfte die fünftägige Arbeitswoche für die meisten aussehen.

1. Job-Hamsterrad verlassen – mit der Viertagewoche

Wie wäre es, einfach weniger zu arbeiten? Der Wissenschaftler Alex Williams von der Universität London würde die klassische 40-Stunden-Arbeitswoche am liebsten abschaffen: „Stell dir vor, jede Woche würde das Wochenende drei Tage lang dauern“, schwärmt er auf The Conversation. Die Viertagewoche würde natürlich mehr Freizeit bringen, einer Theorie Williams zufolge könnte sie aber auch zum Klimaschutz beitragen. Seine Rechnung: Ein Tag weniger Arbeit würde die Energie des Pendlerverkehrs sparen und das Büro bliebe schließlich auch zappenduster.

Vor allem aber würde die Viertagewoche uns persönlich nutzen: Weniger Arbeitsstress bedeute bessere psychische und physische Gesundheit. Zudem hätten wir mehr Zeit für Freunde, Familie, Sport und Hobbys. Am dritten Wochenendtag könnten wir beispielsweise mehr Dinge selber machen, statt sie zu kaufen – eine Möglichkeit den geringeren Lohn auszugleichen.

Die Viertagewoche könnte ein deutlicher Zugewinn an persönlicher Freiheit bedeuten. Vorausgesetzt, Arbeitgeber und Geldbeutel spielen mit. Lass es dir doch mal durch den Kopf gehen und frage beim Arbeitgeber nach, ob diese Möglichkeit besteht – Fragen kostet bekanntlich nichts. Finde außerdem im Teilzeitrechner heraus, wie sich eine Reduzierung der Arbeitszeit auf dein Gehalt auswirken würde.

Grüne Jobs, nachhaltige Jobs
Vier Tage Arbeit statt fünf – klingt gut, oder? (Foto: © Lightpoet - Fotolia.com)

2. Jobs mit Sinn statt Hamsterrad-Jobs

Du bist unzufrieden mit dem Inhalt deiner Arbeit? Du würdest gern im Job „Gutes tun“? Dieser etwas abstrakt anmutende Wunsch kann sich schnell in einen konkreten Job verwandeln: Zahlreiche grüne Jobportale ermöglichen die gezielte Suche nach sinnvollen Stellenausschreibungen. Jobangebote gibt es dort beispielsweise von grünen Energieunternehmen, diversen Vereinen, Stiftungen, Entwicklungsprojekten oder Unternehmen aus dem Nachhaltigkeits-Bereich.

  • Good Jobs: Stellenangebote mit Sinn oder aus dem grünen Bereich
  • Greenjobs: die Jobbörse für Umweltfachkräfte, bietet auch Angebote für Freiwilligenarbeit im Ausland
  • Jobverde: umfangreiche Hintergrundinfos zum grünen Arbeitsmarkt und grünen Jobmessen
  • The Changer: wirbt mit „Jobs für Leute, die die Welt verändern wollen“
  • Epojobs: Jobs in der Entwicklungspolitik
  • Escape the City: interessantes Portal für alle, die keinen Sinn mehr im alten Job sehen – nicht nur grüne Jobs
  • Kampajobs: kleine Jobplattform für Stellen aus dem Non-Profit-Sektor

Nicht zuletzt sind Initiativbewerbungen ein bewährtes Mittel für den Jobwechsel – sie sind besonders für den Quereinstieg geeignet. Das neue soziale Start-up in der Stadt gefällt dir so gut? Frag doch einfach nach, ob sie Unterstützung gebrauchen könnten. Nutze alte berufliche Kontakte und lass Freunde und Bekannte wissen, dass du auf der Suche bist: Spread the News!

Auf diesem Weg könntest du früher oder später einen neuen sinnstiftenden Job finden. Wer eine zündende Geschäftsidee hat, kann dem Job-Trott auch durch eine Gründung hinter sich lassen, theoretisch ist alles möglich.

Eine komplette Auflistung der besten Jobbörsen für nachhaltige Berufe findest du in unserem Ratgeber „Grüne Jobs“.

Grüne Jobs
Einen Job mit Sinn finden? Das ist gar nicht so schwer. (Foto: margie / photocase.com)

3. Jobsharing: Zwei Personen besetzen eine Stelle

Dem Job-Trott entkommst du definitiv mit dem Jobsharing-Modell, bei dem sich zwei Arbeitnehmer eigenverantwortlich eine Stelle teilen. Auf der Vermittlungsplattform Tandemploy können sich Jobsharing-Interessierte registrieren, suchen und finden. Gleichzeitig listet die Plattform Firmen, die Jobsharing offen gegenüberstehen. Nachdem sich passende Tandempartner gefunden haben, kann das neue Team die gemeinsame Bewerbung direkt an die Unternehmen schicken. Wenn alles klappt, könnte ein Partner beispielsweise drei Tage die Woche arbeiten, der andere kommt für zwei Tage ins Büro. Praktisch: Im Fall von Urlaub und Krankheit ist der Tandempartner die optimale Vertretung – schließlich kennt er die Aufgaben in- und auswendig.

Fünf Tage die Woche, 9 to 5 oder oft länger – für Tandemploy-Gründerin Anna Kaiser ist dieses Arbeitsmodell „einfach nicht zeitgemäß und flexibel“, wie sie Utopia erzählt. Mitgründerin Jana Tepe ergänzt: „Arbeit muss ins Leben passen, nicht andersherum. Wer hat denn eigentlich entschieden, dass jede Aufgabe am besten in eine 40-Stunden-Woche passt? Viele Tätigkeiten lassen sich gut in weniger Stunden erledigen, manche brauchen mehr – und dann vielleicht einen Tandempartner.“

Doch nicht nur für den flexiblen Arbeitnehmer hat dieses Modell Vorteile, Unternehmen profitieren beim „Zwei-Personen-auf-eine-Stelle“-Modell von doppelter Kompetenz, verschiedenen Problemlösungsansätzen und mehr Kreativität.

Das Team von Tandemploy will ermöglichen, dass ehemalige reine Vollzeitjobs teilzeittauglich werden – selbst komplexe Stellen wie Führungspositionen. Nicht zuletzt erlaubt Jobsharing als besonderes Teilzeitmodell mehr Zeit für sich, für einen anderen Job, für die Familie, für ein Ehrenamt – oder einfach, um die Seele baumeln zu lassen.

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4. Adieu Job-Trott: weiterbilden statt anhalten

Wer das Gefühl hat, festgefahren zu sein, sollte den Geist wieder aktiv anregen: lebenslanges Lernen wirklich leben. Warum nicht erneut oder das erste Mal studieren, ganz unabhängig vom Alter? Die vielen Rentner in den Hörsälen der Unis machen es vor. Die deutschen Hochschulen bieten inzwischen eine Vielzahl an Studiengängen rund um die Themen Umwelt, Ressourcen und Nachhaltigkeit. In unserem Ratgeber „Grünes Studium“ findest du alle nachhaltigen Ausbildungsmöglichkeiten von A wie Abfallwirtschaft bis Z wie zukunftsfähige Energiesysteme.

Manchmal muss es kein komplett neues Studium sein, eine Weiter- oder Fortbildung im Bereich Nachhaltigkeit lohnt sich ebenso. Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit bietet seit 2011 kostenlose Weiterbildungen: Es gibt Lehrveranstaltungen zu Themen wie „Weltfinanzsystem und Nachhaltigkeit“, „Menschliche Ernährung und ökologische Folgen“ oder „Weltbevölkerung und weltweite Migration“. Durch das videobasierte Lernen ist die virtuelle Akademie auch für Berufstätige zu bewältigen und eigentlich für jeden interessant, der mehr über Nachhaltigkeit und globale Zusammenhänge erfahren möchte. Mehr Infos zu Aus-, Fort- und Weiterbildungen im Bereich Nachhaltigkeit findest du in unserem Ratgeber.

Nicht zuletzt bieten zahlreiche kostenlose Onlinekurse – die Massive Open Online Courses (MOOC) – Videos und Lesematerial auf Universitätsniveau. Die meist englischsprachigen Angebote findest du zum Beispiel bei Coursera und Edx. Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen gibt es auch auf der Plattform Ted, in einigen Fällen werden die englischen Talks mit deutschen Untertiteln ergänzt.

5. Kurztrip in deinen Traumjob

Von welchem Job träumtest du in deiner Kindheit? Ranger, Tierpfleger, Goldwäscher oder Schneider? Das Portal Descape (in etwa „Schreibtischflucht“) bietet Kurztrips in andere Arbeitsbereiche weltweit – ein „Mini-Sabbatical“ sozusagen.

Descape bringt dich weg vom Schreibtisch und raus in die unterschiedlichsten Arbeitsrealitäten: An die Seite von Wildlife Rangern, Förstern, Winzern und anderen Menschen unterschiedlicher Berufe. Man kann nicht nur aus den existierenden Berufen-auf-Probe wählen, sondern auch einen konkreten Jobwunsch an die Macher von Descape schicken.

Raus aus dem Job-Trott: Bäcker auf Probe sein
Bäcker auf Probe ist nichts für Langschläfer: Zwei Uhr früh geht es los. (Foto: © Pixabay / skeeze)

Die Realitätsflucht hat ihren Preis: 7 Tage als Wildlife-Ranger in Costa Rica beispielsweise kosten 840 Euro. Aber es gibt auch günstigere Angebote wie ein Tag „dem Jeansmaßschneider über die Schulter geschaut“ für 95 Euro oder ein Tag beim Tischler für 120 Euro.

Die Job-Praktika bieten eine Auszeit vom Schreibtisch, Ablenkung vom Alltag und Blick über den Tellerrand garantiert. Vielleicht ist das auch das Ausschlaggebende, um sein gegenwärtiges Tun zu überdenken – genügend Abstand vom Alltagstrott und der Job-Routine.

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(7) Kommentare

  1. In Deutschland wird jeder Kilometer zur Arbeit staatlich subventioniert.
    Das führt dazu, dass die Menschen oft lange Wege zur Arbeit (selbstverständlich) in Kauf nehmen.
    Ich bin mir sicher, dass sich die Arbeitswege für viele deutlich verkürzen würden, wenn diese Subventionierung abgeschafft würde, weil die Arbeitsplatz- und Wohnortwahl dadurch beeinflusst würden.

    Es gibt gute Gründe, die für lange Arbeitswege sprechen. Veränderungen am Arbeitsmarkt, Flexibilität, Familie. Stimmt.

    Ein ehrlicher erster Schritt aus der Hamstermühle wäre es dennoch, diese verbrachte Zeit zusammenzurechnen und zu hinterfragen.

    • „In Deutschland wird jeder Kilometer zur Arbeit staatlich subventioniert.
      Das führt dazu, dass die Menschen oft lange Wege zur Arbeit (selbstverständlich) in Kauf nehmen.
      Ich bin mir sicher, dass sich die Arbeitswege für viele deutlich verkürzen würden, wenn diese Subventionierung abgeschafft würde, weil die Arbeitsplatz- und Wohnortwahl dadurch beeinflusst würden.“

      Quatsch. Du glaubst doch nicht wirklich, dass die paar Cent Steuererleichterung die tatsächlichen Kosten und den Zeitaufwand ausgleichen, was Voraussetzung dafür wäre, dass Deine Behauptung zutrifft.
      Das ist außerdem keine Subvention, sondern man kann den Aufwand (bzw. einen Teil davon), den man hat, um sein Einkommen zu erzielen und der dieses unter dem Strich natürlich mindert, steuerlich geltend machen.

  2. Es fehlt noch: Selbständig im eigenen HomeOffice.
    Natürlich ist das nicht für jeden Menschen die passende Lösung.
    Aber das sind die anderen Vorschläge ja auch nicht.

    Das HomeOffice spart sehr viel Fahrzeit, was mir und der Umwelt zu Gute kommt.

    Alternativ würde ich mir wünschen, daß Arbeitgeber mehr HomeOffice-Arbeit ermöglichen und alle Methoden des virtuellen Austausches (Online-Konferenzen ect.) mehr Verbreitung erfahren.

  3. Die 4 Tage Woche wünschen sich sicher viele. Möglich ist das oft nicht. In meinem Bereich gilt noch immer eine 6 Tage Woche. Ich bin Altenpflegerin und sehe meine Arbeit als sehr sinnvoll.
    Aber die Menschen in der Pflege sind am Limit. Warum schreibt ihr nicht zu diesem Thema mal etwas?
    Für Pflegefachkräfte ist kaum einer der genannten Tips umsetzbar.

    • Bin 100% deiner Meinung! Hab selber fast 1 Jahr in der Altenpflege gearbeitet und ziehe meinen Hut vor jedem, der diesen Job auf Dauer aushält; ebenso wie die Jungs und Mädels in der Krankenpflege. Ihr seid die Helden des Alltags! 🙂
      Im Servicebereich ist es auch nahezu undenkbar, den Chef nach weniger als der üblichen 6-Tage-Woche zu fragen. Kann man machen, wird aber erfahrungsgemäß selten etwas bringen.

    • Ist das wirklich überall so? Ich kenne durchaus Leute in der Altenpflege, die Teilzeit arbeiten.
      Natürlich arbeiten die auch sehr hart und müssen ständig aufpassen, daß sie nicht für Teilzeit bezahlt werden und Fulltime arbeiten.

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