Alternativen zu Primark: Wir müssen weg von Fast Fashion

Primark Filiale
Foto: "Primark sign" von DennisM2 unter CC0 1.0

Menschenverachtende Arbeitsbedingungen, massive Umweltverschmutzung, giftige Chemikalien in der Kleidung: Die Missstände in der Fast-Fashion-Industrie sind bekannt und werden stark kritisiert – trotzdem hat die Billig-Modekette Primark schon wieder eine neue Filiale in Deutschland eröffnet. Besonders jetzt braucht es Alternativen.

Deutschlandweit gibt es mittlerweile über 20 Filialen, in Bayern ist es die erste: Der irische Moderiese Primark eröffnete am Donnerstag, den 17. Mai in einem Münchener Einkaufszentrum. Dort gibt es jetzt auf über 6.000 Quadratmetern ausbeuterische Mode zum Schleuderpreis.

Den wahren Preis zahlen nämlich andere: Immer wieder steht das irische Unternehmen in der Kritik: Wegen giftiger Chemikalien in der Kleidung, schlechten Arbeitsbedingungen in den Filialen und ausbeuterischen Produktionsbedingungen in Billiglohn-Ländern wie Bangladesch, China und Indien.

Was bei Primark falsch läuft: in den Produktionsländern

Wie viele Modekonzerne lässt Primark in Billiglohnländern wie China, Bangladesch und Indien produzieren – auch in der Textilfabrik Rana Plaza, die 2013 einstürzte und 1.100 Menschen unter sich begrub. Die menschenverachtenden Produktionsbedingungen in diesen Ländern sind bekannt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beschreibt die Zustände folgendermaßen: Näherinnen arbeiten mindestens zehn bis zwölf Stunden am Tag, sind Schlägen, verbalen Attacken und sexueller Belästigung ausgesetzt. Dafür bekommen sie einen Hungerlohn –  in Bangladesch sind das lächerliche 9,50 Euro pro Monat schätzt Verdi im Jahr 2017.

Primark betont immer wieder, keine eigenen Fabriken zu unterhalten und deshalb nicht allein bestimmen zu können, wie viel die Menschen dort verdienen oder unter welchen Bedingungen sie arbeiten. Zwar hat das Unternehmen einen Verhaltenskodex für seine Zulieferer, doch selbst der für Ethik-Fragen bei Primark zuständige Manager Paul Lister räumt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur ein, dass zwischen Kodex und Wirklichkeit eine Lücke klaffe: So wäre er misstrauisch, wenn bei der Überprüfung einer Fabrik in einem Entwicklungsland keinerlei Probleme aufgedeckt würden. Primarks Konsequenz: Man wolle in Zukunft versuchen diese Missstände auszuräumen.

Immerhin hat Primark im Februar 2018 eine Liste seiner mehr als 900 Zulieferer in 31 Ländern auf seiner Website veröffentlicht. Allerdings eher in eigenem Interesse als aus humanitären Gründen: Das Unternehmen reagiert auf den Druck von Nicht-Regierungsorganisationen wie der „Kampagne für Saubere Kleidung“ und von Gewerkschaften, die diesen Schritt seit langem gefordert haben. Was genau wo gefertigt wird, verrät das Unternehmen dabei allerdings nicht.

Was bei Primark schief läuft: in den Filialen

Nicht nur in den Produktionsstätten in den Billiglohnländern läuft einiges schief: Der NDR berichtete im Jahr 2015 von Mitarbeitern, die gezwungen waren, schimmlige Ware zum Verkauf anzubieten. Dabei kamen auch weitere Missstände ans Licht. So wurden laut dem Bericht Zeit- und unbefristete Verträge von Vorgesetzten als Druckmittel eingesetzt. Die Vertragsverlängerung wurde in Aussicht gestellt, was dazu führte, dass Mitarbeiter Überstunden machten und eher Urlaub nahmen, als sich krank zu melden. Ob sich an der Situation seitdem etwas geändert hat, ist nicht bekannt.

Die Welt am Sonntag berichtete ebenfalls 2015 über Verstöße gegen Daten- und Arbeitsschutz bei Primark, Mitarbeiter sollen per Video überwacht worden sein. Die Mitarbeiter klagten zudem über Lärm und unangenehme Gerüche in den Filialien, letztere waren auf Chemikalienausdünstungen zurückzuführen. Grenzwerte wurden aber keine überschritten, wie sich später herausstellte.

Was bei Primark schief läuft: Fast Fashion

Lange Zeit stand H&M als Sinnbild für schnelle Mode zu niedrigen Preisen. Seit ein paar Jahren hat Primark diesen Job übernommen und gilt als eine der am aggressivsten wachsenden Modeketten in Deutschland. Das Unternehmen bietet auf engstem Raum eine Unmenge an Kleidung, Schuhen, Accessoires sowie Wohnbedarf und Kosmetik an. Und das alles zu extrem niedrigen Preisen: Der Konzern unterbietet regelmäßig Konkurrenten wie H&M, Zara und Co. und verkauft T-Shirts ab einem Euro, Jeans für neun Euro und Winterjacken für 12 Euro. Die Folge sind überfüllte Kleiderschränke mit kaum getragenen Klamotten – für die andere Menschen ausgebeutet werden.

Primark München Fair Fashion
Protest des Münchner Bündnisses „München Fair Fashion“. (Foto: München fair Fashion)

Während vor allem viele junge Mädchen und Frauen begeistert komplette Outfits für gerade mal 25 Euro bei Primark shoppen, stößt die Eröffnung des Konsumtempels in München auch auf Widerstand: Aktivisten vom Bündnis „München Fair Fashion“ haben am Morgen der Eröffnung vor die Filiale im Stadtteil Neuperlach gestellt, um Primark zu zeigen, dass das Unternehmen in München nicht willkommen ist. Dazu legten die Aktivisten ausrangierte Jeans zu riesengroßen Schriftzügen auf den Boden, sie lauteten „Fuck Fast Fashion“ und „Fair Fashion Forward“. Das Bündnis informierte außerdem an einem Stand vor dem Einkaufszentrum über Alternativen zur schnellen Mode: lokal und fair produzierte Kleidung. Auch bei der Eröffnung einer Primark-Filiale in Stuttgart gab es Widerstand gegen den Moderiesen.

Auch wir finden: Wir müssen weg von der Kleider-Verschwendung und wir müssen aufhören, andere Menschen für unsere Mode bezahlen zu lassen.

Alternative: Die besten nachhaltigen Mode-Shops

Grüne Mode-Shops verkaufen Kleidung fairer Modelabels, die nachweislich fair und sozial arbeiten. Sie verwenden zertifizierte Bio-Baumwolle oder andere nachhaltige Materialien  und verzichten soweit wie möglich auf umweltschädliche Chemikalien und gesundheitsgefährdende Färbemittel. Durch eine Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation setzen sich viele Labels für faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie ein.

Wer in nachhaltigen Mode-Shops einkauft, wird vermutlich ganz automatisch kein Fast-Fashion-Opfer mehr – denn verantwortungsvoll produzierte Kleidung hat ihren Preis. Von dem sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Anstatt drei T-Shirts kauft man einfach nur eines, das ist dafür sauber produziert.

Hier geht’s zu den besten nachhaltigen Mode-Shops und den besten fairen Modelabels.

Alternative: Kleider gebraucht kaufen

Wer bei gebrauchten Klamotten an eingestaubte Mäntel aus Omas Kleiderschrank denkt, liegt falsch. Gerade weil wir so viel Kleidung kaufen, gibt es haufenweise schöne Teile in gutem Zustand. Auf dem Flohmarkt, in Second-Hand-Läden, oder auf Portalen wie Kleiderkreisel.de.

Kleidung muss nicht immer neu sein. Wer gebraucht kauft, zahlt kein Geld für neue Produkte an Unternehmen und bricht damit ein Stück weit aus dem Konsumkreislauf aus. Und die Preise schlagen üblicherweise sogar Primark.

Slow Fashion: Second Hand gebraucht kaufen
Flohmarkt oder Second-Hand.  (Foto: © CCO / Pixabay)

Alternative: Weniger konsumieren

Laut Greenpeace haben deutsche Verbraucher heute vier Mal so viel Kleidung als noch im Jahr 1980. Die Folge sind überfüllte Kleiderschränke mit kaum getragenen Klamotten. Was wäre, wenn wir diese Kleidung gar nicht erst kaufen? Ressourcen wie Wasser, Baumwolle und Anbaufläche würden geschont, es würden weniger giftige Chemikalien eingesetzt, Näherinnen in Textilfabriken müssten keine Überstunden machen, um Kollektionen fertigzustellen – wenn wir weniger kaufen würden.

Klingt gar nicht so einfach? Diese drei Fragen gewöhnen dir die Wegwerfmode ab.

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(1) Kommentar

  1. Leider sind wir heute an diese billigen Produkte gewoehnt. Wenn es zu teuer ist ist jeder am meckern und es wird nicht gekauft. Leider ist es die Nachfrage der Verbraucher nach immer billigern Produkten die dies erst moeglich macht. Wuerden die Verbraucher umschwenken wuerden dies auch die Firmen merken und dementsprechend Ihre Herstellung aendern.

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