Sechs-Stunden-Arbeitstag: Schweden zeigt die Vorteile

Arbeiten im 6-Stunden-Tag
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Was passiert, wenn der Arbeitstag nicht mehr acht Stunden dauert, sondern nur noch sechs? Genau das wird in Schweden seit einiger Zeit getestet. Die Ergebnisse: weniger Krankmeldungen, mehr Produktivität und zufriedenere Mitarbeiter.

Die Idee des Sechs-Stunden-Tag ist in Schweden nicht ganz neu. Den Anfang machte das Toyota-Werk in Göteborg: Das Werk reduzierte bereits im Jahr 2003 die tägliche Arbeitsstundenzahl der Mitarbeiter auf sechs Stunden – und wurde so zum Vorbild für andere Unternehmen und Einrichtungen.

Aktuell laufen vor allem im Gesundheits- und Sozialsektor Versuche mit der 30-Stunden-Woche. Die Angestellten arbeiten nur noch sechs Stunden, der Lohn bleibt dabei der gleiche. Dass genau diese Branchen ausgewählt wurden, ist kein Zufall. Vor allem im Pflege- und Gesundheitsbereich sind die Angestellten überdurchschnittlich oft krank und wechseln häufiger ihre Arbeitsstelle. Das Experiment soll die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen und zugleich die Pflege verbessern.

Sechs-Stunden-Arbeitstag bringt positive Veränderungen

Die Bilanz nach mehreren Jahren ist positiv: Das Sahlgrenska-Uni-Krankenhaus in Göteborg hatte vor Jahren noch mit Personalmangel zu kämpfen, berichtet die „tageszeitung“ (taz). Das Krankenhaus musste 2014 sogar einen Operationssaal schließen, weil trotz Lohnanreizen kein Personal zu finden war.

Nachdem das Krankenhaus die 30-Stunden-Woche eingeführt hat, änderte sich der taz zufolge einiges: Neues Personal wurde eingestellt und die Orthopäden schaffen inzwischen ein Fünftel mehr Operationen. Die Wartezeit für Patienten sei gesunken und die Wirtschaftlichkeit der Klinik habe sich verbessert.

Weniger Krankmeldungen

Das Krankenhaus hatte das Sechs-Stunden-Experiment zunächst auf ein Jahr angelegt und dann mehrfach verlängert. Nun wird die 30-Stunden-Woche vermutlich offiziell eingeführt.

Ähnlich positive Ergebnisse hat der Sechs-Stunden-Tag laut taz auch in einem Altenheim in Göteburg hervorgebracht: Dort sei der Krankenstand um ein Fünftel gesunken. Die Angestellten haben sich zufriedener und weniger gestresst beschrieben, die Altenheimbewohner fühlten sich besser versorgt.

Nachteil des Sechs-Stunden-Arbeitstags

sechs stunden arbeitstag schweden
Der Sechs-Stunden-Arbeitstag hat viele Vorteile, kostet die Einrichtungen aber auch viel Geld. (Foto: CC0 Public Domain Pixabay)

Höhere Produktivität, zufriedenere Mitarbeiter und Patienten, weniger Krankmeldungen – die Rückmeldungen von Einrichtungen, in denen der 6-Stunden-Tag getestet wird sind überwiegend positiv. Allerdings hat das Konzept einen Haken: Es ist ziemlich teuer.

Die Angestellten arbeiten weniger, bekommen aber weiterhin ihren vollen Lohn ausbezahlt. Zugleich muss mehr Personal eingestellt werden, damit der Arbeitsbetrieb normal weiterlaufen kann – es entstehen also deutlich höhere Kosten. Aus diesem Grund sind manche Einrichtungen nach der Testphase wieder zur regulären 40-Stunden-Woche zurückgekehrt.

Nutzen übersteigt die Kosten

Insgesamt übersteigt der gesamtgesellschaftliche Nutzen jedoch die Kosten, argumentieren Befürworter des Sechs-Stunden-Tags: Durch die verkürzte Arbeitszeit werden mehr Menschen eingestellt – das bedeutet weniger Arbeitslose, die Arbeitslosenversicherungen werden weniger belastet. Die verkürzte Arbeitszeit führt außerdem zu einer Reduktion der Krankheitstage bei den Mitarbeitern – hier sparen die Krankenkassen jede Menge Krankengeld.

Ein Vorschlag der Befürworter der 30-Stunden-Woche: Alle Behörden und Einrichtungen, die finanziell von der verkürzten Arbeitszeit profitieren, sollen das gesparte Geld an die Kommunen überweisen. Die Kommunen können mit dem Geld neues Personal einstellen und die höheren Kosten tragen.

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(2) Kommentare

  1. Ich arbeite demnächst auch nur noch ca. 30 Stunden pro Woche. Mir sind 40 Stunden mit zusätzlich vielen Überstunden in der Saison (Gärtner) und einem Arbeitsweg von insg. noch mal knapp 1,5 Std. einfach zu viel.
    Wenn man nebenher noch einen eigenen Gemüsegarten sowie seine sozialen Kontakte pflegen will, ganz zu schweigen von Erholungsphasen, anderen Projekten oder Ausflügen, geht sich das auf Dauer einfach nicht aus.

    Bin mal gespannt, wie sich das auf mein Leben auswirkt, ich freue mich jedenfalls schon darauf… Die kleine Gehaltseinbuße ist es bestimmt wert.

  2. noch ein negativpunkt der nicht ganz unwichtig ist: da die firmen höhere kosten haben, werden diese kosten an die kunden weitergereicht, d.h.alles wird teurer! unsere lebenskosten werden also auch steigen.bei manchen sachen wäre es ja nicht schlimm…aber halt nicht bei allen 🙁

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