Vibrionen in Badegewässern: Das solltest du wissen

Vibrionen
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Vibrionen sind in Nord- und Ostsee, aber auch in Binnengewässern, zu finden. Die Bakterien lösen akute Infektionen aus. Der Klimawandel begünstigt ihre Vermehrung.

Vibrionen sind Bakterien. Grob einteilen lassen sie sich in Nicht-Cholera-Vibrionen und in Vibrionen, die eine Infektion mit Cholera auslösen können. Da es letztere in Deutschland nicht gibt, gehen wir hier auf diese Art des Bakteriums nicht weiter ein.

Nicht-Cholera-Vibrionen gibt es auch in deutschen Badegewässern, vor allem in der Ostsee. Sie lösen Magen-Darm-, Wund- oder Ohrinfektionen aus.

Unter welchen Bedingungen kommen Vibrionen vor?

Besonders in der Ostsee können Vibrionen vorkommen.
Besonders in der Ostsee können Vibrionen vorkommen. (Foto: CC0 / Pixabay / DieKiecki)

Die Bakterien kommen in Süß- und Salzwasser vor. Optimale Bedingungen herrschen in der Ostsee: Bei einem Salzgehalt zwischen 0,5 und 2,5 Prozent und über 20° C Wassertemperatur fühlen sich Vibrionen wohl. Daher sind besonders flache oder küstennahe Stellen anfällig für Vibrionen. Dort erwärmt sich das Wasser schneller als an tieferen Stellen. Orte, an denen Süßwasser ins Meer strömt, enthalten die Bakterien ebenfalls mit höherer Wahrscheinlichkeit. Denn dort ist der Salzgehalt im Wasser geringer.

Was kann passieren, wenn ich mit vibrionenhaltigem Gewässer in Kontakt komme?

Besonders anfällig für eine Infektion sind offene oder noch nicht verheilte Wunden. Kommen sie in Kontakt mit Badewasser, in dem Vibrionen sind, können sie sich infizieren. Dann kommt es zu einem Schmerz, der für die Art der Wunde unverhältnismäßig stark erscheint. Außerdem können Fieber, Bauchschmerzen oder Schüttelfrost auftreten.

Da die ersten Symptome relativ kurz nach der Infektion auftreten – in der Regle dauert das zwischen vier Stunden und vier Tagen – können Patient:innen oft noch am Ort, an dem sie sich infiziert haben, behandelt werden. Das ist besonders für Urlauber:innen günstig, die nicht in der Nähe eines vibrionenanfälligen Gewässers wohnen. Zu Hause fällt der Verdacht oft gar nicht erst auf eine Vibrionen-Infektion.

Wie kann man Wundinfektionen behandeln?

Wird eine Wundinfektion durch Vibrionen diagnostiziert oder vermutet, heißt es: schnell handeln. Wird sie rechtzeitig erkannt, kann die Infektion mit Antibiotikum behandelt werden. Wird sie nicht behandelt, kann es zu Hautirritationen kommen, die chirurgisch entfernt werden müssen.

Ein schwerer, unbehandelter Verlauf einer Wundinfektion durch Vibrionen kann zu Blutvergiftungen, Amputationen oder gar einem Mehrfachorganversagen mit Todesfolge führen.

Schwere Verläufe sind allerdings sehr selten. Besonders bei jungen und gesunden Erwachsenen verlaufen die Infektionen meist leicht. Anfälliger sind alte, immungeschwächte Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen wie Krebs oder Diabetes.

Wie kann ich mich sonst mit Vibrionen infizieren?

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, sich mit Vibrionen zu infizieren: Isst du rohen Fisch oder Meeresfrüchte aus erregerhaltigem Wasser, kann es zu Magen-Darm-Entzündungen kommen. In Deutschland ist das aber eher selten und kommt nur in Zusammenhang mit importiertem Fisch vor.

Bei Kindern werden außerdem Ohrinfektionen diagnostiziert, die sie sich beim Baden in vibrionenhaltigem Gewässer zuziehen.

Wo kommen Vibrionen in Deutschland vor?

In der Karte ist das Vorkommen von Vibrionen am 28.07.2020 dargestellt.
In der Karte ist das Vorkommen von Vibrionen am 28.07.2020 dargestellt. (Foto: Screenshot / ECDC)

In Deutschland gibt es nur wenige Fälle, die in Zusammenhang mit Vibrionen stehen: Selbst in wärmeren Sommern wurden laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) zwischen 2002 und 2019 nicht mehr als 20 Fälle bekannt. Allerdings geht das RKI davon aus, dass es mehr Infektionen gab, die entweder nicht gemeldet oder gar nicht erst diagnostiziert wurden.

Seit 2020 gibt es eine Meldepflicht bei einer Infektion mit Vibrionen. So können Gesundheitsämter vermehrtes Auftreten der Bakterien feststellen und Risikogruppen bei Bedarf informieren. Einen Test, um herauszufinden, ob Vibrionen im Badewasser enthalten sind, gibt es nicht. Allerdings ist ihr Vorkommen unwahrscheinlich, wenn der Salzgehalt des Wassers unter 0,5 bzw. über 2,5 Prozent liegt oder das Wasser kälter als 20° C ist.

Auf der Website des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten gibt es eine interaktive Karte, auf der du sehen kannst, wann und wo in Europa schon Vibrionen-Infektionen vorgekommen sind. Dort solltest du, besonders mit offenen Wunden, lieber vorsichtig sein.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf Vibrionen?

Auch der internationale Fischfang birgt ein Risiko, sich mit Vibrionen zu infizieren.
Auch der internationale Fischfang birgt ein Risiko, sich mit Vibrionen zu infizieren. (Foto: CC0 / Pixabay / anaterate)

Dass Vibrionen in Gewässern vorkommen, ist an sich nicht ungewöhnlich: Sie leben dort, genauso wie andere Lebewesen auch. Allerdings rechnet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit einer weltweiten Zunahme an Vibrionen. Grund dafür: Der Klimawandel. Die Meere erwärmen sich und dadurch fühlen sich die Bakterien wohl.

Weiter fürchtet das BfR eine Zunahme an Magen-Darm-Infektionen durch Vibrionen. Durch den internationalen Handel mit Fisch könnten weltweit mehr Menschen mit importiertem Fisch und anderen Meerestieren in Kontakt kommen, die aus vibrionenhaltigem Gewässer kommen. Achte deshalb darauf, regionale Bioprodukte zu kaufen, wenn du Fisch essen möchtest. Den strengsten Anforderungen unterliegen die Produkte von Naturland und Fisch aus Aquakulturen von Bioland.

Der WWF-Fischratgeber hilft dir, den Überblick zu behalten: WWF-Fischratgeber

Was kann ich tun, wenn ich eine Infektion mit Vibrionen vermute?

Du warst mit einer offenen Wunde im Wasser und jetzt schmerzt diese besonders stark? Informiere dich am besten erst einmal über die Temperatur und den Salzgehalt deines Badegewässers. Liegt die Wassertemperatur über 20° C und der Salzgehalt zwischen 0,5 und 2,5 Prozent, solltest du dich auf jeden Fall ärztlich beraten lassen – selbst wenn du keine weiteren Symptome wie Fieber, Schüttelfrost oder Bauchschmerzen hast. Sprich unbedingt deinen Verdacht auf eine Infektion durch Vibrionen an und lass dir, falls nötig, ein Antibiotikum verschreiben. So vermeidest du, dass sich die Wunde weiter entzündet und einen chirurgischen Eingriff notwendig macht.

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