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Ukraine-Krieg: Wie gehe ich mit der mentalen Belastung um?

Wie kann ich trotz negativer Nachrichten die Hoffnung nicht verlieren?
Foto: CC0 Public Domain / Pexels - Liza Summer

Die aktuellen Nachrichten aus der Ukraine gehen an den meisten von uns nicht spurlos vorbei. Sie können uns verunsichern und Ängste auslösen. Damit du aber trotzdem nicht die Decke über den Kopf ziehst, haben wir Tipps einer Expertin.

Seit Wochen ist die Nachrichtenlage in Deutschland geprägt vom Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Manche Menschen stecken die Situation mental gut weg, andere wiederum fühlen sich verzweifelt, hilflos oder empfinden Angst. Alle Gefühle sind berechtigt. Es gibt aber ein paar Möglichkeiten, wie wir mit unseren Emotionen besser klarkommen und die Hoffnung nicht verlieren. Dafür haben wir mit Dr. med. Manuela Nunnemann gesprochen. Sie ist Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses Berlin-Weißensee.

Utopia: Seit Wochen bestimmen negative Schlagzeilen und Nachrichten die Zeitungen und Social Media. Daher ganz konkret: Was macht das mit uns?

Manuela Nunnemann: Hierzu lässt sich keine allgemeine Aussage treffen. Es gibt Menschen, die Nachrichten von sich fernhalten. Dann gibt es wiederum Personen, die von sich aus „problembeladen“ sind und die Dinge in einem negativen Licht betrachten. Bei diesen schlagen solche Nachrichten natürlich ein wie „eine Bombe“. Sie fühlen sich in ihrem negativen Weltbild und mit ihrer Problemlage bestätigt, was nicht zuletzt eigene Ängste oder gar Depressionen verstärken kann.

Wieder andere Menschen setzen sich intensiv mit Nachrichten auseinander, haben aber gelernt abzuwägen. Das heißt, sie lassen sich nicht erschüttern und bleiben zuversichtlich, trotz der Dramatik der Nachrichten. Diese bleiben handlungsfähig. Sie werden gegebenenfalls gemäß ihrer Möglichkeiten aktiv. Das entspricht nämlich ihrem Selbstbild „ich kann etwas tun“.

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Wenn ich zu den Personen gehöre, bei denen Verzweiflung, Hilflosigkeit, Angst auftritt: Wie viel Raum sollte ich den Gefühlen geben?

Hier ist es besonders wichtig, behutsam mit den eigenen Gefühlen und Gedanken umzugehen und diese zu akzeptieren. Trotz alledem sollte man sich aber klarmachen, dass man sich selbst und dem eigenen Umfeld etwas Fürsorgliches und Wohlwollendes tun kann. Es ist keineswegs hilfreich, Verzweiflung, Hilflosigkeit und Angst zu verdammen oder gar bekämpfen zu wollen. Wir alle kennen Momente, in denen wir Angst haben. Ob diese rational oder irrational sind: Wir sind Menschen.

Aber ab einem gewissen Moment ist Vorsicht geboten. Wir sollten uns nicht in unseren Ängsten verlieren. Wenn wir das aber aus eigener Kraft oder mit Hilfe unserer Umwelt nicht verhindern können, sollten wir rechtzeitig professionelle Hilfe suchen.

Ein weiteres Gefühl, das bei vielen Menschen jetzt besonders stark auftritt ist Unsicherheit. Wie können wir mit ihr umgehen?

Letztlich werden wir im Leben immer wieder mit Konflikten und Situationen konfrontiert, an denen wir nichts ändern können. Dies gilt es anzuerkennen und auch zu akzeptieren. Denn nur so versetzen wir uns in die Lage, nicht daran zu verzweifeln. Unsicherheiten gehören zum Leben. Wir sollten immer versuchen, nach umsetzbaren Lösungen zu suchen – in diesem Fall: „Wie kann ich mich wieder sicher fühlen?“

Die große Stressquelle: unser Handy

Egal ob per Pushmeldung oder in Apps: Auf unseren Smartphones erreichen uns zuhauf negative Nachrichten. Welchen Umgang sollten wir mit unserem Handy führen?

Wenn wir bemerken, dass uns die permanente Flut vor allem an negativen Nachrichten so sehr beeinträchtigt, dass wir unseren Alltag nicht mehr bewältigen können oder dadurch permanent unter Stress geraten, sollten wir in Erwägung ziehen, Handypausen beziehungsweise Offline-Phasen zu etablieren. Diese sollten wir besonnen und mit einer großen Fürsorge für uns und unseren Nächsten verbringen. Zum Beispiel kann es eine gute Möglichkeit sein, sich sportlich zu betätigen, zu meditieren oder einfach zu chillen.

Handynacken
Es ist wichtig auch mal das Smartphone beiseite zu legen. (Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Manchmal gelangen Menschen in eine Spirale aus Nachrichten-Stress-Nachrichten-noch-mehr-Stress hinein, wie kommt es dazu? – Und wie kommen wir da wieder raus?

Menschen gehen ganz unterschiedlich mit Nachrichten um. Manche geraten förmlich in einen Nachrichtenstrudel und vermögen es kaum, sich daraus zu befreien. Hier ist zu empfehlen, sich ganz bewusst und achtsam seiner Umwelt und sich selbst zuzuwenden, ohne in einen Kampf mit den eigenen Gedanken zu geraten.

Dies kann man beispielsweise erreichen, indem man den Moment bewusst erlebt. Das heißt: Gerüche, Geräusche und Empfindungen wahrnimmt, ohne sich dafür abzustrafen, Genuss zu empfinden, wenn andere leiden. Denn letztlich kann jede:r einzelne von uns nur hilfreich sein, wenn es uns sowohl körperlich als auch geistig gut geht. Dies gelingt in aller Regel nicht sofort, sondern benötigt, wie vieles im Leben, eine regelmäßige Übung. Vor allem aber bedarf es auch einer eigenen Erlaubnis, die man sich selbst gibt, diese Momente erleben zu dürfen.

Wenn ich mich aber dennoch hin und wieder informieren möchte – gibt es eine gute Zeit dafür?

Wenn man bei sich die Beobachtungen macht, dass Nachrichten einen in eine schlechte Stimmung versetzen, sollte man die Zeit begrenzen, in der man Nachrichten aufnimmt. Die Phase der Nachrichtenaufnahme sollte nicht am Ende, sondern eher in der Mitte des Tages erfolgen. Dadurch hat man die Gelegenheit, der entstandenen Stimmungslage etwas entgegensetzen zu können.

Mittagsschlaf halten: Zwischen 13 und 15 Uhr droht das Mittagstief.
Bis zum Mittag oder frühen Nachmittag ist die beste Zeit, um sich zu informieren. (Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Einfache und schnelle Tipps für eine bessere mental health

Nehmen wir an, wie aus dem Nichts merke ich, dass mich gerade alles belastet. Welche SOS-Tipps gibt es?

Versuchen Sie, sich im aktuellen Moment auf die schönen Dinge in Ihrer Umgebung zu konzentrieren oder sich schönen Ereignissen in Ihrem Leben zuzuwenden. Aktuell bietet sich beispielsweise ein Spaziergang in der Frühlingslandschaft an – mit offenen Augen und Ohren für die Natur, die einen umgibt. Für manche ist es auch wichtig, in Bewegung zu bleiben. Also nutzen Sie die Zeit, um sich sportlich aktiv zu sein. Des Weiteren haben wir auch die Möglichkeit, unser Engagement gegen den aktuellen Krieg in der Ukraine mit Hilfen für Flüchtlinge, ehrenamtlichen Tätigkeiten oder Teilnahmen an Demonstration umzusetzen. Solange wir im Handeln sind, nehmen uns Hilflosigkeit und Ohnmacht nicht so stark ein.

Unterschiedliche Bedürfnisse beim Zusammenleben

In einer WG oder Familie möchte sich Person 1 genauestens informieren, Person 2 nur über das allernötigste. Wie kommuniziert Person 2 ihre Wünsche?

In einer Lebensgemeinschaft gibt es gerade in solch kritischen politischen Situationen häufig unterschiedliche Haltungen. Hier empfiehlt es sich, dass jede Partei ihre Haltung der jeweils anderen Seite möglichst neutral mitteilt. Somit wissen alle, wie es um die andere Person steht. Wichtig ist hierbei, die einzelnen Bedürfnislagen zu akzeptieren, aber vor allem auch zu respektieren.

Entscheidend ist, dass man auf die allgemeinen Regeln der Kommunikation achtet – die andere Person aussprechen lässt, ihr aber auch deutlich signalisiert, wie es einem damit ergeht. Die eigenen Formulierungen sollten entsprechend beginnen: „Ich wünsche mir, dass …., weil es mir ….“. Damit signalisiert man der Person gegenüber, dass man sie respektiert und gibt ihr gleichzeitig die Möglichkeit, auf Bedürfnislagen einzugehen.

Bleiben wir beim Zusammenleben: Was mache ich, wenn Menschen in meinem Umfeld mir meine negativen Gefühle absprechen, mich nicht verstehen?

Wir alle haben unterschiedliche Biografien, haben positive und negative Lebenssituationen erlebt. Diese Erfahrungen prägen in einem nicht unerheblichen Ausmaß unsere Reaktionen sowohl auf gedanklicher, als auch auf emotionaler Ebene. Wir können nicht davon ausgehen, dass unser Gegenüber erfasst, auf welchen „Boden“ Nachrichten bei uns fallen. Wenn uns diese Menschen am Herzen liegen, sollten wir ihnen eine Gelegenheit geben uns zu verstehen – indem wir erklären, warum wir so und nicht anderes reagieren.

Gleichwohl wird es immer wieder auch Situationen geben, in denen man dem Gegenüber eigene Emotionen nicht nahebringen kann, weil er oder sie im Leben ganz andere Erlebnisse und Erfahrungen gesammelt hat. Hier empfiehlt es sich Themen stehenzulassen oder sich andere Gesprächspartner zu suchen. Das ist gut zum Selbstschutz und für eine konfliktfreie Beziehung.

Dr. med. Manuela Nunnemann ist Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses Berlin-Weißensee
Dr. med. Manuela Nunnemann ist Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses Berlin-Weißensee (Foto: © Manuela Nunnemann)

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