Bitcoins verbrauchen mehr Strom als manche Staaten

Bitcoin Währung
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay

Die digitale Währung Bitcoin verspricht viele Vorteile für den Zahlungsverkehr im Internet – allerdings ist die Kryptowährung ziemlich umweltschädlich: Jede Transaktion verbraucht extrem viel Energie.

Bitcoin ist eine virtuelle Währung, die börsenähnlich gehandelt wird. Jede Bitcoin-Einheit wird durch ein mathematisches Konstrukt repräsentiert. Ein weltweites Computernetzwerk verwaltet diese Konstrukte in der sogenannten „Blockchain“. Kryptografische Techniken stellen sicher, dass Blockchain-Einheiten wie Bitcoins schwer zu fälschen sind und in begrenzter Menge vorliegen, also nicht beliebig vermehrt werden können.

Das Bitcoin-System bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich: So ermöglichen Bitcoins theoretisch gebührenfreie Überweisungen – Falschgeld, Zensur oder Sperrungen hingegen sind weitgehend ausgeschlossen. Da jeder Nutzer durch eine pseudonyme Zeichenkette identifiziert wird, ermöglicht Bitcoin außerdem weitgehende Anonymität und anonyme Spenden, was zum Beispiel Wikileaks und Greenpeace nutzen.

Durch Spekulationen auf Wechselkurse lassen sich mit Bitcoins Gewinne machen. In Japan ist Bitcoin neben dem Yen offizielles Zahlungsmittel, in Deutschland ist es eine Privatwährung, in Österreich kann man Bitcoins sogar bei der Post kaufen.

Bitcoin: Aufwändige Rechenprozesse brauchen viel Energie

Allerdings hat das System einen entscheidenden Nachteil: Das Bitcoin-Netzwerk verbraucht jede Menge Energie. Denn Bitcoins werden nicht von einer zentralen Stelle ausgegeben, sondern mit Hilfe von Rechenkraft „geschürft“. Dieses „Mining“ erweitert die Blockchain, die im gesamten Netzwerk gehalten wird – und hat inzwischen einen so hohen Stromverbrauch, dass professionelle Schürfer längst Serverfarmen in Ländern mit geringen Stromkosten betreiben

Der Bitcoin-Experte Alex de Vries hat auf seinem Blog „Digiconomist“ errechnet, wie viel Energie genau das System verschlingt – die Zahlen sind erschreckend. Vries zufolge wird das Netzwerk in diesem Jahr 26,5 Terrawatt Energie benötigt. Das sei mehr, als was die Staaten Ecuador, Nigeria oder Oman jeweils in einem Jahr verbrauchen. Bereits für eine einzige Bitcoin-Transaktion werden den Berechnungen zufolge 215 Kilowattstunden Strom verbraucht. Laut dem Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ lässt sich mit dieser Strommenge ein Kühlschrank für ein ganzes Jahr betreiben.

Das alles ist umso problematischer, als Bitcoins eine virtuelle Währung sind, also reine Spekulationsobjekte. Dass man sie heute gegen reales Geld tauschen kann, bedeutet nicht, dass dies immer so bleiben wird. Es gibt Vorwürfe wie die, dass Bitcoin Merkmale eines Schneeballsystems aufweise, und der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) riet von Bitcoin ab, weil die virtuelle Währung Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder illegalen Geschäfte ermögliche, was der gesamten Gesellschaft schade. Gut möglich also, dass eines Tages Bitcoins verboten werden oder aus anderen Gründen nichts mehr wert sind – die Energie für ihre Herstellung wurde dennoch verheizt.

Bessere Ökobilanz mit Ökostrom

Deutlich umweltfreundlicher wären Bitcoins, wenn man die Server mit Ökostrom betreiben würde. Einige der Rechenzentren werden dem Bayerischen Rundfunk (BR) zufolge mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt, die meisten Serverfarmen stehen jedoch in China. Rund zwei Drittel des chinesischen Stroms werden laut BR in Kohlekraftwerken erzeugt.

Man sollte über virtuelle Währungen trotz des Energieverbrauchs nicht gleich den Stab brechen. Weil Strom die teuerste Zutat für virtuelle Münzen ist, überlegen die Spekulanten schon länger, zu ihrer Produktion auf erneuerbare Energien zu setzen – so kommt die Weisheit, dass die Sonne als Energiequelle (vergleichsweise) kostenlos scheint, vielleicht endlich in den Köpfen an.

Auch starteten schon Alternativen wie der Solar Coin, der die Blockchain-Technik mit Sonnenenergie verbindet: Die Währung wird an Sonnenstromerzeuger kostenlos ausgegeben und §1 SolarCoin repräsentiert dann 1 MWh Solarstromerzeugung.

Neuere Projekte wie StromDAO oder Greeneum versuchen außerdem, die Blockchain-Technik als Basis für sogenannte „Smart Contracts“ einzusetzen. Sie bilden eine mögliche Grundlage für die dezentrale Erzeugung und Abrechnung von erneuerbaren Energien oder ermöglichen es, eine (wie bei Bitcoins begrenzte) Menge von CO2-Emissionen fälschungssicher zu verrechnen. Von Blockchain-Währungen werden wir daher im Umweltbereich noch mehr hören.

aw/na

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(1) Kommentar

  1. Liebe Redaktion,

    habt ihr schon mal hochgerechnet wie viel Energie jede Art von neuer Technologie oder sogar eines einzelnen Bauwerks in der Anfangsphase benötigt im Vergleich zum Ergebnis?

    Antwort: zu Beginn sind neue Technologien oder Bauwerke nicht oder kaum noch im Einsatz verschlingen aber schon viele Ressourcen. Das ist ganz logisch und gilt generell.

    Ein Beispiel: während man ein, langfristig gesehen, nachhaltiges und umweltfreundliches Wasserkraftwerk errichtet (das also während des Baues noch nicht im Betrieb ist) steckt man viel Energie hinein und es wird noch gar nichts produziert. Ist das deshalb eine umweltschädliche Technologie? Nein, denn es geht ja später noch in Produktion…

    Mit Bitcoin ist es ähnlich. Bitcoin wird kaum noch verwendet, hat aber enormen Potential (und das nicht NUR als Geldsystem)

    Wenn man die jetzigen Kosten pro Transaktion rechnet (Also die Mining Hardware und vor allem die Stromkosten), dann kommt man auf horrende 50 USD (https://blockchain.info/de/charts/cost-per-transaction), was natürlich VIEL zu teuer ist und keinen Sinn ergäbe, wenn es so bliebe.

    Obiges (50 USD) gilt allerdings nur für eine Blockgröße von 1 MB, also das was Bitcoin (BTC) macht.

    Wenn man die Blockgröße jedoch nach Bedarf erhöht, also das was Bitcoin Cash (BCH) macht, dann sieht das alles ganz anders aus, denn grössere Blöcke benötigen überhaupt keinen weiteren Strom, denn der Strom wird nur für die Hash Rechenleistung benötigt:

    Wenn man also die Blockgrösse zum Beispiel auf 100 GB erhöht, dann sind das schon nur mehr 0,0005 USD bzw. 0,05 cent Kosten pro Transaktion (und das wäre technisch jetzt schon möglich)

    und bei 100 TB Blockgrösse (wird in ca. 8 Jahren möglich sein) sind es dann nur mehr 0,00005 cent Kosten pro Transaktion.

    Und wie gesagt, kann Bitcoin noch für viel, viel, viel, viel mehr eingesetzt werden, z.B. für digitale Verträge, Grundbücher, Personal Identity, Copyrights, usw.

    Wenn ich also für einen kompletten digitalen Vertrag in 8 Jahren 0,00005 Cent zahle bzw. Stromkosten verursache, dann ist das mit Sicherheit günstiger und Umweltfreundlicher als jeder jemals auf Papier geschriebener Vertrag, wo schon das Blatt Papier wesentlich mehr als 0,00005 cent Kostet (dann kommen noch die Kosten für Anwalt und Gerichtssystem dazu ;-))

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