Mobilfunk-Start-up Wetell: Nachhaltige Handy-Tarife jetzt auf dem Markt

Foto rechts: Florian Forsbach

Das Start-up Wetell hatte sich vorgenommen, den ersten rundum nachhaltigen und fairen Telefontarif auf den Markt zu bringen. Nach mehreren Ankündigungen kann seit Kurzem mit vier verschiedenen Tarifen lostelefoniert werden. Das Angebot von Wetell geht jetzt schon weit über das hinaus, was sich Kund*innen sonst oft auf dem Mobilfunkmarkt gefallen lassen müssen.

Seit ein paar Wochen ist der neue grüne Telefonanbieter Wetell offiziell am Markt und kann auch wieder Neukund*innen aufnehmen. In den letzten Tagen wurde eine neue Website enthüllt, die wesentlich mehr Informationen (sowie ein sympathisches Erklärvideo) enthält als ihre Vorgängerin.

Neue Website mit transparenten Informationen

Damit ist Wetell jetzt – zumindest für uns – offiziell auf dem Markt „angekommen“: Das ist erfreulich, da die drei Gründer und ihr Team seit 2018 einige Hürden überwinden mussten (wer mehr wissen will und unsere Berichterstattung nicht verfolgt hat, wird ebenfalls auf der Website fündig). Zwischenzeitlich war keineswegs absehbar, ob der Versuch gelingen würde, einen neuen Nachhaltigkeitsstandard in der Mobilfunkbranche zu etablieren.

Die Ziele, die sich das Freiburger Start-up für sein Telefonie-Angebot vorgenommen hatte, klingen immer noch ausgesprochen ambitioniert: strengstmöglicher Datenschutz, 100 % erneuerbare Energien, ein Maximum an Fairness und Transparenz sowie generell ein nachhaltiges, gemeinwohlorientiertes Wirtschaften. Das sind allesamt Werte, mit denen die Mobilfunkbranche in den letzten Jahrzehnten keineswegs glänzen konnte, mehr noch, an die im Zusammenhang mit Telefonica, Vodafone, Telekom und Konsorten überhaupt nicht zu denken war.

Wetell ist zweiter ‚besserer‘ Anbieter

Ein vergleichbares Angebot wie Wetell kann hierzulande bislang nur Goood (mit drei O) machen: Der B-Corp-zertifizierte Telefonanbieter mit Sitz in München lockt seit 2016 mit der Möglichkeit, 10 Prozent der Grundgebühr automatisch an einen guten Zweck zu spenden. Goood konnte in den ersten drei Jahren bereits einige Erfolge vorweisen, und auch dort werden Transparenz und Klimaschutz großgeschrieben – auch wenn Goood in der Kommunikation bislang stärker auf den Spendenaspekt setzt als auf das eigene Nachhaltigkeitskonzept. Mit dem Markeinstieg von Wetell hat sich das Angebot der ‚besseren‘ Telefonanbieter nun also schon verdoppelt – die Kund*innen dürfte es freuen.

Wetell gab vor Kurzem auch bekannt, mit welchem Netzanbieter die Freiburger in Zukunft zusammenarbeiten werden. Warum das wichtig ist? Als kleines Unternehmen kann Wetell keine eigene Mobilfunkinfrastruktur mitbringen und ist deshalb darauf angewiesen, auf absehbare Zeit mit einem (größeren) Partner zusammenzuarbeiten, der bereits einen Netzzugang besitzt. Während Goood in der gleichen Position zurzeit auf die Dienste von Telekommunikations-Riese 1&1 Drillisch setzt (und entsprechend im Netz von Telefonica und Vodafone unterwegs ist), hat Wetell sich für den kleineren Player Tele2 entschieden, der das Vodafone-Netz nutzt.

Wetell: So sehen die Tarife aus

Einiges Hin und Her gab es bei Wetell mit den Tarifen, die sich seit 2019 ein paar Mal gewandelt haben. Zum Marktstart staffeln sich die angebotenen Mobilfunk-Angebote jetzt wie folgt und ohne krumme Summen (Preise pro Monat, immer mit LTE):

  • 15 Euro – 1 GB Daten; 100 Freiminuten, danach 0,19 Euro/min; 0,09 Euro/SMS
  • 20 Euro – 4 GB Daten; Telefonie-/SMS-Flat
  • 25 Euro – 6 GB Daten; Telefonie-/SMS-Flat
  • 30 Euro – 8 GB Daten; Telefonie-/SMS-Flat

Dazu kommt eine, vergleichbar moderate, einmalige Einrichtungsgebühr von 10 Euro. Alle Tarife sind standardmäßig monatlich kündbar, ein schöner Clou, der schon von Anfang an auf dem Programm des Start-ups stand.

Vergleichbarer O2-Tarif ist – teuer

Ob die Wetell-Tarife teuer sind? Wenn man einen aktuellen O2-Tarif wie „Free S Boost Flex“ (Basisangebot: 6 GB Daten LTE; Telefonie-/SMS-Flat; monatlich kündbar) und das vergleichbare Angebot aus Freiburg nebeneinanderhält, zahlt der Kunde bei O2 sogar 5 Euro mehr im Monat als bei Wetell. Von den rund 40 Euro „Anschlusspreis“ und einem verbraucherfeindlichen Fußnotengewirr bei O2 ganz abgesehen, die man sich bei den badischen Newcomern mit dem ökofairen Ansatz ebenfalls erspart.

Natürlich gibt es daneben zahlreiche Günstig-Tarife am Markt, die mit etwa zwei Drittel der Kosten locken, die Wetell für ein vergleichbares Daten- und Telefonievolumen aufrufen muss. Dafür haben Aldi Talk, Smartmobil & Co. aber nicht nur keinerlei ökofaire Leistungen im Gepäck (genauso wenig wie O2 übrigens), Verbraucher*innen müssen bei Günstiganbietern auch vorsichtig sein, in versteckte Kostenfallen zu laufen: Eine Gefahr, von der bei Wetell – die eine transparente Preispolitik pflegen – bislang nichts zu spüren ist.

Wetell verspricht volle Öko-Fairness

Wetell
So weit ist Wetell nach eigener Einschätzung zurzeit (September 2020) bei den Themen Verschlüsselung und Speicherung. (Wetell.de)

Bei anderen Anbietern ebenfalls undenkbar: Auf der neuen Website legt das Telefonie-Start-up ausführlich dar, was Kund*innen für ihr Geld – neben einem stabilem Netz – alles von Wetell erwarten dürfen. Hier einige Stichpunkte:

  • Um den eigenen CO2-Ausstoß auf Null zu drücken, will Wetell gemeinsam mit Partnern Photovoltaik-Anlagen in Deutschland bauen sowie Emissionen über Dienste wie MyClimate ausgleichen.
  • Zusammenarbeit bevorzugt mit Partnerunternehmen und Dienstleistern, die ebenfalls nachhaltig und fair agieren
  • Gesellschaftspolitisches Engagement z.B. bei Fridays for Future oder Entrepreneurs for Future
  • Ökologische Unternehmensführung: Büro und Server mit Ökostrom, nachhaltiges Büromaterial, Reisen nur per Zug u.a.
  • Umfassender Datenschutz: Keine Analyse personenbezogener Daten; Stammdaten und Telefonieverhalten werden nicht verknüpft; frühestmögliche Löschung personenbezogener Daten; verschlüsselte Datenspeicherung in Deutschland; kein Datenverkauf; keine Werbung u.a.
  • Gemeinwohlorientierte Unternehmensziele

Mehr Informationen zu den mittel- und langfristigen Zielen von Wetell findest du auf der Website, deren Besuch sich lohnt. Dort ist auch anschaulich dargestellt, wie viel Prozent der selbstgesteckten Ziele das Start-up nach eigener Einschätzung schon erreicht hat. Und wer dann noch Fragen hat, der findet auf der Website auch eine gut verständliche, ausführliche FAQ-Liste.

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(2) Kommentare

  1. Das hört sich alles richtig gut und sympathisch an.
    Monatlich kündbar ist sehr klasse im Gegensatz zu den vielen Knebelverträgen, die meist angeboten werden, zeitnah gelöschte Daten dürfte ein Unikum sein, im Gegensatz zu der Sammelleidenschaft anderer Anbieter.
    Ich habe zwar kein Smartphone und kann das nicht nutzen, aber vielleicht erweitert Wetell nach gelungenem Start ja auch die Angebote und Nicht-Smartphone-Nutzer können auch davon profitieren.
    Ich wünsche Wetell, dass sie ihr Ziel erreichen und das Crowdfunding klappt bis zur Party am 15.2.

  2. Ich bin seit kurzem Kunde bei WeTell, erstmal mit der Übergangslösung (newsim als Provider). Der Wechsel von meinem alten Vertrag ging unkompliziert mit Rufnummernmitnahme, und der WeTell-Service war nett, schnell und hilfsbereit. Sowas kannte ich vorher nicht von Mobilfunk-Providern 🙂
    Wie schön zu wissen, dass mein Geld für Mobilfunk jetzt an ein gemeinwohlorientiertes Unternehmen mit Nachhaltigkeitskonzept geht!