Umweltrisiko Kontaktlinsen: Wie die Linsen zu Mikroplastik werden

Foto: © colourbox.de

Was passiert mit Kontaktlinsen, die nicht mehr getragen werden? Ein Teil davon landet wahrscheinlich als Mikroplastik in Gewässern und der Umwelt – weil die Kontaktlinsenträger bei der Entsorgung einen entscheidenden Fehler machen.

Millionen von Menschen tragen Kontaktlinsen – die Tages- und Monatslinsen sind jedoch schon nach kurzer Zeit ausgenutzt und müssen ersetzt werden. Auch wenn die Linsen klein sind, entsteht so hochgerechnet jede Menge Kunststoffmüll.

Rolf Halden von der Arizona State University in Tempe wollte wissen, was aus den vielen Kontaktlinsen wird. Mit seinen Kollegen führte er daher eine Studie durch. Die Ergebnisse beziehen sich zwar nur auf die USA, sind aber auch für uns aufschlussreich: Sie zeigen, wie aus den dünnen Linsen ein großes Umweltproblem werden kann.

Kontaktlinsen in Kläranlagen

Das Team befragte zunächst Kontaktlinsenträger und fand heraus, dass 15 bis 20 Prozent der Teilnehmer die Linsen im Waschbecken oder der Toilette herunterspülen. Schätzungsweise landen so in den USA zwischen sechs und zehn Tonnen Kunststofflinsen pro Jahr im Abwasser – und damit in den Kläranlagen.

Um herauszufinden, wie es in den Kläranlagen mit den Linsen weitergeht, führten die Wissenschaftler ein Experiment durch: Sie nahmen fünf Polymere, die in Kontaktlinsen vorkommen und setzten sie solchen Mikroorganismen aus, die in Kläranlagen eingesetzt werden. Polymere sind chemische Stoffe, die aus größeren Molekülen bestehen.

Das Ergebnis: Die Bakterien veränderten die Oberfläche der Kunststoffe und schwächten die Verbindungen in den Plastikpolymeren. Die Linsen zerfallen mit der Zeit in kleinere Teilchen – und am Ende wird aus ihnen: Mikroplastik.

Was ist die Lösung?

Mikroplastik
Kügelchen aus Mikroplastik. (Foto: 5Gyres / Oregon State University unter CC BY-SA 2.0)

Die winzigen Plastikpartikel kann selbst eine Kläranlage teilweise nicht mehr herausfiltern. Organismen im Wasser verwechseln Mikroplastik gerne mit Nahrung. So gelangt das Mikroplastik in verschiedene Nahrungsketten.

„Eine wünschenswerte Langzeitlösung wäre, Linsen aus Polymeren zu entwickeln, die während des Tragens stabil sind, und abbaubar, wenn sie in die Umwelt gelangen“, sagt Halden von der Arizona State University. Bis solche Kontaktlinsen entwickelt werden, sollte man darauf achten, benutzte Kontaktlinsen nicht einfach herunter zu spülen.

Kontaktlinsen richtig entsorgen

Wenn auf der Verpackung der Kontaktlinsen der grüne Recycling-Punkt abgedruckt ist, können sie in den gelben Sack, beziehungsweise Kunststoffmüll. Ansonsten gehören die benutzten Sehhilfen in den Hausmüll.

Wer die Wahl hat, sollte sich eher für Monats- als für Tageslinsen entscheiden, um Müll einzusparen. Noch sparsamer sind harte Linsen, sie sind bis zu zwei Jahre lang haltbar. Allerdings kann nicht jeder harte Linsen tragen, hier kommt es auf die Art des Sehfehlers an.

Weitere Informationen zum Thema Mikroplastik findest du auch in der Öko-Test-Ausgabe 11/18:

Mikroplastik-Artikel aus Öko-Test (ePaper)

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(1) Kommentar

  1. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bei Kontaktlinsen niemals an Mikroplastik gedacht habe. Ich benutze seit über 30 Jahren weiche Linsen, weil ich harte nicht vertrage. Ich habe 14-Tages-Linsen. Aber andererseits bin ich auch nie auf den Gedanken gekommen, die Linsen über die Toilette oder im Waschbecken zu entsorgen. Bei mir landen sie immer (!!) im Hausmüll. Ich bin extrem kurzsichtig . -11 und -12 Dioptrien.