Dreist: H&M-Chef warnt davor, weniger Kleidung zu kaufen

Foto: "H&M HandM Store" von Mike Mozart unter CC-BY-2.0

Die Modebranche ist einer der weltweit größten Umweltverschmutzer. Nun fürchtet sich H&M-Chef Karl-Johan Persson davor, in den Fokus von Klimaaktivisten zu geraten – und warnt davor, weniger zu konsumieren.

Laut der UN ist die Modeindustrie für etwa zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich – und verbraucht mehr Energie als Luft- und Schifffahrt zusammen. Gerät die Modeindustrie in den Fokus von Klimaaktivisten, könnte das zum Problem für die Branche werden. Davor warnt H&M-Chef Karl-Johan Persson in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur „Bloomberg“. Er zeigt sich besorgt darüber, dass die sogenannte „Flugscham“ auf die Modebranche übergreifen könnte – und Konsumenten an den Pranger gestellt werden.

H&M-Chef: Beseitigung von Armut ist genauso wichtig wie die Klimakrise

Bei vielen der aktuellen Klimaproteste gehe es darum, „mit Dingen aufzuhören, aufzuhören zu konsumieren, aufzuhören zu fliegen“, sagte Persson im Interview. „Ja, das mag einen kleinen Einfluss auf die Umwelt haben, aber es wird schreckliche gesellschaftliche Konsequenzen haben.“

Die Klimafrage sei unglaublich wichtig, sagte Persson. „Gleichzeitig ist die Beseitigung der Armut ein mindestens ebenso wichtiges Ziel.“ Wichtig sei, „auch weiterhin Arbeitsplätze zu schaffen und die Gesundheitsversorgung zu verbessern. All das geht mit Wirtschaftswachstum einher.“

H&M steht immer wieder wegen schlimmer Arbeitsbedingungen in der Kritik

Dabei trägt gerade H&M als einer der größten Fast-Fashion-Konzerne zur Armut vieler Menschen bei. Der Modekonzern steht immer wieder wegen ausbeuterischer Arbeitsbedingungen vor allem in Entwicklungsländern wie Bangladesch und Kambodscha in der Kritik. Davon zu sprechen, Armut bekämpfen zu wollen, ist angesichts dessen nicht nur unglaubwürdig, sondern einfach nur dreist.

Es gibt unzählige Labels, die fair und nachhaltig produzieren – und so nicht nur etwas gegen Armut tun, sondern auch gegen den Klimawandel.

Weiterlesen auf Utopia.de:

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(8) Kommentare

  1. Bei Kleidung und Nahrung wird vergeudet weil jegliche Wertschätzung abhanden gekommen ist. Alles ist zu billig, nichts ist mehr was Wert.
    Vielleicht wären vorsichtige, stufenweise einführbare Sonderabgaben auf Billigware ein Versuch zur Regelung. Das eingenommene Geld könnte entweder den Sklavenarbeitern der Textilindustrie zugeführt werden oder auch Sozialleistungen verbessern – bei Billigfrass. Keine Mehreinnahmen, sanfte Umverteilung !

  2. Gute Idee. Oder ein festgelegter Grundpreis für jedes Produkt, mit dem alle realen Produktionskosten, sowie Umwelt- und Sozialstandards abgedeckt sind.
    Es gäbe viele Möglichkeiten, aber leider kommt von der Politik nichts (ausser von den „radikalen“ Linken).
    Ist es heute schon radikal, einfach nur geltende Grundrechte von Mensch und Natur zu respektieren oder auch nur die einfachsten Mindeststandards einzuhalten?
    Solange das nicht gewährleistet ist, ist auch die Anhäufung von Reichtum und Luxus in der profitierenden Oberschicht mit Nichts zu rechtfertigen! Umverteilung durch nachhaltiges, faires Wirtschaften !

  3. Ja, es ist an der Zeit, auch die Fast-Fashion-Konzerne „anzupacken“. Gerade jene, die immer wieder negativ auffallen. H+M, Zara/Inditex, NewYorker…Es kann so nicht weitergehen.

    Mode/Kleidung enthält nciht den wahren Preis bei CO2, Ressourcenverbrauch, z.B. Lederschuhe aus Leder von Brasilianischen Rindern.
    Inzwischen wird kaum gebrauchte Kleidung einfach verbrannt in Kraftwerken, dabei wurde H+M bei neuwertiger Überproduktion in Dänemark erwischt. Aber auch die Sammelstellen in Dtld. sind überfüllt, und liefern die Ware einfach an Verwerter wie Alba, die Kleidung „Ersatzbrennstoff“ in deutsche Kraftwerke geben.

    Immerhin stellt Zalando gerade seine Büros um auf 100% erneuerbare Energie und will bei Verpackung besser werden. McDonalds hat unter Druck auch schon viel verbessert.
    Die Ketten sollen nachhaltige Labels/Kleidung integrieren, und die wahren Kosten einpreisen.

  4. „Beseitigung der Armut und Gesundheitsversorgung“ das fällt mir auch als Erstes ein, wenn ich an H&M denke. Umweltschutz hätte er noch erwähnen sollen.
    Karl-Johan Persson macht sich Sorgen über das Armutsrisiko bei den Aktionären.
    Perverser gehts nicht

  5. Lösungsvorschlag: Die Näherinnen kriegen kürzere Arbeitstage mit weniger Stückzahlen und dafür einen anständigen Lohn. Dann muss H&M halt mal seine Priese auf ein Normallevel bringen… Wenn die Qualität dann noch stimmen würde, hat H&M sich erfolgreich an das veränderte Konsumverhalten angepasst und kann mit diesem neuen Konzept sicher noch gut weiterexistieren. Schließlich hat Herr Persson Verantwortung für die Näherinnen wie er selbst den Eindruck erweckt.

  6. Früher sagte man: „dem hamse ins Hirn geschissen“. Heute nutzt das nix. Schamgefühl adé! Wie bei den Politikern auch. Diese Verrohung färbt auf viele ab. Und die digitale Selbstverliebtheit vertieft das noch. Sodom und Gomorrha in neuem Gewand.
    klar Boykott! Letzte Woche heuteshow war das Thema. Früher 4 Kollektionen pro Jahr, heute jede Woche eine. Und die Hälfte in die Tonne! Und die Teenies verbloggen die Billigprodukte! Frydays4future ist halt doch noch nicht überall angekommen.

  7. Da werden wieder Argumente an den Haaren herbeigezogen! Natürlich, die Manager von H&M sind Menschenfreunde. Ihnen geht es nur um das Wohlergehen der Menschen in den Entwicklungsländern, die schon lange keine mehr sind. Dass das H&M-Management dabei reich wird, ist natürlich nur ein ungeplanter Nebeneffekt. Und die paar Umweltschäden muss man bei soviel Wohltäterei schon in Kauf nehmen.