Wegen Nestlé wird in Vittel das Wasser knapp – jetzt reagiert Nestlé

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Foto: Screenshot YouTube ZDF

In der französischen Gemeinde Vittel sinkt der Grundwasserspiegel jedes Jahr drastisch – weil Nestlé große Mengen Wasser für die Wassermarke „Vittel“ abpumpt. Nach internationaler Kritik versucht Nestlé nun, Schadensbegrenzung zu betreiben. 

Vor allem in Deutschland gehört Vittel zu den bekanntesten Wassermarken von Nestlé. Das Wasser stammt von einer Quelle in Vittel, eine kleine Kurstadt im Nordosten Frankreichs. Nestlé füllt dort jedes Jahr 750 Millionen Liter Wasser ab.

Für den kleinen Ort hat das Konsequenzen: Wie das Reportage-Magazin „Frontal 21“ des ZDF berichtete, sinkt der Grundwasserspiegel stark – jedes Jahr um 30 Zentimeter.

Ein neuer Plan von Nestlé sorgte in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen: Laut Frontal 21 will Nestlé für die Einwohner Wasser aus benachbarten Dörfern und Regionen in 20 Kilometern Entfernung herbeischaffen. Dafür soll eine neue Pipeline gebaut werden – die von Steuergeldern und damit von den Bürgern bezahlt werden sollte.

Seitdem Frontal 21 diese Pläne veröffentlicht hat, steht Nestlé stark in der Kritik. Nestlé-Waters-CEO Maurizio Patarnello ist deshalb eigens nach Vittel gereist – und Nestlé machte gleich mehrere Ankündigungen.

Nestlé will einen Teil der Kosten tragen

Verschiedene Wassermarken: San Pellegrino und Vittel gehören zu Nestlé. (Foto: Utopia)

So erklärte Patarnello, bis 2025 insgesamt 92 der Nestlé-Werke nach dem „Standard der Alliance for Water Stewardship“ (AWS) zertifizieren zu wollen. Bislang tragen acht Nestlé-Standorte in Pakistan, Kanada und den USA das Zertifikat. Außerdem sei Wasser ein „emotionales Thema“.

Wie die Lebensmittel Zeitung berichtet, erklärte außerdem Nestlé-Waters-Nordeuropachef Henrik Gotterbarm, dass der Bau der Pipeline in Vittel nicht zu Lasten der Anwohner gehen werde. Nestlé sei bereit, „einen Anteil an den geschätzten Kosten von 17 Millionen Euro zu tragen“, heißt es in dem Zeitungsbericht.

Eigentlich wäre genug Wasser da

Bleibt die Frage, wer den restlichen Anteil bezahlen soll. Und auch wenn Nestlé sich an den Kosten beteiligt – die Idee an sich bleibt absurd. Denn eigentlich wäre ja in Vittel genug Wasser für die Bewohner vorhanden, es ist aber vor allem Nestlé vorbehalten. „Das ist, als würde man Menschen am Atlantik vorschreiben, in einem Pool zu baden mit Wasser aus dem Mittelmeer“, sagte ein Anwohner in der Reportage von Frontal 21.

Nestlé hingegen argumentiert, dass die Pipeline auch anderen Gemeinden nutzen könnte. Außerdem hätten dann marode Leitungen ein Ende. Ohnehin pumpe Nestlé in Vittel bislang 25 Prozent weniger Wasser ab, als die Wasserrechte erlauben würden.

Aber auch wenn Nestlé rechtlich mehr als die 750 Millionen Liter jährlich abpumpen könnte, dass das Unternehmen das nicht tut, hat einen guten Grund: Risikoanalysen zufolge droht die Quelle in Vittel 2050 zu versiegen, schreibt die Lebensmittelzeitung.

Hier die Reportage von Frontal 21 im Video

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