Upcycling Deluxe: Wie du mit Precious Plastic deinen Plastikmüll recycelst

https://www.youtube.com/watch?v=8J7JZcsoHyA

Der leidenschaftliche Bastler Dave Hakkens will mit seinem Projekt „Precious Plastic“ das Plastik-Recycling revolutionieren und zeigt, wie jeder zu Hause eigene Plastikrecyclingmaschinen bauen kann.

Spülmittel, Duschgel, Zahnpasta – ohne Plastikverpackung sind solche Haushaltswaren kaum vorstellbar. Sind sie aufgebraucht, werfen wir die Verpackungen meistens weg. Deutschland produziert etwa 5,7 Millionen Tonnen Kunststoffabfall pro Jahr.

Recycelt werden davon gerade einmal 42 Prozent. Auch war das Recyceln bis jetzt großen Unternehmen vorbehalten. Der Niederländer Dave Hakkens möchte das mit dem Projekt „Precious Plastic“ ändern: Frei nach dem Motto „Do what you like and good things will happen“ entwickelt der Designer Plastikrecyclingmaschinen für zu Hause.

Precious Plastic: Bezahlbar und einfach nachzubauen

Mit „Precious Plastic“ verfolgt er das Ziel, so viel Plastik wie möglich zu recyceln, um der weltweiten Umweltverschmutzung entgegenzuwirken. Dazu entwickelte er Maschinen, mit deren Hilfe praktisch jeder von zu Hause aus Plastik recyceln kann.

Diese Maschinen kann jeder mit einfachen Werkzeugen und überall erhältlichen Materialien ganz einfach nachbauen. Auf seiner Internetseite stellt er Videos und Open-Source-Anleitungen für vier verschiedene Plastikrecyclingmaschinen zur Verfügung.

  • Der Shredder zerkleinert das Plastik. Die dabei entstehenden Plastikschnipsel bilden die Grundlage für die Weiterverarbeitung in den anderen Maschinen.
  • Mit der Maschine Injection werden die Plastikschnipsel erhitzt. Das Plastik wird dabei verflüssigt und in kleine Formen gespritzt. Hakkens stellt damit beispielsweise kleine Kreisel her.
  • Im Ofen der Maschine Compression wird das Plastik ebenfalls erhitzt und langsam in Form gepresst. So kann man größere und sehr stabile Gegenstände produzieren.
  • Die Maschine Extrusion produziert Kunststoffstränge und Pellets. Sie dienen als Rohmaterialien, die man unter anderem für 3D-Drucker verwenden kann.
Precious Plastic Maschinen

Zugegeben, das ganze klingt zunächst etwas abenteuerlich. Es ist Dave Hakkens aber ein großes Anliegen, jedem klar zu machen, dass seine Maschinen von fast jedem und überall auf der Welt gebaut werden können. Sollte man nicht weiterkommen, empfiehlt er, sich von einem örtlichen Handwerker Hilfe zu holen.

Sind die Maschinen dann erst einmal gebaut, lassen sich aus dem recycelten Plastik dekorative Dinge kreieren, nützliche Gebrauchsgegenstände herstellen und Rohmaterialien zur Weiterverwendung produzieren.

Plastik recyceln: Chance für Entwicklungsländer

Interessant ist das Vorhaben auch für Entwicklungsländer: Gerade dort ist die Umweltverschmutzung durch Plastik ein großes Problem, Sammelstellen oder große Recyclinganlagen fehlen häufig. Mit Hilfe der Bauanleitungen könnten kleine, lokale Geschäfte die unmittelbare Umgebung zumindest teilweise vom Plastik befreien und dem Material neuen Wert geben. (Lies dazu auch über die Maker-Bewegung in Afrika.)

Inspiration, was du alles aus Plastik fertigen kannst, findest du direkt auf der Internetseite des Projekts: preciousplastic.com

Utopia meint: Wichtig bleibt weiterhin, dass möglichst wenig Plastik produziert wird. Trotzdem ist „Precious Plastic“ ein Schritt in die richtige Richtung. Mit Hilfe der Maschinen kann jeder dazu beitragen, bereits vorhandenes Plastik aufzuwerten und weiterzuverwenden. Das kann sowohl den Müllbergen als auch der Neuproduktion von Plastik entgegenwirken.

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(4) Kommentare

  1. „Mit Hilfe der Maschinen kann jeder dazu beitragen, bereits vorhandenes Plastik aufzuwerten und weiterzuverwenden.“

    Stelle mir gerade vor, statt Plastik zu vermeiden, kaufen wir wieder Produkte mit Plastikverpackungen, WEIL wir einen Maschinenpark für das Selber-Upcylen angeschafft haben. Im Nebenberuf Self-made-Altplastik-Händler.

    Ja, ja, das macht Sinn wo eine gesamte Wirtschaft in der Verwertungsindustrie fehlt.

    (Chemisch) Undefinierbare Plastikmischungen als Teller in der Küche oder Sommer Hut auf dem Kopf? Lecker bis allergieauslösend.

    Cradle to cradle geht einen anderen Weg, statt (a) etwas Falsches besser zu machen das (b) Richtige zu machen. Konkret Verpackungen die designtechnisch bzw. von vorneherein nachhaltig sind, die in die Kreisläufe ohne besonderen Aufwand zurückfließen können, die ungefährlich sind, die gesundheitlich unbedenklich sind.

    Precious Plastic ist so betrachtet eine Verschlimmbesserung der alten Bedenklichkeitstechnik.

  2. Puh. Ich kann das echt nicht ausstehen, dass neue Ideen, die wirklich mal versuchen etwas besser zu machen, erstmal kritisiert werden müssen.

    Ich dachte, als ich von dem Projekt das erste mal hörte, dass das eine echt gute Idee ist und solange der Plastik-Recycling-Kreislauf weder geschlossen noch tatsächlich umgesetzt ist doch schonmal ein guter Übergang.

    Zunächst mal sind Plastikprodukte gekennzeichnet, um welche Art von Polyester es sich dabei handelt, sodass man sich damit auch gezielt in einer Datenbank auf die Suche machen kann und dann überlegen kann, wofür man sie verwendet. Es muss doch nicht gleich Essgeschirr sein… im Video wird ja auch gezeigt, wie er es nach Art aufgeteilt hat. Es sind ja auch nicht alles Thermoplasten z.B… ich kann mir sogar vorstellen, dass diese Thematik auch irgendwo dort schon berücksichtigt wurde.

    Dann: Ich selbst dachte, es sei eine gute Idee in einer Gruppe einfach mal loszuziehen und an Baggerseen, im Wald etc sich auf die Suche nach Plastik zu machen – es liegt genug rum. Und damit schlägt man auch gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.

    Natürlich wünschen wir alle uns eine Plastikfreie Welt, aber neue Ideen, die wirklich gute Absichten verfolgen immer direkt niederzumachen ERGIBT echt wenig Sinn und kann echt die Motivation ausbremsen..

  3. War meine Kritik destruktiv?

    Die Motivation den Müll Anderer in der Natur aufzusammeln kann ich nachvollziehen. Meine Wandertage in der Schule waren „alternativ“, unsere Bio Lehrerin hatte aufgerufen statt auf schöne Wandertour zum Müllsammeln in den nahegelegenen Stadtwald zu gehen. Danach kam das Alu Sammeln beim BUND, abgelöst von der zündenden Wirtschaftsidee Grüner Punkt.

    Es macht einen Unterschied, wieviel Aufwand man betreibt und wohin der Müll wandert. Meine Frau kann erzählen wie begeistert ihre Eltern waren, als die gesamte Garage mit (stinkenden) Alu Müll Säcken belagert war.

    Niedermachen? Nö, macht mal ihr eure Erfahrungen, bekämpft den Irrsinn vom Ende der Kette her.

    Geräte für solche Plastikverarbeitung finde ich sehr sinnvoll. Wo die Verwertungsindustrie fehlt, oben nachzulesen.

    @fini – berichte doch in einem Blog von deinen neuen Plastikmüll Kreationen, fände ich super spannend! Besonders wo dann die hunderste Plastikschale für … was auch immer … landen wird.

    Inhaltlich bleibe ich bei meiner Sicht der Dinge: nachhaltige Materialien fördern, die Ursache bekämpfen.

  4. Leider ist die Kritik am vorgestellten System vollkommen berechtigt – das funktioniert so nicht! Damals in Hamburg wurde kurz nach Einführung des Gelben Sackes das Auswaschen des Kunststoffmülls offiziell geächtet, weil der Wasserverbrauch enorm war.
    Wer ein einziges Mal mit Verstand in seinen Gelben Sack geschaut hat, der merkt sehr schnell, dass daraus kein neuer, hygienischer Yoghurtbecher werden kann – der Müll wandert nach einer Metallabscheidung hauptsächlich in die Hochöfen der Zementindustrie und das ist gut so.
    Die Gründe sind:
    1. Hygiene (Inhaltsreste können nicht entfernt werden, der Aufwand wäre gigantisch)
    2. Degradation (Jedes Aufschmelzen macht den Kunststoff schlechter)
    3. Sortenreinheit (Die einzelnen Typen zu trennen ist praktisch unmöglich)
    4. Cross effects (Vermischten, verunreinigten Abfall in der Schmelze zu verbinden, wird immer toxische Abbauprodukte hervorbringen – wer es unbedingt ausprobieren will, wird den Geruch jahrelang nicht mehr aus der Nase kriegen)
    5. Kontrolle (die „big boys“ sind nicht nur böse – sie haben auch temperaturkontrollierte Rostfeuerungen und das Wissen um die Vermeidung von Dioxinen und Furanen bei der Verbrennung).
    Mein Tipp: lasst die Finger weg vom Amateur-Plastikrecycling! Vermeidet unnötige Kunststoffe schon beim Kauf. Nutzt die kontrollierte, professionelle Verwertung durch die Abfallwirtschaft.
    „Eine UTOPIE ist nicht dazu da, sie zu verwirklichen! Sie ist dazu da, sein Handeln und Denken an ihr zu orientieren.“ (Baudrillard oder Foucault… hab vergessen, wer’s war)

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