Reboat: das Recyclingprogramm für Bootsleichen in Deutschland

Foto: © ReBoat

20.000 bis 30.000 Boote liegen unbenutzt in Deutschland und verrotten. Das ist nicht nur kein schöner Anblick, sondern ist auch schlecht für die Umwelt. Reboat möchte dem entgegenwirken und in diesem Jahr 100 dieser Boote einsammeln und ordnungsgemäß recyceln.

Was in Frankreich schon Standard ist, davon sind wir in Deutschland noch weit entfernt. Denn in Frankreich müssen alle Bootshersteller einen Betrag für eine umweltgerechte Entsorgung der Boote zahlen. Dadurch ist das Recycling für Bootsbesitzer kostenlos.

In Deutschland gibt es jedoch keine gesetzliche Regelung oder Pflicht, die Boote fachgemäß zu entsorgen. Auch sind oft die Eigentumsverhältnisse von Booten nicht geklärt; die Verschrottung ist teuer und es gibt kaum Anbieter, die eine fachgerechte Entsorgung anbieten.

Dadurch werden es immer mehr Boote, die in Deutschland herumliegen und langsam zerfallen. Das ist schlecht für die Umwelt, denn durch den Zerfall geraten Baustoffe wie Holz, Stahl, glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) und Gefahrenstoffe wie Treibstoffe oder Hydrauliköle in die Natur.

Um solche verwahrlosten Boote in Deutschland möchten sich nun die Gründer von Reboat kümmern.

Das ist Reboat

Die beiden Hamburger Jens Mahnke und Mark Walberg haben 2020 die Reboat GmbH gegründet. Ihre Leidenschaft für das Segeln führte die beiden zusammen. Und schon immer war es ihr Wunsch Leidenschaft und Beruf zu verbinden.

„Egal wo auf der Welt – überall stießen wir auf Bootsleichen. Aus diesem Grund haben wir uns mit Reboat dazu entschieden, uns auf das ökologische und ökonomische Recycling von Booten zu spezialisieren“, sagt Mahnke.

Zudem möchten die Gründer mit ihrem Unternehmen eine kostengünstige Recycling-Methode anbieten. Rohstoffe, die noch einen Wert haben, werden den Kund:innen anteilig erstattet – nach Abzug der Recycling- und Logistikkosten.

ReBoat recycelt alte Boote
Überall auf der Welt liegen Bootsleichen und verrotten (Foto: © ReBoat)

Das Umweltkonzept von Reboat

Mit Reboat haben die beiden Hamburger einen Kreislauf aufgebaut, in dem sie alle Bauteile bzw. Rohstoffe eines Bootes wiederverwenden, statt sie im Restmüll zu entsorgen.

Sobald Reboat ein zu recycelndes Boot gemeldet wird. Holt das Unternehmen das Boot mit einem Spezial-LKW ab. Daraufhin wird das Boot trockengelegt, Gefahrenstoffe werden entfernt und die Rohstoffe werden klassifiziert. Nach dem Transport nehmen Mitarbeiter von und bei Reboat das Boot auseinander: Sie trennen und sortieren alle Werkstoffe. Diese kommen dann ins Recycling.

Das angewendete Prinzip der Kreislaufwirtschaft orientiert sich an der Fünf-Stufen-Abfallhierachie: Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, Sonstige Verwertung und Beseitigung. Das Prinzip ist im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrwG) festgelegt.

GFK wird im Bootsbau standardmäßig eingesetzt, ist aber schwer zu recyceln

Ein Boot zu recyceln kann wenige Stunden bis hin zu mehreren Tagen dauern und durchläuft dabei acht Schritte. Ein kritischer Baustoff ist der glasfaserverstärkte Kunststoff (GFK). Der Vorteil von GFK ist die Langlebigkeit und die Witterungsbeständigkeit. Deswegen wird der Stoff noch weiterhin im Bootsbau verwendet.

Technisch lässt sich der Kunststoff auch recyceln, allerdings ist das Verfahren wirtschaftlich nicht sinnvoll. Das Produkt, das durch das Recycling entsteht, wäre fünf Mal so teuer, wie die Ursprungsfaser.

Damit aber dennoch das Material nicht im Müll landet, arbeitet Reboat zusammen mit neocomp GmbH, ein Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, glasfaserhaltige Verbunde umweltschonend weiterzuverarbeiten. Nach dem Recyclingprozess werden die Rezyklate verwertet: Das zerkleinerte GFK wird als Rohstoffsubstitut in der Zementindustrie eingesetzt; aufbereitete glasfaserverstärkte Kunststoffe ersetzen fossile Brennstoffe, wie Kohle.

ReBoat recycelt alte Boote
ReBoat und neocomp recyceln GFK (Foto: © ReBoat)

Die Zukunft von Reboat

Seit Herbst 2020 hat das Unternehmen bereits einige Boote recycelt. Erst Anfang März 2021 nahm Reboat ein Auftrag vom Bezirksamt Hamburg entgegen.

„Neben dem Ziel im Jahr 2021 100 Boote zu recyceln, wünschen wir uns sehr, dass in den kommenden Jahren auch in Deutschland eine gesetzliche Lösung zur Entsorgung alter Yachten und Boote gefunden wird“, so Walberg.

Utopia meint: Klar, nicht jede:r Deutsche besitzt ein Boot und hatte jemals etwas mit Booten zu tun. Das ist schon ein Luxusproblem, dass es in Deutschland so viele Boote gibt, die entsorgt werden müssen. Aber es ist eben auch ein Problem, um dass sich gekümmert werden muss. Und es ist gut, wenn sich Mahnke und Walberg mit Reboat der Aufgabe annehmen und in Zukunft dafür sorgen werden, dass die Umwelt immer weniger durch Baustoffe und Öle aus den Booten belastet wird.

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