Das erste Land der Welt führt komplett kostenlosen Nahverkehr ein

Foto: CC0 / Pixabay

Weniger Staus, weniger Autoabgase, bessere Luft – Luxemburg will als erstes Land der Welt den gesamten öffentlichen Nahverkehr kostenlos machen. Denn: Das kleine Land hat ein großes Problem.

Jetzt steht es fest: Ab dem 1. März 2020 kann man in Luxemburg kostenlos mit dem Bus, Zug und der Tram fahren. Das gilt nicht nur für die Einwohner, sondern auch für Touristen und Pendler aus den Nachbarländern. Nur Tickets für die 1. Klasse werden weiterhin etwas kosten.

Mit dem kostenlosen öffentlichen Nahverkehr erfüllt Premierminister Xavier Bettel sein Wahlkampfversprechen. Er hatte für seine Legislaturperiode Maßnahmen für mehr Umweltschutz angekündigt.

Jeder Autofahrer steht im Schnitt 33 Stunden im Stau

Der geplante kostenlose Nahverkehr soll aber noch ein anderes Problem lösen: Das immense Stauaufkommen des Landes. Luxemburg City, die Hauptstadt des Kleinstaats, hat eine der höchsten Verkehrsdichten der Welt. Laut einer Studie, auf die sich der britische „Guardian“ bezieht, standen Autofahrer dort im Jahr 2016 durchschnittlich 33 Stunden im Stau. Zwar leben in der Hauptstadt nur etwa 110.000 Menschen, täglich kommen aber 400.000 Pendler zum Arbeiten in die Stadt.

Insgesamt hat Luxemburg etwa 600.000 Einwohner. Dazu kommen täglich 200.000 Pendler aus den Nachbarländern über die Grenze: Deutschland, Belgien und Frankreich. Das ist ein ein Drittel der eigenen Bevölkerungsanzahl!

Schüler und junge Erwachsene fahren schon umsonst

Luxemburg versucht dem hohen Verkehrsaufkommen deshalb schon seit längerem entgegenzuwirken: Vergangenen Sommer beschloss die Regierung bereits kostenlosen Nahverkehr für Kinder und junge Erwachsene unter 20 Jahren. Schüler weiterführender Schulen können seitdem die öffentlichen Nahverkehrsmittel zwischen ihrem Zuhause und der Bildungseinrichtung kostenlos nutzen. Alle anderen zahlen zwei Euro für zwei Stunden Reisen. Das deckt in Luxemburg fast alle Wege ab: Das Land ist gerade mal knapp 2.600 Quadratkilometer groß, ein klein wenig größer also nur als das Saarland.

Kostenloser Nahverkehr in Deutschland

Auch in Deutschland gab es Anfang des Jahres die Idee, den Nahverkehr kostenlos zu machen, um der Luftverschmutzung entgegenzuwirken: Immer wieder werden Grenzwerte von Schadstoffen in der Luft überschritten – vor allem in den Großstädten ist die Luft besonders schlecht.

Die Stadt Augsburg ist schon einen Schritt weiter: Ab Mitte 2019 oder spätestens 2020 sollen alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Innenstadt kostenfrei sein.

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(14) Kommentare

  1. Man darf auf zwei Dinge gespannt sein:
    1. Ob das nicht nur ein Wahlkampf-Versprechen bleibt – schließlich muß ja das luxemburgische Parlament zustimmen.
    2. Sofern das Vorhaben in die Realität umgesetzt wird, ob es wirklich die erhofften Erfolge bringt.
    Es wäre schön, wenn Utopia es schafft, darüber fortlaufend zu berichten!

  2. Ist auf alle Fälle ein Schritt in die richtige Richtung. Hoffentlich wird es wirklich umgesetzt. Wenn es gut funktioniert, könnte dies als Vorbild für viele weitere Städte und Länder dienen.
    Tallinn /Estland ist im gratis benutzbaren öffentlichen Verkehr auch Vorreiter…

  3. „Das wäre doch fast nichts!“
    Dann würde es dich sicher auch nicht weiter stören, bei gleicher Bezahlung 4 Tage im Jahr mehr zu arbeiten oder weniger Urlaub zu haben?

  4. @ herby2222
    Begehe jetzt bloß nicht den Kardinalsfehler, auf den Kommentar von WernerMax einzugehen.
    Ich habe den Fehler mal gemacht und kann seitdem sagen:
    „… Oh die Geister die ich rief, werd‘ ich nicht mehr los!“

  5. Chapeau ! „Leider“ nur im „Kleinstaat“ Luxemburg!Aber vielleicht geschehen noch „Wunder“ ,dass andere Länder nachziehen,vielleicht „noch“ in diesem Jahrhundert?

  6. Eine Problematik ist mir dazu allerdings aufgefallen:
    Verträgt sich das mit den EU-Wettbewerbs- und Subventions-Regeln?
    Wenn dem so ist, dann steht der geplanten Einführung des kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs ja nichts entgegen und man darf gesannt sein, ob das die erhofften Erfolge bringt.

  7. kleiner Hinweis: Ich genieße, wie alle über 65jährigen (und Schulpflichtige) den kostenlosen ÖPNV in ganz Ungarn !!! seit Jahren. Das senkt in den Großstädten, wie Budapest, Miskolc oder Debrecen die Zahl der PKW enorm und für die, die sich sowieso kein Auto leisten können und von einer kleinen Rente leben erhält es die sozialen Kontakte mit Familie und Freunden.

  8. Es geht bei meiner Anmerkung ja auch nur um einen Hinweis, daß man dann eben nicht vernachlässigt, auch die Ergebnisse zu verfolgen und objektiv auszuwerten. Wie oft haben wir es schon erlebt, daß eine Sache eingeführt wurde und man dann nie wieder was davon gehört hat. Oder das Dinge klammheimlich, vertuscht und bemäntet (wieder) abgeschafft wurden, ohne daß die Öffentlichkeit davon Notitz genommen hätte. Das muß doch nicht sein – oder?

    Was mit den Altbatterien von Elekrto-Autos wird und ob das Konzept Elektro-Mobilität wirklich nachhaltig ist, die Frage habe ich mir auch schon mehrfach gestellt und auch schon mehrfach aufgeworfen. Nur habe ich dazu bisher keine logische und schlüssige Antwort gefunden oder bekommen. Schon gar nicht von den Möchtergern-Ökos und selbsternannten Weltverbesserern.
    Ich schicke Dir zum Thema auch mal einen nachdenklichen Artikel.

    https://www.golem.de/news/rohstoffe-woher-kommt-das-kobalt-fuer-die-e-auto-akkus-1901-138809.html

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