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Neue „Guter Fisch“-Liste: Welchen Fisch kann man noch essen?

Verbraucherzentrale aktualisiert Fischratgeber: Welchen Fisch kann man noch essen?
Foto: CC0 Public Domain – Pixabay/ monika1607 (bearbeitet)

Fisch gilt als gesund – aber oft nicht als nachhaltig. Die Verbraucherzentralen haben gemeinsam mit WWF, Nabu und der DUH eine neue „Guter Fisch“-Liste herausgegeben. Einige wenige Fischarten kann man demnach aus Umweltsicht noch kaufen.

Kann man Fisch überhaupt noch guten Gewissens essen? Dazu gibt es verschiedene Meinungen. Vegetarier:innen und Veganer:innen verzichten auf Fisch. Doch Tierschutz ist nur ein Grund, auf Fisch zu verzichten.

Überfischung, Beifang und Geisternetze im Meer zählen zu den negativen Auswirkungen des Fischfangs. Organisationen wie der WWF oder Greenpeace veröffentlichten deshalb in der Vergangenheit Fischratgeber, die einen Überblick darüber geben, wie überfischt bestimmte Arten sind und wie groß die Umweltauswirkungen.

Neue „Guter Fisch“-Liste von Verbraucherzentralen und Co.

Der neueste Kaufratgeber für Fisch ist die „Guter Fisch“-Liste vom Dezember 2023. Sie wurde gemeinsam von den Verbraucherzentralen, der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar), dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sowie dem World Wide Fund For Nature (WWF) veröffentlicht. Die Liste umfasst Meeresfische, Fische aus Aquakulturen werden nicht berücksichtigt.

Dr. Katja Hockun, Teamleiterin Meeresschutz bei der DUH, erklärt dazu: „Unsere Meere stehen unter Druck: Klimakrise, Verschmutzung, Infrastrukturausbau, und auch Fischerei setzen dem Ökosystem zu. Damit die Fischerei eine Zukunft hat, darf nur so viel gefischt werden, wie auch wieder natürlich nachwachsen kann.“

Außerdem müsse konsequent nachhaltiges Fanggerät eingesetzt werden. „Mit der Liste „Guter Fisch“ wollen wir Verbraucher*innen helfen zu verstehen, worauf es beim Fischfang und -kauf ankommt“, so die Expertin weiter.

„Guter Fisch“-Liste: nur noch 12 Meeresfische zu empfehlen

Insgesamt elf Fischarten sowie Miesmuscheln stehen auf der neuen Guter-Fisch-Liste. Diese ist ein Jahr lang gülitg, also bis Dezember 2024. Um besseren Fisch zu kaufen, sollte man nach Meinung der Umweltverbände Fischart, Fangmethode und Fanggebiet genau mit der Liste vergleichen.

Bei unverarbeitetem Fisch und Tiefkühlprodukten sind diese Angaben verpflichtend, wenn auch nicht immer detailliert genug, um bewerten zu können, ob ein Produkt ein „guter Fisch“ ist. Im Zweifel muss man deshalb beim Einkauf nachfragen. Nur so kann man nach Ansicht der Verbraucherzentrale vermeiden, dass Fisch aus einem stark bedrohten Bestand auf dem Teller landet. Denn in einem Fanggebiet kann eine Fischart bedroht sein, in einem anderen nicht.

Fischratgeber: Es kommt auf Art, Region und Fangmethode an

Welchen Fisch kann man noch essen?
Fischratgeber: Welchen Fisch kann man noch essen? (Foto: CC0 Public Domain – Pixabay/ photo-graphe)

Die Fangmethode ist neben der Herkunft der Fischbestände ein wichtiges Kriterium beim Kauf von Fisch. Besonders schädlich sind Grundschleppnetze, da sie meist viel Beifang erzeugen und den Meeresboden zerstören. Aquakulturen sollen Bestände schonen, stehen aber ebenso in der Kritik, unter anderem weil als Futtermittel meist Fischmehl aus bedenklichem Wildfang zum Einsatz kommt.

Welchen Fisch kann man denn noch essen? Folgende Meeresfische empfiehlt die Guter-Fisch-Liste:

  • Flunder, Scholle und Kliesche aus der Ostsee, wenn sie mit Reusen oder Fallen gefangen wurden
  • Ketalachs und Rotlachs aus dem Nordostpazifik um Alaska. Fangmethoden: Umschließungs- und Hebenetze, Schleppangeln bei Ketalachs, Kiemennetze und vergleichbare Netze für Rotlachs
  • Hering aus dem Golf von Riga oder der nördlichen Irischen See, gefangen durch Pelagische Schleppnetze, bei letzterem zusätzlich durch Reusen und Fallen
  • Seelachs aus der Barentssee mit den erlaubten Fanggeräten Umschließungs- und Hebenetzen
  • Weißer Thun, wenn er aus dem Nordwestatlantik, Nordostatlantik, Mittleren Westatlantik oder Mittleren Ostatlantik stammt und mit Hand- und Angelleinen oder Schleppangeln gefischt wurde
  • Miesmuscheln aus dem Nordostatlantik und als Leinenkultur

Iberischer Stöcker und Echter Bonito stehen ebenfalls auf der Liste. Die vollständige Guter-Fisch-Liste kann man auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg als PDF herunterladen.

Insgesamt ist die Liste kürzer als zuletzt. Die Makrele und die Sprotte aus der Ostsee wurden im vergangenem Jahr noch als bedingt empfehlenswert eingestuft, allerdings war ihr Verbleiben auf der Guter-Fisch-Liste an Bedingungen geknüpft. Da die notwendigen Schutzmaßnahmen nicht ergriffen wurden und die Fischbestände weiter überfischt sind, sind diese Arten nicht mehr zu empfehlen.

Dr. Rainer Froese, Meeresökologe und Fischereiwissenschaftler am Geomar erklärt: „Speisefische wie Dorsch, Hering oder Sprotte spielen als Räuber oder Beute zentrale Rollen im Ökosystem. Dafür müssen ihre Bestände aber ausreichend groß sein und dürfen nicht überfischt werden, was zum Beispiel für die Sprotte nicht mehr zutrifft.“

Fischratgeber: Nach welchen Kriterien erfolgt die Bewertung?

Bei der Bewertung der Fische für die Guter-Fisch-Liste spielen die Fangtechnik, Beifangvermeidung, die aktuelle Bestandsgröße sowie die Höhe des Fischereidrucks (die Intensität des Fischfangs) eine wichtige Rolle.

Dabei achten die Verbände und das Geomar zum Beispiel auf folgende Voraussetzung: Die mittlere Körpergröße der Fische im Fang muss deutlich über derjenigen liegen, bei der die Tiere geschlechtsreif werden.

Das Ziel der Guter-Fisch-Liste sind nach eigener Aussage gesunde Meere, in denen Fischbestände leben, die trotz ihrer kommerziellen Nutzung groß und gesund sind und die ihre Rolle im Ökosystem erfüllen können.

Dr. Philipp Kanstinger, WWF Fischereiexperte, hat einen Tipp für Weihnachten: „Wenn Fisch zu Ihrem Fest gehört, dann ist neben den Meeresfischen von der Liste „Guter Fisch“ auch Karpfen aus der regionalen Teichwirtschaft eine sehr gute Wahl für Weihnachten.“

Utopia meint: 31 Prozent der weltweiten Fischbestände sind überfischt, 58 weitere Prozent werden bis an die Grenzen befischt. Dazu kommen zahlreiche weitere Probleme, die die Lust auf Fisch vergehen lassen: Zerstörung wertvoller Lebensräume durch Schleppnetze und Aquakultur, Verschmutzung von Gewässern, die Bedrohung anderer Tierarten durch Beifang. Allein dieser macht nach Angaben des WWF pro Jahr 38 Millionen Tonnen aus, 40 Prozent des weltweiten Fischfangs.

Weil die Situation so komplex ist, reichen einzelne Siegel oft nicht aus, um Verbraucher:innen umfassend beim Einkaufen zu beraten. Wer „besseren“ Fisch kaufen will, sollte sich deshalb im Vorhinein genau informieren und sich an der aktuellen Guter-Fisch-Liste orientieren.

Oder noch besser: auf Fisch verzichten und dafür eine vegane Alternative ausprobieren. Für die Gesundheit brauchen wir Fisch nicht: Unseren Bedarf an Omega-3-Fettsäuren können wir auch über andere Lebensmittel wie Algenöl, Walnüsse oder Leinöl decken.

Lies dazu:

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