Fipronil-Eier in 15 Ländern: EU plant Krisentreffen

Eier
Foto: Pixabax / CC0 / Alexandra Koch

Der Skandal um die Fipronil-Eier ist größer als bislang angenommen: 15 Länder sind betroffen, belastete Eier gelangten bis nach Hongkong. Die EU-Kommission will nun ein Krisentreffen einberufen.

Laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium wurden rund 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert. Inzwischen wurde auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern sowie in Honkong Fipronil in Eiern nachgewiesen.

In Österreich läuft derzeit eine Rückrufaktion von gekochten und geschälten Eiern aus den Niederlanden. Auch in Großbritannien wurden belastete Eier gefunden. Dort geht man von 700.000 Fipronil-Eiern aus, die allesamt importiert wurden.

Fipronil-Eier wurden in 15 Länder geliefert

In Rumänien wurde Fipronil in flüssigem Eigelb gefunden, das aus Deutschland stammt. Wie die Behörde für Lebensmittelsicherheit am Donnerstagabend mitteilte, wurden außerdem 20 Tonnen mit Fipronil belastete Eier nach Dänemark geliefert. Die Eier sollen von einem belgischen Händler stammen, produziert wurden sie jedoch in den Niederlanden. Insgesamt sind Erkenntnissen der EU zufolge mit Fipronil belastete Eier in 15 Länder geliefert worden.

EU-Kommission will Eier-Gipfel

Weil der Fipronil-Skandal so weite Kreise zieht, will die EU-Kommission nun ein Krisentreffen einberufen. Vytenis Andriukaitis, der für Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissar, will dafür Minister und Vertreter der zuständigen nationalen Behörden einladen. Mit den Ministern in Deutschland, Belgien und den Niederlanden hat Andriukaitis bereits gesprochen.

Der „Eier-Gipfel“ soll spätestens Ende September stattfinden. Bis dahin sollen möglichst alle Fakten auf dem Tisch liegen, erklärte der EU-Kommissar laut Frankfurter Allgemeine Zeitung online gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Zwei Männer festgenommen

Womöglich kommt in den nächsten Tagen mehr Licht ins Dunkel. Die niederländische Justiz hat am Donnerstag zwei Personen festgenommen. Dabei handelt es sich um die Geschäftsführer eines Unternehmens namens „Chickfriends“. Das Unternehmen ist auf die Bekämpfung von Ungeziefer spezialisiert und hat womöglich ein mit Fipronil versetztes Reinigungsmittel in Geflügelbetrieben angewendet.

Wie toxisch sind die Eier mit Fipronil?

Wie üblich macht die Dosis das Gift. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt die Wirkung von Fipronil auf den Menschen als „mäßig giftig“. Nur in großen Mengen kann es Schäden an Nieren, Leber oder der Schilddrüse herbeiführen.

Nur ganz wenige der Eier sind so stark belastet, dass man sie wirklich als Gift-Eier bezeichnen kann. Die niederländische Lebensmittelaufsichtsbehörde NVWA, die vor den Eiern gewarnt hatte, nennt hier vor allem Eier mit dem Eier-Code 2-GB-4015502 und 2-NL-4015502 als so stark belastet, dass man sie auf keinen Fall essen dürfe.

Ansonsten drohen bei Verzehr in üblichen Mengen schlimmstenfalls Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Schwindel und Krampfanfälle, so die NVWA.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat für Fipronil in Eiern eine skandalös schlecht verständliche Bewertung veröffentlicht, die letztlich aussagt, derzeit bestünde bei „normalen“ Konsumverhalten auch mit belasteten Eiern keine „konkrete Gesundheitsgefährdung“ für Erwachsende, „möglich“ sei aber ein „Risiko“ für Kinder.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) stellt dies so dar: „Nach Einschätzung des zuständigen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist nach derzeitiger Datenlage (5. August 2017) eine akute gesundheitliche Gefährdung der betrachteten Verbrauchergruppen, einschließlich Kinder, unwahrscheinlich.“

Dem steht eine Warnung des vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVEL) betriebenen Portals lebensmittelwarnung.de gegenüber. Sie verweist (wie wir weiter unten) auf die Liste von Eier-Codes der niederländischen Gesundheitsbehörde NVWA. Diese ist in drei Listen aufgeteilt, wobei die erste Liste die stark belastete Nummer 2-NL-4015502 nennt, die zweite Liste umfasst Stempelnummern von Eiern, die laut BVEL „nicht von Kindern verzehrt werden sollten“ – davon sind nun aber schon ziemlich viele im Umlauf.

Christin Meyer, Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Niedersachsen, kritisierte das Bundeslandwirtschaftsministerium und dazugehörige Behörden „wegen irreführender Behauptungen zu Gesundheitsgefahren“. Die Argumentation, für Kinder gehe – bei einem Durchschnittskonsum in Deutschland – selbst bei den in Belgien festgestellten Höchstwerten von mit Fipronil belasteten Eiern keine Gesundheitsgefahr aus, verharmlose das Problem. Wenn etwa ein Kind in Niedersachsen mehr Eier esse als die durchschnittlich in Deutschland verzehrten 0,6 Eier pro Tag, „dann ist die tägliche Aufnahmedosis dieses Giftes bereits überschritten“. Daher bleibe es dabei: „Bei diesem toxischen Stoff gilt die Nulltoleranz. Er hat in Lebensmitteln nichts zu suchen.“

Seit wann steckt Fipronil in den Eiern?

Verschiedenen Medienberichten zufolge werden schon seit etwa Juni Fipronil-belastete Eier verkauft. „Wir wussten seit Anfang Juni, dass es möglicherweise ein Problem mit Fipronil in der Geflügelzucht gibt“, wird Katrien Stragier, Sprecherin der belgischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, zitiert.

Wir essen also möglicherweise schon seit zwei Monaten „Gift-Eier“. Warum wurden EU-Behörden, die ihren Hauptsitz in der belgischen Hauptstadt haben, erst am 20. Juli informiert? Angeblich wog man die Gefahr, dass Konsumenten Schaden durch die Eier nehmen können, gegen die Möglichkeit ab, durch Stillschweigen ungestört ermitteln zu können.

Am 27. Juli hat das BMEL nach eigenen Angaben beim BfR eine Risikoeinschätzung in Auftrag gegeben. Eine erste Konsumwarnung gab man am 1.8. heraus. Für eine Frage-und-Antworten-Liste ließ man sich bis 5.8. Zeit (gibt es hier).

Wie kam das Gift in die Eier?

Fipronil ist ein Insektizid, das in Tierarzneimitteln gegen Flöhe, Milben und Zecken häufig verwendet wird. Bei Tieren wie Hühnern, die für menschlichen Verzehr gezüchtet werden, darf Fipronil eigentlich gar nicht eingesetzt werden, erst recht nicht in Bio-Betrieben.

Offenbar wurde das Insektizid aber einem normalerweise mit ätherischen Ölen arbeitenden Milbenbekämpfungsmittel namens Dega-16 in unzulässiger Weise beigesetzt und von den Anbietern der Gift-Eier möglicherweise ohne ihr Wissen verwendet. „Nach unserem jetzigen Kenntnisstand haben 100 niederländische, vier deutsche und ein belgischer Betrieb das Mittel Dega-16 bezogen“, so der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT).

„Der Lebensmittelsektor ist äußerst betrugsanfällig“, kommentiert Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch, „Es ist leider keine Überraschung, dass über einen längeren Zeitraum weder Behörden noch Unternehmen den Einsatz einer verbotenen Substanz bemerken oder die Öffentlichkeit darüber informieren.“

Ob das wirklich so war wird noch untersucht.

Wie erkennt man die Insektizid-belasteten Eier?

Sie haben einen der folgenden Eier-Codes:

Eier aus Deutschland:

1-DE-0357731

Eier aus Belgien:

2-GB-4015502

Eier aus den Niederlanden:

0-NL-4310001
0-NL-4385501
0-NL-4392501
1-NL-4128604
1-NL-4167902
1-NL-4286001
1-NL-4331901
1-NL-4339301
1-NL-4339912
1-NL-4359801
1-NL-4385701
2-NL-4015502
2-NL-4332601
2-NL-4332602
2-NL-4385702

WICHTIG: Eine ständig erweiterte Liste führt die niederländische Gesundheitsbehörde NVWA.

Welche Eier soll ich kaufen?

Eier sind bekanntlich Lebensmittel tierischen Ursprungs –und wie immer gilt hier: weniger ist mehr. In diesem Beitrag erklären wir, welche Eier empfehlenswert sind.

Habt ihr noch mehr Fragen? Schreibt uns in den Kommentaren!

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(7) Kommentare

  1. Und plötzlich können alle denen die Eier im Hofladen von Bauer der Freilandhühner hält immer zu Teuer waren da hinrennen und der Stammkundschaft die Eier wegkaufen….

  2. Bei uns war Anfang der Woche ebenfalls ein Kunde im Bio-Laden, der nur Eier gekauft hat und meinte, Aldi hätte gerade keine wegen diesem Skandal.

    Da plötzlich rennen solche Menschen dann in einen Bio-Laden…

  3. Unser Bio-Hof ist jetzt für drei Wochen im Zwangsurlaub, weil die Straße vor dem Hof repariert wird und die Durchfahrt weiträumig gesperrt ist.
    Man kommt nicht mal mit dem Radl vernünftig hin.
    Die arme Frau wird sich ärgern, weil ihr andernfalls ihre guten Eier sicher aus der Hand gerissen werden würden und die Chance bestünde, neue Stammkunden zu generieren.

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