10 Tipps für nachhaltigen Konsum mit wenig Geld

Arm, aber Bio
Illustration: Miro Poferl

Bio und billig, passt das zusammen? Eher nicht – aber ein nachhaltiges Leben muss trotzdem kein teurer Luxus sein.

„Bio kann ich mir nicht leisten“, „das ist was für Besserverdiener“, „Gutmenschentum“, solchen Vorurteilen begegnet man immer wieder, wenn es um nachhaltigen Konsum geht. Für Leute, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen, scheinen nachhaltige Produkte schlichtweg nicht bezahlbar zu sein. Und auch wer mehr Geld zur Verfügung hat, sieht oft nicht ein, warum er einen Aufpreis zahlen sollte, wo doch auch ein günstiges konventionelles Produkt seinen Zweck erfüllt.

Natürlich kosten Bio-Lebensmittel prinzipiell mehr als Discounter-Ware. Ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle gibt es nicht für fünf Euro. Auch Naturkosmetik hat ihren Preis. Doch es gibt weit mehr Wege, nachhaltig zu konsumieren als nur konventionelle durch teurere Bio-Produkte zu ersetzen: Wer sein Konsumverhalten mal kritisch hinterfragt, wird viele Möglichkeiten finden, auch mit wenig Geld nachhaltig(er) zu leben.

1. Prioritäten setzen

Mit dem neuen SUV zu Aldi – das ist kein seltenes Bild. Bei Lebensmitteln scheint in Deutschland zu gelten: Die Qualität ist egal, nur billig muss es sein (und dann transportiert man es in einer überdimensionierten Geländelimousine nach Hause). Natürlich fährt nicht jeder einen dicken Wagen. Doch ganz allgemein schadet es nicht, sich bewusst zu machen, wo eigentlich die Prioritäten liegen.

Die Autorin Rosa Wolff etwa hat es (beinahe) geschafft, sich mit Bio-Lebensmitteln einen Monat lang vom vorgesehenen Hartz-IV-Satz (2011) für Essen zu ernähren. In ihrem Selbstversuch „Arm aber Bio“ ist sie – mit viel Mühe – mit 4,52 Euro am Tag ausgekommen (17 Cent mehr als die angestrebten 4,35 Euro).

Klar, ein Monat ist nicht das ganze Leben. Doch niemand muss das ja dermaßen kompromisslos angehen. Von diesem Experiment sollte man vor allem eines lernen: man kann auch mit wenig Geld Bio-Waren kaufen.

2. Einfach mal was nicht kaufen

Ja, es klingt ein bisschen unbefriedigend, aber: Nicht zu kaufen ist eine extrem nachhaltige Entscheidung. Sein aktuelles Smartphone weiterzunutzen ist nachhaltiger als ständig den neuesten Modell hinterher zu hecheln. Auch wenn das neue paar Schuhe vegan sein soll – besser man belässt es bei den 10 Paaren, die man schon besitzt.

Am nachhaltigsten ist immer noch das Produkt, das gar nicht erst hergestellt wird. Die vielleicht wichtigste Frage für nachhaltige Kaufentscheidungen lautet daher: Brauche ich wirklich etwas Neues oder kann ich auch mit dem zufrieden sein, was ich habe?

 3. Weniger Fleisch essen

Viel zu viel und viel zu billig – so konsumiert Deutschland Fleisch. Darum ist bei uns der Preisunterschied zwischen herkömmlichen und Bio-Produkten auch besonders groß: Bio-Fleisch kostet je nach Tierart tatsächlich drei bis viermal mehr.

Doch wer im Discounter ein Pfund konventionelles Rinderhack für 2,50 Euro kauft, sollte sich darüber bewusst sein, warum das so schön billig ist. Das Fleisch kommt eben aus Intensivtierhaltung mit tierquälerischen Bedingungen. Und die Folgen hat man auf dem Teller liegen: In Fleisch aus herkömmlichen Betrieben werden regelmäßig Keime und Antibiotikarückstände festgestellt.

Artgerechte Tierhaltung hat ihren Preis. Den kann man aber auch mit wenig Geld wertschätzen: indem man zum Beispiel statt jeden Tag nur zweimal die Woche Fleisch isst – dieses dafür in Bio-Qualität.

 4. Alles zu seiner Zeit: Saisonal einkaufen

Wenn Obst und Gemüse Saison haben, sind sie günstiger. Eine Bio-Gurke etwa ist in den Sommermonaten ab ca. 80 Cent zu haben – das  gilt für den Supermarkt genauso wie für den Bio-Laden.

Erst außerhalb der Saison wird sie teurer. Im Winter kosten Bio-Gurken oft zwischen 2 Euro und 2,50 Euro. Wer also zur rechten Zeit kauft, kann einiges an Geld sparen und sich dann vielleicht auch Bio-Obst und –Gemüse leisten. Der Utopia Saisonkalender zeigt, wann welches Obst und Gemüse Saison hat.

Utopia Saisonkalender

5. Das Verhältnis wahren

Bei dm kostet ein Deo der konventionellen Eigenmarke Balea um die 1,00 Euro, eines der Naturkosmetikmarke Alverde knapp 3,00 Euro. Auf den ersten Blick ist der dreifache Preis ein großer Unterschied.

Aber wie lange hält ein Deo normalerweise – zwei bis drei Monate?  Gerade bei Kosmetikartikeln, Reinigungsmitteln und Mode macht es Sinn zu fragen, wie lange man etwas von einem nachhaltigeren Produkt hat und ob die lange Nutzungsdauer den höheren Preis nicht erträglich macht.

6. Wenn schon Discounter, dann Bio

Klar, im Bio-Laden oder in Reformhäusern gibt es die richtig guten kleinen Bio-Marken und viele Produkte, die von den Bio-Anbauverbänden Demeter, Bioland und Naturland zertifiziert sind. Diese gewährleisten für die Erzeugung von Lebensmitteln noch weit strengere Kriterien als das allseits bekannte einfache Bio-Siegel.

Doch auch die günstigeren Bio-Produkte im Discounter sind besser als konventionelle Lebensmittel: für ihre Herstellung sind keine chemischen Düngemittel und Pestizide erlaubt, Tiere werden unter besseren Bedingungen gehalten und es dürfen viel weniger fragwürdige Zusatzstoffe verwendet werden. Mehr dazu erfahren Sie in den Artikeln: Wann Bio wirklich Bio ist und Bio von Aldi: was kostet es wirklich?

7. Fertiggerichte meiden

Wer sich von Fertiggerichten ernährt, isst nicht nur ungesund, sondern gibt auch unnötig viel Geld aus. Faustregel: je stärker ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto teurer ist es (oder umso minderwertiger sind die Zutaten).

Eine Tiefkühlpizza für 2,50 Euro wirkt im ersten Moment vielleicht billiger als eine selbstgemachte Pizza. Letztere reicht aber gleich für mehrere Personen und für ein schmackhaftes Ergebnis genügen auch wenige, günstige Zutaten. Zum Beispiel Tomaten, Käse, Knoblauch und Champignons. Für Tütensuppen, Mikrowellenlasagne und fertige Pasta-Saucen gilt dasselbe. Gesünder und spaßiger ist das Selberkochen auch noch.

8. Gezielt kaufen, weniger wegwerfen

Wer im Discounter einkauft, kennt das Problem: Zucchini gibt es oft nur im Dreierpack, Bananen nur fünf Stück auf einmal. Doch nicht jeder verbraucht das alles, im Gegenteil: Im Durchschnitt wirft jeder Deutsche jährlich 80 kg Lebensmittel weg. Das Einkaufen in größeren Mengen oder auf Vorrat spart eben nur dann Geld, wenn man am Ende wirklich alles verbraucht.

Umgekehrt kann es also sinnvoller sein, kleinere Mengen gezielt einzukaufen, selbst wenn diese auf den ersten Blick teurer scheinen. Eine große Auswahl von losen Bio-Obst und –Gemüse gibt es üblicherweise nur im Bio-Laden.

Meiden Sie außerdem Impulskäufe und kaufen Sie nur Lebensmittel, mit denen Sie eine konkrete Mahlzeit geplant haben. Und versuchen Sie doch, Ihre Reste kreativ zu verwerten, bevor sie gleich wieder neue Nahrungsmittel einkaufen.

9. Sparen statt Verschwenden

Zum nachhaltigen Konsum gehört auch ein sparsames Verhalten. Das spart nicht nur Energie, sondern auch bares Geld. Standby-Geräte ausschalten, Hände mit kaltem Wasser waschen, Wasserkocher statt Herd, Stoßlüften statt stundenlang gekippte Fenster – es gibt viele einfache Tipps, die Umwelt und Geldbeutel schonen.

10. Gebraucht kaufen

Gebrauchte Lebensmittel? Das klingt zunächst nach einer seltsamen Idee. Doch ganz im Gegenteil: Foodsharing ist sogar eine ziemlich gute. Im Kern geht es darum, Lebensmittel weiterzugeben, anstatt sie schlecht werden zu lassen.

Auch jenseits vom Essen lohnt es sich, nicht immer das Neue haben zu wollen. Per Gebrauchtkauf kann man sich oft Dinge leisten, die einem neu zu teuer sind: Für hochwertige gebrauchte Möbel und Kleidung zum Beispiel sind Internetportale hervorragende Möglichkeiten. Und wer bei gebrauchten Klamotten an eingestaubte Mäntel aus Omas Kleiderschrank denkt, liegt falsch. Gerade weil wir so viel Kleidung kaufen, gibt es haufenweise schöne Teile in gutem Zustand.

Fazit

Mit wenig Geld kann man sich Bio-Lebensmittel eher leisten, wenn man: gezielter einkauft und weniger wegwirft, auch die Bio-Angebote der Discounter und Supermärkte berücksichtigt und Obst und Gemüse dann kauft, wenn sie Saison haben. Doch es gibt weit mehr Möglichkeiten, nachhaltig zu konsumieren als nur konventionelle durch teurere Bio-Produkte zu ersetzen. Der Gebrauchtkauf macht Sinn für Mode und Möbel, im Haushalt lässt sich jede Menge Energie sparen und vor allem sollte man sich die richtigen Prioritäten setzen. Die vielleicht wichtigste Frage für nachhaltige Kaufentscheidungen lautet: Brauche ich wirklich etwas Neues oder kann ich auch mit dem zufrieden sein, was ich habe?

Schlagwörter: , ,

(4) Kommentare


  1. Wir sind seit ca. 3 Jahren bei der solidarischen landwirtschaft dabei und bekommen regelmäßig saisonales Gemüse. Wir können sehen, wie es angebaut wird und es schmeckt viel intensiver. Das wollen wir ganz einfach nicht mehr missen, auch wenn es dann im Winter immer wieder Kohl gibt, auch wenn es da viele verschiedene Sorten sind.

  2. Schön das sich da auch jemand mal mit beschäftigt, weil ich mich schon einige Monate damit beschäftige. Zuerst fand ich es ganz schön anstrengend, aber irgendwann habe ich dann dieses „Besorgernavi“ entdeckt. Damit habe ich mal von den ganzen Bioläden meine Preise verglichen und war überrascht was es für Preisunterschiede gibt. Besonders aufgefallen sind mir die verschiedenen Füllmengen. Man kann extrem sparen, aber ohne das App hätte ich das nie hingekriegt. Bei den Bioprodukten wird genauso getrickst wie bei den konventionellen Produkten, außerdem sollte man unbedingt Bioartikel aus den Bioläden mit den Bioartikeln aus dem Supermarkt vergleichen.

Kommentar schreiben

0/2500

* Pflichtfelder

** Werbelinks auf Utopia