Veganer Nagellack begeistert bei „Höhle der Löwen“ – wie gut ist er wirklich?

Foto: © TVNOW / Stefan Gregorowius

Am Montag startete die achte Staffel von „Die Höhle der Löwen“. In der Sendung gab es eine Premiere: Zum ersten Mal wollten alle fünf Juroren in das selbe Start-up investieren – die Nagellackmarke „gitti“. Wir haben uns den veganen Nagellack genauer angesehen.

Den „Lack aus dem Nagellack nehmen“ – das ist das erklärte Ziel von „gitti“. Denn bei traditionellen Nagellacken läuft einiges schief, erklärt gitti-Gründerin Jennifer Baum-Minkus in „Die Höhle der Löwen“: Die meisten Nagellacke enthalten Inhaltsstoffe, die im Verdacht stehen Krebs zu erregen oder die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Trägt man den Nagellack auf, seien die Stoffe bereits nach zwei Stunden im Körper nachweisbar.

In einigen Farben stecken zudem gequetschte Schildläuse oder Fischschuppen als Farbpigmente. Der strenge Geruch von Nagellack könne Kopfschmerzen und Schwindel auslösen. Das alles sei kein Wunder: Nagellack hat seinen Ursprung in der Autolackierindustrie.

Höhle-der-Löwen-Juror*innen probieren die gitti-Produkte aus

Gitti soll eine Alternative zu konventionellem Nagellack sein – und „alles weglassen, was nicht nötig ist.“ Die Formulierung ist patentiert und besteht zu über der Hälfte aus Wasser. Außerdem ist sie geruchsneutral, vegan und tierversuchsfrei. Weil die Unterschiede zu konventionellem Nagellack so groß sind, bezeichnet gitti seine Produkte nicht mehr als „Nagellacke“, sondern als „Nagelfarben“.

In der Sendung öffneten die Juror*innen die Nagelfarben und rochen daran – tatsächlich sei der Geruch nicht mit dem von konventionellem Nagellack vergleichbar. Judith Williams testete zwei Farben an den Nägeln ihrer Mitjuroren Carsten Maschmeyer und Georg Kofler.

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Die Juror*innen begutachten die Nagelfarben. (Foto: © TVNOW / Stefan Gregorowius)

Die Anwendung ist etwas anders als bei konventionellem Nagellack

Zwei wichtige Fragen bei Nagellack: Wie schnell trocknet er und wie lange hält er? Für ein optimales Ergebnis muss man bei den gitti-Farben einiges beachten: Man darf den Nagellack nur dünn auftragen – dann trockne er in 20 Sekunden. Anschließend ist eine Schicht mit dem „top coat“ – einem Überlack – nötig. Vier Stunden lang darf man sich dann die Hände nicht mit heißem Wasser waschen. Mit diesen Schritten halte die Nagelfarbe ebenso gut wie regulärer Nagellack.

Gitt-Nagelfarben sind „10-free“

Aber wie empfehlenswert sind die Nagelfarben von gitti wirklich? Tatsächlich vermeidet das Unternehmen einige kritische Substanzen in seinen Produkten, die in konventionellen Lacken gängig sind. Für „bessere“ Nagellacke gibt es ein inoffizielles Kennzeichnungssystem: Die Produkte tragen Bezeichnungen wie „3-free“ oder „7-free“, um anzugeben, auf wie viele der besonders problematischen Inhaltsstoffe sie verzichten.

Gitti ist laut Unternehmenswebseite „10-free“, also frei von folgenden zehn Stoffen beziehungsweise Stoffgruppen: Formaldehyd, Formaldehyd-Harz, Toluol, Dibutyl Phthalat, Kampfer, Parabene, Duftstoffe, Xylene, tierische Bestandteile und an Tieren getestete Substanzen. Auch der Nagellackentferner kommt ohne typische Inhaltsstoffe wie Acetone und petrochemische Lösungsmittel aus.

Einige Inhaltsstoffe bleiben problematisch

Trotz allem geht es auch bei gitti nicht ganz ohne bedenkliche Substanzen: Die Farben enthalten beispielsweise Nitrocellulose. Der Inhaltsstoff sorgt dafür, dass sich beim Auftragen der Farbe ein zusammenhängender Film bildet. Allerdings können sich Nitrosamine bilden, die wiederum krebserregend sind.

Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist das Risiko zur Nitrosaminbildung besonders hoch, wenn der Stoff „Stearalkonium Bentonite“ enthalten ist. Er steckt ebenfalls in den gitti-Farben. Das ist ein generelles Problem von Nagellacken und lässt sich technisch kaum vermeiden – auch gitti hat es nicht geschafft.

Die Nagelfarben kommen bei der „Höhle der Löwen“ gut an

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Gitti einigte sich zunächst auf einen Deal mit Judith Williams und Dagmar Wöhrl. (Foto: © TVNOW / Stefan Gregorowius)

Die „Löw*innen“ waren von den Nagelfarben begeistert. Alle fünf boten an, bei gitti zu investieren – das gab es in der Geschichte von „Die Höhle der Löwen“ noch nie. Gründerin Baum-Minkus entschied sich für Judith Williams und Dagmar Wöhrl. Williams sollte für 300.000 Euro acht Prozent der Firmenanteile erhalten, Wöhrl für 50.000 Euro 1,3 Prozent. Im Nachhinein kam der Deal allerdings nicht zustande: Offenbar wollte Baum-Minkus nach der Sendung nachverhandeln, womit die beiden Juror*innen nicht einverstanden waren.

Utopia meint: Auch Naturkosmetik kommt bei Nagellack an ihre Grenzen – es ist kaum möglich, alle kritischen Inhaltsstoffe zu ersetzen. Die Hersteller versuchen zumindest die giftigsten Substanzen zu vermeiden. Wer die Gesundheit und die Umwelt schonen will, trägt also lieber keinen Nagellack. Für all diejenigen, die nicht darauf verzichten möchten, kann gitti eine Alternative sein. Viele Anbieter sind nur frei von drei, fünf oder sieben problematischen Substanzen, bei gitti sind es sogar zehn. Mehr Infos zum Thema und weitere „bessere“ Nagellacke findest du in unserem Artikel und Selbsttest zu Naturkosmetik-Nagellack.

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