Nachhaltiger Handytarif Wetell – Der Start verschiebt sich …

Bild: Screenshot Wetell

Das Start-up Wetell hat sich vorgenommen, den ersten wirklich nachhaltigen und fairen Telefontarif auf den Markt zu bringen. Bei einem Crowdfunding im Frühjahr wurden bereits die ersten tausend Kunden eingesammelt.

Die Ziele, die die drei jungen Wetell-Gründer für ihr Mobilfunk-Angebot vorlegen, sind ambitioniert: maximaler Datenschutz, 100 % erneuerbare Energien, Fairness und Transparenz sowie generell ein nachhaltiges Wirtschaften mit Orientierung am Gemeinwohl – das sind Werte, mit denen die Mobilfunkbranche in den letzten Jahrzehnten nicht gerade glänzte.

Start-up Wetell will faire & nachhaltige Telefontarife

Umso erfreulicher, dass das süddeutsche Start-up plant, seine Idee eines fairen Handytarifs mit öko-sozialer Ausrichtung auch tatsächlich in die Tat umzusetzen. Auf ihrer Homepage legen die Gründer ausführlich dar, was ihr Angebot enthalten soll: Vorgesehen ist unter anderem, dass alle Gesprächsdaten direkt nach Akzeptieren der Rechnung gelöscht werden, dass Verträge ohne versteckte Kosten auskommen und – eine sympathische Seltenheit – monatlich kündbar sein sollen. Mitglied des Gemeinwohlökonomie e.V. ist das Start-up auch schon geworden.

Update 7. Oktober: Es geht erst 2020 (richtig) los

Wetell gab heute bekannt, dass sich ihr offizieller Markteintritt auf Anfang 2020 verschieben wird. Als Grund gab das Start-up „Verzögerungen bei der Investorensuche“ an.

Bis dahin haben Kunden – wie bisher auch schon – die Möglichkeit, eine Übergangslösung zu nutzen: Dabei wird ein Vertrag mit dem Anbieter Newsim abgeschlossen, mit dem Wetell zusammenarbeitet. Kunden erhalten dort die gleichen Leistungen (Netzqualität, Rufnummermitnahme, monatliche Kündigungsfrist etc.) zu den gleichen Preisen wie bei Wetell, allerdings werden die Nachhaltigkeitsversprechen, um die es bei Wetell eigentlich geht, noch nicht vollständig umgesetzt.

Trotzdem schon mal eine gute Möglichkeit, den neuen Anbieter zu unterstützten. Aller anderen werden sich noch ein paar Monate gedulden müssen.

Update 1. Juni: Was in der Zwischenzeit geschah

Die Wetell-Gründer waren in den letzten Wochen nicht untätig. So lassen sich jetzt auch auf der Wetell-Website Gutscheine für die Tarife erwerben, was zuvor nur über das Crowdfunding möglich war. Die Gutscheine sollen im Herbst in echte Verträge umgewandelt werden (siehe unten).

Auch die Tarifstruktur wurde ergänzt. Zurzeit lautet sie (Preise pro Monat):

  • 10 Euro – 100 Freiminuten (anschließend 0,09 Euro/Minute), 0,09 Euro/SMS, kein Datenvolumen
  • 15 Euro – 1 GB mit 3G (!), 300 Freiminuten, 100 Frei-SMS (anschließend 0,09 Euro/Minute oder SMS)
  • 30 Euro – 3 GB mit LTE, Telefonie-/SMS-Flat
  • 40 Euro – 8 GB mit LTE, SMS-Flat

Der neue 10-Euro-Tarif, der dazugekommen ist, richtet sich an Kunden, die nur wenig telefonieren und ihr Handy nicht zum Surfen benutzen. Ein klassischer Tarif für (Groß-)Eltern, Zweitgeräte und Menschen mit wenig Online-Affinität also.

Alle Tarife werden, wie erwähnt, monatlich kündbar sein, was bislang noch nicht bei vielen Anbietern möglich ist. Dass EU-Roaming inklusive ist, versteht sich ohnehin.

Ein Problem, das Wetell sicher noch beschäftigen wird: die verhältnismäßig hohen Preise. Für 10 Euro bekommt man bei Billiganbietern die gleiche Telefonie-Leistung, für die Wetell das Dreifache verlangen muss. Ob und wie viele Kunden dauerhaft bereit sind, diesen Aufpreis für das Versprechen echter Öko-Fairness zu bezahlen, bleibt abzuwarten. Wir drücken die Daumen.

Update 1. April: Crowdfunding erfolgreich bestanden

Mit einer Summe von über 180.000 Euro hat Wetell seine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich abgeschlossen und damit bereits über 1.000 vorbestellte Mobilfunkverträge unter die Leute gebracht.

Offizieller Markteintritt soll im Herbst 2019 sein, ab dann sollen Vorbesteller ihre Gutscheine zu einem beliebigen Zeitpunkt in echte Verträge umwandeln können. Sollte Wetell bis zum Herbst doch nicht den geplanten Erfolg haben, erhalten die bisherigen Crowdfunder und Vorbesteller ihr Geld zurück.

Update 7. März: 600 Verträge vorbestellt

Sie haben die erste Hürde genommen: Beim Crowdfunding kamen in kurzer Zeit bereits 100.000 Euro zusammen, sodass das erste Fundin-Ziel erreicht ist. Dabei soll es aber nicht bleiben.

Über das Crowdfunding wurden bis dato rund 600 Mobilverträge vorbestellt; da die Verträge von Wetell aber monatlich kündbar sein sollen, ist eine langfristige Planung für die drei Gründer damit noch nicht möglich.

Erst ab 750 zukünftigen Kunden sieht Andreas Schmucker von Wetell den Nachweis erbracht, dass ihr Traum von einem nachhaltigen Mobilfunk eine langfristige Zukunft haben könnte. „Wie häufig schon geschrieben, geht es uns primär nicht um das Geld, sondern darum, zu zeigen, dass es genügend Kunden für nachhaltigen Mobilfunk gibt“, sagte er gegenüber Utopia.

Das Geld sei nur ein Mittel, um noch mehr zukünftige Kunden zu erreichen und dem Unternehmen mehr Spielraum und Bekanntheit zu verschaffen. Die Crowd-Kampagne läuft noch bis Ende März 2019.

Update 6. März: 1. Ziel (fast) erreicht!

Nachdem das Crowdfunding für den neuen Telefon-Anbieter am 15. Februar begonnen hat, haben die Gründen nach drei Wochen fast 100.000 Euro eingesammelt.

Das würde bedeuten, dass Wetell bereits im Vorfeld und ohne externe Investoren genug Verträge verkauft hat, um noch in diesem Jahr als neuer fairer Mobilfunkanbieter an den Start zu gehen.

Zurzeit fehlen nur noch rund 1.000 Euro (1 % der Summe) für dieses Ziel, es ist deshalb gut möglich, dass die Summe zu dem Zeitpunkt, an dem du diese Zeilen liest, bereits erreicht ist. Bei den Unterstützern ist bislang besonders der günstige Tarif (siehe unten) für 15,- Euro/Monat beliebt.

Im besten Fall gelingt es Wetell sogar, weitere 100.000 Euro einzusammeln, mit denen sie Solaranlagen bauen wollen.

Update 15. Februar: Crowdfunding gestartet

Das Crowdfunding hat begonnen, du findest es hier. Die Gründer haben innerhalb von drei Tagen bereits ein Drittel der anvisierten Summe eingesammelt.

Update 11. Februar:  Nochmals neue Tarife

Die Tarifstruktur hat sich kurz vor Start nochmals geändert, was für leichte Verwirrung sorgt: Der günstigste Tarif hat jetzt 1 GB Datenvolumen (statt zuvor 500 MB) sowie keine Flat für Telefonie und SMS mehr; der mittlere Tarif erhält dafür 1 GB Daten dazu. Die Idee, keine Telefon-Flat mehr anzubieten, halten wir für unzeitgemäß; vermutlich versucht Wetell auf diesem Weg, seine zukünftigen NutzerInnen gleich zum mittleren Tarif zu „überreden“ …

Die geplanten Tarife lauten damit:

  • 1 GB mit 3G (!) für 15 Euro/Monat; 300 min. Telefonie, 100 SMS
  • 3 GB mit LTE für 30 Euro/Monat; Telefonie-/SMS-Flat
  • 8 GB mit LTE für 40 Euro/Monat; Telefonie-/SMS-Flat

Und: Um das Problem zu lösen, dass die Tarife erst im Herbst 2019 tatsächlich zur Verfügung stehen werden, wurde über ein Gutschein-Modell nachgedacht.

Jetzt wurde bekanntgegeben, dass Neukunden auch direkt einen Vertrag über den Anbieter Newsim abschließen können, mit denen Wetell zusammenarbeitet. Dort erhalten Neukunden die gleiche Netzqualität, Rufnummermitnahme und die ebenfalls Möglichkeit, monatlich zu kündigen. Manko: Die zahlreichen Fairness-Kriterien (Klimaschutz, Datensicherheit etc.), die Wetell als zukünftigen Anbieter so besonders machen, können erst Wirklichkeit werden, wenn die eigenen Tarife im Herbst an den Start gehen.

Übrigens: Wenn zwar das Crowdfunding gelingen sollte, Wetell aber anschließend seinen Markteintritt nicht schafft, erhalten Unterstützer nach Aussagen des Start-ups ihr Geld zurück. Sollte die junge Firma sogar insolvent werden (was wir nicht hoffen), werden Wetell-Kunden von Newsim zu gleichen Konditionen übernommen – die besonderen Fairness-Kriterien, die Wetell einlösen will, fallen dann allerdings weg.

Update 21. Januar:  Vertrags-Gutscheine & Starttermin

Endgültig telefonieren wird man mit Wetell leider erst ab Herbst 2019 können – ein fixer Termin für den Markteintritt steht noch nicht fest. Teilnehmer des Crowdfundings sollen Gutscheine für die verschiedenen Handytarife erwerben, die nach dem offiziellen Startschuss im Herbst eingelöst werden.

Die Gutscheine werden zwei Jahre gültig bleiben: Genug Zeit also, Altverträge zu kündigen und auslaufen zu lassen. Für Interessierte und Gutscheinkäufer, deren Vertrag bereits vor Herbst 2019 ausläuft, soll eine Zwischenlösung angeboten werden.

Erster Anbieter, der Öko-Fairness verspricht

Die Gründer schreiben auf ihrer Website, dass es „günstigere Mobilfunkverträge auf dem Markt“ gebe, bekräftigen aber ihre Überzeugung, dass Nachhaltigkeit und Fairness nicht umsonst zu haben sind: „Eine wirkliche Veränderung erreichen wir nur, wenn wir zeigen, dass Nutzer bereit sind, für ein nachhaltiges Produkt auch etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen.“

Im Video ist zu sehen, wie Wetell (damals noch unter dem Namen „Green Calling“) im Frühjahr 2018 ihr Konzept der Öffentlichkeit vorstellten:

Wer Wetell unterstützen möchte, sollte sich beim Newsletter des Start-ups anmelden.

Sollte Wetell seine Pläne in die Tat umsetzen, wäre das Start-up der erste Tarif-Anbieter auf dem deutschen Markt, der Nachhaltigkeit und Gemeinwohl an erster Stelle platziert. Es gibt zwar bereits vergleichbare Mitbewerber, die aber etwas andere Schwerpunkte setzen:

  • 2017 startete Goood** aus München: 10 % der monatlichen Grundgebühr fließen dort an eine gemeinnützige Organisation nach Wahl des Kunden, Spendenbescheinigung inklusive. Zusätzlich investiert das Team 25 % seiner Profite in Projekte mit gesellschaftlichem Nutzen. Die Tarife liegen zurzeit zwischen 10 und 25 Euro im Monat.
  • Nicht wirklich ernstzunehmen ist Edeka Smart, das zum gleichnamigen Einzelhändler gehört. Der Tarif unterstützt das WWF Waldschutz­programm (allerdings mit nur einem Euro pro verkauftem Starterset) und bietet ansonsten eher grüne Kosmetik (wie die Tatsache, dass die Verpackung der SIM-Karte auf Graspapier gedruckt wird). Die Tarife liegen zwischen 10 und 25 Euro im Monat, außerdem gibt es eine Prepaid-Karte.

Weiterlesen auf Utopia.de:

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(2) Kommentare

  1. Das hört sich alles richtig gut und sympathisch an.
    Monatlich kündbar ist sehr klasse im Gegensatz zu den vielen Knebelverträgen, die meist angeboten werden, zeitnah gelöschte Daten dürfte ein Unikum sein, im Gegensatz zu der Sammelleidenschaft anderer Anbieter.
    Ich habe zwar kein Smartphone und kann das nicht nutzen, aber vielleicht erweitert Wetell nach gelungenem Start ja auch die Angebote und Nicht-Smartphone-Nutzer können auch davon profitieren.
    Ich wünsche Wetell, dass sie ihr Ziel erreichen und das Crowdfunding klappt bis zur Party am 15.2.

  2. Ich bin seit kurzem Kunde bei WeTell, erstmal mit der Übergangslösung (newsim als Provider). Der Wechsel von meinem alten Vertrag ging unkompliziert mit Rufnummernmitnahme, und der WeTell-Service war nett, schnell und hilfsbereit. Sowas kannte ich vorher nicht von Mobilfunk-Providern 🙂
    Wie schön zu wissen, dass mein Geld für Mobilfunk jetzt an ein gemeinwohlorientiertes Unternehmen mit Nachhaltigkeitskonzept geht!