Aldi rät Kunden, „Urwasser“ zu trinken – das Netz ist anderer Meinung

Foto: Utopia/ Vipassana Roy

Eigentlich wollte Aldi Süd seine Kunden nur auf ein neues Bio-Wasser im Sortiment aufmerksam machen. Doch diese erkannten schnell, dass das Produkt weder umweltfreundlich noch sinnvoll ist – und sagten dem Discounter im Netz die Meinung.

„Ihr habt euch vorgenommen dieses Jahr mehr Wasser zu trinken?“, fragte Aldi Süd am 7. Januar in einem Facebook-Post. Für den Fall, dass ja, gab die Discounter-Kette ihren Kunden einen Tipp. „Stellt euch bei der Arbeit z. B. einfach eine Flasche Rieser Urwasser auf den Schreibtisch – so trinkt ihr automatisch mehr.“

Laut Foto soll das „Urwasser“ 8.000 Jahre alt sein – Aldi habe es nun dauerhaft ins Sortiment aufgenommen. Dazu handle es sich um ein „Bio-Wasser“, die Flasche bestehe aus 100 Prozent recyceltem PET.

Wasser aus Plastikflaschen ist weder nachhaltig noch gesund

Auch wenn Aldi das Wasser als grünes Bio-Produkt präsentierte, waren die Follower auf Facebook anderer Meinung. Sie erkannten schnell: Auch eine Plastikflasche aus recyceltem PET ist immer noch eine Plastikflasche – und damit ein unnötiges Einwegprodukt.

„Liebes Aldi Team, mehr Wasser trinken ja, aber nur aus Glasflaschen, und die habt ihr ja Gott sei Dank nicht im Programm,“ schrieb ein User sarkastisch. Ein anderer: „Selbst wenn das ein gutes Wasser wäre (entsprechend viele gute Mineralien, besonderer Geschmack …), würde ich’s nicht kaufen, weil Wasser aus PET-Flaschen immer schmeckt wie billiges Wasser aus PET-Flaschen. Somit ist es einfach nur überteuertes Wasser!“

„Ja genau. Schön alles weiterhin in Plastik packen. Ist ja auch so mega gesund“, schrieb ein dritter User. Mit seiner Bemerkung wies er darauf hin, dass Stoffe wie hormonell wirksame Chemikalien aus Plastikflaschen ins Wasser übergehen können. Ob und ab welcher Menge das gesundheitsschädlich ist, ist noch nicht genügend erforscht.

Mehr Informationen: Wasser aus Plastikflaschen – wie groß ist das Gesundheitsrisiko?

Bio-Wasser ist nicht gleich Bio

Aldi stelle das Produkt als „Bio-Wasser“ vor – doch was heißt das genau?

Der Begriff „Bio“ bedeutet in der Regel, dass ein Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau stammt, also nach bestimmten Regeln angebaut wurde. Dazu zählen zum Beispiel der Verzicht auf Pestizide oder bestimmte Standards bei der Tierhaltung.

Bei Wasser ist das anders: Für Bio-Mineralwasser gelten laut Öko-Test vor allem strengere Schafstoff-Grenzwerte, auch für Pestizidabbauprodukte. Doch die Unterscheidung ist umstritten. Öko-Test kritisiert zum Beispiel, dass Begriff „Bio-Wasser“ kaum Aussagekraft habe. Denn auch viele Wässer ohne Bio-Siegel seien frei von Verunreinigungen aus Landwirtschaft und Medizin.

Mehr trinken ja – aber Leitungswasser

Wie viel Sinn macht Osmosewasser, wenn in Deutschland das Leitungswasser sauber ist?
In Deutschland kannst du Leitungswasser bedenkenlos trinken. (Foto: CC0 / Pixabay / kaboompics)

Weder der Inhalt noch die Verpackung des Aldi-Wassers ist also besonders ökologisch. Doch ein Facebook-User sprach noch einen weiteren Punkt an: „Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Und das Beste: Es kostet weniger als Mineralwasser aus dem Laden und spart CO2 sowie Plastik. Toll, oder?“ Für jeden, der Zugang zu einem Wasserhahn hat, ist das Aldi-Produkt also überflüssig.

Wenn du wirklich vorhast, mehr zu trinken: Fülle dir einen Krug mit Leitungswasser und stelle ihn dir an den Schreibtisch. Unterwegs kannst du eine BPA-freie Trinkflasche mitnehmen und immer wieder am Wasserhahn auffüllen. Keine Lust auf Wasser? Dann mache dir einen fairen und pestizidarmen Bio-Tee oder eine Bio-Saftschorle.

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