Neue Nachrichten-App „Buzzard“: Falsche Ideen nicht ignorieren

Foto: © Buzzard

Eine neue App namens „Buzzard“ will den Nutzer vielfältig informieren – und aus seiner gewöhnlichen Filterblase herausnehmen. Das Ziel: einen ausgewogeneren Diskurs schaffen und gegen Hass, Rassismus und Sexismus vorgehen. 

Das Konzept von Buzzard ist einfach erklärt: eine App, die die wichtigsten Artikel und Meinungsbeiträge zu Debatten des Tages auflistet, zusammenfasst und einordnet – und zwar aus dem gesamten Medienspektrum von links bis rechts. Mit dabei sind Artikel der großen Nachrichtenseiten, aber auch Beiträge von kleineren Portalen.

Die App soll dem Nutzer ermöglichen, neue Medien zu entdecken und Perspektiven von Andersdenkenden kennenzulernen. „Uns geht es dabei vor allem darum, digitalem Hass und Polarisierung entgegenzuwirken und dadurch rassistisch, sexistisch und antisemitisch bestimmte Diskurse umzulenken“, schreibt uns einer der Co-Gründer per Mail.

Falsche Ideen lassen sich nicht durch Ignorieren begrenzen

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Dario Nassal, Co-Gründer und Chefredakteur von Buzzard. (Foto: © Buzzard / Alisa Sonntag)

Aber braucht es dafür wirklich eine neue App – vor allem eine, die auch dem rechten Meinungsspektrum eine Plattform bietet? Ja, sagt uns Dario Nassal, Co-Gründer und Chefredakteur von Buzzard, im Gespräch. „Man kann die Macht falscher Ideen nicht begrenzen, indem man sie sich vom Leibe hält, hat der Soziologie Armin Nassehi sinngemäß gesagt. Die rechten Positionen gibt es ja und sie zirkulieren in rechten Kreisen. Das Problem ist, dass sie dort unkommentiert bleiben und die Leute sich bestätigt fühlen.“

Buzzard geht anders mit solchen Beiträgen um, erklärt Nassal: „Alle Positionen, die wir zeigen, versehen wir mit einer Kurzzusammenfassung und einer journalistischen Einordnung über den Autor und den Inhalt.“ Artikel mit menschenverachtenden Einstellungen sollen auf der Plattform aber nicht veröffentlicht werden.

Crowdfunding Kritik an Buzzard

Um Buzzard auf den Markt zu bringen, hatte das Team ein Crowdfunding gestartet – und mehr als 168.000 Euro eingenommen. Kurz nach Ende der Kampagne zirkulierten auf Twitter jedoch Screenshots von Beiträgen, die Buzzard in der Vergangenheit veröffentlicht hatte. Die Plattform hatte unter anderem rechtsextreme Webseiten in seine Nachrichtenübersicht aufgenommen. Mehrere Unterstützer*innen – viele davon selbst Journalist*innen – haben sich inzwischen von Buzzard distanziert. Auch ein Mitglied des journalistischen Beirats möchte nicht mehr mit der Nachrichtenapp zusammenarbeiten.

Buzzard selbst äußerte sich auf Twitter und erklärte, im kommenden Jahr die Auswahlkriterien für Quellen mit dem journalistischen Beirat zu diskutieren.

Utopia meint: Buzzard klingt erst einmal nach einem unterstützenswerten Projekt: Die App will einen neuen Zugang zur Nachrichtenwelt schaffen und einen vielfältigen Überblick geben. Im Gespräch mit Utopia erklärte Nassal, keine menschenverachtende Perspektiven aufzunehmen, aber zugleich auch kein Medium prinzipiell auszuschließen. Wenn das Unternehmen jedoch tatsächlich gegen Rassismus vorgehen will, sollte es rechten Medien keine Plattform bieten.

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