The Generation Forest: Was steckt hinter dem Waldinvestment?

Bild: CC0 / Pixabay / Karsten Paulick

The Generation Forest ist eine Genossenschaft, die Bäume pflanzt und ihren Mitgliedern nach dem Verkauf des Holzes eine Rendite verspricht. Nach eigenen Angaben gibt es bereits mehr als 1.000 Mitglieder*innen in der Genossenschaft, die über vier Millionen Euro eingezahlt haben. Bäume pflanzen und Rendite machen – ist das seriös?

Waldinvestments schießen seit einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden, besser gesagt: wie Bäume. Der Gedanke dahinter ist: Nachhaltig Bäume pflanzen und damit der Natur helfen, gleichzeitig aber auch Rendite ausschütten über den Verkauf des Holzes, das bei der Verjüngung und Pflege des Waldes anfällt.

Weil nicht jeder gleich einen ganzen Wald kaufen und bewirtschaften kann, gibt es anteilige Waldinvestments. Irgendwo auf der Welt kaufen oder pachten Anleger*innen den Teil eines Waldes, der aufgeforstet und nach Jahren geerntet wird.

Bei The Generation Forest ist das allerdings etwas anders: Hierbei handelt es sich um eine Genossenschaft, bei der Anleger*innen zum Mitglied werden und Anteile erwerben.

The Generation Forest: Bäume pflanzen für die Natur und die Rendite

Die Idee klingt verlockend: Viele Menschen tun sich zusammen, kaufen ein Stück Land, pflanzen und bewirtschaften einen Wald und verkaufen das geerntete Holz nach und nach, sodass sie Gewinne erwirtschaften.

Dieses Modell verfolgt auch die Genossenschaft The Generation Forest, die nach eigenen Angaben vier Aufforstungsprojekte in Panama unterhält und deren Wälder inzwischen FSC-zertifiziert sind. Dort pflanzt die Genossenschaft neuen Regenwald für eine nachhaltige forstwirtschaftliche Nutzung. Bei diesem „Generationenwald“ handelt es sich um eine robuste Mischung einheimischer Bäume, die für gesunde Böden sorgt und Lebensraum vieler Tierarten sind. Gegenüber Utopia erklärt die Genossenschaft, dass sie bereits nach kurzer Zeit sichtbare Erfolge feststellen konnten:

„So konnten wir in jüngster Zeit nicht nur die Wiederansiedelung vieler Vogel- und Affenarten in unseren Wäldern beobachten, sondern auch die des Jaguars.  Unsere Wälder sind oder werden vollständige Ökosysteme, das ist unser Ziel, denn sie sind eine effektive natürliche Klimalösung.“

The Generation Forest

Wald in Panama
The Generation Forest: Gemeinsam Wald kaufen (Bild: CC0 / Pixabay / sbmatherson) (CC0 / Pixabay / sbmatherson)

Bei The Generation Forest handelt es sich um ein 2015 gegründetes Sozialunternehmen, eine „Certified B Corporation“ (mehr zum Thema nachhaltige Unternehmensformen). Es gibt einen Vorstand, einen Aufsichtsrat und eine Generalversammlung, der auch die Mitglieder*innen angehören. Alle haben Rederechte, doch stimmberechtigt sind nur ausgewählte Mitglieder*innen und nicht alle Investor*innen. Die Unterscheidung gibt es, „da wir sicherstellen möchten, dass die Genossenschaft auch in 50 oder 100 Jahren ihre Mission nicht verliert“, lautet die Begründung. Bei der Entwicklung des gesamten Konzepts hat sich die Organisation Unterstützung des Smithsonian Tropical Research Institute und des UN-REDD Programms geholt.

Wie nachhaltig ist The Generation Forest?

Die Nachhaltigkeit von Aufforstungsprojekte zu beurteilen, gestaltet sich äußerst schwierig. Denn es gibt kaum vergleichbare Kennzahlen, sie sich für einen sinnvollen Vergleich anbieten. Allgemein gilt, dass Nutzwälder nicht vollständig echte Urwälder ersetzen können. The Generation Forest setzt allerdings auf naturnahe Wälder, die den zerstörten Primärwäldern möglichst nahe kommen. Es geht hier nicht um Bäume auf einer Plantage, sondern echte Wälder, die den Regenwäldern ähnlich sind.

Positiv fällt auf, dass eine Studie der Tropenwaldstiftung OroVerde und des Global Nature Fund (PDF) im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz und finanziert durch das Bundesumweltministerium die Genossenschaft The Generation Forest näher untersucht hat (damals unter dem Namen „Waldmenschen eG“).

„Die Ergebnisse basieren auf einem Vor-Ort-Besuch im April 2016, Interviews, Beobachtungen und eingesehenen Dokumenten“, erklären die Autor*innen der Studie. In ihrer Wirkungsanalyse kommen sie zu folgenden Ergebnissen:

Ökologie

  • Bestehende Naturwälder werden geschützt und an lichten Stellen mit heimischen Baumarten aufgeforstet.
  • Es gibt ein Risikomanagement für den Schutz vor Bränden und Schädlingen.
  • Das Projekt Santa Rita hat eine besonders hohe Biodiversität vorzuweisen (über 120 Pflanzenarten, über 20 Vogelarten).
  • Tiere zu jagen, ist auf den Gebieten zum Schutz der Biodiversität nicht erlaubt.
  • Chemikalien werden gemäß den FSC-Regeln nur in geringem Umfang eingesetzt.
  • Das Konzept des Generation Forest mit den heimischen Baumarten, verschiedenen Generationen und Naturschutzflächen werde auch von der panamaischen Umweltschutzorganisation ANCON als positiv angesehen, so die Studie. Nur der Einsatz von Glyphosat ist kritisch, der nach FSC-Vorgaben aber auf ein Minimum begrenzt sein muss. Allerdings betont The Generation Forest, dass der Glyphosat-Einsatz nicht mit dem in der Landwirtschaft vergleichbar sei: “ Im Gegensatz zur Landwirtschaft wird Glyphosat bei uns lediglich in den ersten 2 Jahren genutzt, und dann nie wieder“.  Zudem werden nur sehr geringen Mengen an Glyphosat eingesetzt und langfristig will die Organisation auch darauf verzichten.

Soziales

  • Die meisten Mitarbeiter*innen haben laut der Studie befristete Arbeitsverträge (drei bis sechs Monate) und kommen nicht aus der direkten Umgebung. Die Gründe dafür sollen das geringe Interesse der lokalen Bevölkerung, Landflucht und wenige Einwohner in der Umgebung sein. The Generation Forest erklärt, dass vor allem die arbeitsintensive Pflanzungszeit von drei bis sechs Monaten für viel Beschäftigung sorgt. Vergleichbar ist dies mit der Erntezeit – “ das gibt uns die Natur tatsächlich so vor“.
  • Gleichzeitig nutzen die nicht festangestellten Mitarbeiter*innen die Möglichkeit, während der Zuckerrohr- oder Kaffeeernte ihren Vertrag zu unterbrechen und dieser besser bezahlten Tätigkeit vorübergehend nachzugehend.
  • Während der Trockenzeit werden nur rund die Hälfte der Mitarbeiter*innen benötigt. Die anderen Mitarbeiter werden vorübergehend nicht weiter beschäftigt.
  • Um formale und informelle Landnutzungsrechte zu klären, gibt es vorab Vor-Ort-Besuche mit einem externen Anwalt für Gespräche mit der lokalen Bevölkerung.
  • Die Mitarbeiter*innen der untersten Gehaltsstufe erhalten Mindestlohn und einen Lebensmittelkupon. Zudem gibt es gesetzlich vorgeschrieben vier Wochen Urlaub.
  • Alle Mitarbeiter*innen sind sozialversichert, erhalten eine Unterkunft und kostenlose ärztliche Versorgung.
  • The Generation Forest unterstützt die Mitarbeitenden bei der Alphabetisierung und bei Schulabschlüssen. Familien sollen zudem leichter Zugang zu Bildung bekommen.

Fazit zur Nachhaltigkeit: Der Generation-Forest-Ansatz ist der Studie nach eine sinnvolle Alternative zu den sonst üblichen Monokultur-Plantagen oder landwirtschaftlicher Nutzung mit Brandrodung und sie „ökologisch vorteilhaft“. Weiterhin sei „die Ausweisung von 30 Prozent der Projektfläche als naturbelassenes Schutzgebiet positiv zu werten“, heißt es in der Studie. Die ländliche Armut vor Ort durch Ausbildung und langfristige Arbeitsplätze zu bekämpfen, könne The Generation Forest aufgrund befristeter Arbeitsverträge jedoch nur teilweise erfüllen. „Positiv ist zu sehen, dass viele der Mitarbeiter jedes Jahr von neuem beschäftigt werden“, meinen die Expert*innen.

Gleichzeitig muss man The Generation Forest auch zu Gute halten: Welche Alternativen gibt es in einem Land, in dem zwei Drittel der gesamten Waldfläche bereits zerstört wurde? Fast immer sind es Viehweiden oder Monokulturplantagen. Daher ist der nachhaltige Ansatz des naturnahen Mischwaldes von Generation Forest lobenswert.

Ist The Generation Forest seriös?

Zum Preis von 1.200 Euro pro Anteil gibt es 500 Quadratmeter Wald in Panama und voraussichtlich eine durchschnittliche Rendite von 4,5 Prozent jährlich, so The Generation Forest. Die Genossenschaft wirbt damit, dass es in Panama stabile politische Strukturen gebe, ein Investitionsschutzabkommen zwischen Panama und Deutschland, das vor Enteignung schützt sowie den US-Dollar als Landeswährung.

Klar ist allerdings auch, dass ein Totalverlust des investierten Geldes möglich ist. Darauf weist die Genossenschaft auch sehr transparent hin. Die Studie der Tropenwaldstiftung OroVerde und des Global Nature Fund  (PDF) nimmt zwar keine ökonomische Bewertung vor. Dennoch nennt sie in ihrer Studie verschiedene Risiken:

  • „Politisch-ökonomische sowie genossenschaftsinterne Risiken bestehen“, so die Autor*innen. Dazu zählt zum einen das Risiko des Totalverlustes des eingesetzten Kapitals. Zum anderen ist die Laufzeit von rund 20 Jahren bis zur ersten Ausschüttung der Rendite sehr lang.
  • Die Waldbrandgefahr sei nur „teilweise beherrschbar“. Aus diesem Grund würden die wirtschaftlichen Auswirkungen durch eine Versicherung abgefedert.
  • Um das Risiko von Währungsschwankungen zu minimieren, gebe es Liquiditätsreserven im Dollarraum.

Wie sinnvoll sind Waldinvestments?

Geld in Wald zu investieren, ist in den letzten Jahren mit sogenannten „Waldinvestments“ von zahlreichen Plattformen angeboten worden. The Generation Forest ist als Genossenschaft allerdings nicht direkt mit solchen Waldinvestments zu vergleichen. Die Verbraucherzentrale weist in Bezug auf Waldinvestments daraufhin, dass es sich grundsätzlich um „spekulative Geldanlagen“ handelt. Anleger*innen müssten damit rechnen, einen Teil ihres Geldes oder sogar alles zu verlieren. „Die Rendite eines solchen Investments hängt maßgeblich von der Nachfrage und den Preisen für Holz und Holzprodukte ab“, erklärt die Verbraucherzentrale.

Hinzu komme, dass die Renditen der Anbieter*innen immer nur Prognosen sind. Sie basieren auf den Erwartungen, wie sich der Holzpreis in 20 bis 30 Jahren entwickelt. „Nicht immer lässt sich aber das Holz wie erwartet vermarkten, oder das Waldgrundstück verliert an Wert“, so die Verbraucherzentrale. Außerdem könnten Schädlingsbefall und Naturkatastrophen die Holzernte teilweise oder vollständig zerstören und nicht immer gibt es eine Versicherung, die das vollumfänglich auffängt. Bei The Generation Forest sind die Wälder zum Beispiel gegen Feuer- und Windschäden versichert und gegen Schädlinge und Dürre gibt es Schutzmaßnahmen. Auch auf das Risiko eines Totalverlusts weist The Generation Forest auf seiner Webseite hin und sorgt für viel Transparenz.

Börse und Investments
Waldinvestments als Alternative zu klassischen Investments? Bild: CC0 / Pixabay / Pexels (Bild: CC0 / Pixabay / Pexels)

Neben der Nachfrage des bestimmten Holzes bestimmt aber auch die Qualität den Preis und damit am Ende die Rendite. „Die Entwicklung der Preise ist von so vielfältigen Faktoren abhängig, dass eine verlässliche Vorhersage nicht seriös möglich ist“, meint die Verbraucherzentrale. Zudem haben Investor*innen selten eine Chance, vor Ort ihr Stück Land anzuschauen und zu prüfen, ob dort das Geld auch wie vereinbart verwendet wird. Die Expert*innen der Verbraucherzentrale sind daher der Auffassung, dass Waldinvestments allenfalls als kleine Beimischung im Depot sinnvoll sind. Bei The Generation Forest handelt es sich jedoch nicht um ein klassisches Waldinvestment:

  • The Generation Forest hat sich der Kritik der Holzpreise angenommen und aus diesem Grund bewusst auf eine zu erwartende Preissteigerung verzichtet.
  • Sie setzt auf einen sehr konservativen Holzpreis und verzichtet auf spekulative Prognosen.
  • Der Ausstieg aus der Genossenschaft ist jederzeit möglich und das auch ohne Verlust.

Außerdem bemüht sich The Generation Forest um vollständige Transparenz gegenüber den Genossenschaftsmitgliedern:

„Unsere Gebiete können jederzeit besucht werden, alle Verträge und Urkunden können eingesehen werden. Zudem lassen wir unsere Projekte regelmäßig von unabhängigen Prüfern kontrollieren und begutachten. Zusätzlich haben wir über Explorer Land eine Möglichkeit geschaffen, jederzeit die Fläche auch aus der Ferne sichtbar zu machen.“

The Generation Forest

Alternativen zu The Generation Forest

Die Verbraucherzentrale hat bei ihrer Beurteilung von Waldinvestments vor allem geschlossene Fonds, Direktinvestments und andere typische Investments im Blick, die als besonders spekulativ gelten. Genossenschaften wie The Generation Forest sind eine besondere Form. Denn hierbei handelt es sich genau genommen um die Idee, gemein­sam mit anderen solidarisch wirt­schaftliche, soziale oder kulturelle Projekte umzusetzen. Diese Belange werden bei einer Genossenschaft grundsätzlich höher priorisiert als die Gewinnerziehlungsabsicht.

„Als reine Kapitalanlage eignen sich Genossenschaftsanteile nicht“, erklärt daher auch Stiftung Warentest. Aber es ist ein Spagat zwischen wirtschaftlichem Anreiz und nachhaltigem Klima- und Umweltschutz und zählt damit zu den Impact Investments. Investieren mit dem Ziel, die Welt etwas besser zu machen.

Wer eine nachhaltige Geldanlage sucht, sollte einen Blick in unseren Artikel zu den vielen grünen Geldanlagen werfen. Dort findest du die gesamte Bandbreite – von Investmentfonds und ETFs bis hin zu Tages- und Festgeld. Mehr Hintergründe zu nachhaltigen ETFs erläutern wir in einem eigenen Artikel.

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