Alternativen zu Primark: Wir müssen weg von Wegwerfmode

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T-Shirts für drei Euro, Jeans für zehn: Wer bei der Billigmode-Kette Primark kauft, bekommt ein komplettes Outfit zum Spottpreis. Eine neue Studie zeigt, wie ArbeiterInnen dafür ausgebeutet werden – auch wenn Primark gerne das Gegenteil behauptet. Gut, dass es Alternativen gibt.  

„Die Produkte für Primark werden mit Achtung vor dem Menschen und der Umwelt hergestellt“, schreibt das irische Unternehmen Primark auf seiner Webseite. Weiter heißt es dort: Primark verlange von Lieferanten und Fabriken, faire Löhne und sichere Arbeitsbedingungen für die ArbeiterInnen. Und dass das auch geprüft werde: Ein Team aus mehr als 100 Experten führe regelmäßige Kontrollen durch. Zudem achte man stets darauf, so ökologisch wie möglich zu produzieren.

Primark: Neue Studie zeigt alarmierende Arbeitsbedingungen

Das klingt vorbildlich – die Realität sieht allerdings ganz anders aus. Immer wieder steht das irische Unternehmen in der Kritik: Wegen giftiger Chemikalien in der Kleidung, schlimmen Arbeitsbedingungen in den Filialen und ausbeuterischen Produktionsbedingungen in Billiglohn-Ländern wie Bangladesch, China und Indien. Das bestätigt nun auch eine aktuelle Studie der Christliche Initiative Romero e.V. (CIR) , die TextilarbeiterInnen in Fabriken auf Sri Lanka befragt hat.

Die NGO kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: „In keiner der untersuchten Fabriken wird der Verhaltenskodex eingehalten, den Primark seinen Herstellern auferlegt. Die Löhne und das Maß an Überstunden sind teils illegal“, teilt Isabell Ullrich mit, Referentin für Kleidung bei der CIR.

Primark besitzt zwar keine eigenen Fabriken, trotzdem sei das Unternehmen (wie auch andere Modeketten, die dort fertigen lassen) für die Missstände verantwortlich: Primark und Co. erteilen Aufträge häufig kurzfristig – bei den ArbeiterInnen in den Fabriken entsteht so ein hoher Zeit- und Preisdruck. Sie arbeiten für einen Hungerlohn, Überstunden sind die Regel.

80 Stunden pro Woche – 79 Euro im Monat

Laut der Befragung arbeiten die Angestellten in den sri-lankischen Fabriken regelmäßig bis zu 80 Stunden pro Woche. Für Frauen etwa sind aber nur 45 Stunden erlaubt – und nur in Ausnahmefällen zwölf Überstunden.

Hinzukommt: Viele der befragten ArbeiterInnen erhalten nicht einmal den Mindestlohn von umgerechnet 79 Euro. Wenn man sich das einmal ausrechnet (45 Stunden/Woche bei einem Lohn von 79 Euro im Monat), arbeiten die TextilarbeiterInnen für gerade einmal 44 Cent die Stunde.

Für ein menschenwürdiges Leben ist das auch in Sri Lanka viel zu wenig. „Unsere Löhne sind so niedrig, wir können nicht einmal genug Lebensmittel kaufen“, zitiert die CIR eine der Befragten. Existenzsichernd wäre laut der Asia Floor Wage Alliance ein Lohn von mindestens 296 Euro.

Was bei Primark falsch läuft: in den Produktionsländern

Primark lässt aber nicht nur in Sri Lanka produzieren: Wie für viele weitere Modekonzerne wird die Kleidung auch in anderen Billiglohnländern wie China, Bangladesch und Indien hergestellt – auch in der Textilfabrik Rana Plaza wurde Kleidung für Primark gefertigt. Die Fabrik stürzte 2013 ein und begrub mehr als 1.100 Menschen unter sich – und zog die Aufmerksamkeit der Weltbevölkerung auf die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der Textilbranche.

Spätestens seit dieser Katastrophe sind die Produktionsbedingungen in diesen Ländern bekannt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beschreibt die Zustände folgendermaßen: Näherinnen arbeiten mindestens zehn bis zwölf Stunden am Tag, sind Schlägen, verbalen Attacken und sexueller Belästigung ausgesetzt. Dafür bekommen sie einen Hungerlohn – in Bangladesch sind das lächerliche 9,50 Euro pro Monat, schätzt Verdi im Jahr 2017.

Primark betont immer wieder, keine eigenen Fabriken zu unterhalten und deshalb nicht allein bestimmen zu können, wie viel die Menschen dort verdienen oder unter welchen Bedingungen sie arbeiten. Zwar hat das Unternehmen einen Verhaltenskodex für seine Zulieferer, doch selbst der für Ethik-Fragen bei Primark zuständige Manager Paul Lister räumt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur ein, dass zwischen Kodex und Wirklichkeit eine Lücke klaffe: So wäre er misstrauisch, wenn bei der Überprüfung einer Fabrik in einem Entwicklungsland keinerlei Probleme aufgedeckt würden. Primarks Konsequenz: Man wolle in Zukunft versuchen diese Missstände auszuräumen.

Immerhin hat Primark im Februar 2018 eine Liste seiner mehr als 900 Zulieferer in 31 Ländern auf seiner Website veröffentlicht. Allerdings eher aus eigenem Interesse als aus humanitären Gründen: Das Unternehmen reagierte auf den Druck von Nicht-Regierungsorganisationen wie der „Kampagne für Saubere Kleidung“ und von Gewerkschaften, die diesen Schritt seit langem gefordert haben. Was genau wo gefertigt wird, verrät das Unternehmen dabei allerdings nicht.

Was bei Primark schief läuft: in den Filialen

Nicht nur in den Produktionsstätten in den Billiglohnländern läuft einiges schief – sondern auch in den Filialen bei uns: Der NDR berichtete im Jahr 2015 von Mitarbeitern, die gezwungen waren, schimmlige Ware zum Verkauf anzubieten. Dabei kamen weitere Missstände ans Licht. So wurden laut dem Bericht zeit- und unbefristete Verträge von Vorgesetzten als Druckmittel eingesetzt. Die Vertragsverlängerung wurde in Aussicht gestellt, was dazu führte, dass Mitarbeiter Überstunden machten und eher Urlaub nahmen, als sich krank zu melden. Ob sich an der Situation seitdem etwas geändert hat, ist nicht bekannt.

Die Welt am Sonntag berichtete ebenfalls 2015 über Verstöße gegen Daten- und Arbeitsschutz bei Primark, Mitarbeiter sollen per Video überwacht worden sein. Die Mitarbeiter klagten zudem über Lärm und unangenehme Gerüche in den Filialen, letztere waren auf Chemikalienausdünstungen zurückzuführen. Grenzwerte wurden aber keine überschritten, wie sich später herausstellte.

Was bei Primark schief läuft: Fast Fashion

Lange Zeit stand H&M als Sinnbild für schnelle Mode zu niedrigen Preisen. Seit ein paar Jahren hat Primark diesen Job übernommen und gilt als eine der am aggressivsten wachsenden Modeketten in Deutschland. Das Unternehmen bietet auf engstem Raum eine Unmenge an Kleidung, Schuhen, Accessoires sowie Wohnbedarf und Kosmetik an. Und das alles zu extrem niedrigen Preisen: Der Konzern unterbietet regelmäßig Konkurrenten wie H&M, Zara und Co. und verkauft T-Shirts ab einem Euro, Jeans für neun Euro und Winterjacken für zwölf Euro. Die Folge sind volle Kleiderschränke und haufenweise ungetragene Klamotten – für die andere Menschen ausgebeutet werden.

Primark München Fair Fashion
Protest des Münchner Bündnisses „München Fair Fashion“. (Foto: München fair Fashion)

Während Schnäppchenjäger begeistert komplette Outfits für gerade mal 25 Euro bei Primark shoppen, stieß die Eröffnung des Konsumtempels in München auch auf Widerstand: Aktivisten vom Bündnis „München Fair Fashion“ hatten sich bei der Eröffnung im Mai 2018 vor die Filiale im Stadtteil Neuperlach gestellt, um Primark zu zeigen, dass das Unternehmen in München nicht willkommen ist. Dazu legten die Aktivisten ausrangierte Jeans zu riesengroßen Schriftzügen auf den Boden.Sie lauteten „Fuck Fast Fashion“ und „Fair Fashion Forward“. Das Bündnis informierte außerdem an einem Stand vor dem Einkaufszentrum über Alternativen zur schnellen Mode: lokal und fair produzierte Kleidung. Auch bei der Eröffnung einer Primark-Filiale in Stuttgart gab es Widerstand gegen den Moderiesen.

Alternative: Die besten nachhaltigen Mode-Shops

Grüne Mode-Shops verkaufen Kleidung fairer Modelabels, die nachweislich fair und sozial arbeiten. Sie verwenden zertifizierte Bio-Baumwolle oder andere nachhaltige Materialien und verzichten soweit wie möglich auf umweltschädliche Chemikalien und gesundheitsgefährdende Färbemittel. Durch eine Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation setzen sich viele Labels für faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie ein.

Wer in nachhaltigen Mode-Shops einkauft, wird vermutlich ganz automatisch kein Fast-Fashion-Opfer mehr – denn verantwortungsvoll produzierte Kleidung hat ihren Preis. Von dem sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Anstatt drei T-Shirts kauft man einfach nur eines, das ist dafür sauber produziert.

Hier geht’s zu den besten nachhaltigen Mode-Shops und den besten fairen Modelabels.

Alternative: Kleider gebraucht kaufen

Wer bei gebrauchten Klamotten an eingestaubte Mäntel aus Omas Kleiderschrank denkt, liegt falsch. Gerade weil wir so viel Kleidung kaufen, gibt es haufenweise schöne Teile in gutem Zustand. Auf dem Flohmarkt, in Second-Hand-Läden, oder auf Portalen wie Kleiderkreisel.de.

Kleidung muss nicht immer neu sein. Wer gebraucht kauft, zahlt kein Geld für neue Produkte an Unternehmen und bricht damit ein Stück weit aus dem Konsumkreislauf aus. Und die Preise schlagen oft sogar Primark.

Slow Fashion: Second Hand gebraucht kaufen
Flohmarkt oder Second-Hand.  (Foto: © CCO / Pixabay)

Alternative: Weniger konsumieren

Laut Greenpeace haben deutsche Verbraucher heute vier Mal so viel Kleidung als noch im Jahr 1980. Die Folge sind überfüllte Kleiderschränke mit kaum getragenen Klamotten. Was wäre, wenn wir diese Kleidung gar nicht erst kaufen? Ressourcen wie Wasser, Baumwolle und Anbaufläche würden geschont, es würden weniger giftige Chemikalien eingesetzt, Näherinnen in Textilfabriken müssten keine Überstunden machen, um Kollektionen fertigzustellen – wenn wir weniger kaufen würden.

Klingt gar nicht so einfach? Diese drei Fragen gewöhnen dir die Wegwerfmode ab.

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(3) Kommentare

  1. Leider sind wir heute an diese billigen Produkte gewoehnt. Wenn es zu teuer ist ist jeder am meckern und es wird nicht gekauft. Leider ist es die Nachfrage der Verbraucher nach immer billigern Produkten die dies erst moeglich macht. Wuerden die Verbraucher umschwenken wuerden dies auch die Firmen merken und dementsprechend Ihre Herstellung aendern.

  2. Der Userin SunisaSookdee kann ich in Teilen zustimmen. Leider klingt ihr Kommentar danach, als habe jeder Konsument auch die Möglichkeit, umzuschwenken und nachhaltig und fair produzierte Kleidung zu kaufen – und da kommt der Haken: diese Möglichkeit hat leider nur ein geringer Teil der Menschen. Ein Großteil der Menschen – insbesondere die mit geringem Einkommen – können sich FairClothing einfach nicht leisten.
    Das ist aber nur eine einzelne Betrachtungsweise.
    Anstatt ständig jeder Mode hinterher zu rennen (und genau davon lebt die Bekleidungsindustrie!), sollten wir uns überlegen, ob wirklich jedes Jahr das neue Hemd, die neue Bluse, Schuhe oder Hose nötig sind; meine Klamotten halten durchaus auch mehrere Jahre – und wenn ich mal was anderes brauche, kaufe ich sehr gerne auch second hand ein; solange es noch genügend Menschen gibt, die jedes Jahr ihr Outfit wechseln (müssen), kann ich von der Verschwendungssucht dieser Menschen profitieren – und die Natur auch.

  3. Es muss ja nicht immer teuer sein, in Secondhand-Läden zu kaufen oder eben online gebrauchte Kleidung oder Schuhe zu shoppen, ist meist sogar billiger. Und das sind ja nicht immer irgendwelche verranzten Teile – gerade Markensachen sind teilweise wirklich wie neu und nur ein paar wenige Male getragen, bevor es weiterverkauft wird. Habe da bei Ebay Kleinanzeigen und co schon einige Teile gefunden, dafür ist es dann auch immer etwas Besonderes und nicht so 08/15 wie die Teile, die es zum Beispiel bei H&M gibt.

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