Waldbrand durch Scherbe? Das solltest du wissen

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Foto: CC0 / Pixabay / makamuki0

Dass eine Scherbe einen Waldbrand verursachen kann, ist ein weit verbreiteter Mythos. Wie viel Wahrheit in dieser Volksweisheit tatsächlich steckt, erfährst du hier.

Im Sommer ist die Gefahr für einen Waldbrand besonders hoch. Wenn hohe Temperaturen und anhaltende Dürre aufeinandertreffen, kann sich ein Feuer schnell ausbreiten.

Laut dem RND können Expert:innen bei über der Hälfte der Waldbrände in Deutschland die genaue Brandursache nicht ermitteln. Vermutungen zufolge tragen wohl Menschen größtenteils die Schuld, indem sie sich unachtsam verhalten. Auch aktuell warnen Behörden in einigen Teilen Deutschlands vor einer erhöhten Waldbrandgefahr und rufen zu umsichtigem Handeln auf. Mitte Juni 2022 standen in Brandenburg bereits etwa 200 Hektar Wald in Flammen.

Um ein derartiges Szenario zu vermeiden, mahnen auch offizielle Behörden dazu, Glasscherben im Wald zu entfernen und Glasmüll nicht im Wald liegen zu lassen. Das ist zwar aus ökologischer Perspektive sinnvoll und beugt Umweltverschmutzung vor – einen Waldbrand kann eine Scherbe hingegen nicht so schnell auslösen.

Scherbe und Waldbrand: Gefährliche Kombination?

Einer verbreiteten Annahme nach soll eine Scherbe einen Waldbrand auslösen können, indem sie das Sonnenlicht bündelt und dadurch den ausgetrockneten Waldboden entzündet. Dass Glas dazu prinzipiell in der Lage ist, entspricht tatsächlich der Wahrheit.

Doch um ein Feuer zu entfachen, ist eine bestimmte Art von Glas notwendig, die eine konvex geschliffene Linse aufweist. Das ist zum Beispiel bei einer Lupe der Fall. Eine Lupe oder ein anderes Vergrößerungsglas kann Sonnenenergie tatsächlich so stark fokussieren, dass sich umliegendes Brennmaterial entzündet. Gewöhnliche Glasscherben sind dazu jedoch nicht in der Lage.

Das bestätigt auch ein Experiment des Deutschen Wetterdienstes. Dabei hingen die Forschenden unterschiedlich geformte Glasflaschen in einer Höhe von 20 bis 30 Zentimetern auf. Zudem berechneten sie, in welchem optimalen Winkel die Flaschen zur Sonne ausgerichtet sein müssen, um umliegendes Material zu entzünden. Als Brennmaterial dienten im Experiment unter anderem Laub, Gras, Fichtennadeln, Moos oder Heidekraut.

Die Lichtstrahlen der Sonne fielen dann also durch die Glasflaschen hindurch im optimalen Winkel auf das Brennmaterial. Das Ergebnis: Bei keiner Kombination aus Glas und Brennmaterial entstand ein Feuer. Denn in keinem Fall konnten die Glasflaschen die notwendige Temperatur von 300 Grad Celsius auf dem Brennmaterial auslösen. Nur die Scherbe einer Ketchupflasche sorgte kurzfristig für die erforderliche Temperatur. Sie hielt jedoch nicht lange genug an, um tatsächlich Flammen entstehen zu lassen.

Was verursacht wirklich Waldbrände?

Dass eine Scherbe einen Waldbrand verursacht, ist nahezu unmöglich.
Dass eine Scherbe einen Waldbrand verursacht, ist nahezu unmöglich.
(Foto: CC0 / Pixabay / Ylvers)

Dass eine Scherbe einen Waldbrand auslöen kann, ist demnach also höchst unwahrscheinlich. Dem Umweltbundesamt zufolge lassen sich dennoch viele Waldbrände auf menschliche Unachtsamkeit zurückführen. Der Forstwissenschaftler Alexander Held geht laut einem Artikel des BR davon aus, dass 90 Prozent aller Waldbrände von Menschen verursacht werden.

Das liegt zwar nicht an Glasscherben, aber zum Beispiel an weggeworfenen, noch brennenden Zigarettenstummeln, unerlaubten Lagerfeuern oder heißgelaufenen Automotoren. Deshalb solltest du gerade im Sommer niemals ein Fahrzeug mit heißem Motor auf leicht brennbarem Material (etwa trockenem Gras oder Heu) abstellen.

Achtsames und umsichtiges Verhalten kann also in vielen Fällen einen großflächigen Waldbrand verhindern. Bei Glasscherben hingegen musst du dir zumindest angesichts der Waldbrandgefahr keine Sorgen machen. Um Wälder nicht zu verschmutzen, solltest du deinen Glasmüll dennoch nicht einfach in der Natur liegen lassen. Wenn du beim Waldspaziergang auf zurückgelassene Glasscherben stößt, kannst du diese vorsichtig entfernen und so das Verletzungsrisiko für Tiere minimieren.

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