Stiftung Warentest: Leitungswasser ist gesünder als Mineralwasser

Stiftung Warentest: Leitungswasser besser als Mineralwasser
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Gekauftes Mineralwasser in Flaschen ist nicht besser als Leitungswasser – zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in ihrem neuesten Test. Demnach enthält Leitungswasser oft mehr Mineralstoffe und weniger ungesunde Rückstände.

„Mineralstoffe im Mineralwasser sind ein Mythos“ – viel deutlicher hätte die Stiftung Warentest ihr Testergebnis nicht formulieren können. Auch, was das Ergebnis für uns Konsumenten bedeutet, ist relativ klar: Wasserflaschen schleppen ist fast überall in Deutschland unnötig, wir können getrost Leitungswasser trinken.

Für den Test wurden 28 Trinkwasserproben aus 13 deutschen Bundesländern sowie 30 stille Mineralwässer analysiert.

Leitungswasser ist unbedenklich

Alle 28 Leitungswasser-Proben entsprachen den Vorgaben der strengen deutschen Trinkwasserverordnung. Keine der Proben überschritt die gesetzlichen Grenzwerte. Entgegen der Vermutungen vieler Verbraucher wurden weder Rückstände von Hormonen aus der Anti-Baby-Pille gefunden noch vom Pestizid Glyphosat.

Die Analyse konnte zwar geringe Spuren von Chemikalien feststellen (zum Beispiel Nitrat, Süßstoffe, Medikamente), die Konzentrationen sind aber meist sehr gering (oft unter 0,1 Mikrogramm pro Liter) – und somit laut Stiftung Warentest und Umweltbundesamt gesundheitlich unbedenklich. „Leitungswasser ist so gesund wie Flaschenware, unschlagbar günstig und umweltschonend obendrein“, sagte der Vorstand der Stiftung Warentest, Hubertus Primus, bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin.

Im Heft test 08/2016 schreibt die Stiftung Warentest:

„Wasserversorger müssen ihr Wasser regelmäßig untersuchen. Im Hinblick auf Keime gilt das für große Betriebe mehrmals täglich. Somit ist es das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. […] Für Wasser aus der Leitung gelten deutlich mehr Vorschriften als für Mineralwasser: etwa Grenzwerte für Pestizide und Uran.“

Wenig Mineralstoffe im Mineralwasser

Menschen, die gerne Mineralwasser trinken, begründen dies oft mit dem angeblich hohen Mineralstoffgehalt. Dieses Argument widerlegt der neue Test: Jedes zweite der untersuchten stillen Mineralwässer enthält nur wenig Mineralstoffe. Nur 8 der 30 Wässer konnten mehr Mineralstoffe ausweisen als das mineralstoffreichste Leitungswasser im Test.

Experten sagen zudem, dass wir unseren Mineralstoffbedarf eigentlich bereits über unsere Nahrung abdecken und nicht auf die Mineralstoffe aus dem Wasser angewiesen sind (siehe zum Beispiel diese Studie der Universität Paderborn). Mit anderen Worten: Wem die Versorgung mit Mineralstoffen besonders wichtig ist, braucht deshalb noch lange kein Mineralwasser im Supermarkt zu kaufen. Es macht Sinn, zunächst das eigene Trinkwasser testen zu lassen – vielleicht hat es ja auch schon die Stiftung Warentest geprüft. (zum Test)

Keime und Rückstände im Flaschenwasser

In sechs der stillen Mineralwässer fanden die Tester so viele Keime, dass sie für Menschen mit schwachem Immunsystem riskant sein können. Für Gesunde allerdings sind sie laut Stiftung Warentest nicht kritisch. In fünf der 30 Mineralwässer konnten zudem chemische Rückstände nachgewiesen werden: oberirdische Verunreinigungen von Pflanzenschutzmitteln, einem Süßstoff und einem Abbauprodukt, das entweder vom umstrittenen Pestizid Glyphosat oder aus Wasch- und Reinigungsmitteln stammt. Zwar sind die Rückstände laut Stiftung Warentest gesundheitlich unbedenklich – sie weisen jedoch darauf hin, dass die Quellen, aus denen das Mineralwasser stammt, nicht ausreichend geschützt sind.

Zusammengefasst muss das Fazit des Tests lauten: Zu 100 Prozent rein ist weder Flaschen- noch Leitungswasser, wobei Leitungswasser strenger kontrolliert wird. Warum sollten wir also Geld ausgeben für Mineralwasser in Flaschen – und damit außerdem Müll verursachen?

Kann ich mein Leitungswasser trinken?

Prinzipiell kann man fast überall in Deutschland Leitungswasser bedenkenlos trinken. Natürlich kann aber der Wasserversorger die Qualität nur bis zu den Hausleitungen garantieren. Wenn du dir also unsicher bist, ob in deinem Haus alte Leitungen verlegt sind, die Rückstände hinterlassen könnten, lass einfach eine Probe aus deinem Wasserhahn bei einem örtlichen Labor analysieren. Die Kosten lohnen sich: Wer Leitungswasser trinkt spart richtig viel Geld. Das teuerste abgefüllte Mineralwasser im Test der Stiftung Warentest kostete 70 Cent pro Liter – ein Liter Leitungswasser kostet weniger als einen halben Cent.

Den ganzen Test der Stiftung Warentest findest du unter www.test.de/wassercheck.

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(8) Kommentare

  1. Weder das Flaschenwasser, noch das Leitungswasser ist für den menschlichen Körper auf irgendeine Art und Weise gesund. Das Problem liegt einfach daran, dass weder Medien noch Normalbürger irgendeinen blassen Dunst von Biochemie, und die Funktion des Wassers in unserem Körper haben. Und die seriöse Wissenschaft ist da auch noch längst nicht am Ende der Weisheit angelangt. Wasserforschung ist ein sehr spannendes und komplexes Feld der Naturwissenschaften. Ich kann nur dazu raten, sich mit echten Wasserforschern zu unterhalten bzw. sich darüber zu informieren. Beispielsweise Michael Scholze und sein Blog [LINK ENTFERNT V. UTOPIA-TEAM]

    Btw: Der Mensch ist ein Süßwassertier und kein Salzwassertier. Allein daraus kann man schon ableiten, dass salzreiches Wasser für den Menschen auf Dauer eher schädlich ist. Schon garnicht jenes aus alten Rohren.

  2. Klar, weil die Menschen ja auch viel gesünder waren, als es noch keine zentrale Trinkwasserversorgung gab.
    Bzw. heute sind, wo es die noch nicht gibt…
    Nichts gegen eine reine Quelle im Walde oder auf dem Berge…

  3. Solange die Stiftung Warentest nicht gleich meine Rohre mit kontrolliert hat und deren Alter, Beschaffenheit und Verschmutzungsgrad beurteilen kann, ist das schlicht hanebüchner Unsinn. An der Stelle nicht einmal die limitierten Möglichkeiten zu erkennen, ist allein schon ein starkes Stück.
    Zudem schmeckt das Leitungswasser einfach fies. Das mag andernorts abweichen, hier ist es so.

  4. Klar, wenn das Wasser nicht schmeckt, dann trinkt man es auch nicht gerne.
    Das ist bei uns zum Glück anders.
    Und was die Qualität angeht, so kann man ja selbst auch mal testen lassen, was aus der Leitung kommt.

  5. Ich habe einen Sodastream daheim. Allerdings mache ich damit nur Sprudelwasser mit Geschmack (mische also hinter einen Sirup dazu). Der Grund ist bei mir recht einfach: Zwar ist das Leitungswasser bedenkenlos trinkbar, aber es schmeckt scheußlich. Der Grund hierfür liegt bei der Herkunft. Mein Trinkwasser kommt aus einem See, also Oberflächenwasser. Und da ist dann der Geschmack leider einfach nur mies.

    Das ist mein Grund, warum ich persönlich eher Mineralwasser trinke. Wobei ich da welches in Glasflaschen kaufe (weil Acetaldehyd aus PET zwar gesundheitlich unbedenklich ist aber den Geschmack beeinflusst). Und ich greife aus geschmacklichen Gründen zu Heilwasser mit einem höheren Mineralstoffanteil. Denn es sind ja letztlich die Mineralien, die dem Wasser Geschmack geben.

    Teurer ist das Ganze natürlich ohne jeden Zweifel. Die Alternative wäre bei mir aber, dass ich weniger oder ungesünder trinke. Dann lieber Mineralwasser in Flaschen. Übrigens bin ich in einer Region aufgewachsen, in der es hervorragendes Grundwasser aus dem Hahn gab. Würde ich da heute noch wohnen, käme ich nie auf den Gedanken, Wasser in Flaschen zu kaufen.

  6. Bei uns im Supermarkt kostet der Kasten Sprudel 2€ und in Glasflaschen verpackt.Ausserdem kommt er aus ca.8km Entfernung.Geholt wird er von mir,da wir kein Auto haben,mit dem Fahrrad und Kinderanhänger.
    Also kein Bedarf an einem Umstieg.

  7. Was ist denn mit dem Aluminium? Wir „säubern“ unser Wasser mit Aluminium und hinterlassen dabei Rückstände im Wasser. Der menschliche Körper kann Aluminum nicht abbauen! Wir lagern weit mehr Aluminium in unseren Zellen im Laufe unseres Lebens an als für den Menschen jemals „normal“ gewesen wäre. Trotzdem gibt es keine Langzeitstudie über die Wirkung von Aluminium in unserem Körper. Wir wissen absolut nicht, was das in unserem Körper macht. Wie können wir also glauben, dass man deutsches Leitungswasser „bedenkenlos trinken“ kann? Das weiß doch keiner. Auch nicht die Stiftung Warentest!!!!

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