Wie billig darf Fleisch sein? Dieses Edeka-Sonderangebot ist unfassbar

Foto: pixaby CC0 / Screenshot Facebook

Bei Edeka gab es vergangene Woche ein besonderes Sonderangebot: Hähnchenfleisch für nur wenige Cent pro 100 Gramm. Noch absurder: Das Fleisch war mit einem Tierwohl-Label zertifiziert. Auf Facebook sorgte das Angebot für einen Shitstorm.

Fleisch wird im Supermarkt meist viel zu billig verkauft. Der „Montags-Knüller“ von Edeka geht jedoch eindeutig zu weit: 100 Gramm Hähnchenschenkel mit Rückenstück kosteten vergangenen Montag gerade mal 15 Cent.

„Ihr Montagsknüller ist wirklich ein Knüller. Aber ein abscheulicher, abstoßender und unfassbarer“, schrieb eine Userin auf Facebook in einem Post. Sie hatte ein Foto von dem Prospekt hochgeladen und auf der Facebook-Seite von Edeka gepostet.

Das sagt Edeka

Besonders widersprüchlich erscheint bei dem Edeka-Sonderangebot, dass die Hähnchenschenkel mit dem Siegel der „Initiative Tierwohl“ ausgezeichnet sind. Das Ziel der Initiative ist, das Tierwohl in der Fleischindustrie zu verbessern – wie das mit Billigpreisen wie für die Hähnchenschenkel zusammenpassen soll, ist fraglich.

Edeka Fleisch Facebook
Der Post auf Facebook. (Foto: Facebook Edeka - Simone Animale)

Edeka hat sich dazu bereits geäußert – unter dem Post der Facebook-Userin kommentierte der Supermarkt: „Bei dem Angebot handelte es sich aber um eine Werbeaktion, die nur in einigen Märkten verfügbar sowie auf einen Tag begrenzt war. Der Angebotspreis hatte in diesem Fall keinen Einfluss auf den Erzeugerpreis, den die Landwirte erhalten, sondern ging zu Lasten des Groß- und Einzelhandels.“

Bewusster Umgang mit Fleisch

Trotzdem bleibt der Billigpreis fragwürdig. „Wie soll der Verbraucher sich bewusst werden, dass es ein lebendes Tier war, welches aufgezogen und versorgt werden musste, wenn Sie es für einen Preis von 0,15 cent / 100 Gramm verkaufen? Sogar eine billige qualitativ schlechte Tafel Schokolade kostet mehr das 3-fache“, schrieb die Facebook-Userin, die das Foto von dem Edeka-Prospekt hochgeladen hatte.

Sie war nicht die einzige, die sich über Edekas Montags-Knüller aufregte. Ein weiterer Nutzer drehte sogar ein kurzes Video zu dem Sonderangebot (entdeckt von der Nachrichtenseite Münchner Merkur online). „In welcher ekelhaften Masse muss ich denn fühlende Tiere leiden lassen, damit sich so ein Preis rechtfertigt?“, fragt er in dem Video. Der Clip wurde mehr als 13.000 Mal aufgerufen und über 400 Mal geteilt (Stand 09.07.). Hier das ganze Video:

Nicht nur Edeka verkauft Billigfleisch

Die billigen Fleischpreise sind nicht nur bei Edeka ein Problem. Immer wieder machen Supermärkte mit fragwürdigen Sonderangeboten Schlagzeilen, wie zuletzt zum Beispiel Lidl. Generell sind die Fleischpreise in Supermärkten und Discountern zu niedrig.

Damit Fleisch und Geflügel so günstig sein können, muss eine maximale Menge an Fleisch so schnell und günstig wie möglich produziert werden. Das geht nur mittels industrieller Massentierhaltung – für die Tiere eine Quälerei. Die billigen Fleischpreise sorgen wiederum dafür, dass noch mehr Menschen mehr Fleisch kaufen – ein Teufelskreis. Wer die Praktiken der Massentierhaltung nicht unterstützen will, sollte Fleisch wenn überhaupt nur in Bio-Qualität kaufen. Und beim Fleischkonsum ist weniger eindeutig mehr!

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(6) Kommentare

  1. Was soll das denn jetzt?
    Alle anderen, REWE-Konzern Kaufpark, Netto usw. machen das bereits seit Monaten, fast Jahren! Seit sie diesen Muell in Afrika nicht mehr so leicht loswerden wird hier der Markt damit ueberschwemmt. Und alle anderen wie Aldi usw. kaschieren das nur ueber einen leicht hoeheren Preis. Wie ich es beobachtet habe hat sich Edeka so wie Aldi bisher zurueckgehalten. Aber jetzt nur auf Edeka herumzupruegeln ist doch wohl voll daneben. Der einzige Schuldige ist erst einmal der Verbraucher, der ja unbedingt diese Massen an Fleisch nicht verzehren, sondern meint, unbedingt fressen zu muessen! Und klar passt das vorne und hinten nicht, wenn man bedenkt, was diese Huehner an Edelfutter zu fressen bekommen, bis sie schlachtreif sind. Und das fressen sie noch den Bewohnern der armen Laender weg, die sich davon ernaehren koennten. Also gerade hier hilft es, sich mal an die eigene Nase zu fassen.
    Endlich kapiert? Wir, die Verbraucher sind es, die andere Voelker bis auf den heutigen Tag ausbeuten. Das betrifft nicht nur die Nahrungsmittel, das betrifft auch die seltenen Erden und Materialien fuer unsere Wegwerfelektronik. Also wenn man schon hier herumpruegelt, dann sollte man auch die Richtigen treffen, naemlich uns, die Verbraucher! Und man sollte vielleicht mal etwas frueher aufwachen und nicht uber Jahre eine derartige Entwicklung verpennen und dann so tun, als wenn man aus allen Wolken faellt. Oder auf welchem Planeten hat Utopia bislang gelebt?
    W. Labuhn

  2. Was für ein dekadentes Pack regt sich über zu niedrige Fleisch- Preise auf? Ich verdiene 1800 Euro netto im Monat und muss davon eine vierköpfige Familie ernähren ( inkl. Klavierunterricht, Tennis, Fußball, Schwimmkurs). Es kann doch nicht sein, dass sich nur noch gutverdienende, kinderlose Paare Fleisch leisten können. Wer Hühnchen für das Geld verkauft, hat diese innerhalb der gesetzliche Regeln produziert -wenn das für den Preis möglich ist, SUPER!!

  3. Weil gesetzliche Regeln ja stets fair für alle Beteiligten, hier eben u.a. Tiere, sind. Nicht.

    Sie meinen also, es sei dekadent, gegen Tierleid zu sein?
    Und dass Tiere gefälligst maximal zu leiden haben, damit Klavierunterricht und Tennis drin sind? o_o

    Von 1800€ 4 Köpfe ernähren – a) gibts für Minderjährige Kindergeld, b) steht einem bei rd 450€/Kopf (eben ggf. plus KG) staatliche Unterstützung zu.

    Und nein, ich bin keine militante Veganerin und auch kein Bonze – ich konsumiere schlicht geringe Mengen Tierprodukte in zumindest „verträglicherer“ Qualität. Und das bekommen in meinem Umfeld auch Menschen mit z.B. schmaler Rente hin.

    Es ist unglaublich überheblich gegenüber leidensfähigen Wesen, solch eine Erwartungshaltung an den Tag zu legen.

    Wie haben Generationen vor uns bloß überlebt, als es nur 1x/Woche Fleisch gab? o_o

  4. Das nenne ich mal „Jammern auf hohem Niveau!“ Erwartungshaltung und Anspruchsdenken sind hier doch recht zweifelhaft. Wer Klavierunterricht und Tennis scheinbar als lebenswichtig erachtet, sollte doch auch wenigstens den tatsächlichen Wert von Fleisch zu schätzen und zu würdigen wissen.
    Der Ausdruck „dekadent“ passt meines Erachtens besser zu Leuten, deren Freizeitvergnügen so hoch angesiedelt ist, dass man lieber dafür sein Geld verschwendet, als einen angemessenen Preis für ein hochwertiges Nahrungsmittel zu bezahlen, welches man sich ebenfalls gerne gönnt.
    Wir sollten unseren Kindern lieber den „Konsumverzicht“ nahebringen und dringend darüber nachdenken, welche Normen und Werte wir ihnen mit auf den Weg geben und was im Leben wirklich zählt! Genuss- und Vergnügungssucht sowie gesellschaftlich hohes Ansehen sollten nicht in unserem Lebensmittelpunkt stehen, so wie Fleisch nicht unbedingt auf unserem Speiseplan. Wünschenswert wäre die Abkehr von Ignoranz und billigender Inkaufnahme von Tierleid. Was überhaupt nicht geht, ist die rücksichtslose wie fatale Einstellung: Billiges Fleisch um jeden Preis!

  5. Ich kann dem Kommentar von chaoskoeppsche nur zustimmen.
    Dekadentes Pack? Dabei kann es sich nur um eine Projektion handeln.
    Mir wird Angat und Bang um unsere Welt und unsere Zukunft, wenn ich darüber nachdenke, dass solche Menschen wie Hasenjagd Kinder aufziehen…

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