Marokko verbietet Plastiktüten

Plastikmüll im Meer und am Strand
Foto: "plastic bag nightmare 001 " von Zainub Razvi unter CC-BY-2.0

Mehr Plastiktüten als Marokko verbrauchen auf Erden nur noch die USA – der Umwelt zuliebe soll sich das jetzt ändern. Doch das Plastiktüten-Verbot hatte zunächst einen ganz und gar unerwünschten Effekt.

Die marokkanische Regierung hat ein seit 1. Juli geltendes Gesetz erlassen: Es verbietet die Produktion und Benutzung von Plastiktüten. Märkte und Läden sollen stattdessen auf alternative Materialien zurückgreifen, etwa Papiertüten und Stoffbeutel. Es gab gute Gründe für das Verbot: Marokkos Verbrauch an Plastiktragetaschen ist irrsinnig hoch.

Jeder Marokkaner verbraucht 900 Plastiktragetaschen im Jahr

Rund drei Milliarden Plastiktüten jährlich wurden nach Angaben der Regierung bisher verbraucht. Bei 34 Millionen Einwohnern sind das im Durchschnitt 900 Tüten pro Kopf! Zum Vergleich: in Deutschland zählen wir derzeit einen Verbrauch 76 Tüten pro Kopf im Jahr.

Marokkos Straßen und Strände sind folglich häufig zugemüllt mit Plastikbeuteln aller Art. Das neue Verbot soll das ändern. Wie Aljazeera berichtet, trifft das Verbot bei Konsumenten derzeit aber noch auf wenig Verständnis. Die Bevölkerung sei zu wenig für das Plastiktütenproblem sensibilisiert.

Geschäfte und Straßenhändler decken sich mit Plastiktüten ein

Erst in den letzten Wochen hat man große Aufklärungskampagnen gestartet. Umweltverbände rechnen damit, dass es Jahre brauchen wird, bis die Menschen dem Plastiktütenverbot entsprechend handeln.

Unerwünschter Soforteffekt: In der Woche, bevor das Gesetz in Kraft trat, deckten sich marokkanische Geschäfte und Straßenhändler nochmal „nachhaltig“ mit Tüten aus Plastik ein.

Marokko ist nicht das erste afrikanische Land, das versucht, den Verbrauch von Plastiktüten durch gesetzliche Regelungen zu reduzieren. So traten unter anderem in Südafrika, Uganda, Somalia und Ruanda Besteuerungen oder Verbote in Kraft.

Auch in Deutschland naht das Ende der Plastiktüte, sie wird zum Auslaufmodell. Unternehmen wie Rewe, Karstadt, H&M, dm erheben Gebühren dafür und reduzieren so ihren Verbrauch, ganz generell will Deutschland sie abschaffen – umgesetzt wird dabei eine EU-Richtlinie.

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(7) Kommentare

  1. schon seit über 3 Jahren nähe ich aus vorhandenem Material (Jeans, Dekostoffen, Oberhemden usw.), das ich geschenkt bekomme, und zwar in Massen, Stofftaschen. Ich gebe sie kostenfrei an Verteiler ab. Diese geben sie wiederum an Kunden gegen eine Spende ab 2 Euro ab. Die Spenden kommen Einrichtungen wie z. B. Tierheimen usw. zugute. Ich nähe, weil ich es kann und weil ich Freude daran habe. Ich gebe sie kostenfrei ab, weil es mir gut geht in diesem Land und ich etwas zurückgeben möchte. Stoffe usw. müssen nicht im Reißwolf landen, sie können in Form von Stofftaschen ein zweites Leben und nachhaltiges Leben bekommen

  2. WOW, das finde ich super. Gibt es noch andere die das machen? Wie könnte man dieser guten Idee und Umsetzung eine größere Verbreitung schaffen?

    Weiterhin viel Erfolg und meinen Respekt!

    Dieter Bufe

  3. eine größere Verbreitung kann man damit erreichen, wenn die Plastiktüten so teuer werden, dass man für den Preis nachhaltigere Taschen kaufen kann. Das Verbot müsste auch für Papiertüten gelten.

  4. Sehr gut, dass Marroko versucht das Nutzen von Plastikbeutel zu reduzieren. Gut ist auch, dass viele Geschäfte in Deutschland nun für Plastikbeutel ein Entgelt verlangen.

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