Utopia-Studie zur Kinderarbeit: Utopist:innen wünschen sich Kennzeichnung und Labels

Utopia-Studie: Kinderarbeit
Foto: © doidam10 -Colourbox

Am 12. Juni blickt die Welt jährlich auf ein Problem, dass wir kennen, aber gar nicht so viel darüber wissen: Kinderarbeit. Und 2021 ist nun ein besonderes Jahr – das Internationale Jahr zur Beseitigung der Kinderarbeit. Aber was wissen wir Konsument:innen eigentlich darüber?

Wir haben unter euch nachgefragt, wie gut ihr euch mit dem Thema auskennt und eine Studie zu Kinderarbeit durchgeführt. Knapp 2.000 nachhaltige Konsument:innen haben geantwortet. Danke an dieser Stelle an alle, die mitgemacht haben – dank euch verstehen wir immer besser, was Produktion, Handel und Konsument:innen ändern sollten!

Utopist:innen vermuten Kinderarbeit vor allem bei Fashion, Kakao und Schokolade und Kaffee
Utopist:innen vermuten Kinderarbeit vor allem bei Fashion, Kakao und Schokolade und Kaffee (© Utopia)

Euer Hauptanliegen: Ihr wollt klar erkennen können, dass Produkte ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Dabei wünscht ihr euch insbesondere, dass dieses Problem schon direkt am Produkt gekennzeichnet wird.

Kinderarbeit steckt nicht nur in billiger Fast Fashion

Um bewusste Konsumentscheidungen zu treffen, ist es zunächst einmal wichtig zu wissen, in welchen Branchen Kinderarbeit überhaupt ein Problem ist bzw. sein könnte.

Wir wissen oft nicht, in welchen Produktgruppen Kinderarbeit überhaupt stattfindet – eine Kennzeichnung könnte Abhilfe schaffen
Wir wissen oft nicht, in welchen Produktgruppen Kinderarbeit überhaupt stattfindet – eine Kennzeichnung könnte Abhilfe schaffen (© Utopia)

Dabei bewerten unsere Teilnehmer:innen das Problem bei

  • Kleidung (79,4 Prozent),
  • Kakao und Schokolade (69,3 Prozent) sowie
  • Kaffee (58,2 Prozent),
  • Teppichen (44,6 Prozent) und
  • Elektronik (39,5 Prozent)

als besonders groß. Das sind jene Branchen, die stark im medialen Fokus stehen.

Die häufige Nennung der Textilindustrie liegt also wahrscheinlich vor allem daran, dass eben sehr viel darüber berichtet wird. Und ihr daher entsprechend darüber informiert seid, dass hier häufig Kinder in der Produktion tätig sind. Damit liegt ihr natürlich auch richtig, aber es gibt weitere Branchen, auf die geachtet werden muss.

Warengruppen, in denen Kinderarbeit ebenfalls stark vertreten sind, sind z.B. Natursteinprodukte oder Haselnüsse. Diese wurden von euch deutlich seltener genannt – hierüber wird in Mainstream-Medien aber auch viel weniger berichtet (auf Utopia hingegen zum Beispiel in den Beiträgen Naturstein ohne Kinderarbeit oder Meinen Grabstein soll kein Kind geschlagen haben sowie Gesund, aber: Die Schattenseiten von Nüssen).

Ähnliches gilt auch beim Mineral Mica, einer Gruppe von Mineralen aus der Abteilung der Schichtsilikate: Mica ist in Kosmetik, Autos, Haushaltsgeräten und Smartphones enthalten und selbst bei gut informierten bewussten Konsument:innen noch unbekannt. Im Hinblick auf Kinderarbeit scheinen 30.000 Kinder in Mica-Minen in Indien und Madagaskar ein kleines Problem, wenn man es mit den 1,5 Millionen Kindern vergleicht, die auf Kakaoplantagen schuften. Aber jedes einzelne Kind zählt, weshalb das Bewusstsein für alle Branchen, in denen Kinderarbeit stattfindet, wichtig ist.

Unsicherheit beim Thema: es fehlen Informationen

Wir wollten wissen, wie sicher und informiert ihr euch fühlt und haben gefragt: „Wisst ihr, in welchen Produktgruppen Kinderarbeit ein Problem ist?“

  • Eine überwältigende Mehrheit unter euch (83,2 Prozent) findet es schwer zu beurteilen, ob ein Produkt mit Kinderarbeit verbunden ist oder nicht.
  • Nur ein Viertel (27,1 Prozent) sieht sich „gut“ darüber informiert, in welchen Produkten Kinderarbeit ein Problem darstellt
  • und knapp ein Drittel (32,5 Prozent) fühlt sich dagegen „überhaupt nicht“ informiert.

Dabei ist das Problembewusstsein hoch: 73,4 Prozent unter den Teilnehmer:innen gehen davon aus, dass Produkte in deutschen Regalen nicht frei von Kinderarbeit sind.

Aber woran sind diese zu erkennen? Labels und Kennzeichnungen fehlen bislang. Damit ist es kaum verwunderlich, wenn fast zwei Drittel (63,6 Prozent) dennoch angeben, bei ihren Kaufentscheidungen stärker auf Aspekte wie Umwelt, Regionalität oder Qualität zu achten. Schließlich werden diese Kriterien häufig (medial) diskutiert, direkt auf die Verpackungen gedruckt und sogar von den Unternehmen beworben.

Kinderarbeit erkennbarer zu machen ist daher eure logische Schlussfolgerung.

Utopist:innen wünschen sich Labels und eine Kennzeichnung

Natürlich würdet ihr eher Produkte ohne Kinderarbeit kaufen als Produkte, in denen die Arbeit von Kindern steckt. Daher ist es auch so eindeutig, wie nachvollziehbar, dass sich ganze 93,1 Prozent unter euch wünschen, die Produkte als solche auch zu kennzeichnen.

Kinderarbeit kennzeichnen: Die meisten Konsument:innen wuenschen sich Labels und Kennzeichnungen bei Produkten ohne Kinderarbeit
(© Utopia)

Der beste Weg, Produkte ohne Kinderarbeit zu erkennen, ist aus Sicht der Studien-Teilnehmer:innen

  • eine Kinderarbeit-Kennzeichnung oder ein entsprechendes Label am Produkt (79,4 Prozent),
  • gefolgt von Informationsangeboten unabhängiger Organisationen (45,4 Prozent).
  • Hinweise direkt vor Ort erwarten 36,7 Prozent der Befragten.

Aber nicht nur Label-Organisationen und NGOs sind hier in der Pflicht, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen, siehe etwa unicef.

  • Ihr seht vor allem die Hersteller in der Verantwortung, gegen Kinderarbeit vorzugehen (73,9 Prozent),
  • gefolgt von der Politik in Deutschland (64,8 Prozent), etwa beim Thema Lieferkettengesetz.
  • Jede:r Zweite sieht die Politik im jeweiligen Produktionsland in der Pflicht (50,7 Prozent).

Utopia meint: Die Kennzeichnung von Kinderarbeit ist leider noch keine gängige Praxis, aber das Bewusstsein unter nachhaltigen Konsument:innen ist bereits da. Und als solche haben wir auch die Möglichkeit, ein Stück weit Druck auf Wirtschaft und Politik auszuüben. Denn wenn wir die Produkte nicht kaufen, dann wirkt sich das auch auf das Angebot bzw. die Vermeidung von Kinderarbeit innerhalb der Herstellung aus. Neben lauten Forderungen nach der Kennzeichnung von Produkten, können wir uns also selbst noch mehr informieren – und fragwürdige Produkte vermeiden, für die Kinder ausgebeutet wurden.

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