Fairafric: Start-up will die fairste Schokolade der Welt produzieren

fairafric nachhaltige faire Schokolade
Foto: © fairafric

Von der Kakaobohne bis zur verpackten Tafel: Das Start-up fairafric wickelt die ganze Schokoladenproduktion im Herkunftsland ab. Mit diesem Ansatz will das deutsch-ghanaische Unternehmen seit 2016 die fairste Schokolade der Welt produzieren. Aktuell sucht fairafric Crowdinvestoren, um die Produktion in Afrika auszubauen.

Immer mehr Menschen greifen zur Fairtrade-Schokolade: Ihr Marktanteil steigt innerhalb von fünf Jahren auf fast 16 Prozent. Dennoch reicht zertifizierte Schokolade nicht: Noch immer leben viele Kakaoproduzenten weit unter der Armutsgrenze, so das Kakao-Barometer 2015 (PDF). Kakaobauernfamilien an der Elfenbeinküste verdienen demnach pro Kopf durchschnittlich 0,50 US-Dollar täglich – die Armutsgrenze liegt bei zwei US-Dollar am Tag.

Bei Fairafric gehen 70 Cent pro Tafel nach Ghana

Die 14 Millionen Kakaobauern – darunter Hunderttausende Minderjährige – sehen vom Milliardenmarkt Kakao nur Brotkrümel: Von dem, was die Kunden für die Schokolade zahlen, kommen nur 6,6 Prozent bei den Bauern an.

Das deutsch-ghanaische Start-up fairafric will das ändern und das Pro-Kopf-Einkommen von Kakaobauernfamilien deutlich erhöhen: „Eine Tafel Fairtrade Schokolade schafft in dem Ursprungsland zwischen 0,7 und 1,4 Cent zusätzliches Einkommen verglichen mit konventioneller Schokolade, davon muss man noch die Zertifizierungskosten abziehen“, erläutert Gründer Hendrik Reimers und hebt hervor: „Bei uns sind es insgesamt mindestens 70 Cent pro Tafel, die nach Ghana fließen, und damit 50 Cent mehr als bei konventioneller Schokolade.“

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Eine Bäuerin trägt die Kakaoernte. (© fairafric)

Fairafric: von der Bohne bis zur Verpackung

Wie macht fairafric das? Anders als bei konventioneller und Fairtrade-Schokolade üblich, findet die komplette Produktion der Schokolade am Ernteort statt. Vom Rösten der Bohnen, über das Formen der Schokolade bis zur verpackten Tafel – alles wird in Ghana gefertigt und dann nach Deutschland und in die Welt exportiert. So bleibt mehr Geld vor Ort.

„Im Land mehr Einkommen und neue Jobs schaffen, das unterscheidet uns ganz deutlich vom bisherigen Ansatz von Fairtrade, bei dem Kleinbauern unbedeutend mehr Geld für ihren Kakao bekommen und eben keine gut bezahlten Arbeitsplätze entstehen“, so das Sozialunternehmen. Nach eigenen Aussagen unterstützt fairafric die Kakaobauern nicht nur durch faire Preise, sondern auch durch Maßnahmen zu ökologischem Landbau und Projekte zur Einkommenssteigerung.

Eine gute, aber keine neue Idee

Die Idee, Schokolade komplett am Ernteort zu produzieren, ist wenig verbreitet, aber nicht neu: Bereits seit 2002 gibt es mit der Pacari Schokolade Bioschokolade, die komplett in Ecuador produziert wird. Und auch die Schokolade von Madecasse verfolgt das Ziel, Schokolade „vor Ort“ zu produzieren, in diesem Fall in Madagaskar. Von 2008 bis 2014 fertigte das Unternehmen laut eigener Aussage über vier Millionen Tafeln komplett in Madagaskar. 2015 verlegte es Teile der Produktion außerhalb des Inselstaates, mit dem Ziel, die Produktion Anfang 2018 wieder zurück nach Madagaskar zu holen.

Faire Preise für Kakaobauern – dieses Ziel verfolgt auch die Schokoladenfirma Original Beans. Wie? Durch den direkten Ankauf des Kakaos und die enge Zusammenarbeit mit den Kleinbauernkooperativen erhalten die Kakaobauern faire Preise, so das Unternehmen. Zudem fördere Original Beans die Bauern vor Ort mit Schulungen und Equipment. Das Unternehmen pflanze für jede verkaufte Tafel einen Baum im Regenwald und unterstütze in jedem Anbaugebiet ein Naturschutzprojekt zum Schutz bedrohter Tierarten. Ein weiteres Plus: Die Schokoladenfolie ist kompostierbar.

fairafric nachhaltige faire Schokolade
„Bean to Bar“ – von der Bohne bis zur Tafel: fairafric fertigt alles in Ghana (© fairafric)

Alles fing an mit einer Sorte 70 % Zartbitter-Schokolade – mittlerweile bietet fairafric sieben Sorten Zartbitter- und Vollmilchschokolade in Bio-Qualität an. Eine Tafel kostet circa 2,99 Euro und kann im Online-Shop bestellt werden. Die fairafric-Schokolade gibt es zudem in ungefähr 200 Läden (vorrangig Welt- und Bioläden) in Deutschland und Österreich zu kaufen.

fairafric sucht Crowd-Investoren

Aktuell sammelt fairafric auf der Plattform Seedrs Geld, um die Produktion in Afrika auszubauen: „Das Team dort kann kaum mit den Bestellungen der europäischen Kunden mithalten“, so fairafric. Die Crowdinvestment-Plattform Seedrs bietet Investoren die Möglichkeit, durch kleine Geldbeträge wachsende Unternehmen zu unterstützen. Laut Seedrs können erworbene Anteile auf der Plattform gehandelt werden, es besteht die Möglichkeit Dividenden auszuschütten und im Falle einer Übernahme erhält der Investor seinen errechneten Anteil.

Die Kampagne von fairafric läuft noch bis Februar 2018; ein Mindestziel von 100.000 Euro muss erreicht werden, damit die Finanzierung zustande kommt. Das Geld will fairafric vor allem für den Einkauf von Zutaten wie Kakao, Zucker oder Milch nutzen.

Utopia meint: Kakao ist ein Milliardenmarkt, an dem die Kakaobauern immer noch viel zu wenig verdienen. Indem fairafric die Schokolade komplett in Afrika produzieren lässt und somit den in der Kakao-Branche üblichen Herstellungsprozess umkrempelt, verbessern sich hoffentlich die Lebensbedingungen aller an der Produktion beteiligten Menschen – ein wahrlich fairer Gedanke.

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(9) Kommentare

  1. Wenn Dich das interessiert, dann mach Dir doch einfach die Mühe und schau nach.
    Kostet Dich 30 sec.
    „Ingredients:
    Cocoa Mass, Sugar, Cocoa Butter, Soy Lecithin

    May contain traces of gluten, peanuts, soy, milk and nuts“

    Kann also Spuren von Milch enthalten.
    Das ist der übliche Spruch, weil die Schokolade sicher in kleinen Mengen hergestellt wird und der Hersteller kein eigenes Werk hat.
    Folglich kann vorher in der gleichen Produktionsstraße eine Schoki mit Milch produziert worden sein und deshalb steht es so auf der Verpackung bzw. der Produktbeschreibung.

  2. „Utopia meint: Kakao ist ein Milliardenmarkt, an dem die Kakaobauern immer noch viel zu wenig verdienen. “
    Diese Aussage ist SEHR vorsichtig formuliert. Es gibt Zigtausende Kindersklaven an der Elfenbeinküste (von dort stammen 38% des Kakaos weltweit), die 7 Tage die Woche schuften, ohne einen Cent zu erhalten. Sie hungern, sie werden geschlagen, ihre Haut ist verätzt, weil sie Gift spritzen müssen ohne Schutzanzüge. Sie werden von Menschenhändlern entführt, manchmal auch von den eigenen Eltern aus Not verkauft. Ein Kind kostet soviel wie eine Stange Zigaretten. Die Schokoladenindustrie behauptet, auf diesen billigen Kakao angewiesen zu sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Und die Welt schaut weg…
    In dem Zusammenhang finde ich die Frage nach „vegan“ vielleicht nicht ganz so vorrangig.

  3. Das Projekt gefiel mir und ich war neugierig. Also warum nicht mal 10 Tafeln kaufen, satt Geld zu spenden, dachte ich mir. Das Produkt bestellte ich direkt auf der Homepage 35,99 € + Porto, ein hoher Preis – schon hier kam mir Zweifel, ob eine Schokolade für 4,- € pro Tafel sich später am Markt durchsetzen kann.
    Die Lieferung kam schnell und ich öffnete sofort das Paket. In jeder „Tafel“ sind vier kleine Schokobarren à 20g -mit Alu und Papier einzeln eingepackt. Für einen 5. Barren wäre durchaus in dieser „Tafel“ Platz, aber der Platz ist leer. Ich war mir vor dem Kauf nicht bewusst, dass die einzelnen Tafeln à 3,99 € nur je 80g haben. Wahrscheinlich bzw. hoffentlich steht es irgendwo auf der Homepage – mir ist die Tatsache aber nicht aufgefallen! Optisch fraglos ein Betrug – ähnlich dem Waschmittel, welches im Karton nur zu 60 % gefüllt ist, ….
    Dann wird auf der Tafel darauf hingewiesen, dass normalerweise nur 0,07$ pro 100 gr Schokolade im Herkunftsland bleibt. Bei Fairtrade wären es normalerweise 0,08$ pro 100gr und in diesem Fall (die fertige Tafel wir ja vor Ort hergestellt) sogar 0,70$ pro 80gr.
    Hier stelle ich mir natürlich trotzdem die Frage, warum mich Fairtrade immer so teuer kommt. Gerne würde ich ja sogar 70 ct mehr pro Tafel bezahlen, aber hier scheinen ja noch andere ganz ordentlich zu verdienen!
    Traurig, dass man für den Preis nicht wenigstens eine ÖKO Schokolade in der Hand hat.
    Zu guter Letzt: der Geschmack war gut. – Ich denke die Verpackung und den Preis und eine Ökoqualität sollte man überdenken.

  4. Bean-to-bar ist ein super konzept um im jeweiligen herstellungsland den wohlstand der kakaobauern und deren familien zu unterstützen, weitaus effektiver als „nur“ fairtrade aber schon lange nichts neues mehr in der welt der guten schokoladen 😉
    mir fallen noch ein paar firmen ein, die ihr utopisten euch gern mal ansehen könnt in dem zusammenhang: Pacari, Antidote und Madecasse. soweit ich informiert bin, haben auch Zotter u. a. große namen bean-to-bar + bio schokoladen.
    ich find absolut nichts schlimmes daran, für eine 80g tafel 4-5euro zu zahlen. für einen guten wein zum beispiel gibt man doch auch gern ein paar euro mehr aus, oder?

  5. ich finde die Wertschöpfung im Herkunftsland auch sehr unterstützenswert. meine Hauptfrage ist die, wie jetzt letztlich nachgewiesen ist, dass die Arbeitsplätze fair sind. Sowohl im Kakaoanbau, als auch in der Produktion.
    Die gleiche Frage hätte ich auch bei Pacari und Co. Tendenziell sind die Arbeitsplätze im Ausland ja billiger als in Europa (auch wenn sie fair sind). Die Schokoladen sind aber teurer als die von Gepa und Co, die ja in Europa hergestellt werden (und auch ziemlich gute Qualität haben).
    Woher weiß man nun, dass da nicht in erster Linie viel viel Geld an irgendeinen reichen und cleveren Geschäftsmann oder Schokoladenfabrikanten geht anstatt an die arbeitende Bevölkerung?
    (Zotter macht zwar bean-to-bar, aber ja nicht im herkunftsland, soweit ich weiß)

  6. Eine Fairtrade-Bio-Schokolade kostet z.B. 1,29 EUR. Bei fairafric fließen, nach eigener Aussage, „50 Cent mehr als bei konventioneller Schokolade“ nach Ghana. Diese 50 Cent zahle ich gerne mehr. fairafric kostet aber nicht 50 Cent mehr, sondern kostet 1,70 EUR zusätzlich.

    Wer bekommt den Rest der Mehrzahlung?

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