Die Folgen der Plastikflut: Jede Meeresschildkröte hat Plastik im Bauch

Foto: naturepl.com / Jordi Chias / WWF

Englische Forscher untersuchten gestrandete Meeresschildkröten – und fanden Plastik in jedem Tier: Reifenteile, Fasern unserer Kleidung, Teile von Plastikflaschen und dazu jede Menge Mikroplastik. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, wie dramatisch der Zustand der Weltmeere ist.

Wissenschaftler von der University of Exeter in Cornwall und vom Plymouth Marine Labratory haben Magen und Darm von Schildkröten auf Plastikteile analysiert. Zu den untersuchten Tieren zählten Meeresschildkröten aller Arten aus Atlantik, Pazifik und Mittelmeer. Das erschreckende Ergebnis: In jeder Schildkröte wurden Kunststoffteile und Mikroplastik gefunden.

Plastikmüll ist für Meeresschildkröten gefährlich

Insgesamt wurden in den 102 untersuchten Schildkröten mehr als 800 Plastikstückchen gefunden. Die englischen Forscher schätzen, dass in den Tierkörpern „zwanzigmal mehr Plastik“ sein dürfte, denn untersucht wurde nur ein kleiner Teil des Magen-Darm-Trakts der Tiere. Es wurden nur tote Tiere untersucht, die entweder gestrandet oder als unerwünschter Beifang über Bord der Fischerboote geworfen worden waren. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift „Global Change Biology“ veröffentlicht.

Der größte Teil der Fundstücke waren Synthetikfasern, die von Autoreifen, Zigarettenfiltern oder Fischerei-Ausrüstung wie Netzen oder  Tauen stammen. Aber auch Polyester aus unserer Kleidung ist verantwortlich für die Synthetikfasern im Meer: Durch die Wäsche gelangen die kleinen Fasern übers Abwasser in die Meere. Zudem fanden die Biologen Teile von Einweg-Geschirr und -Besteck und viele Mikroplastik-Partikel im Magen der Meeresschildkröten.

Mittelmeer-Schildkröten sind am stärksten betroffen

Nicht verwunderlich: Im Mittelmeer wurden diejenigen Schildkröten gefunden, die am stärksten mit Plastikmüll belastet waren. Das Binnenmeer gehört zu den Rekordhaltern in Sachen Meeresmüll: Obwohl das Mittelmeer nur 1 Prozent des weltweiten Wassers beinhaltet, konzentrieren sich hier rund 7 Prozent des globalen Mikroplastiks. 1,25 Millionen Fragmente finden sich auf einem Quadratkilometer, so der WWF.

Alle sieben Meeresschildkröten-Arten sind bedroht

Schildkröten sind eigentlich hart im Nehmen: Sie haben die Dinosaurier und die Kontinentalverschiebungen überlebt. Inzwischen sind aber alle sieben Meeresschildkröten-Arten vom Aussterben bedroht. Schuld an ihrem qualvollen Sterben sind wir Menschen. Unsere Fangmethoden, bei denen Schildkröten häufig als Beifang ins Netz gehen, und die unglaubliche Flut an Plastikmüll machen den Tieren das Leben schwer. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als 100 Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren treiben. Die einzige Lösung, um die Schildkröten nachhaltig zu schützen, ist, die Plastikflut einzudämmen.

Wir müssen aktiv werden

Immer mehr Länder versuchen, den Plastikverbrauch zu reduzieren. In Österreich soll Mikroplastik in Kosmetikprodukten und Reinigungsmitteln ab 2020 ganz verboten werden. In Sachen Plastiktüten gehen Italien und Frankreich mit gutem Beispiel voran, sie haben die Beutel schon vor einiger Zeit verboten.

Die EU will darüber hinaus einige Einwegprodukte wie Trinkhalme, Besteck, Teller, Rührstäbchen für Kaffee und dünne Tüten aus Kunststoff verbieten. Die vorgeschriebenen Recyclingquoten von Plastik sollen bis zum Jahr 2022 von derzeit 36 auf 63 Prozent erhöht werden.

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(2) Kommentare

  1. Nicht nur Meeresschildkroten haben Plastik im Bauch. Rossmann verkauft Badeschwämme aus Kunststoff, welche sich nach kurzer Zeit in Wasser auflösen. Somit wird unser Wasser damit „verfeinert“, das wir dann trinken müssen.

  2. Keine neue Plastik ins Meer zu werfen ist aber nur ein Teil der Lösung.
    Viel wichtiger ist es, die in den Meeren bereits befindliche Plastik wieder heraus zu holen!
    Hier ist die Industrie gefragt, schnellstens und gezielt entsprechende Technologien zu entwickeln !!! Sonst sind alle diesbezüglichen Bemühungen für die Katz …

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