13 Fakten: Was du über Bio Baumwolle wissen solltest

Bio Baumwolle
Foto: © photocrew - Fotolia.com

Pestizide, Gentechnik, enormer Wasserverbrauch, Ausbeutung: alles Probleme im Anbau von Baumwolle. Hier sind 13 Fakten rund um Baumwolle, die dich hoffentlich überzeugen, bei Kleidung künftig auf Bio Baumwolle zu setzen.

Vor kurzem feierte der Dokumentarfilm „For the Love of Fashion“ in Deutschland Premiere. Umweltschützerin Alexandra Cousteau macht darin auf die problematischen Methoden beim herkömmlichen Anbau der Baumwollpflanze aufmerksam.

Hier sind 13 Fakten rund um die Dokumentation, die jeder kennen sollte – und die zeigen, weshalb Bio Baumwolle die bessere Wahl ist:

1. Textilindustrie ist drittgrößter Umweltverschmutzer

Die Textilindustrie ist der drittgrößte industrielle Umweltverschmutzer. Übertroffen wird sie nur noch von der Erdöl- und Edelsteinindustrie. Als Konsument von Mode solltest du dir darüber bewusst sein, dass auch deine textile Kaufentscheidung großen Einfluss auf die Umwelt hat.

2. In 50% aller Kleidungsstücke

Pro Jahr werden 3 Billionen Kleidungsstücke produziert. 50% des Materials der weltweit hergestellten Kleidung besteht aus Baumwolle. In Deutschland ist Baumwolle nach Chemiefasern der am meisten verwendete Textilstoff für Bekleidung.

In Kleidung zu selten: Bio-Baumwolle
Bio Baumwolle, zum Beispiel in Bio-Jeans (Foto: Utopia.de/AW)

3. Baumwolle wächst nicht auf den Bäumen

Ob konventionell hergestellt oder Bio: Baumwolle stammt weder vom Baum, noch ist es Wolle. Die Baumwollpflanze ist ein Strauch aus der Familie der Malvengewächse. Es gibt 51 verschiedene Arten der Baumwollpflanze. Nur 4 davon sind für die Herstellung von Textilien geeignet. Die Hauptanbaugebiete befinden sich in Indien, China und den USA.

4. Wie viel Bio steckt in welcher Baumwolle?

Beim Anbau der Baumwollpflanze unterscheidet man zwischen drei Kategorien:

  • GMO Baumwolle ist genetisch modifiziert, beim Anbau werden Pestizide und Düngemittel verwendet.
  • Sustainable Cotton ist nicht genetisch modifiziert. Diese Baumwollart wird mit geringeren Mengen von Pestiziden und Düngemitteln angebaut, ist allerdings nicht frei davon.
  • Organic Cotton ist eine Baumwollart, bei deren Anbau weder Gentechnik noch chemische Pestizide oder Düngemittel verwendet werden.

5. Genmanipulierte Pflanzen

Der Anbau von genmanipulierten Baumwollpflanzen verzeichnet noch immer einen Wachstumstrend. Zwischen 2003 und 2013 wuchs die Anbaufläche von 7,2 Millionen Hektar auf 23,9 Millionen Hektar. 2014 waren fast 70% der weltweit angebauten Baumwollpflanzen genverändert.

6. Nur 1% Bio Baumwolle weltweit

Nur 1% des weltweiten Baumwollanbaus ist ökologisch nachhaltig, d.h. Bio-Anbau. 75% dieser Bio Baumwolle kommt aus Indien. Beim Anbau von Bio Baumwolle verwendet man natürliche Dünger und Pflanzenschutzmittel anstatt künstlicher Mittel. Das kommt den Böden zugute, die nicht mehr so stark belastet werden. Auch die Arbeiter kommen beim Bio-Anbau mit weniger Giftstoffen in Berührung. Und letztendlich freut sich die Haut des Konsumenten, der die verarbeitete Baumwolle als Kleidungsstück am Körper trägt.

Bis zu 2.700 Liter Wasser werden zur Herstellung eines einzigen Baumwoll-T-Shirts benötigt. Bei Bio Baumwolle reduziert sich die für den Anbau benötigte Wassermenge, denn die Bauern pflanzen die Pflanzen auf einer dickeren Humusschicht an – so benötigen sie deutlich weniger Wasser als konventionelle Baumwollpflanzen. Hinzu kommt, dass gentechnisch modifizierte Baumwollpflanzen mehr Wasser verbrauchen als natürlich angepflanzte.

7. Bio Baumwolle kommt oft von Kleinbauern

Es sind derzeit oft Bauern mit kleinen Farmen, die Bio Baumwolle anbauen, weil sie sich die Chemikalien nicht leisten können oder aus religiösen Gründen auf deren Einsatz verzichten. Bauern, die auf den herkömmlichen Anbau der GMO-Baumwollart setzen, verschulden sich häufig, da sie teure Pestizide, Düngemittel und Saatguterwerben müssen. Deshalb steigt auch bei ihnen langsam die Bereitschaft, auf den Anbau von Bio Baumwolle umzusteigen. Leider ist es nicht einfach, sauberes Saatgut zu finden, das nicht genverändert ist.

8. Samen für Bio Baumwolle sind günstiger

Im Gegensatz zur konventionellen GMO-Baumwollart produziert Bio Baumwolle Samen, aus denen neue Pflanzen wachsen können. Das erspart dem Bauern Kosten für Saatgut. Die Samen für GMO-Baumwollpflanzen sind nur einmalig verwendbar, da diese durch den Einsatz von Pestiziden zerstört werden.

Baumwollfelder in den USA
Baumwollfelder in den USA (Foto: David Nance (PD))

9. Konventionelle Baumwollpflanzen werden mit Pestiziden und Insektiziden behandelt

Beim Anbau der GMO-Baumwollart behandelt man die Pflanze in ihrem Lebenszyklus mit rund 8.000 unterschiedlichen Pestiziden. 25% aller weltweit eingesetzten Insektizide und 11% aller Pestizide werden beim Anbau von Baumwollpflanzen eingesetzt. Tatsächlich macht der Baumwollanbau aber nur ca. 2,4% der weltweit genutzten Agrarflächen aus.

10. Wie bekämpft man die Schädlinge beim Bio-Anbau?

Der hohe Kunstdünger- und Pestizideinsatz im herkömmlichen Anbau ist nicht zuletzt wegen der dort herrschenden Monokultur notwendig, die die Ausbreitung von Schädlingen begünstigt. Beim Bio-Anbau setzt man auf andere Strategien und pflanzt zwischen die Baumwollsträucher Pflanzen wie Sonnenblumen, die die Baumwollschädlinge noch lieber fressen. Auch der im Bio-Anbau ohnehin praktizierte Fruchtwechsel trägt dazu bei, die Zahl der Schädlinge gering zu halten. Und nicht zuletzt sorgt der Verzicht auf Pestizide dazu, dass auch die natürlichen Feinde der Baumwollschädlinge überleben und bei der Schädlingsbekämpfung helfen.

11. Bio Baumwolle: Es gibt viel zu wenig

Da nur 1% der weltweit angebauten Baumwolle Bio-Qualität hat, kann der Markt aktuell den bestehenden Bedarf nicht decken. Verschiedene Unternehmen setzten sich mit Initiativen wie Organic Cotton Accelerator für die Aufklärung der Bauern ein, um den Bio-Anbau zu fördern.

12. Siegel für Bio Baumwolle

Ein aussagekräftiges Siegel für Bio Baumwolle ist das GOTS-Label, das in zertifizierten Textilien zu finden ist. Noch etwas strenger ist das IVN Label. Aber auch, wenn Produkte mit „kbA“ (=kontrolliert biologischer Anbau) gekennzeichnet sind, kann man sich in der Regel darauf verlassen, dass die Baumwollpflanzen aus Bio-Anbau stammt. Die Ökobilanz verbessert sich auch, je länger ein Kleidungsstück getragen wird. Deshalb lohnt es sich, beim Kauf auf Qualität achten und abgelegte Kleidung zu verschenken oder zu spenden.

Baumwollerntemaschine
Baumwollerntemaschine (Foto: David Nance (PD))

13. Siegel zum Schutz der Arbeiter

Die Kennzeichnung von Bio Baumwolle ist vorrangig eine Aussage über den ökologischen Anbau. Da Bio Baumwolle vermehrt auf kleinen Farmen im Familienbesitz angebaut wird, sind auch die sozialen und ethischen Bedingungen oftmals etwas besser. Auch der Verzicht auf Pestizide im Bio-Anbau schützt die Arbeiter. Als verlässliche Aussage (auch zu den Arbeitsbedingungen in der Weiterverarbeitung der Baumwollpflanzen) dienen hier zusätzliche Zertifizierungen wie das Fairtrade-Siegel und die Mitgliedschaft des Unternehmens in der Fair Wear Foundation.

Dokumentarfilm über Baumwollanbau: „For the Love of Fashion“

Alexandra Cousteau ist Expertin für Wasserschutz und wurde für ihren Einsatz bereits vom Weltwirtschaftsforum mit dem Titel „Young Global Leader“ ausgezeichnet. Bei ihrem Dokumentarfilm „For the Love of Fashion“ erhielt sie Unterstützung vom Onlinechannel National Geographic – und von C&A: Bis 2020 will das Modehandelsunternehmen 100 Prozent seiner Baumwolle nachhaltig gewinnen.

Für ihre Dokumentation reiste Alexandra Cousteau nach Indien und in die USA – beide Länder zählen neben China zu den Hauptanbaugebieten der Baumwollpflanze. Hier sprach Cousteau mit Experten und örtlichen Bauern. Auch in Deutschland diskutierte sie mit Spezialisten, um „das Risiko irreparabler Schäden für unsere Erde durch konventionelle Anbaumethoden zu verdeutlichen“, so Cousteau.

Als Lösungsansatz zeigt die Dokumentation die Vorteile eines nachhaltigeren Baumwollanbaus für Mensch und Umwelt. Aber nicht nur Unternehmen und Farmer müssen umdenken. Vor allem der Kunde selbst leistet mit seiner Entscheidung zum Kauf von Kleidung und Textilien aus Bio Baumwolle einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Bestenlisten:

Schlagwörter:

(6) Kommentare

  1. Baumwolle wächst nicht auf Bäumen, und deshalb ist Bio besser?
    Es gibt vielleicht zu wenig Bio-Baumwolle, und deshalb ist Bio besser?
    Das sind keine 12 Gründe, warum man Bio-Baumwolle kaufen sollte. Das sind 12 Fakten aus einer Doku, die u.a. auch Gründe für Bio-Baumwolle beinhalten, aber auch allgemeine Fakten zu Baumwolle.

  2. Um die Missstände in der Textilindustrie zu verringern sollte die Baumwolle zusätzlich aus Fairem Handel stammen. Außerdem wurde vor kurzem eine Initiative der WFTO ins Leben gerufen, die nicht nur auf eine faire Entlohnung der Baumwollbauern, sondern auch der Textilarbeiter abzielt. Ein Schritt in die richtige Richtung.

  3. Baumwolle wird mit rund 8.000 unterschiedlichen Pestiziden behandelt? wo habt Ihr das denn her? von den „drei Kategorien“ hab ich auch noch nie etwas gehört. Außerdem wird Baumwolle überwiegend von Kleinbauern angebaut, egal ob bio oder nicht, das ist mittlerweile Allgemeinwissen. finde diese 12 Punkte Liste nicht sehr hilfreich.

  4. Wo die Zahl von 8000 unterschiedl. Pestiziden her kommt, weiß ich auch nicht.
    Fakt ist, daß Baumwolle die Pflanze ist, für die am meisten Pflanzenschutzmittel verbraucht werden.
    Ich kenne die Zahlen, daß Baumwolle 5% der Flächen verbraucht, aber dafür 20% aller Pflanzenschutzmittel.

    Wenn Du sagst, es sei Allgemeinwissen, daß Baumwolle überwiegend von Kleinbauern angebaut wird, dann sage ich, die Grenze zwischen Allgemeinwissen und Märchen ist fließend.

    Fakt ist, daß sehr viel Landgrabbing passiert, um Flächen für BW zu bekommen.
    Und das sind sicher keine Kleinbauern, die im großen Stil Land zusammen kaufen.
    Die vorherigen Kleinbauern werden dann gezwungen zu schlimmen Bedingungen auf den Feldern zu arbeiten.

    Die 12 Punkte sind evt. nicht hilfreich im Sinne von dem, daß sie erschöpfend Auskunft geben zum Thema. Ich verstehe sie eher als Zusammenfassung, mit der man sich immer wieder vor Augen führen kann, wo es brennt.

    Wer sich tiefer gehend interessiert, braucht ja nur mit den Stichworten weiter suchen.

  5. „von den „drei Kategorien“ hab ich auch noch nie etwas gehört“
    Na, dann wurde es ja Zeit.
    „finde diese 12 Punkte Liste nicht sehr hilfreich“
    Kein Wunder. Wenn man Sätze wie „hab ich auch noch nie etwas gehört“ als Argument einsetzt, ist einem auch nicht mehr recht zu helfen. Vielleicht solltest Du Dich hin und wieder einfach mal mit Sachen beschäftigen, von denen Du „noch nie etwas gehört“ hast. Man munkelt, das erweitert den Horizont ungemein.

  6. Und wenn man so ganz locker mal ein „wo habt Ihr das denn her?“ herausrotzt, kann man sicher auch erklären, wo man das mit den „Kleinbauern“ her hat. Wer den Schnabel so weit aufreißt, kann sicher auch Belege liefern, also her damit.

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.