Virtuelles Wasser

Virtuelles Wasser
Foto: © the Cramer / photocase.de

Eine Jeans: 8.000 Liter. Eine Tafel Schokolade: 1.700 Liter. Beim Duschen und Wäschewaschen verbrauchen wir Wasser – das ist klar. Aber wussten Sie auch, dass in Ihren Lebensmitteln, Kleidern und Elektronikartikeln jede Menge Wasser steckt? Virtuelles Wasser nennt sich das – und auch hier sollten wir sparen.

Etwa 121 Liter Wasser verbrauchen wir Deutschen pro Tag – virtuelles Wasser nicht mit eingerechnet. Wassersparen ist für viele selbstverständlich. Dabei brauchen wir „Nordeuropäer“ uns eigentlich um Wasserknappheit wenig zu sorgen. In vielen Teilen der Erde dagegen ist sauberes Wasser eine knappe Ressource. Experten zufolge verstärkt der Klimawandel diese Ungleichverteilung noch: Der globale Süden wird trockener, der Norden feuchter. Wir verstärken dieses Phänomen, denn viele unserer Konsumgüter werden unter hohem Wasserverbrauch in Ländern produziert, in denen der Bevölkerung Trinkwasser fehlt. Indem wir bewusst konsumieren und virtuelles Wasser sparen, können wir helfen, die wertvollen Wasserressourcen der Erde zu schützen.

Was ist virtuelles Wasser?

Virtuelles Wasser ist die Menge Wasser, die zur Herstellung eines Produkts oder für eine Dienstleistung verwendet wird. Das umfasst den Wasserverbrauch in der gesamten Produktionskette, also für Anbau oder Abbau der Rohstoffe, Weiterverarbeitung, Beseitigung von Abfällen usw. In einem harmlosen Produkt wie einem T-Shirt oder einer Tasse Kaffee stecken so schnell mal hunderte Liter virtuelles Wasser. Wissenschaftler der Initiative Waterfootprint Network haben die Wassermengen, die im globalen Durchschnitt für konkrete Produkte und Rohstoffe anfallen, genau berechnet. In unserer Bilderstrecke erfahren Sie, wie viel virtuelles Wasser in ganz alltäglichen Produkten steckt.

Virtuelles Wasser sparen

Wasserspartasten, effiziente Spülmaschinen und Duschköpfe – wir Deutschen lassen uns einiges einfallen zum Wassersparen. Doch im Haushalt Leistungswasser einzusparen, ist nur ein Aspekt; oft ist es ohne großen Aufwand möglich, durch bewusste Konsumentscheidungen und verantwortungsvolles Verhalten, auch virtuelles Wasser zu sparen. Wir geben ein paar Tipps, wie Sie Ihren virtuellen Wasserfußabdruck verkleinern können.

…beim Essen

Gerade Lebensmittel benötigen in verschiedenen Teilen der Welt sehr unterschiedlich viel Wasser zur Herstellung. Ein Kilo Kartoffeln verbraucht in Deutschland um die zehn Liter, in Ägypten oft mehrere hundert. Ähnlich verhält es sich mit vielen anderen Gemüse- und Obstsorten. Kaufen Sie daher möglichst nur regionale und saisonale Lebensmittel. Nicht nur haben die einen sehr viel geringeren Wasserverbrauch als die entsprechende Importware; für Lebensmittel aus der Region wird außerdem kein Wasser verwendet, was dann in wasserarmen Regionen als Trinkwasser fehlt. ­

Achten Sie zudem auf eine möglichst giftfreie Herstellung der Produkte. Chemikalien wie Dünger und Pestizide können das Grundwasser verunreinigen und verknappen. Der Bio-Landbau verbietet den Einsatz der meisten synthetischen Dünger und Pestizide sowie Chemikalien in der Weiterverarbeitung. Kaufen Sie daher, wann immer möglich, Lebensmittel mit Bio-Siegel. Welchen Siegeln Sie vertrauen können, können Sie hier nachlesen.

Fleisch verbraucht in der Herstellung enorme Mengen Wasser, vor allem konventionell erzeugtes Fleisch: Hier haben bereits die eingesetzten Futtermittel wie Soja und Mais einen hohen Wasserbedarf. Die ökologische Tierhaltung hat einen kleineren Wasserfußabdruck, weil ein Großteil des Futters selbst erzeugt wird. Achten Sie darum unbedingt darauf, woher Fleisch- und Milchprodukte stammen und kaufen Sie ausschließlich Bio-Qualität. Noch besser für Ihren Wasserfußabdruck ist es, Ihren Konsum tierischer Produkte zu reduzieren.

…in Haushalt und Garten

In praktisch jedem Produkt steckt virtuelles Wasser. Sie können virtuelles Wasser sparen, indem Sie Gegenstände so lange wie möglich verwenden; das gilt für Elektronik ebenso wie für Möbel, Textilien oder Lebensmittel. Auch bei der Wahl des Produkts können Sie Wasser sparen: Zum Beispiel verbraucht Aluminium in der Produktion große Mengen an Wasser und Energie.

Vermeiden Sie daher möglichst die Verwendung von Alufolie oder Getränkedosen. Es lohnt sich auch bei Toilettenpapier, Druckerpapier und Schulheften ganz genau hinzusehen: Die Herstellung von Normalpapier hat in der Regel einen vielfach höheren Wasserverbrauch als Recyclingpapier. Zudem können Sie das Grundwasser schonen, indem Sie im Garten nur biologische Dünger verwenden – damit schützen Sie wichtige Wasserressourcen.

Reinigungsmittel, die viel Chemie enthalten, können neben Ihrer Gesundheit auch das Abwasser und sogar das Grundwasser belasten, das dann aufwendig gereinigt werden muss. Verwenden Sie zum Waschen, Putzen und Spülen daher möglichst nur natürliche Mittel. Und zwar nicht nur für Ihre Wäsche und Ihr Geschirr, sondern auch für sich selbst: Hier finden Sie empfehlenswerte Bio-Shampoos und Bio-Duschgels.

…in der Kleidung

In Baumwolle steckt sehr viel virtuelles Wasser: im globalen Durchschnitt werden für die Produktion von einem Kilo Baumwollstoff rund 10.000 Liter Wasser benötigt. Das sind rund 2.500 Liter für ein T-Shirt. Statt auf Kleidung aus Baumwolle auf Kunstfasern zu setzen, hilft aber weder der Umwelt noch Ihrer Gesundheit.

Wir empfehlen daher Kleidung aus Naturfasern wie Bio-Baumwolle. Denn beim Bio-Anbau werden keine giftigen Pestizide eingesetzt und in der Verarbeitung weitaus weniger schädliche Chemikalien. Das schont das Grundwasser sowie das Abwasser. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Siegeln, auf die Sie sich verlassen können. Hier finden Sie nachhaltige Mode. Gar kein virtuelles Wasser „verschwenden“ Sie übrigens, wenn Sie Second Hand kaufen.

Hintergrund: Was ist der Wasserfußabdruck?

Laut www.waterfootprint.org versteht man unter dem Wasserfußabdruck einer Person, einer Gesellschaft oder eines Unternehmens die Gesamtmenge an Wasser, die für die Herstellung der Güter und Dienstleistungen aufgewendet wird, die diese Person, Gesellschaft oder Firma konsumieren. Der Wasserfußabdruck der Deutschen also setzt sich zusammen aus dem häuslichen Wasserverbrauch, dem Wasserverbrauch für die Produktion von Waren sowie dem (in Form von Produkten) importierten virtuellen Wasser.

Ihr privater Wasserfußabdruck beinhaltet Ihren direkten Wasserverbrauch sowie das virtuelle Wasser, das in Ihren Konsumgütern steckt. Unser Wasserfußabdruck liegt derzeit bei durchschnittlich rund 4.200 Liter pro Kopf und Tag, wobei der Anteil importierten virtuellen Wassers im internationalen Vergleich relativ hoch ist. Hier können Sie Ihren persönlichen Wasserfußabdruck berechnen (englisch).

Bei der Berechnung des Wasserfußabdrucks wird zwischen blauem, grünem und grauen Wasser unterschieden, das in Produktionsprozessen verbraucht wird. Blaues Wasser ist Oberflächen- und Grundwasser (zum Beispiel Flüsse, Seen). Unter grünem Wasser versteht man Regenwasser, das nicht bis ins Grundwasser sickert, sondern im Boden oder an der Oberfläche verbleibt bzw. von Pflanzen aufgenommen wird und dann verdunstet. Vor allem die Landwirtschaft verbraucht viel grünes Wasser:

Durch intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen versickert deutlich weniger Regenwasser, was im Extremfall zu sinkenden Grundwasserspiegeln und Wasserknappheit führt. Graues Wasser ist Frischwasser, das theoretisch aufgewendet werden müsste, um Wasserverschmutzungen „auszugleichen“. Der graue Wasserfußabdruck ist damit ein Indikator für Wasserverschmutzungen in Produktionsprozessen.

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(20) Kommentare


  1. Damit die Methodenanwendbarkeit für „virtuelles Wasser“ im Alltag weniger komplex erscheint, ist es wichtig, den Rohstoff – Lebenszyklus zu betrachten:

    – vom Baumwollsamen zur erntefähigen Pflanze (Landwirtschaft)
    – von der Pflanze zum Garn (Aufarbeitung / Halbfertigprodukt)
    – vom Garn zum Kleidungsprodukt (Produkt)
    (- Logistik, Zwischenhandel und Endverkauf)

    – Nutzung, Pflege und Reinigung beim Verbraucher (Handling)
    – Recycling als Wertstoff / Entsorgung als Reststoff
    – „natürlicher Zerfall“

    Darüber erhält man stationsweise ungefähre Wasserverbräuche (und Energie-/Rohstoffverbräuche) aber vor allen Dingen auch einen Überblick über die notwendigen Zeitabschnitte, in denen die Verbräuche stattfinden.

    Die Verbräuche über den gesamten Lebenszyklus sind weitgehend bekannt, soweit die Produkte auch zerfallen.

    Über den Zerfall von Produkten hat man recht genaue Zahlen aus dem Deponiebau. Was sowohl das Sickerwasser angeht, als auch die Zerfallsquote nach Jahrzehnten. Fast jede ungefährliche Deponie wird technisch beregnet um den Zerfall zu beschleunigen. Die Differenz zwischen dem Beregnungswasser und dem Wasser, das danach unten im Sickerbrunnen ankommt, bleibt im Deponiekörper als notwendige Feuchtigkeit für den Zerfall hängen.

    Zeit mißt man dort archeologisch nach „Schichten“ und setzt gezielte Sondierungen und Grabungen ein, um den Verrottungszustand und die Zusammensetzung der Stoffe zu kontrollieren.

    Mir ist insgesamt, und auch in dem Artikel aufgefallen, dass man den Zyklus mit der Produktion beendet. Dies ist zwar bildlich überzeugender als den Menschen zu erklären, dass ihre Jeans noch einmal 25 Jahre benötigt bis sie zerfallen ist. Aber im Umkehrschluss benötigt sie das Mehrfache an Aufwand, Zeit und Wasser für die Entsorgung als für die Produktion und Pflege.

    Darum kann man „virtuellen Wasserverbrauch“ sinnvoll nur am Abwasserstrom messen. Die Differenz von „Frischwasser“ zu Abwasser ist das, was im Rohstoff / in der Ware hängen bleibt. Man kann nicht den gesamten Beregnungsaufwand von zB Baumwolle ansetzen, ohne zu berücksichtigen, dass das meiste Wasser im Boden und Grundwasser ankommt.

    Dasselbe beim Ei. Ein Huhn ist kein Wal. 300 Liter für ein Ei …. da sind über 299 Liter woanders gelandet, die wiederverwertet werden. Sonst würden wir Hühner in Aquarien halten, wenn sie bei 5 Eiern pro Woche 1.500 Liter Wasser verbrauchen (und das Ganze auf 9 Monate / 38 Wochen / 57.000 Liter als Legehenne. Soviel kann sie nicht einmal im Aufzuchtstadium als Küken selbst verbraucht haben).

  2. Der Artikel „Virtuelles Wasser“ hat unseren Kurs in vielen Aspekten überzeugt. Zum Einen war es hilfreich, zu erfahren, dass man darauf achten sollte, saisonale/regionale Lebensmittel zu konsumieren. Des Weiteren war uns nicht bewusst, dass es nicht nur Bio-Lebensmittel gibt, sondern auch Shampoo. Zudem war es interessant zu lesen, dass man Geräte möglichst lange benutzen soll. Alles in Allem wurden wir sensibilisiert, unser Konsumverhalten mehr im Auge zu behalten und etwas zu verändern.
    Es wurde uns bewusst gemacht, wie viel Wasser wir sinnlos und ungenutzt verschwenden.
    Außerdem regt der Artikel zum Nach- und vor allem zum Umdenken an, unseren immensen Wasserverbrauch zu reduzieren.
    Auf importierte Lebensmittel sollte man so weit es geht verzichten.
    Der Wasserfußabdruck beschreibt die Produktionsmenge an verbrauchten Wasser. Unserer Meinung nach könnte man den Fußabdruck so weit reduzieren, dass man auf bestimmte Produkte, wie z..B. Fleisch (da es einen großen Fußabdruck hat) verzichtet. Außerdem könnte man darauf verzichten sich Kleidung zu kaufen, wenn man sie nicht unbedingt braucht.
    Schlussendlich bringen wir aber noch einen Kritikpunkt an.
    Um das Bewusstsein der Allgemeinheit langfristig zum Thema „Virtuelles Waser“ zu prägen und somit auch eine Veränderung des Konsums zu erzielen, sollte mehr Publikum angesprochen werden. Das sollte Utopia ebenfalls versuchen.
    Die Thematisierung von wichtigen Inhalten wie Virtuelles Wasser in Schulen, aber auch in anderen Institutionen ist deshalb sehr wichtig.

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