Lauschangriff: Etwa 1.000 Apps hören ihre Nutzer ab

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay

Wer gerne Spiele auf dem Smartphone spielt, sollte aufpassen: Etliche Spiele-Apps enthalten eine Software, die Umgebungsgeräusche aufnimmt – selbst wenn Spiel gar nicht im Einsatz ist. Die aufgenommenen Daten werden wie so oft zu Werbezwecken genutzt. Wie ihr euch schützen könnt.

Es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie leicht unsere Daten missbraucht werden können – und mit welchen Tricks wir immer mehr von unserer Privatsphäre verlieren, wenn wir nicht genau aufpassen.

Wie die US-Tageszeitung „New York Times“ herausgefunden hat, steckt in etlichen Apps und Spielen auf Android und iOS eine „Automated Content Recognition“-Technologie, die Umgebungsgeräusche aufnimmt und zuordnet. Die Software stammt von dem Unternehmen „Alphonso“ und soll auch dann arbeiten, wenn die Apps gar nicht aktiv genutzt werden.

Smartphone-Daten sind Gold wert

Die entsprechenden Apps hören dabei allerdings keine Gespräche ab – die Software soll herausfinden, welche Fernsehsendungen und TV-Werbungen die Nutzer schauen. Dazu nimmt die App Umgebungsgeräusche auf und gleicht die Tonspur mit der Datenbank von Shazam ab. Shazam kann neben Musik auch Werbespots erkennen.

Diese Informationen sind für Werbetreibende Gold wert. Alphonso verkauft die Daten weiter – an Unternehmen, die wissen wollen, wer ihre Werbung zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort gesehen hat. So können die Firmen noch gezielter personalisierte Werbung auf Smartphones ausspielen.

Nutzer stimmen dem Lauschangriff zu

Besonders trickreich: Sowohl der Lauschangriff als auch der Verkauf der Daten erfolgt dabei mit Zustimmung der Nutzer – zumindest formal. In der Datenschutzerklärung wird Auskunft über die Software gegeben, aber nur die wenigsten lesen die Erklärung auch tatsächlich. Außerdem müssen User der App Zugriff auf das Mikrophon gewähren. Nur wer das verweigert, wird nicht abgehört.

Die New York Times hat die Namen einiger Apps mit Abhörsoftware veröffentlicht: So seien unter anderem die Spiele „Pool 3D“, „Beer Pong: Trickshot“, „Real Bowling Strike 10 Pin“ und „Honey Quest“ betroffen.

Smartphone Apps abhören
Die App „Honey Quest“ (Foto: Screenshot Google Play)
Smartphone Apps abhören
„Beer Pong Trickshot“ (Foto: Screenshot Google Play)

Alle genannten Apps sind kleine Spiele, die kostenlos erhältlich sind. Insgesamt gebe es etwa 1.000 Spiele und andere Apps mit Schnüffel-Software – darunter auch Messaging-Dienste. Eine vollständige Liste aller betroffenen Apps liefert die New York Times allerdings nicht.

So kannst du dich schützen

Um sich vor Lauschangriffen zu schützen, bleibt also nichts anderes, als einige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen: Wer eine App auf Android oder iOS herunterladen möchte, sollte sich die Datenschutzerklärung durchlesen, auch wenn das mühsam sein kann.

Das gilt vor allem, wenn eine App Zugriff auf das Mikrofon verlangt, ohne dass ein Mikrofon für die Funktion der App nötig wäre (anders als bei Apps mit Sprach- oder Videoanrufen). Es kann sich auch lohnen, die bereits installierten Apps zu überprüfen. Bei vielen Anwendungen lässt sich der Zugriff aufs Mikrofon auch nachträglich noch ausstellen.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(7) Kommentare

  1. Deshalb verwende ich ein Blackberry mit OS10.
    Damit habe ich nicht nur weniger Apps (weniger ist mehr – also auch hier minimalistisch), sondern auch eine gute Möglichkeit, diverse Zugriffsrechte jeder App durch Deaktivierung einzuschränken. Weiterhin ist dieses System nicht nur sehr sicher sondern auch für Hackern und Co. eher uninteressant, da hier nicht die Masse an Nutzern anzutreffen wäre, wie zum Beispiel im Vergleich zu Android.
    Weitere Vorteile ergeben sich aus der Nutzung, besonders wenn man bereits andere Systeme kennt.
    Wobei eines natürlich klar ist, eine Sicherheit und Anonymität von 100% gibt es nicht und nirgendwo, so lange man online und mobil unterwegs ist.

  2. Ja, leider. Laut dem Hersteller und der neusten Meldung, gibt es bis Ende 2019 noch Sicherheitsupdates, die angenehmer Weise deutlich seltener sind als zum Beispiel bei Android. Ich werde das System darüber hinaus verwenden, da ich eh nicht so viele Apps benötige, kein Onlinebanking unterwegs ausführe und die Daten sowohl auf dem Gerät als auch der SD Karte verschlüsseln lasse. Bei Diebstahl oder Verlust hat niemand anderes Zugriff auf die Daten bzw das Gerät, von daher ist es mir so auch lieber.
    Das interessante an der Sache ist ja, dass ein Gerät, wie das BlackBerry Priv (mit Android), keine Sicherheitsupdates mehr erhält und somit potenziell und mit wahrscheinlich gefährdeter ist als ein älteres OS10 Gerät.

  3. ja das finde ziemlich übel. Den Doofen wird irgendwas untergeschoben und sie merken dann auch nichteinmal, dass sie manipuliert werden. mit den Doofen meine ich natürlich uns alle, die keine lust haben, Datenschutz-; agb´s oder NUTZUNGSBESTIMMUNGEN durchzulesen. DAS IST kriminell, jemanden abzuhören, bzw. umgebungsgeräusche aufzunehmen und ist ein eingriff in die privatssphäre.
    Sie müssten ausdrücklich angeben, das sie auch im passiven zustand zuhören.
    mit der ganzen app-hysterie wird der endnutzer so über den tisch gezogen, dass konzerne reich werden, die leute arm. super neues jahr 2018. ich krieg das k……

  4. Mir ist der Artikel technisch etwas zu oberflächlich. So wird nicht nach den einzelnen Betriebssystemen unterschieden. So habe ich von solchen Apps zwar auf Android gehört, nicht aber auf iOS. Hier bitte klarer sein.

  5. Hab auf meinem Android Handy alle Apps also auch die die schon drauf waren und sich zum größten Teil nicht löschen lassen obwohl ich sie nicht brauche durchgesehen. Viele haben Zugriff auf das Mikrofon auch wenn mir nicht einleuchtet wofür. Tippt man dann alle Berechtigungen und da das Mikrofon an bekommt man zu lesen das jederzeit Tonaufnahmen gemacht werden können auch ohne eine Bestätigung. Hab die Berechtigung überall rausgenommen, bei einigen Apps kam dann eine Warnung das es passieren kann das wichtige Funktionen nicht mehr gehen. Bin mal gespannt. Jedenfalls nutze ich das Mikrofon nie bewusst also dürfte es mir nicht fehlen.
    Übrigens gibt es wohl auch diverse Apps die dazu Berechtigt sind jederzeit die Kamera zu aktivieren….

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.