Auf Fleisch verzichten: Was es für die Gesundheit bedeutet

Foto: itakdalee / stock.adobe.com

Wer kein Fleisch isst, schont Tiere und die Umwelt. Aber was ist mit der Gesundheit? Fehlen dem Körper bestimmte Nährstoffe? Oder ist eine fleischlose Ernährung im Gegenteil sogar gesünder? Zahlreiche Studien liefern Antworten.

Massentierhaltung, Ausbeutung von Angestellten in den Schlachtbetrieben und der extrem hohe CO2-Abdruck von Fleischprodukten: Es gibt viele Gründe, kein Fleisch zu essen. Aktuell tun das in Deutschland bereits rund sechs Millionen Menschen, sie leben vegetarisch.

Aber ist es wirklich eine gute Idee, komplett auf Fleisch zu verzichten? Immerhin enthalten Fleisch- und Wurstprodukte wertvolle Nährstoffe, die für die Gesundheit wichtig sind. Wir haben uns Expertenmeinungen und Studien angesehen – das sind die wichtigsten Erkenntnisse zum Thema:

1. Eine Ernährung ohne Fleisch kann mindestens genauso gesund sein

Fleisch enthält unter anderem Vitamine und Mineralstoffe, Proteine und viel Eisen. Aber all diese Nährstoffe stecken auch in fleischlosen und pflanzlichen Lebensmitteln. Besonders reichhaltige Eisen– und Proteinquellen sind etwa Nüsse, Saaten und Hülsenfrüchte.

Der tägliche Nährstoffbedarf lässt sich auch ohne Fleisch decken – zu diesem Schluss kommt unter anderem eine Studie, die im Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlicht wurde. Für die Studie hat ein Team von Wissenschaftlern Mahlzeiten analysiert, bei denen Rind, Hühnchen oder Schweinefleisch durch pflanzenbasierte Lebensmittel ersetzt wird. Die Forscher interessierten sich dabei für die Nährstoffgehalte.

Das Fazit der Studie: Ersetzt man Fleisch mit pflanzlichen Alternativen etwa aus Soja, grünen Bohnen oder Buchweizen, nimmt man weiterhin alle benötigten Nährstoffe zu sich. Zwar bezieht sich die Studie auf die typische Ernährung von Menschen in Amerika, die Ergebnisse lassen sich aber übertragen. Der Ernährungswissenschaftler Markus Keller sagte dem Bayerischen Rundfunk: „Alle Studien zeigen, dass man mit einer vernünftig zusammengestellten vegetarischen Ernährung seinen Nährstoffbedarf wunderbar decken kann. Und im Gegenteil, bei manchen Nährstoffen sogar deutlich besser versorgt ist als so mancher Fleischesser.“

2. Geringeres Risiko für Krebserkrankungen

Die Internationale Krebsforschungsbehörde (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft rotes Fleisch als „wahrscheinlich krebserregend“ und verarbeitetes Fleisch sogar als „krebserregend“ ein. Zu rotem Fleisch zählt Schweine-, Rind-, Lamm-, Kaninchen-, Pferde- und Ziegenfleisch. Verarbeitet ist Fleisch dann, wenn es haltbar gemacht wurde – etwa durch Salzen oder Räuchern. In diese Kategorie gehören also unter anderem Wurst, Salami und Schinken.

Ungesunde Lebensmittel: Nitrithaltige Fleisch- und Wurstwaren Bacon
Verarbeitetes Fleisch wie Bacon gilt als krebserregend. (CC0 Public Domain / pixabay.de)

Die WHO-Behörde hat für ihre Einschätzung mehr als 800 bestehende Studien ausgewertet, die den Zusammenhang von Fleischkonsum und Krebserkrankungen untersuchen. Die Studien beziehen sich auf mehr als 15 verschiedene Krebsarten und stammen aus verschiedenen Ländern.

Laut WHO gibt es „begrenzte Beweise“, dass rotes Fleisch Krebs direkt verursacht. Für einen „krebserregenden Effekt“ seien die Belege hingegen „stark“. Das heißt, der Konsum von rotem Fleisch verursacht selbst keinen Krebs, kann seine Entstehung aber begünstigen. Anders ist es bei verarbeitetem Fleisch: Hier spricht die WHO von „überzeugenden Beweisen“, dass Wurst, Schinken und Co. Krebs verursachen können.

Der Zusammenhang von Krebserkrankungen und rotem bzw. verarbeitetem Fleisch lasse sich vor allem bei Darmkrebs feststellen. Es gebe aber auch entsprechende Hinweise für Bauchspeicheldrüsenkrebs und Prostatakrebs.

3. Geringeres Risiko für Herz-Erkrankungen und Diabetes

Verarbeitetes Fleisch kann außerdem Herzkrankheiten und Diabetes begünstigen, worauf eine Meta-Studie der Harvard School of Public Health (HSPH) hinweist. Das zuständige Forscherteam hat 20 Studien aus zehn Ländern ausgewertet. In die Analyse flossen damit Daten von mehr als 1,2 Millionen Menschen ein.

Das Ergebnis: Pro durchschnittlich 50 Gramm Konsum von verarbeitetem Fleisch täglich steigt das Risiko einer Herzkrankheit um 42 Prozent. Das Risiko an Diabetes zu erkranken, erhöhe sich um 19 Prozent. Die HSPH führt das vor allem auf die enthaltenen Konservierungsstoffe wie Natriumnitrit zurück.

4. Geringeres Risiko für einen Schlaganfall

Fleisch kaufen: regional vom Metzger
Rotes Fleisch und das Schlaganfall-Risiko. (Photo by Sebastian Holgado on Unsplash / CC0 Public Domain)

Eine weitere Meta-Studie veröffentlicht im „Journal for Internal Medicine“ hat unter anderem den Zusammenhang von Schlaganfällen und Fleischkonsum analysiert. Sie untersuchte dafür Studien aus den Jahren 2003 bis 2012 und wertete Daten von 329.495 Teilnehmer*innen sowie 10.630 Schlaganfall-Patient*innen aus. Die Proband*innen stammten aus den USA, Europa und Japan.

Auch hier zeigten die Ergebnisse in eine eindeutige Richtung: Der Konsum von rotem Fleisch geht mit einem höheren Risiko für einen Schlaganfall einher. Gleiches gilt für verarbeitetes Fleisch – bei ihm ist die Gefahr sogar noch größer: Es reichen deutlich geringere Mengen verarbeitetes Fleisch pro Tag, damit das Schlaganfall-Risiko steigt.

5. Niedrigerer BMI – und damit Gewicht

Menschen, die kein oder wenig Fleisch essen, haben außerdem einen niedrigeren Body-Mass-Index (BMI), sind also durchschnittlich schlanker. Zu diesem Schluss kommt das Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig. Das Institut hat für eine Studie 8.943 Menschen in Leipzig drei Jahre lang zu ihren Essgewohnheiten befragt und außerdem ihren BMI ermittelt.

Die beteiligten Wissenschaftler*innen erklären den Effekt auf das Gewicht damit, dass tierische Produkte oft kalorienreicher sind und mehr gesättigte Fette enthalten. Außerdem werden sie häufiger als verarbeitete Lebensmittel konsumiert, welche noch mehr Kalorien enthalten. Eine vegetarische Lebensweise könne ein wirksames Mittel gegen Übergewicht sein.

Die Studienlage zu Fleischkonsum

Die Auswirkungen von Fleischkonsum auf die Gesundheit sind Gegenstand zahlreicher Studien. Nicht alle kommen dabei auf die exakt selben Ergebnisse – teilweise widersprechen sie sich auch.

Das Problem bei Studien zum Ernährungsverhalten: Um eindeutige Aussagen über Ursache und Wirkung treffen zu können, wären kontrollierte Studien nötig. Es bräuchte zwei Gruppen von Proband*innen, die sich nur darin unterscheiden, ob sie Fleisch essen oder nicht. Sie müssten abgesehen davon beispielsweise gleich viel Sport machen, die gleichen Mahlzeiten zu sich nehmen und ein ähnliches Stresslevel haben. In der Realität ist das nicht möglich.

Trotzdem lassen die Studien zum Fleischkonsum einige Rückschlüsse zu – vor allem solche, die mit großen Datensätzen arbeiten. Auch wenn Analysen in verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Ländern zu ähnlichen Erkenntnissen kommen, lassen sich Zusammenhänge ableiten. Dass rotes und verarbeitetes Fleisch das Risiko für Krebserkrankungen, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen kann, lässt sich damit wissenschaftlich nicht bestreiten.

Es gibt gute Alternativen zu Fleisch

fleischersatz fleischersatzprodukte
Fleischersatz-Produkte vereinfachen den Verzicht auf Fleisch. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - likemeat; CC0 Public Domain / Pexels - Polina Tankilevitch)

Wer also seinen Fleischkonsum reduziert oder ganz auf Fleisch verzichtet, tut auch seiner Gesundheit etwas Gutes. Die in Fleisch enthaltenen Nährstoffe lassen sich unkompliziert durch andere Lebensmittel aufnehmen. Klassische Fleischgerichte kann man außerdem gut mit Fleisch-Alternativen oder Gemüse zubereiten.

Das „Institut für alternative und nachhaltige Ernährung“ (IFANE) hat in einer Studie herausgefunden, dass Fleischalternativen sogar oft gesünder als Fleisch sind. Vegetarische und vegane Produkte auf Basis von Soja, Weizen und Lupine enthalten der Studie zufolge weniger ungesunde Inhaltsstoffe als vergleichbare Fleischerzeugnisse. Sie haben außerdem eine gesündere Nährstoffzusammensetzung. Tipps und Rezepte für eine fleischlose(re) Ernährung:

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(3) Kommentare

  1. Danke für den Artikel.
    Ohne Frage wäre es für viele Menschen durchaus ratsam, ihren Fleischkonsum zu reduzieren, auch mal auf die Warnsignale ihres Körpers zu hören und die Ernährung dementsprechend auch dem tatsächlichen Bedarf anzupassen. Dann könnte man sich die Diskussion, was ist gesünder sparen. Aber das sind halt die Luxusprobleme von uns fetten Deutschen! 😋

    Weil man das nicht so pauschal betrachten kann, kommen auch Studien zu keinem klaren Ergebnis. Fakt ist, man kann auch vegan viel falsch machen!
    Verglichen mit einer vollwertigen, omivoren Ernährung läuft man dort sehr schnell in die Gefahr einer Mangelversorgung, weil man viel mehr bedenken sollte, als wirklich unabhängige Studien gemacht wurden.
    Übrigens, schon meine Oma wusste: Butter ist Nervennahrung!
    Es hieß nicht umsonst: die „gute Butter“ 😉

  2. Fleischesser sind im Durchschnitt nicht kranker als nicht Fleischesser.
    Um mich rum sterben alle wie die Fliegen und ich bin immer noch da.
    Da sind viele Veganer dabei, aber auch Fleischesser.
    Woran das wohl liegt? Unterschiedliche Lebenszeit genetisch festgelegt?
    Wer heute geboren wird lebt länger. Da steht nicht: Wer heute geboren wird und kein Fleisch isst.
    Ich glaube jeder Studie, aber am liebsten meinen eigenen.

  3. Wenn man den allgemeinen Statistiken glauben darf, gibt es rund 10 % Vegetarier in Deutschland. Von diesen 10 % wiederum leben ca. 1 bis 2 Prozent nach eigenen Angaben vegan. Geht man von dieser – verhältnismäßig sehr geringen – Zahl aus, wundert es mich, dass um Sie herum u. a. „viele Veganer dabei sind“ bei all den vielen Menschen, die wie die Fliegen um Sie herum sterben. Selbst ich – als Mitglied von ProVeg und div. anderen veganen Organisationen – kenne nicht wirklich viele Veganer, gemessen an meinen Bekannten insgesamt. Also, bitte solche verwaschenen Aussagen sind nur persönliche Annahmen, weiter nichts. Aber es stimmt schon, ALLE Menschen sterben irgendwann, und die endgültige Lebenserwartung – unter gesündesteten Voraussetzungen – ist auch zum Großteil genetisch bestimmt. Was aber nichts darüber aussagt, welche Lebensweise und Ernährung letztlich die „gesündeste“ ist. Das zu beurteilen, sollte man vielleicht eher z. Bsp. studierten Ernährungswissenschaftlern überlassen. Zu denen ich weder Sie noch mich zähle.