Formaldehyd: Das musst du über den Stoff in Möbeln und Farbe wissen

Foto: CC0/ Pixabay / stux

Formaldehyd ist in vielen Möbeln und Gegenständen aus Plastik enthalten, gilt aber als krebserregend. Wir erklären, warum der Stoff so gefährlich ist und worin er überall steckt.

Formaldehyd – was ist das?

Formaldehyd ist ein stechendes Gas, das zu Kunststoffen verarbeitet wird oder als Bindemittel in verschiedenen Produkten enthalten ist. Wir können Formaldehyd in der Regel nicht riechen, denn nur in hoher Dosierung kann die menschliche Nase das Gas wahrnehmen. Wenn die Konzentration aber so stark ist, sind bereits gesundheitliche Auswirkungen spürbar.

Das Problem: Formaldehyd dünstet durchgehend aus den Produkten aus und ist ein gesundheitliches Risiko. Denn inzwischen haben Studien nachgewiesen, dass Formaldehyd Krebs erzeugen kann. Bereits die Ausdünstungen reichen, um die Gesundheit zu beeinträchtigen.

Das Umweltbundesamt hat sich einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angeschlossen, wonach Formaldehyd in einen Höchstwert von 100 µg/m3 für Stoffe in Innenhöfen (ein Mikrogramm pro Kubikmeter) nicht überschreiten sollte.

Für Möbel und andere Produkte aus Holz gibt es in Deutschland den Grenzwert von 0,1 ml/m3 Formaldehyd in der Luft. Dünstet mehr Formaldehyd aus, darf das Produkt nicht verkauft werden. Für Wasch- und Reinigungsmittel gilt ein Grenzwert von 0,2 Prozent Formaldehyd.

Tipp: Das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium vergeben den Blauen Engel. Eines der Kriterien für das Siegel ist, dass Formaldehyd nur in sehr geringer Menge enthalten sein darf.

Es wird auch als Methanal oder Formalin bezeichnet und findet sich zum Beispiel oft in Spanplatten und Möbeln. Außerdem gibt es Formaldehyd im Krankenhaus als Desinfektionsmittel und in der Industrie als Konservierungsstoff.

Gesundheitliche Folgen von Formaldehyd

Auch der Zigarettenrauch enthält Formaldehyd.
Auch der Zigarettenrauch enthält Formaldehyd.
(Foto: CC0/Pixabay/Pexels)
  • Verschiedene nationale und internationale Studien haben ergeben, dass Formaldehyd Krebs erzeugen kann. Tierversuche haben gezeigt, dass bei einer hohen Formaldehyd-Konzentration in der Raumluft Tumore in der Nasenhöhle entstehen können (PDF).
  • Nicht nur die Schleimhäute können angegriffen werden, auch die Augen werden durch den Stoff gereizt.
  • Erkältungen, Depressionen und Angstattacken können Studien zufolge durch Formaldehyd ausgelöst werden.
  • Weitere Symptome sind Übelkeit, Bewusstlosigkeit und Schlafstörungen.
  • Möglicherweise kann Formaldehyd auch Asthma auslösen und/oder verstärken.

Beispiel Zigaretten-Rauch:

In Zigaretten ist immer eine Zucker-Verbindung enthalten, die beim Rauchen zu Formaldehyd wird. Wer in einem 30 m³ großem Raum drei Zigaretten raucht, bläst damit 0,5 ppm Formaldehyd in die Luft. Bereits ab 0,08 ppm kommt es zu Reizungen an der Nase, bei 0,5 ppm sogar zu Reizungen an der Kehle.

Worin ist Formaldehyd enthalten?

Formaldehyd macht Kleidung knitterfrei.
Formaldehyd macht Kleidung knitterfrei.
(Foto: CC0 / Pixabay / steinchen)
  • Natur: In äußerst geringen Mengen kommt Formaldehyd sogar in Früchten vor. Eine Gesundheitsgefahr besteht hier aber nicht.
  • Holz: Spanplatten, Fertigparkett und ähnliche Platten sind häufig geleimt – der Holzleim enthält oft Formaldehyd. Inzwischen gibt es Emissionsklassen von 0 bis 3 für Holz und Holzprodukte, die den Formaldehyd-Ausstoß angeben. Achte darauf, nur Holz mit der Emissionsklasse 0 zu kaufen. Hier gibt es kaum Ausdünstungen bzw. keine Unterschiede zu Naturholz.
  • Lacke und Farben: Formaldehyd steckt oft als Konservierungsstoff in Lacken. Aber auch in Wandfarben, in Kleidung und in Teppichen kommt immer wieder Formaldehyd vor.
  • Reinigungsmittel: In Wasch- und Reinigungsmitteln war früher so viel Formaldehyd enthalten, dass inzwischen Grenzwerte eingeführt wurden. Für Industriereiniger gelten die Grenzwerte aber nicht.
  • Geschirr: Formaldehyd und Melamin sorgen dafür, dass Melamin-Geschirr nicht so leicht bricht. Wenn du das Geschirr aber erhitzt, können Formaldehyd-Gase austreten.
  • Dämmstoff: In Isolierschaum und Dämmwolle findet sich meistens auch Formaldehyd.

Was tun gegen Formaldehyd?

Farben und Lacke sollten nicht in der Wohnung aufbewahrt werden.
Farben und Lacke sollten nicht in der Wohnung aufbewahrt werden.
(Foto: CC0 / Pixabay / kissu)

In der Apotheke bekommst du einen Raumluft-Test für Formaldehyd. So kannst du herausfinden, ob du etwas gegen Formaldehyd tun solltest. Den ermittelten Wert kannst du dann mit den Richtwerten des Umweltbundesamtes vergleichen. Um Formaldehyd vorzubeugen, kannst du einige Maßnahmen selbst ergreifen:

  • Stelle offene Lacke, Farben und Leimtuben in den Garten oder die Garage, statt in die Wohnung.
  • Achte beim Kauf von Holzmöbeln darauf, dass diese schadstoffgeprüft sind. Öko- und Bio-Siegel helfen dabei.
  • Bestimmte Blumen bauen Formaldehyd ab: Grünlilien, Drachenbaum, Efeu und Aloe Vera zählen dazu.
  • Massivholz ist Trumpf: Im Gegensatz zu Spanplatten enthält es keinen Leim. Das gilt nicht nur bei Möbeln. Auch statt Laminat solltest du Vollholz-Parkett wählen.

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