Wilderei: Darum ist sie so problematisch

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Wilderei ist ein Verbrechen, das vor Staatsgrenzen nicht Halt macht. Auch in Deutschland hat es Auswirkungen auf die Natur und die Artenvielfalt . Hier liest du, welche Probleme Wilderei verursacht und was du selbst dagegen tun kannst.

Wilderei: Ein Verbrechen mit Folgen für Tiere und Menschen

Wilderei ist der Verstoß gegen Jagdverbote und damit eine illegale Jagd auf Tiere. Jagdverbote gibt es in erster Linie, um Tiere zu schützen. Trotz dieser Verbote bleibt die Wilderei aber ein Problem mit weitreichenden Folgen. Die Umweltorganisation „Rettet den Regenwald“ fasst die wichtigsten Auswirkungen in einem Überblick zusammen.

  • Wilderei bedroht die Artenvielfalt: Die unkontrollierte Tötung der Tiere gefährdet deren Bestand und kann zum Aussterben ganzer Arten führen. Sterben Muttertiere, verhungern Jungtiere meist. Teile der Tiere werden häufig auf Schwarzmärkten verkauft.
  • Auswirkungen auf das Ökosystem: Wird eine Tierart stark dezimiert oder fehlt sie ganz, kann ein komplettes Ökosystem aus dem Gleichgewicht geraten. So soll eine ausgestorbene Art schätzungsweise 30 weitere Arten mit sich ziehen. Das betrifft andere Tierarten in der Nahrungskette, aber auch Pflanzen. Fehlen beispielsweise große Raubkatzen, vermehren sich kleinere Raubtiere stärker. Diese jagen wiederum Kleintiere und bedrohen deren Bestand, weil sie in der Überzahl sind. Andererseits sind einige Pflanzen auf bestimmte Tiere angewiesen, damit diese die Samen verbreiten. Wie solche Ökosysteme zum Beispiel im heimischen Wald aufgebaut sind, kannst du in diesem Artikel nachlesen: Ökosystem Wald: Das macht Laub-, Misch- und Nadelwälder aus.
  • Auswirkungen auf die Gesundheit: Das Fleisch der gewilderten Tiere landet mitunter auf Wildtiermärkten. Bei nicht fachgerecht verarbeitetem Fleisch besteht die Gefahr, dass Krankheitserreger im Fleisch auch Menschen anstecken. Als Zoonosen werden Viren bezeichnet, die von Tieren auf den Menschen überspringen. Beispiele sind das Ebola-und das Coronavirus.
  • Auswirkungen auf die Gesellschaft: Organisierte Banden dringen vor allem in Afrika regelmäßig in Naturschutzgebiete ein. „Rettet den Regenwald“ berichtet von kriegsähnlichen Konflikten zwischen Banden und Rangern. Laut WWF rangieren Wilderei und der Handel mit Wildtieren weltweit auf Platz vier der größten Verbrechen weltweit. Denn das illegale Geschäft ist trotz der Verbote und Maßnahmen lukrativ: Es bringt schätzungsweise jährlich bis zu 20 Milliarden Euro ein.

Die Wilderei ist ein weltweites Problem – auch in Deutschland

Organisierte Wilderei verfolgt die Nashörner wegen ihres Horns.
Organisierte Wilderei verfolgt die Nashörner wegen ihres Horns.
(Foto: CC0/pixabay/Nel_Botha-NZ)

Je nachdem, wo Wilderer zuschlagen, haben sie es auf unterschiedliche Tierarten abgesehen. Weltweit betrifft die organisierte Wilderei besonders oft Nashörner und Elefanten.

  • Nashorn: Das Tier ist vor allem wegen seines markanten Horns bedroht. In einigen asiatischen Ländern wie Vietnam oder China gilt das zu Pulver gemahlene Horn als Heilmillel für Krankheiten. Laut WWF  fielen 2015 über tausend Nashörner (1.175 Tiere) der Wilderei zum Opfer. Die Organisation unternimmt groß angelegte Aufklärungsaktionen in den asiatischen Ländern, um die Nachfrage zu stoppen.
  • Elefanten: Das Elfenbein der Elefantenstoßzähne ist unter anderem in China begehrt. Der WWF berichtet, dass Tansania innerhalb von nur fünf Jahren (2009 bis 2014) rund 60 Prozent seiner Elefanten durch den Schmuggel mit den Stoßzähnen einbüßte.

Weitere betroffene Tierarten: Laut WWF sind dies unter anderem Menschenaffen wie Gorillas und Orang-Utans, Schneeleoparden, Tiger, Rentiere, Kaimane und Haie. Die Häute oder Körperteile der Tiere werden als Souvenirs verkauft, landen in fragwürdigen Heilmitteln oder als Fleisch auf Wildtiermärkten.

Wilderei in Deutschland: Auch wenn häufig exotische Tiere betroffen sind, ist Wilderei kein Problem, das nur ferne Länder betrifft. Auch in deutschen Wäldern sterben Tiere durch die verbotene Jagd:

  • Der WWF berichtet, dass in Deutschland vor allem Luchse und Wölfe zu den Opfern zählen. Die Tiere sind erst seit wenigen Jahren wieder in deutschen Nationalparks heimisch. Laut Welttierschutzgesellschaft werden immer mal wieder getötete Tiere aufgefunden.
  • Die Wilderei betrifft auch andere heimische Tierarten wie Fischotter, Biber, Greifvögel oder Eulen. Der WWF erläutert, dass vor allem die Vögel von ausgelegten Giftködern, Fallen wie Tellereisen oder Habichtfangkörben bedroht sind.

Wilderei: Was sagen die Gesetze?

Wölfe gehören in Deutschland zu den Opfern von Wilderei.
Wölfe gehören in Deutschland zu den Opfern von Wilderei.
(Foto: CC0/pixabay/christels)

Gegen die organisierte Wilderei und den Wildtierhandel wendet sich das internationale Artenschutzabkommen CITES, auch als Washingtoner Artenschutzabkommen bekannt. Laut BMU will die Staatengemeinschaft durch das Abkommen den Schwarzhandel mit Tierprodukten unterbinden, um so international gegen organisierte Wilderei vorzugehen.

In Deutschland finden sich die Strafen für Wilderei im Tierschutzgesetz, Paragraph 17  sowie im Strafgesetzbuch, Paragraph 292. Die Jagdwilderei ist eine schwerwiegende Straftat, auf die Geldbußen oder Freiheitsentzug stehen.

Tierschutzorganisationen bemängeln, dass Deutschland noch Nachholbedarf hat, was die Bekämpfung von Wilderei betrifft. Die Welttierschutzgesellschaft geht von einer großen Dunkelziffer gewilderter Tiere aus. Viele Fälle bleiben unerkannt, die Tiere verschwinden oder liegen am Straßenrand, als vermeintlicher Wildunfall. Auch bei den angezeigten Fällen bleibt die Aufklärungsquote niedrig. Die Organisation spricht von etwa 30 Prozent aufgeklärter Fälle. Der WWF fordert daher eine konsequente Strafverfolgung und bessere Ausbildung der Polizei.

Wilderei verhindern: Es geht uns alle an

Heimische Greifvögel sind von der Wilderei bedroht.
Heimische Greifvögel sind von der Wilderei bedroht.
(Foto: CC0/pixabay/RetyiRetyi)

Tierschutzorganisationen rufen die Bevölkerung dazu auf, sich über das Thema Wilderei zu informieren. Damit haben es unseriöse Händler schwerer, ihre illegalen Produkte zu verkaufen. 

Der NABU gibt Tipps, wo dir verbotene Tierprodukte begegnen können. Das kann in anderen Ländern der Fall sein, aber auch in Deutschland:

  • Lebende, exotische Tiere oder Souvenirs, die aus Tieren gearbeitet sind, hängen meist mit der illegalen Wilderei zusammen. Das können zum Beispiel Felle, Leder oder Federn sein. Informiere dich, welche Tiere auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten stehen.
  • Vorsicht, wenn du exotische Medizin erwirbst. Erkundige dich, was genau darin enthalten ist. Manche Ingredienzen könnten von gefährdeten Tieren stammen.
  • Fleisch von Wildtieren – sogenanntes Bushmeat (Buschfleisch) – sollte tabu sein.

Die Welttierschutzgesellschaft appelliert generell für mehr Aufmerksamkeit, um Wilderei in Deutschland zu verhindern. Wenn du zum Beispiel verdächtige Vorgänge beobachtest, Fallen entdeckst oder verendete Tiere auffindest, dann informiere die zuständige Polizeibehörde. Der WWF hat für solche Fälle außerdem einen WWF-Wilderei-Notruf eingerichtet. Du hast hier auch anonym die Möglichkeit, über eine Telefonnummer oder ein Formular deine Beobachtungen mitzuteilen.

Es hilft also schon viel, informiert und aufmerksam zu sein. Darüber hinaus kannst du die Arbeit der Tierschutzorganisationen unterstützen, die sich gegen Wilderei einsetzen. Das kannst du zum Beispiel tun, indem du Informationsmaterial auslegst oder spendest.

Vorsicht! Wenn du Wildtiere findest, solltest du die Situation richtig einschätzen, bevor du handelst. Je nach Fall kann unterschiedliches Verhalten richtig sein. Was du besonders beachten solltest, erklärt die Welttierschutzgesellschaft:

  • Lass tote Tiere an Ort und Stelle liegen und informiere eine zuständige Stelle. Es könnte schon als Wilderei gelten, wenn du ein verendetes Tier entfernst.
  • Ausnahmen sind verletzte Tiere, die menschliche Hilfe benötigen. Handelt es sich um eine geschützte Tierart, informiere unverzüglich die regionale Naturschutzbehörde über den Fall.
  • Wildtiere gehören in die freie Wildbahn. Nachdem das Tier wieder gesund ist, muss es zurück in seine heimatliche Umgebung.

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