2.500 Gärten: Deutschland sucht das Super-Soja

Experiment: Soja-Anbau in Deutschland
Foto: © sima - Fotolia.com

Rund 2.500 Hobbygärtner, Landwirte und Schulgärten aus allen Regionen Deutschlands pflanzen dieses Jahr Soja an. Das bundesweite Experiment soll die besten Standorte und Sorten für den künftigen Soja-Anbau in Deutschland ermitteln.

Soja-Produkte sind eine beliebte Alternative zu Fleisch- und Milchprodukten: In Form von Tofu, Veggie-Würsten und Milchersatz zum Beispiel. Sogar Quark kann mittlerweile aus Soja hergestellt werden. Leider muss Soja oft von weither importiert werden, denn die Pflanze wird überwiegend in Südamerika und den USA angebaut. Damit sich das künftig ändert, hat die Universität Hohenheim zusammen mit dem Bio-Tofu-Produzenten Taifun ein bemerkenswertes Forschungsprojekt gestartet.

Ziel war es zunächst, 1.000 Hobbygärtner und Landwirte in Deutschland zu finden, die an möglichst verschiedenen Standorten unterschiedliche Sojastämme und -sorten anbauen. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist kann das Projekt nun sogar auf mehr als doppelt so viele Teilnehmer zählen. Knapp 2.500 Freiwillige beginnen im April oder Mai dieses Jahres mit der Aussaat. Die Ernte wird anschließend wissenschaftlich ausgewertet, um die besten Pflanzen zu identifizieren. Aus ihnen sollen dann neue Sorten gezüchtet werden, die optimal an die Bedingungen in Deutschland angepasst sind und sich besonders gut für die Tofu-Herstellung eignen.

„Soja ist als Viehfutter eigentlich verschenkt“

Auch für die Landwirtschaft in Deutschland könnten sich mit dem Projekt sehr interessante Perspektiven ergeben. Soja wächst nämlich besonders gut in warmen Regionen. Insofern könnte der Anbau zur Vorbereitung auf den Klimawandel beitragen. Außerdem bindet Soja Stickstoff im Boden, „ist also die ideale Pflanze für die Fruchtfolge“, erklärt Volker Hahn von der Universität Hohenheim den Stuttgarter Nachrichten. Dabei wäre es „als Viehfutter eigentlich verschenkt. Und Sojamilch zu trinken ist aus Klimaschutzgründen allemal besser als Kuhmilch.“

1000 Gärten: Das Soja-Experiment
Das Experiment: Wo wachsen Deutschlands beste Sojabohnen? (Foto: © Taifun)

Utopia meint: Bisher ist Soja als Ersatzprodukt für Milch und Fleisch nicht unumstritten – in ersten Linie aufgrund der Anbaubedingungen und Transportwege. Den Sojaanbau in Deutschland auszuweiten und zu optimieren, könnte die Ökobilanz von Sojaprodukten deutlich verbessern und die Entscheidung für die pflanzliche Alternative womöglich einfacher machen. Aber auch heute schon gibt es weit mehr Fleischersatz und Milchalternativen als „nur“ Soja: Süßlupine zum Beispiel kann in Deutschland problemlos angebaut werden und ergibt leckere Veggie-Schnitzel oder -Burger.

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(10) Kommentare

  1. So wünschenswert eine weitere Selektion von Sojasorten für das hiesige Klima ist, so muß man sich schon klar sehen, daß diese Aktion vor allem eine riesige PR-Aktion für Taifun ist und kein ernsthaftes Forschungsprojekt.

    Was ich persönlich nicht schlimm fände, weil Taifun ja eine sympathische Firma ist.

    Ich habe etwas Bedenken, weil ich mich schon mal schlau gemacht habe zur Verarbeitung der Sojabohnen. Ein benachbarter Biobauer baut diese an und ich könnte mich da reichlich bedienen für eigene Experimente.
    Es wurde mir aber von diversen Stellen dringend abgeraten, weil die Bohnen angeblich einen Fermentierungsvorgang durchlaufen müssen, um verträglich zu werden.
    Nun sehe ich auf der Webseite von Taifun, daß es ein Rezept für Sojamilch aus reifen Bohnen gibt, wo die Milch drei Minuten gekocht wird und fertig.

    Ich habe da so meine Zweifel, daß das ausreicht…andererseits möchte ich Taifun nicht die Kompetenz absprechen. Die sollten eigentlich wissen, wie es geht.

    Ich habe eine Frage ins Gästebuch gestellt, schauen wir mal, ob eine Antwort von Taifun kommt.

    • Hallo Maria,
      ich leite das Projekt von Seiten der Uni Hohenheim. Das ist wirklich auch ein wissenschaftliches Forschungsprojekt! Noch nie wurde eine so große Anzahl an Umwelten für ein Pflanzenzüchtungsexperiment verwendet. Das allein wirft einige Fragen auf zur statistischen Verrechnung solcher Versuche. Oder beispielsweise erwarten wir viele Ergebnisse zum Blühbeginn von Sojabohnen bei unterschiedlichen Tageslängen. Dahinter steckt die Frage nach der Genetik der Blühgene. Und noch so manches mehr soll untersucht werden. Was rauskommt wissen wir natürlich noch nicht. Spannend wird die Frage sein, wie zuverlässig die Daten erhoben und in die Datenbank eingegeben werden. Es ist jedenfalls spannend.

    • Hallo Volker,
      danke für die Info. Das klingt alles sehr interessant und ich kann mir vorstellen, wie spannend das für Dich ist.
      Mich hat etwas irritiert, daß auch die Eignung für Tofu getestet werden soll.
      Oder habe ich da was falsch verstanden?

    • Hallo Maria!

      Wir unterstützen Volker und sein Team in dieser Arbeit. Dabei geht es uns auch darum, Soja als Lebensmittel zu verbreiten. Denn die Sojabohne ist viel zu schade, um den Umweg über Tiermägen zu nehmen! Gleichzeitig ist es ökologisch viel sinnvoller, Soja direkt zu verzehren. Deshalb testen wir gleich mit, welche Sojabohnen sich für die Tofuherstellung eignen. Die Sojasorten, die bei dem Projekt entstehen, können dann von jedem Züchter von der Uni Hohenheim erworben und weiterentwickelt werden.

      Zu deiner Frage bezüglich der Fermentation: Zur Herstellung von Tierfutter werden Sojabohnen üblicherweise getoastet. Eine Fermentierung ist uns in diesem Zusammenhang nicht bekannt. Auch bei der traditionellen Tofuherstellung, wie wir sie bei Taifun anwenden, werden die Sojabohnen nicht fermentiert, sondern lediglich erhitzt. Wie bei allen anderen Hülsenfrüchten ist dieser Vorgang des Erhitzens ausreichend, um die wertvollen Inhaltsstoffe aus der Soja für Mensch und Tier verfügbar zu machen. Dies gilt demnach auch für das Aufkochen der Sojamilch, wie wir sie auf der Homepage beschrieben haben. Wir hoffen, dass wir deine Frage damit beantworten konnten!

  2. Wir sind dabei! Auch auf unserem Acker wird dieses Jahr Soja angebaut. Ich bin wirklich schon sehr gespannt wie das Experiment verlaufen wir, was alles dokumentiert werden muss usw. Und ich bin natürlich auch sehr gespannt ob am Ende die wissenschaftliche Auswertung auch ein brauchbares Ergebnis hervorbringt.

  3. Danke für diesen Artikel.

    Es freut mich, dass sich so viele Menschen für dieses Experiment interessieren: ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.

    Den Hinweis auf die Süßlupine finde ich sehr wichtig: mir persönlich schmecken die veganen Produkte auf der Basis von Süßlupinen einfach besser als auf Soja basierte.

    Hier zur Ergänzung einige beispielhafte Infos zur Süßlupine:

    http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Pflanze-als-Fleischersatz,lupine114.html

    http://www.stern.de/panorama/wissen/lupinen-das-soja-des-nordens-3320164.html
    (Ein Artikel aus dem Jahr 2006)

    https://de.wikipedia.org/wiki/Lupinen

    • Hallo Angela,
      habe eben zufällig Deinen Kommentar gelesen. Du bist angemeldet! Eigentlich hättest Du schon eine Rückmeldung per email erhalten müssen, das kommt sicher in den nächsten Tagen. Im moment sind wir fleißig am Bohnen zählen und am abpacken. Schließlich wollen mehr als 2.000 Gärtner/innen bald ihre Sojabohnen haben

  4. Wir finden, dass das ein super zukunftsweisendes Projekt ist, und sind gerne mit dabei!!! (Die ersten Bohnen wurden gestern gepflanzt).

    Eurer WeltTofuTag.de

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