Händetrockner: Gebläsetrockner besser als Papiertücher?

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Foto: Dyson

Sind Baumwoll-Stoffhandtuchrollen als Händetrockner besser für Umwelt und Klima als Einweg-Papierhandtücher oder röhrende Gebläse? Eine Untersuchung kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

„Dyson-Händetrockner“ seien der „Goldstandard für Umwelt und Klima“, hieß es unlängst in einer Presseinformation mit Verweis auf eine „Studie“ des Umweltbundesamtes. Ganz schön dick aufgetragen – und doch ist was dran.

Beim Händewaschen unterwegs sind Jetstream-Händetrockner für Umwelt und Klima tatsächlich am besten, während Einweg-Papierhandtücher große Mengen Müll und das Klimagas CO2 produzieren und Baumwolle hier kaum besser ist. Aber es lohnt ein Blick auf die Details.

Kaltluft-Händetrockner sind am umweltfreundlichsten

Das Umweltbundesamtes hatte sich tatsächlich verschiedene Alternativen zur Händetrocknung in öffentlichen Toiletten und Waschräumen angesehen. Im Dokument „Vereinfachte Umweltbewertungen des Umweltbundesamtes (VERUM)“ behandelt das UBA unter anderem Papierhandtücher und Stoffhandtücher zum Händetrocknen, aber eben auch Händetrockner mit Warm- und Kaltluftgebläsen.

Es liegt auf der Hand, das Wegwerf-Papierhandtücher eine Menge Müll erzeugen – Zero Waste ist das nicht. Weil Papier in der Produktion (und auch beim Recycling) viel Energie und Wasser verbraucht, ist es aber nicht nur der Müll, der sie problematisch macht, sondern auch der indirekte Ressourcenverbrauch und die Klimagas-Emissionen. Doch auch Stoff muß hergestellt, zu Reinigungen transportiert, gereinigt werden.

Das Umweltbundesamt rechnete verschiedene Belastungen zusammen und kam im Ergebnis zu folgender Reihenfolge:

  1. Jetstream-Systeme, also Kaltluft-(!)-Händetrockner** wie z.B. der prominente „Dyson Airblade“**, sind tatsächlich die umweltfreundlichste Methode zum Händetrocknen im öffentlichen Raum.
  2. Recyclingpapier** schneidet teils deutlich schlechter ab, dicht gefolgt von
  3. Frischfaserpapier. Bei beiden Papieren spielt die Papiererzeugung mit hohem Wasser- und Energieaufwand eine große negative Rolle.
  4. Baumwoll-Handtücher und Warmluft schneiden in der Gesamtbetrachtung sogar am schlechtesten ab.

Das schlechte Abschneiden von Warmluft-Händetrocknern mag niemanden überraschen, der Vorteil von Wegwerf-Papierhandtüchern gegenüber Baumwolle leuchtet hingegen schwer ein.

Doch Baumwolle ist eben sehr aufwändig in der Produktion (daher ist auch Fast Fashion ein Problem). Ohnehin entsteht ein anderes Bild, wenn man die reinen CO2-Emissionen betrachtet – hier ist der Jetstream nur noch „etwas besser“ als Stoffhandtuchrollen aus Baumwolle, die Papiervarianten schneiden dann schlechter ab.

Händetrockner als Keimschleudern?

Es gibt allerdings drei „Aber“:

Erstens berücksichtigt die Untersuchung nicht die Hygieneprobleme. Bei Stofftüchern von der Rolle ist die saubere Trennung zwischen nassem und trockenem Handtuchteil ist nicht immer möglich. Auch sollen Papierhandtücher den Stoffrollen bei der Keimreduktion überlegen sein. Und: Gebläse sollen Viren und Bakterien wild in die Luft blasen und so zu wahren Keimschleudern werden. Das alles wollen Betrachtungen von Kimberly-Clark (PDF) und der European Tissue Symposion (ETS), wissen die aber beide zur Zellstoffindustrie gehören, also nicht neutral sind.

Doch zweitens ist auch Lärm ein Umweltproblem – und hier sind alle Gebläse, warm und kalt, altersschwache Heizungen wie moderne Jetstream-Kaltluftgebläse ein Problem. In öffentlichen Toiletten mag dies kein Faktor sein, in Unternehmen aber schon.

Drittens handelt sich nicht um eine „Studie“, sondern um eine Betrachtung vereinfachter Umweltbewertungen, in der die Händetrockner nur ein Fallbeispiel waren. Und das Umweltbundesamt räumt in dieser Betrachtung selbst ein, dass die verschiedenen Arten, sich im öffentlichen Raum die Hände zu trocknen, nicht direkt miteinander vergleichbar seien.

Auch fehlten für viele Berechnungen Daten, die teils geschätzt, teils nicht berücksichtigt wurden. So heißt es in der Betrachtung auch:

„In den meisten bewerteten Belastungskategorien ist der Jetstream im Vorteil, weitere Differenzierungen zwischen Recyclingpapier, Frischfaserpapier, Baumwolle und Warmluft (Platz 2-4) sind auf Grund der Datenlage und im Vergleich mit anderen Studien zu unsicher!“ (PDF)

Dennoch ein interessantes Ergebnis. Dyson geht von geschätzt 25 Milliarden Besuchen in den Waschräumen von Firmen aus, die jährlich über Wegwerfhandtücher über 100.000 Tonnen CO2-Emissionen produzieren. Dies würde sich mit Jetstream-Systemen um ein Drittel reduzieren lassen, so das Unternehmen, das übrigens auch an einem Dyson-Elektroauto tüftelt.

Noch besser würden die Kaltluft-Händetrockner** – wie alle elektrisch betriebenen Geräte – übrigens abschneiden, wenn der Strommix in Deutschland komplett aus Ökostrom bestünde.

Utopia empfiehlt: Zuhause bleibt das normale Handtuch** die beste Wahl. In Unternehmen wird es schon schwieriger. Uns überzeugt das Argument nicht, Kaltluftgebläse** seien Keimschleudern – sie erscheinen uns daher am besten, aber nur, wenn die Toiletten auch akustisch von Arbeitsräumen getrennt sind. Wenn das nicht möglich ist, empfehlen sich wohl eher Recycling-(!)-Papierhandtücher (z.B. bei** memolife, Amazon) oder Stoffhandtuchrollen**, die in der Gesamtbetrachtung in etwa gleich abschneiden. Und auf öffentlichen Toiletten hat man meist sowieso nicht die Wahl, weil es nur eine Möglichkeit angeboten wird. Sicher ist immerhin: Heissluftgebläse aller Art sollten im Sinne der Umwelt komplett verschwinden.

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(3) Kommentare

  1. Ich schuettle die Haende ordentlich ueberm Waschbecken aus und wisch sie mir dann an der Hose ab. Nicht-Nachhaltigkeit kommt auch von sozialem Druck makellos zu sein – wenn selbst fuer ein paar Wassertropfen Energie-intensive technologische Loesuengen gesucht werden (Recycling-(!)-Papierhandtücher eingeschlossen), dann ist doch klar, weshalb wir eine high carbon society sind.

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