Der Selbstversuch: Ein (fast) konsumfreies Jahr

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privat

365 Tage nichts kaufen – das geht nicht? Das stimmt wohl. Das Experiment von Utopistin „Jane_Aire“ hat es aber trotzdem in sich. In unserem Interview erfahren Sie aus erster Hand, wie es so ist, auf möglichst viel zu verzichten, dass man nicht unbedingt konventionelle Damen-Hygieneartikel braucht und was ein Tausch-Mob ist.

Utopia: Du bist nun seit einigen Monaten auf Utopia aktiv und hast dort einen aussagekräftigen Blog mit dem Titel „Selbstversuch 2012 – Ein (fast) konsumfreies Jahr“. Viele Utopisten und auch einige im Utopia-Team lesen regelmäßig deine Beiträge. Erzähl doch mal ein bisschen. Wie kam es zu der Entscheidung, (fast) konsumfrei zu leben??

Jane_Aire: Ich habe schon häufiger Jahre unter ein Verzichts-Thema gestellt. Ich habe unter anderem schon fleisch- und alkoholfrei gelebt. Das fleischfreie Jahr ist mir damals so gut bekommen, dass ich noch zwei weitere Jahre bei dem Thema geblieben bin. Dieses Jahr wollte ich mir mal was größeres vornehmen. Da die bisherigen Selbstversuche so gut gelaufen sind, wollte ich nun meine Erfahrungen mit anderen teilen. Deshalb hab ich mich auf die Suche nach einer Website gemacht, auf der ich thematisch richtig bin. So bin ich zu Utopia.de gekommen.

Worüber wir sehr glücklich sind. Knapp zwei Monate Selbstversuch sind nun vergangen. Kannst du ein erstes Fazit ziehen?

J.A: Es ist ganz schön aufwendig konsumfrei zu leben. Auch, wenn ich nur fast so lebe. Als erstes hab ich festgestellt, dass meine Einkaufswege länger sind. Der nächste Bio-Supermarkt ist doppelt so weit von zuhause entfernt wie der reguläre. Zudem gehe ich jetzt viele Strecken zu Fuß, was in Wuppertal auch nicht immer einfach ist. Da ist das Fitness-Training gleich mit dabei.
Durch die weitere Entfernung zum Bio-Supermarkt kaufe ich viel vorausschauender. Da ich nicht jeden Tag einkaufen gehen will, muss ich planen. Da ich aber auch nicht so viel schleppen möchte, versuche ich natürlich auch viel mehr drauf zu achten, dass nichts weggeschmissen wird. Ist ja sowieso blöd, Lebensmittel weg zu schmeißen. ?Zuletzt muss ich zugeben, dass ich den Kostenfaktor etwas unterschätzt habe. Auch wenn ich jetzt viel weniger konsumiere, mehr Geld ist am Ende des Monats leider nicht übrig.

Auf welche Produkte (die du vorher benutzt hast) verzichtest du komplett in deinem konsumfreien Jahr?

J.A.: Allem voran verzichte ich komplett auf konventionelle Hygieneartikel.? Es gibt hier auf Utopia einen tollen Ratgeber bezüglich des umweltverträglichen Umgangs mit der Menstruation. ?Ansonsten verzichte ich nicht auf irgendetwas Spezifisches. Ich achte jetzt nur mehr auf die Handelswege und auf die Notwendigkeit der Anschaffung.? So möchte ich momentan gerne Teedosen haben. Aber ich renne nicht gleich in den Teeladen und kaufe welche, sondern ich klappere Secondhand-Läden und netcycler.de danach ab. Erst wenn ich dort welche gefunden habe, gehe ich zum Teeladen und lasse sie mir mit Bio-Tee befüllen. So spare ich auch noch die Plastik/Papier-Umverpackung für den Tee.??

Vor kurzem warst du auf einem so genannten Tauschmob. Wie läuft so eine Aktion genau ab?

J.A: Ja, der Tauschmob. Ich muss gestehen, dass ich ihn gar nicht richtig genießen konnte. Leider war ich ziemlich krank und bin deshalb nur so lange geblieben, bis alle meine Tauschpartner eingetroffen waren. ?Trotzdem fand ich den Tauschmob toll. Im Vorfeld hatte man via netcycler.de Tauschgeschäfte vereinbart. Bei dem Tauschmob selbst gab es tolle Musik und interessante Tagesordnungspunkte. So war einer der Begründer von netcycler.de, der Finne Pär Andler, anwesend und hat zusammen mit einem engagierten Wuppertaler Fragen zur Konsumfreiheit und dem Wandel im Konsum beantwortet.? Und natürlich wurde dann auch getauscht. Erst ein wenig schüchtern und unsicher holten alle ihre mitgebrachten Tauschgüter raus und standen verlegen im Raum (ich zumindest). Und dann kam Leben in die Sache. Man hat Leute angesprochen, ob sie die Tauschpartner kennen und ist so von Mensch zu Mensch getingelt, bis man seinen Tauschpartner gefunden hat. Und dann gab’s die Übergabe, dokumentiert von Utopia-Mitglied Oadria mittels Kamera. ?Zuletzt wurde dann auch noch jeder erfolgreiche Tausch mit einem Gutschein vom Café nebenan belohnt.

Was ist für dich strategischer Konsum? Ich vermute mal, es ist bei dir stark mit der Idee des Konsumverzichts verknüpft?

J.A.: Strategischer Konsum heißt für mich zu aller erst mal zu schauen, ob ich die Dinge, die ich brauche nicht auch „so“ bekommen kann. Will damit sagen: Mein Handy gibt bald den Geist auf. Erstmal überlegen, brauche ich wirklich einen Ersatz? In diesem Fall ja. Brauche ich ihn sofort? Nein, denn es funktioniert ja noch den größten Teil der Zeit. Deshalb muss ich nicht heute noch ein neues haben. Darum hab ich genügend Zeit, mich um ein Ersatzgerät zu kümmern. Haben Freunde und Verwandte noch eins, das sie nicht mehr nutzen? Kann ich eventuell via Netcycler.de eins ertauschen?? So ist momentan meine Vorgehensweise bei allen Sachen, die ich haben will.? Bei Lebensmitteln und Hygieneartikeln bedeutet strategischer Konsum, so nachhaltig wie möglich zu kaufen. Dies beinhaltet regionale Bio-Güter.?

Hast Du ein grünes Vorbild?

J.A: Ein grünes Vorbild ist für mich jeder, der sich Gedanken um unseren Planeten macht und die Gedanken auch in die Tat umsetzt.

Was ist deine größte Öko-Sünde?

J.A: Puh, gute Frage! Ich berichte ja viel lieber von meinen ruhmreichen Taten, als von meinen Umweltsünden.?? Hier drei momentane Sünden zur Auswahl:??

-Einmal im Monat „gedankenlos“ konsumieren (will heißen ein Teil aus Plastik kaufen oder Essen bestellen bei einem Lokal, wo es keine Bio-Küche gibt)?
-Ich habe ein Auto zur Verfügung und lasse es rumstehen?
-Ich habe noch gaaaanz viele Dinge in meiner Wohnung, die eigentlich der Wiederverwertung zugeführt werden sollten, ich war nur bisher zu faul dies auch zu tun.?

Entscheidet ihr, was davon die größte Sünde ist.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

J.A: Für die Zukunft wünsche ich mir ganz viel. Aber eigentlich bedarf es nur ein bisschen Aufmerksamkeit von jedem. Ich wünsche mir, dass die Menschheit endlich begreift wie kostbar unser Planet ist und auch endlich sinnvolle Maßnahmen ergreift ihn zu schützen. Und ich möchte mich bei jedem bedanken, der engagiert genug ist einen Schritt in die richtige Richtung zu tun.

Herzlichen Dank für das Interview!

(21) Kommentare


  1. Gewohnheiten analysieren und überdenken kann sehr viel bringen, beispielsweise für die Ökologie, für den Geldbeutel und für die Gesundheit.
    Ich habe zwar vor fasat 10 Jahren die „Erste Sächsische Bioland-Vollwert-Mühlenbäckerei gegründet, aber seit ich die verkauft habe, esse ich kein Brot und lebe ohne die „toten Aufstriche“ viel gesünder. Wie? Ich bin zur Breikultur zurückgegangen, indem ich zum Frühstsück ausschließlich mit meiner Getreidemühle frisch gemahlenes Getreide verzehre, das ich mit Obst und Gemüse der Saison weiter aufwerte. Natürlich brauche ich weder Fleisch noch andere Tierprodukte. Ich fand einfach andere vegane Genüsse, die viel gesünder sindals Tieprodukte, die ja mit dem Tiereiweißimmer ein Giftpotential enthalten. (Siehe Prof. Lehmann.“Eiweißspeicherkrankheiten“)
    So habe ich in den letzten 12 Monaten nur 127 €uro pro Monat für Lebensmittel ausgegeben, obwohl ich 100 Prozent Bio esse.
    Außerdem spare ich die Energie, die zum Brotbacken erforderlich wäre. Ich spare auch die Zeit zum Einkaufen, denn wenn ich einkaufe, dann immer gleich einen Sack voll (25 kg) Nackthafer oder Dinkel
    oder gleich eine Kiste voll Äpfel und Avocados und Möhren. So spare ich Wegezeit, Benzin und viele viele Kleinpackungen. So gibt es kaum noch Müll. Socken ziehe ich in der Regel nicht mehr an, sondern gehe ab Januar bis Dezember barfuß in meinen Sandalen, nur bei Matschwetter ziehe ich mal Socken an und feste Schuhe.
    Das habe ich von Pfarrer Sebastian Kneipp gelernt, in dem Buch von 1898 „So sollt ihr leben“. Er schrieb: „Solange die Bauern bis vor 50 Jahren von Mai bis Dezember barfuß gingen, waren sie gesund. Heute (1898) ziehen sie Stiefel an und sind häufiger krank.“ (Übrigens ich selbst bin seit 1983 keinen Tag mehr bettlägerig gewesen und überwinde einen gelegentlichen Infekt innerhalb weniger Tage. Ohne Medikamente, Ohne Arzt. So kann das Krankheitsunwesen und die Pharmalobby an mir nichts verdienen.
    Auch von der Lebesnweise der Forscher auf Expeditionen kann man etwas lernen. Die schleppen keine Waschmaschine mit, sondern hängen ihre Unterwäsche über Nacht zum Auslüften auf die Leine. So kann man mit wenig Wäsche monatelang auskommen und muß höchstens alle paar Monate mal Wäscche waschen. Das spart Zeit, Kleidung, Waschmittel, Wasser und Energie.
    Wer bei mir mal Praktikum machen will, kann lernen, wie man/frau ohne „Verzcht“, sondern mit Änderung seiner Lebensweise.und Lebensauffassung sich körperlich und geistig wohler fühlen und viel gesünder leben kann, dabei im Monat eine Mengse Geld sparen, das er/sie nicht erst verdienen muss.

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