McDonald’s, Burger King, Iglo & Co.: Chicken Nuggets fallen bei Öko-Test fast ausnahmslos durch

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Öko-Test hat Chicken Nuggets getestet: Abgesehen von antibiotikaresistenten Keimen, Fettschadstoffen und Mineralöl im Fleisch schockieren vor allem die Produktionsbedingungen, unter denen nicht nur die Hühner leiden.

Chicken Nuggets sind weder gesund, noch werden sie nachhaltig produziert. So weit, so wenig überraschend. In welchem Ausmaß das der Fall ist, verdeutlicht nun aber nochmal das Testergebnis des Verbrauchermaganzins Öko-Test. Eines vorweg: Fast alle getesteten Produkte fallen durch. Das beste Ergebnis erhält ein Bio-Anbieter, auch hier reicht es allerdings nur zu einem „befriedigend“

Getestet wurden neben den Chicken Nuggets der Fast-Food-Ketten McDonald’s, Burger King und Kentucky Fried Chicken auch elf Tiefkühlprodukte, darunter zwei in Bio-Qualität.

Billigfleisch aus Thailand, Brasilien, der Ukraine – weil deutsches Billigfleisch nicht billig genug ist

Viele der getesteten Produkte stammen aus Thailand, Brasilien oder der Ukraine, weil Hühnchenfleisch hier noch billiger produziert wird als in Deutschland. Das ist möglich, weil die Menschen in in den Schlachthöfen schlechter bezahlt werden und auch noch länger arbeiten.

Zudem sind auch die Haltungsbedingungen der Hühner katastrophal. Öko-Test hat deshalb nicht nur die Inhaltsstoffe bewertet, sondern auch Herkunft, Haltung und die Transparenz in der Lieferkette.

Tierhaltung: Turbomast, Genfutter, Antibiotika

Die Realität in der konventionellen Massentierhaltung sieht düster aus: Hühner werden in etwas mehr als einem Monat auf zwei Kilogramm Körpergewicht gemästet. Rassen wie Cobb 500 und Ross 308, die bei McDonalds in der Pappschachtel landen, sind so gezüchtet, dass sie möglichst schnell wachsen. Skelettschäden, Bewegungsunfähigkeit und ein fehlendes Sättigungsgefühl sind die Folge.

Massentierhaltung: Geflügelzucht, Hühner
In der Massentierhaltung hat ein Huhn nicht einmal so viel Platz wie eine DIN A4 Seite zur Verfügung. (Foto: © chris74 - Fotolia.com)

Die Tiere fressen gentechnisch verändertes Soja und bekommen häufig Antibiotika verabreicht. Letzteres wird oft sogar prophylaktisch zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt, die sich in der Massentierhaltung schnell ausbreiten können. Die Hühner stehen in den engen Megaställen oft in ihrem eigenen Mist, die Einstreu wird viel zu selten erneuert, schreibt Öko-Test.

Bis zu 136.960 Hühner leben in den Betrieben in Europa, Brasilien oder Thailand. In den Ställen sehen sie weder Tageslicht, noch gibt es Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere. Strohballen oder Sitzstangen hätten aber wohl sowieso keinen Platz – auf einem Quadratmeter leben bis zu 20 Hühner. Das ist weniger als eine DIN A4 Seite pro Huhn.

Bio-Hühnern geht es ein bisschen besser

Bio-Hühner dürfen gemäß EU-Richtlinien zwei bis drei Wochen länger leben, Genfutter ist hier verboten. Antibiotika dürfen in der Bio-Haltung nicht präventiv, sondern nur in Einzelfällen zur gezielten Behandlung von Krankheiten gegeben werden. Und: Die Bio-Hühner im Test haben immerhin doppelt so viel Platz wie ihre konventionellen Leidensgenossen.

Das Testergebnis: Tierhaltung und Transparenz

  • Eines der beiden Bio-Produkte schafft es bei den Haltungsbedingungen auf ein „gut“, die „Bio Cool Chicken Nuggets“ von Ökofrost. Die Hühner dieses Herstellers dürfen laut Öko-Test immerhin regelmäßig nach draußen ans Tageslicht.
  • Alle konventionellen Produkte fallen durch. Nur ein Hersteller war bereit, die Haltungsbedingungen der Tiere offen zu legen: Die Lidl-Nuggets erhalten wegen der Transparenz ein ausreichend – die Bedingungen selbst bleiben ungenügend.

Inhaltstoffe: antibiotikaresistente Keime, Fettschadstoffe und Mineralöl

Öko-Test hat bei den Inhaltstoffen der Chicken Nuggets auf Fettschadstoffe und Verunreinigungen mit Mineralöl getestet. Der Schwerpunkt der Untersuchung lag aber auf Keimen im Fleisch.

Als besonders bedenklich stuft Öko-Test antibiotikaresistente Keime ein. Der Grund: Je mehr Antibiotika im Tierfutter landen, desto höher das Risiko, dass sich antibiotikaresistente Keime bilden und desto mehr Antibiotika verlieren ihre Wirksamkeit – selbstverständlich auch bei uns Menschen.

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Bei Burger King gibt’s mehr Panade als Fleisch. Testurteil: ungenügend. (Foto: Utopia.de)

Testergebnis Inhaltsstoffe: von ausreichend bis ungenügend

  • In den „Tip Chicken Chips“ von Real, in den „Gut & Günstig Chicken Nuggets“ von Edeka und in den „Gutknecht Hähnchen Nuggets“ von Lidl stecken antibiotikaresistente Keime, sie schneiden nur „ausreichend“ und „ungenügend“ ab.
  • Die King Nuggets von Burger King waren mit Enterobakterien belastet, die bei empfindlichen Menschen Durchfallerkrankungen verursachen können.
  • Listerien steckten in den „Gut & Günstig Chicken Nuggets“ von Edeka. Dieser typische Fleisch- und Rohmilchkeim kann besonders für Schwangere und ihre ungeborenen Babys gefährlich sein. Beide bekommen das Testergebnis „ungenügend“.
  • Besonders stark mit Fettschadstoffen belastet sind die „Iglo Chicken Nuggets Classic“ und die „Ja! Chicken Nuggets“ von Rewe. Diese können erbgutschädigend und möglicherweise krebserregend wirken; die Produkte sind ebenfalls beide „ungenügend“.
  • In vier Produkten fanden die Tester Mineralöl-Rückstände. Diese können sich im Körper anreichern und Organe wie die Leber schädigen.
  • Die größte Mogelpackung bekommt man bei Burger King: Die Chicken Nuggets der Fast-Food-Kette bestehen überwiegend aus Panade statt aus Fleisch.

Viele Produkte, allen voran die von McDonald’s, Burger King und Kentucky Fried Chicken, enthalten zudem zu viel Salz. Bofrost und McDonald’s verwenden außerdem unnötige Phosphate. Zu viel von dem Konservierungsmittel kann laut Öko-Test den Nieren schaden und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Fazit: Bio-Chicken-Nuggets sind besser – aber noch lange nicht gut

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Öko-Test rät: auf Produkte, die nur Hähnchenbrust enthalten, sollte man verzichten. (Foto: Utopia.de)

Konventionelle Chicken Nuggets, vor allem die der Fast-Food-Ketten McDonald’s, Burger King und Co., sind mit Schadstoffen, Keimen und Mineralöl belastet, stammen aus miserabler Tierhaltung und legen auch noch lange Transportwege zurück; sie sind daher nicht zu empfehlen.

Bio-Nuggets schneiden etwas besser ab, wer nicht darauf verzichten mag, richtet hiermit etwas weniger Schaden an. Die Haltungsbedingungen der Tiere sind ein bisschen besser und auch bei den Inhaltsstoffen schneiden die Produkte besser ab. Generell sollten die Chicken Nuggets vor dem Verzehr richtig durchgegart werden, denn wie allgemein bei Hühnerfleisch können unerwünschte Keime immer ein Problem sein.

Öko-Test 11/2017
Öko-Test 11/2017 (© Öko-Test)

Von Produkten, die damit werben, nur Fleisch aus der Hähnchenbrust zu enthalten, rät Öko-Test ab. Das Problem: Wird in den Produkten nur Brustfleisch verwendet, landet der Rest der Hühner häufig in Afrika. Händler in Ghana, Liberia und Kongo bieten Schenkel, Flügel und Innereien zu Dumpingpreisen an, mit denen lokale Bauern nicht mithalten können.

  • Den ganzen Test gibt es ab 26.10. im Öko-Test Heft 11/2017 und bei www.oekotest.de

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(2) Kommentare

  1. Bio-Hühner haben doppelt so viel Platz wie ihre konventionellen „Leidgenossen“ (passendes Wort…)? Wow. Das heißt, sie haben knapp zwei DIN-A4-Seiten Lebensraum zu Verfügung? Super. Beneidenswerte Tierchen.

  2. Frau Kunz, danke für den vertieften/umfangreichen Artikel. So würde TTIP aussehen, wenn dieser zustande gekommen wäre! Diese 3 US-Konzerne lachen sich schlapp, wie sie mit Abfällen, Geschmacksverstärkern uvam Umsätze sowie Gewinne generieren auf Kosten der Gesundheit. Und was macht unsere G-Behörde? Auf Utopia-Artikel warten? Nein: Paragrafen reiten, auf aktuelle Gesetze verweisen und es ist ja alles nicht soo schlimm. Ein wunderbarer Satz (eines bekannten Verstorbenen) kommt mir in den Sinn): Schuld trägt nur derjenige, der sie durch Taten und Unterlassungen auf sich geladen hat. Man sollte diese Drecksnahrung per sofort aus dem Verkehr ziehen. Ich will es so vergleichen (blöder Vergleich, aber..): Ein Auto mit diversen Mängel würde nie und nimmer in Verkehr gebracht. Ein Hinweis an die Konzernbosse: Stellt doch mit eigenem Geld Videokameras in den Hühnerfabriken auf und sie/wir als Konsument/en können dann „live“ alles mit ansehen. Wäre ja ein Klacks oder kostet dies zuviel Geld? Wir werden ja auch überall -öffentlich- überwacht, wo liegt das Problem meine Herren? Zum Glück haben wir vor 30 Jahren das letzte Mal ein Burgerrestaurant aufgesucht. Wir sind kuriert. Gute gesunde (BIO-) Ernährung ersetzt den Arzt resp. Apotheker. Und nachdem meine Frau (mit ayurv.Praxis) mich mit einem Analysegerät (ca. 250 Parameter werden gemessen) testen kann, sind mir meine geliebten Fischferien an der Adria versaut worden (u.a. zuviel Quecksilber und Blei). Das ist ein anderes Thema. Ein Satz von mir nach eigenen Tests und Selbstversuchen (auch über und wegen dem Sport): Krankheiten kommen nicht vom lieben Gott, Krankheiten hat man schon selber verursacht.

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