Plastiktüten-Verbot in Australien: Kunden drehen durch

Australien Plastik Plastiktüte
Foto: "supermarket fruit " von garycycles8 unter CC-BY-2.0 / Public Domain

In Australien gibt es jetzt in vielen Supermärkten keine Einweg-Plastiktüten mehr. Eigentlich eine gute Nachricht – einige sehen das jedoch anders: Eine Gewerkschaft berichtet von randalierenden Kunden, Beleidigungen und Angriffen auf Verkäufer.

Seit dem 1. Juli dürfen Supermärkte in fast ganz Australien keine dünnen Plastiktüten (weniger als 0,035 Millimetern) mehr anbieten. Einige der großen Supermarktketten gehen sogar noch einen Schritt weiter und schaffen die Einweg-Plastiktüte komplett ab. Viele Kunden ärgert das jedoch – in manchen Supermärkten ist die Situation regelrecht eskaliert.

Der australischen Nachrichtenseite „The West Australian“ zufolge gab es dutzende Vorfälle, bei denen Kunden beleidigend oder sogar aggressiv wurden. Die Gewerkschaft „Shop, Distributive and Allied Employees‘ Association“ (SDA) hat die Fälle in einer Umfrage dokumentiert.

Protest in den Supermärkten

„Mir wurde gesagt, dass ich geldgieriger Abschaum bin“, berichtet etwa eine Verkäuferin in der Umfrage. Eine andere Angestellte erzählt, dass ein männlicher Kunde sie laut beschimpft habe, als er keine kostenlose Plastiktüte erhielt. Als sie ihm helfen wollte, seine Einkäufe einzuscannen, habe er ihr sogar die Hände von hinten um den Hals gelegt.

Manche Kunden wählten eine besonders ekelerregende Form des Protests, sagt Gerard Dwyer, Chef der SDA: „Kunden wollten ihre Einkäufe in Tüten mit Erbrochenem, mit benutzten Windeln oder Rattenkot stecken.“ In Australien sind teilweise Angestellte dafür zuständig, die Einkäufe ihrer Kunden in die Tüten zu packen. Für sie werden solche unhygienischen Tüten zu einem Gesundheitsrisiko.

Plastiktüten sollten schon früher weg

Nachhaltig leben: Statt Plastiktüten lieber wiederverwendbare Stoffbeutel
Vor allem die dünnen Plastiktüten sind eine große Umweltbelastung. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de Cocoparisienne)

Die Einzelhandelskette Woolworths wollte Plastiktüten eigentlich schon ab dem 20. Juni verbannen, berichtet Spiegel Online. Wegen wütender Kunden musste Woolworth das Verbot jedoch um zehn Tage verschieben.

„Während wir verstehen, dass manche Kunden frustriert von dieser Änderung sind (Abschaffung der Plastiktüten), gibt es absolut keine Entschuldigung für beleidigendes oder gewalttätiges Verhalten gegenüber den Mitarbeitern“, sagt SDA-Chef Dwyer. Eine Aufklärungskampagne der SDA soll Kunden und Angestellten bei der Umstellung helfen:

Plastiktüten-Verbot in Australien hat großes Potential

Auch wenn sich einige Kunden in Australien über die fehlende Plastiktüte ärgern – für die Umwelt ist das Verbot ein wichtiger Schritt. Seit in Deutschland die Plastiktüten aus den Geschäften verschwanden oder kostenpflichtig wurden, konnten mehrere Milliarden Tüten eingespart werden.

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(6) Kommentare

  1. Wo sind die Tüten in Deutschland verschwunden oder kosten etwas ?
    In der Praxis packen die Leute sogar Bananen in die Tüten die es kostenlos
    an der Gemüsetheke gibt, ich beobachte auch das es inzwischen mehr abgepacktes gibt. Klar sind die großen Tüten gemeint, die Leute nehmen statt dessen die kostenlosen Kleinen, also ad absurdum.

  2. Du hast Recht, das beobachte ich auch ständig, schade das die Bevölkerung noch nicht viel dazu gelernt hat, die Menschen müssen wahrscheinlich erst zur Vernunft gezwungen werden.

  3. Ich gebs ja zu, auch ich benutze immer mal wieder diese kleinen Plastiktüten und nehm sie dann als Tüten für Restmüll. Aber wären die plötzlich weg käme ich nie auf die Idee die im Supermarkt arbeitenden Leute zu beschimpfen.
    Für die Einkäufe gibt es doch sehr schöne Stofftaschen, fast jede Umwelt- und Tierschutzorganisation bietet solche Taschen an. Die eignen sich auch ganz gut anstelle von Geschenkpapier.

  4. Man kann nur den Kopf schütteln, was in Australien abgeht.
    Sind dort die Bürger/innen so schlecht aufgeklärt über Plastikmüll??
    Niveauloses Verhalten mit „Kotztüten“ usw., das ist der Pöbel. Es gibt dort auch andere Leute, selbst wenn sie sich ärgern, verhalten sie sich nicht so primitiv.

    Zum Ärgern gibt es auch keinen Grund. Den Australiern geht es zu gut in ihrem bekannt reichen Land!
    Aber nichts denken, dass es so viele arme Menschen gibt, ob in Afrika oder besonders auch im dicht besiedelten Bangladesch mit Slums und Elend.
    Sie haben nicht genug zu essen!
    Aber diese Wohlstandshysteriker regen sich über eine andere Verpackung auf!

  5. Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“, Veränderungen fallen oft schwer, insbesondere wenn sie mit Verzicht verbunden sind. Am besten, man hätte die verteufelte Plastiktüte niemals erfunden. Aufklärungskampagnen sind gut und schön, aber für die allgemeine Akzeptanz von Verzicht auf „liebgewonnene Selbstverständlichkeiten“ müsste sich schon in den Köpfen der Menschen etwas grundlegend ändern. Es fehlt oft grundsätzlich an der Bereitschaft, über den Tellerrand hinauszublicken und die eigenen Verhaltensweisen infrage zu stellen. Ignoranz, zunehmender Egoismus und fehlende Rücksichtnahme im Hinblick auf die Bedürfnisse von Umwelt und nachfolgenden Generationen machen die Veränderungen von schädlichen Verhaltensmustern zu einem schwierigen und langwierigen Prozess.

    Es wäre wohl zwingend notwendig, ein anderes Bewusstsein zu schaffen.
    Vor allem müsste es doch möglich sein, den Leuten klarzumachen, dass es wahrlich viel einschneidendere Veränderungen im Leben eines Menschen gibt, als den Verzicht auf Plastiktüten. Wie sollte man sonst jemals eine Chance haben, noch all die anderen Herausforderungen im Kampf für Umwelt und Natur gemeinsam zu bewältigen.
    Im Vergleich dazu erscheint doch das Tütenproblem geradezu lächerlich. Die Einstellung „Nach mir die Sintflut“ passt weder zu einer verantwortungsvollen Gesellschaft noch zu einem vernunftbegabten Individuum.

  6. Also ich nehme die kleinen Plastiktüten vom Obststand auch immer, weil ich die nämlich brauche für meine Aktion des mehrmals wöchentlichen Müll-Aufsammelns in meiner Nachbarschaft. Ich habe mich schon gefragt, was ich mache, wenn es diese Tüten nicht mehr gibt. Denn ich hab ehrlich gesagt keine Lust und halte es auch nicht für besser, mehrmals wöchentlich Mülltüten dafür zu opfern. Das kostet mich zum einen Geld, und zum anderen sind Mülltüten sind ja größer, also noch mehr Plastik…. Aber den Müll nicht mehr sammeln ist für mich auch keine Alternative. Und mit Eimer losziehen um es dann in meinen Hausmüll zu tun werde ich auch nicht machen, wer weiß, was für eklige Keime etc. sich daran befinden.

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