Carolin Kebekus: „Brennpunkt Rassismus“ geht viral

Foto: Screenshot Youtube Comedy & Satire im Ersten

Die Ermordung von George Floyd durch einen Polizisten in den USA hat auch in Deutschland Debatten um Rassismus ausgelöst. In den Fernseh-Talkshows diskutieren allerdings hauptsächlich weiße Personen. Nicht so bei Carolin Kebekus: Sie veranstaltete am Donnerstag einen „Brennpunkt Rassismus“ in der ARD.

„Was in den USA geschieht, ist unerträglich. Aber es ist zu einfach zu behaupten, dass das ein amerikanisches Problem ist“, sagt die Komikerin zu Anfang der Sendung. „Denn Rassismus tötet auch in Deutschland. Und damit müssen wir uns alle auseinandersetzen, auch wenn es weh tut. Und da die ARD bisher keinen Brennpunkt dazu gemacht hat, machen wir einfach einen.“

Mehr sagt Kebekus im Verlauf der Sendung nicht, stattdessen kommen nur noch Schwarze Menschen zu Wort – etwa die Schauspielerin Shary Reeves, die den Brennpunkt moderiert. Auf Youtube wurde der Clip in kurzer Zeit bereits rund 650.000 Mal aufgerufen. Hier das Video in voller Länge:

„Viele von Ihnen hören solche Nachrichten nicht so gerne“

Reeves macht darauf aufmerksam, dass es auch in Deutschland Fälle von rassistischer Gewalt gegen Schwarze gibt. Sie nannte als Beispiel den Fall von Oury Jalloh, ein Sierra-Leoner, der 2005 in Polizeigewahrsam in Dessau verbrannte. Bis heute sind die genauen Umstände seines Todes nicht aufgeklärt.

„Ich weiß, viele von Ihnen zu Hause vor dem Bildschirm hören solche Nachrichten nicht so gerne. Die meisten von ihnen haben sowas wie Rassismus selbst noch gar nicht erlebt. Menschen mit heller Haut können nicht nachempfinden, was Menschen mit dunkler Haut fast täglich an Benachteiligung widerfährt“, sagt Reeves in der Sendung.

Karolin Kebekus, Rassismus, ARD
Shary Reeves, die Moderatorin des Brennpunktes. (Foto: Screenshot Youtube Comedy & Satire im Ersten)

Angriffe, Beleidigungen, Ausgrenzung

Um dennoch einen Eindruck vom alltäglichen Rassismus zu vermitteln, teilen in der Sendung mehrere Schwarze Persönlichkeiten ihre Rassismuserfahrungen – darunter Politiker*innen, Autor*innen, Moderator*innen und Sportler*innen. Die Berichte sind erschreckend.

Da ist der Journalist Malcolm Ohanwe, der einen Gerichtsprozess journalistisch begleitete – und dem nicht geglaubt wurde, dass er tatsächlich Reporter ist. Oder die Moderatorin und Regisseurin Mo Asumang, die in der Straßenbahn von einem Mann gewürgt wurde. Oder die Autorin Jasmina Kuhnke, die während eines Krankenhausaufenthaltes keine Hilfe von der Krankenschwester bekam, weil diese Schwarze Menschen „nicht gerne anfasse“. Oder die Politikerin Sylvie Nantcha, der ein Taxifahrer die Fahrt verweigerte – wegen ihrer Hautfarbe.

Acht Minuten und 46 Sekunden Rassismus

Im „Brennpunkt Rassismus“ berichten insgesamt 17 Personen von ihren Erfahrungen mit Rassismus. „Und, kam ihnen das zu langatmig vor?“, fragt Moderatorin Shary Reeves am Ende der Sendung. „Das waren genau acht Minuten und 46 Sekunden – so lange, wie der Polizist auf George Floyd gekniet hat.“ Weiße Zuschauer*innen können den Fernseher abschalten sagt Reeves, und sich so nicht weiter mit dem Thema Rassismus befassen. „Für Menschen wie mich ist das allerdings Alltag.“

Was also tun, als Person, die nicht von Rassismus betroffen ist? „Ich möchte, dass wir anfangen können darüber zu reden“, sagt Musiker Dennis Lisk. Malcolm Ohanwe empfiehlt: „Wir alle sollten uns tagtäglich damit beschäftigen, welche inneren Rassismen wir haben.“ Mehr Empfehlungen: Black Lives Matter: 7 Dinge, die wir jetzt gegen Rassismus tun müssen

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(2) Kommentare

  1. Solange es dieses extreme Ungleichgewicht zwischen arm und reich gibt, werden neben der eigenen armen Bevölkerung, vor allem weiter dafür die Ethnien in den traditionell wirtschaftsschwachen Ländern systematisch ausgebeutet. Davon resultieren viele der späteren Gleichstellungsprobleme.
    Daher glaube ich, der Rassismus heutzutage ist weniger von den (abgehängten) Menschen ideologisch gewollt, als sehr stark systemisch bedingt und steht oder fällt mit sozialer Gerechtigkeit, Bildung und allem was damit zusammenhängt. Während die Grundsteine für den modernen, kapital-getriebenen Rassismus weiter von den Profiteuren des Systems gelegt werden. Die Wirtschaftseliten machen es doch im großen Stil vor, wie man Menschen herabstuft, ausbeutet… Ursache -> Wirkung
    Unsere Politiker machen aber leider auch keinen guten Job, wodurch es immer mehr soziale Brennpunkte und Benachteiligte gibt…. was wiederum mehr solcher „Spannungen“ zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und viele der anderen Missstände nach sich zieht.
    Aber was können wir gegen institutionellen Rassismus tun, außer Links wählen?
    Vielleicht doch eine andere Wirtschaftsform?