Kreislaufwirtschaft: Das steckt dahinter

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Eine Kreislaufwirtschaft ist ein radikal anderes Wirtschaftsmodell, bei dem die Müllvermeidung im Mittelpunkt steht. Was das im Einzelnen bedeutet, liest du hier.

Kreislaufwirtschaft und wie sie funktioniert

Bei der Kreislaufwirtschaft ist das Ende eines Produktes gleichzeitig der Anfang für etwas Neues. Die Natur macht es vor: Sie verschwendet keine Rohstoffe, sondern verwendet sie wieder. Zum Beispiel zersetzen sich Pflanzen zu Humus. Daraus ziehen neue Pflanzen die Nährstoffe, die sie zum wachsen brauchen. Somit beginnt der Nährstoffkreislauf von neuem.

Diesen Gedanken verfolgt auch die Kreislaufwirtschaft: Ausgemusterte Produkte liefern das Material, aus denen neue Güter entstehen. Das hat zwei klare Vorteile:

  • Weniger Müll und
  • ein schonender Umgang mit den Rohstoffreserven der Erde.

In einer Kreislaufwirtschaft verwendest du Produkte, die du so lange wie möglich nutzt. Hast du keinen Bedarf mehr dafür, gibst du sie entweder weiter oder verkaufst sie auf dem Second-Hand-Markt. Geht ein Teil kaputt, kann es eine Reparatur wieder richten. Erst wenn wirklich nichts mehr geht, dann setzt sich der Kreislauf mit den recycelten Rohstoffen fort. Aus diesen gebrauchten Materialien entstehen wieder neue Waren.

Ein Video des Europäischen Parlaments erklärt, dass eine Circular Economy (Englisch für Kreislaufwirtschaft) darauf setzt, Abfall zu vermeiden. Du kannst die Lebensdauer von Gütern verlängern, wenn Du sie verleihst, least oder teilst. Du kannst zum Beispiel in deiner Nachbarschaft Werkzeuge oder Gartengeräte teilen. So schonst du die Ressourcen der Erde und hilfst mit, Abfall zu vermeiden.

Kreislaufwirtschaft und die Circular Economy der Europäischen Union

Mülltrennung gehört auch zur Kreislaufwirtschaft.
Mülltrennung gehört auch zur Kreislaufwirtschaft.
(Foto: CC0/pixabay/blickpixel)

Mit dem Circular-Economy-Aktionsplan nahm sich die Europäische Kommission 2015 dem wachsenden Müllproblem der Mitgliedsländer an. Nach Angaben des Europäischen Parlaments fallen europaweit jedes Jahr rund 2,5 Milliarden Tonnen Müll an.

Laut Europäischem Parlament brauchen wir eine Kreislaufwirtschaft aus folgenden Gründen:

  • Um sicherzustellen, dass auch kommende Generationen noch über die Bodenschätze der Erde verfügen können.
  • Um eigene Rohstoffreserven aufzubauen. Damit will sich Europa künftig unabhängiger von Importen aus dem Ausland zeigen.
  • Um die Klimaziele zu unterstützen und CO2-Emissionen einzusparen.

In Deutschland findest du die Idee der Circular Economy im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG). Das Gesetz zielt darauf ab, dass Abfall gar nicht erst entsteht. Das soll eine Abfallhierarchie erreichen, die direkt als Paragraph 6 KrWG im Gesetz verankert ist. Sie gibt eine Rangfolge vor, um so systematisch gegen die Abfallflut vorzugehen:

  1. Die Abfallvermeidung hat oberste Priorität
  2. Vorbereitung, um Produkte wiederzuverwenden
  3. Recycling
  4. Sonstige Verwertung, zum Beispiel durch Verbrennen
  5. Die schlechteste Möglichkeit ist es, angefallenen Abfall zu beseitigen

Dabei weist das Gesetz darauf hin, dass jeweils auch die Auswirkungen auf Umwelt und Menschen zu berücksichtigen sind. Ebenso sollen Rohstoffe und Energie geschont werden. Zum Beispiel kann Recycling unter enormem Energieaufwand mitunter weniger sinnvoll sein, als das Produkt zu verbrennen.

Kreislaufwirtschaft: So geht es weiter

Die Kreislaufwirtschaft verwendet alte Kleidung neu.
Die Kreislaufwirtschaft verwendet alte Kleidung neu.
(Foto: CC0/pixabay/LindaLioe)

Im Rahmen des europäischen Grünen Deals konkretisiert die EU nochmal die Circular Economy:

  • Nachhaltige Produkte sollen der Standard sein, nicht mehr ein Nischenprodukt.
  • Vor allem Produkte, die einen großen Verbrauch an Rohstoffen haben, rücken ins Blickfeld der Gesetzgeber*innen. Unter anderem sind das Elektroprodukte, Computer und mobile Geräte, Batterien, Fahrzeuge, Verpackungen und Textilien.

Im Februar 2020 stellte die Bundesumweltministerin Svenja Schulze den Entwurf des überarbeiteten Kreislaufwirtschaftsgesetzes vor. In der Pressemitteilung dazu erläutert das Umweltministerium, dass Hersteller*innen, Händler*innen und der Bund verantwortlich dafür sind, Müll zu vermeiden. Beispielsweise ist geplant:

  • Dass es eine gesetzliche Handhabe gibt, um gegen die Vernichtung von Neuwaren und Retouren vorzugehen. Zum Müllproblem und damit zum Problem für die Umwelt wurde diese bei vielen Onlinehändlern, zum Beispiel in der Modebranche.
  • Wer Einwegprodukte wie To-Go-Becher verkauft oder herstellt, muss sich künftig auf eine Rechnung von der Gemeinde einstellen. Der Handel und die Produktionsbetriebe sollen sich an den Kosten für die Müllbeseitigung in Parks und Straßen beteiligen.
  • Staatliche Stellen sollen bevorzugt Recycling-Produkte einkaufen.

Die Kreislaufwirtschaft ist radikal anders

Die Rohstoffe aus alten Handys verwendet die Kreislaufwirtschaft weiter.
Die Rohstoffe aus alten Handys verwendet die Kreislaufwirtschaft weiter.
(Foto: CC0/pixabay/andreahuyoff)

Bei der Kreislaufwirtschaft sind Hersteller*innen gefordert, Produkte so zu entwickeln, dass sie den Kriterien des Ökodesigns entsprechen. Das bedeutet unter anderem:

  • Nachhaltige oder Recycling-Rohstoffe zu verwenden,
  • die Materialien so zu verbauen, dass sie später wiederverwertbar sind,
  • die Produkte lange haltbar zu machen,
  • dass man die Produkte leicht reparieren kann und es ausreichend Ersatzteile gibt.

Für Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Kühlschränke und Co. gilt dies ab 2021. Eine EU-Regel verpflichtet Hersteller*innen, ab diesem Zeitpunkt langlebige und energieeffiziente Geräte auf den Markt zu bringen.

Damit unternimmt der Gesetzgeber einen ersten Schritt, um gegen kurzlebige Produkte vorzugehen. Das Bayrische Ministerium für Umwelt und Verbraucher berichtet, dass die Lebensdauer für solche großen Haushaltsgeräte im Schnitt etwa dreizehn Jahre beträgt, 2004 war die Dauer noch ein Jahr länger. Dagegen ersetzten Verbraucher*innen Flachbildschirme im Durchschnitt alle 5,6 Jahre. Die meisten gaben an, dass die Technologie veraltet war.

Rascher technologischer Fortschritt ist ein Grund für die Berge an Elektroschrott weltweit. Smartphones, Computer oder Autos veralten schnell und landen auf dem Müll. Das Produkt ist obsolet, also überflüssig. Der Begriff Obsoleszenz bezeichnet daher das Ende des Produktlebens. Eine geplante Obsoleszenz bedeutet zunächst nur, dass Hersteller*innen angeben kann, wann ihre Produkte veraltet sind. Ob sie dabei in die Trickkiste greifen und die Lebensdauer verkürzen, ist bei vielen Produkten schwer zu beweisen. Offensichtlich ist es, wenn dich neue Modetrends oder ein neues Aussehen des Produkts anregen sollen, die aktuelle Version zu kaufen. Einige Beispiele:

  • Die gesamte Modeindustrie funktioniert im Grunde so. Die Trends wechseln jedes Jahr mehrere Male. Fast Fashion Labels beschleunigten den Modewechsel noch. Sie bringen spätestens alle drei Monate eine neue Kollektion heraus.
  • Smartphones, Tablets oder Computer sind meist nach zwei bis drei Jahren veraltet. Auf älteren Geräten läuft die aktuelle Software häufig nicht mehr.
  • Die Autoindustrie bringt alle paar Jahre ihre Modelle mit einer neuen Karosserie heraus.

So kannst du mit der Kreislaufwirtschaft starten

Das Europäische Parlament bezeichnet das bisherige System als lineares Wirtschaftsmodell, einfacher gesagt als Wegwerfgesellschaft. Alles ist von den Hersteller*innen und Händler*innen darauf ausgerichtet, dass du viel und neu kaufst. Die Kreislaufwirtschaft unterscheidet sich in ihrem Ansatz grundlegend davon. Etwas neu zu kaufen ist eigentlich die letzte Wahl. Es erfordert ein allgemeines Umdenken, wie Wirtschaft funktioniert.

Aber du kannst schon mal damit anfangen:

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