Trinkwasser: Umweltbundesamt warnt vor Nitrat-Belastung im Grundwasser

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Das Umweltbundesamt warnt: Trinkwasser könnte in Deutschland bald teurer werden – wenn wir nicht die wirklichen Ursachen der hohen Nitrat-Belastung beim Grundwasser bekämpfen.

134 Euro pro Jahr zusätzlich könnte bald eine vierköpfige Familie zusätzlich fürs Trinkwasser zahlen müssen. Das ist das eines der Ergebnisse einer Studie des Umweltbundesamtes. Das hatte untersucht, welche – uns normalerweise verborgen bleibenden, weil nirgendwo transparent dargestellten – Kosten für die Trinkwasserbereitstellung dadurch entstehen, dass Nährstoff- und Pflanzenschutzmittel-Einträge – etwa Nitrat aus Kunstdünger – aus der Landwirtschaft in das Grundwasser gelangen. Dazu hat das UBA Primärdaten aus fünf Modellregionen erhoben und mit einer deutschlandweiten Umfrage bei Wasserversorgern erweitert.

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Zu viel Dünger schadet am Ende auch dem Trinkwasser
Zu viel Dünger schadet am Ende auch dem Trinkwasser (Foto: © gemenacom - Fotolia.com)

Trinkwasser wird teurer, weil wir wir das Grundwasser mit Nitrat belasten

Das Ergebnis: Trinkwasser könnte in etlichen Regionen Deutschlands in Zukunft spürbar teurer werden, sofern die Nitrat-Einträge dort nicht bald sinken. Denn eine der Folgen des Nitrats ist, dass betroffene Wasserversorger zu teuren Aufbereitungsmethoden greifen müssen, um das Trinkwasser von diesem Nitrat zu reinigen. Über 27 Prozent der Grundwasserkörper überschreiten derzeit schon den Grenzwert von 50 mg/l.

Die Trinkwasserkosten könnten auf diese Weise um 55 bis 76 Cent pro Kubikmeter, was einer Preissteigerung von 32 bis 45 Prozent entspräche. Eine vierköpfige Familie müsste dann bis zu 134 € im Jahr mehr bezahlen, rechnet das UBA vor.

Die wichtigsten Ursachen sind:

  • Die konventionelle Landwirtschaft mit ihrem massiven Einsatz von Kunstdünger.
  • Die Massentierhaltung mit ihrer Überproduktion von Gülle, die auf Felder aufgetragen wird.

Immerhin ist Abhilfe in Sicht: „Mit den Neuregelungen in der Düngeverordnung wurden lange überfällige Schritte eingeleitet, die hoffentlich die Belastungen so weit senken, dass den Trinkwasserkunden die teure Aufbereitung erspart bleibt“, so Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA. „Wichtig sind jetzt eine konsequente Umsetzung und verstärkte Kontrollen in den betroffenen Regionen. Falls sich diese Belastungen nicht verringern, müssten weitere und strengere Auflagen für die Landwirtschaft erfolgen.“

Für Trinkwasser muss Grundwasser u.a. von Nitrat gereinigt werden
Für Trinkwasser muss Grundwasser u.a. von Nitrat gereinigt werden (Foto: Pixabay)

Ein teurer Spaß: sauberes Trinkwasser aus belastetem Grundwasser herstellen

Wasserversorger würden schon heute versuchen, das Grundwasser als Quelle unseres Trinkwassers mit unterschiedlichen Maßnahmen zu schützen, indem sie die darüber liegenden Flächen selbst pachten, Brunnen verlagern oder belastetes mit unbelastetem Wasser mischen. Diese Kosten fließen demnach bereits heute in den Trinkwasserpreis mit ein. Diese Maßnahmen würde aber in Zukunft in hochbelasteten Regionen nicht ausreichen, um den Nitratwert im Trinkwasser niedrig zu halten, so das UBA.

Tun wir nichts, wird aber nicht etwa der Nitratwert im Trinkwasser steigen, denn hier existieren Grenzwerte. Statt dessen müsste das Wasser mit deutlichem Mehraufwand zusätzlich gereinigt werden, etwa durch Elektrodialyse, Umkehrosmose, biologische Denitrifikation oder das CARIX-Verfahren.  Die Verfahren bedeuten möglicherweise Mehrkosten von bis zu 76 Cent pro Kubikmeter für die Wasserkunden.

Utopia meint: Das Umweltbundesamt (Quelle) macht klar: Am Ende müssen Konsumenten für die Überdüngung der konventionellen Landwirtschaft in ihrer Region bezahlen. Und die Reinigung von mit Nitrat belastetem Grundwasser in Deutschland kann am Ende zwischen 580 und 767 Millionen Euro pro Jahr kosten. Das UBA rechnet vor, dass ein anderer Umgang mit Dünger nur ein Fünftel dessen kosten würde. Man fragt sich, warum wir weiterhin Produkte der Bio-Landwirtschaft aus dem Ausland importiere – und im eigenen Land mit konventioneller Landwirtschaft unser Grundwasser gefährden.

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(9) Kommentare

  1. Warum werden nicht die eigentlichen Verursacher hier zur Kasse gebeten.
    Müssen wir Verbraucher für diese vorsätzlichen kriminellen Machenschaften immer wieder bezahlen?

  2. Das Verursacherprinzip muss angewendet werden. Aber nicht nur die industrielle Landwirtschaft muss hier herangezogen werden, sondern auch alle die durch den Kauf von Tierleidprodukten diese zerstörerischen und unendliches Tierleid verursachenden Machenschaften unterstützen.

  3. Es ist ja leider nicht nur die verbrecherische Landwirtschafts-Lobby, die unter „Duldung“ seitens offenbar unfähiger, machtgieriger, dummdreister Verwaltungen und Politiker daraus Gewinne zieht, indem sie Sondermüll-Gülle auf den letzten noch brauchbaren Grundwasser-Reserven „entsorgt“ – bis dicht an die Trinkwasserbrunnen heran, von denen Millionen Menschen ihre unersetzbare Trinkwasserversorgung beziehen. Es sind auch noch die tickenden Zeitbomben der zahlreich vergrabenen Giftmüll-Altlasten im unmittelbaren Umkreis, die gezielt heruntergespielt, verharmlost und gegen das Umwelt-Informations-Gesetzt (UIG) verschwiegen und versteckt werden. Ich bin Zeitzeuge darüber, dass die Stadt Bonn nicht nur ihren Hausmüll in die Kiesgrube an der B 56 – direkt ins Grundwasser – kippen ließ, während ich im Jahre 1963 am gegenüberliegenden Ufer mit anderen Kindern darin geschwommen habe. Man hat das ja damals nicht besser gewußt. Auch Giftmüll-Altlasten ganz in der Nähe werden beim aktuellen Bau der Flughafen-S-Bahnlinie 13 (entlang der rechtsrheinischen Haupt-Güterzug-Trasse) wird diese Giftmüll-Deponie durch den Bau zusätzlich gefährdet, aber nicht saniert, sondern nur an der Oberfläche zum Schutz geflüchteter Kröten gegen Deponie-Gas „abgedichtet“, aber nicht gegen die Ausbreitung der Gifte in Richtung des 200 Meter entfernten Trinkwasserschutzgebietes. Mein Akteneinsichts-Antrag wird seit 3 Monaten herausgezögert. Und dies ist nur ein kleiner Teil meiner seit 3 Jahren versuchten Aufklärungsarbeit. Nach heutiger Email des kritischen EU-Parlamentariers Sven Giegold (Grüne im EP), haben die Mehrheiten von SPD, CDU, FDP einen wirksamen Gesetz-Entwurf gegen Lobby-Transparenz bei Schweigen der Linken abgelehnt.
    Werner Janik-Mehlem

  4. Ja, diese Leute, die mich doof finden, weil ich mein ganzes gutes Geld in Bio-lebensmittel stecke, werden dann auch zur Kasse gebeten. 😉
    Ist mir allerdings auch kein Trost, weil es ganz andere Maßnahmen bräuchte – mittels Ökosteuern – um die Echtpreise konventioneller Produkte abzubilden.

  5. Ein Puzzle fehlt noch. Viel zu selten wird auf die Decarbonisierung unserer Böden hingewiesen. Bei der organischen Düngung muss immer auf das richtige Stickstoff-Kohlenstoff-Verhältnis geachtet werden, so haben wir es in der Ausbildung als Gärtner gelernt. Kohlenstoff bindet Stickstoff und damit Nitrat, das ist auch das Prinzip von Aktivkohle.
    In Gülle ist so gut wie kein Kohlenstoff enthalten, der findet sich vor allem in Pflanzenfasern. Unsere Ackerböden enthalten immer weniger Kohlenstoff, statt dessen steigt der Kohlenstoffanteil in der Luft in Form von CO2. Mit einer reinen Deckelung der Nitratgaben ohne Erhöhung des Kohlenstoffanteils im Boden wird weder die Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser verhindert, noch die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung gesichert. Der Kohlenstoffanteil in den Böden muss wieder erhöht werden, und zwar durch die Gabe von Pflanzenmasse zur Humusbildung. Das ist dann auch ein Beitrag zum Klimaschutz.

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